Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Ina Fuchshuber
Fach: Buchwissenschaft
Details
Tags: Buchmarkt, Jahre, Deutschland
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 299 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45598-5
ISBN (Buch): 978-3-638-86880-8
Zusammenfassung / Abstract
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und der Restauration eines patriarchalisch-autoritären Systems begannen in den 1960er Jahren allen voran die Studenten eine Aufarbeitung des Nationalsozialismus und einen generellen Wandel überkommener gesellschaftlicher Strukturen in Arbeitswelt, Familie, Kirche und Staat zu fordern. Die sozialistische Studentenbewegung kritisierte auch die bürgerlichen Massenmedien und den Buchmarkt - bisher Bastion tradierter Strukturen - und suchte ihrerseits ein publizistisches Sprachrohr um die Presse zu demokratisieren und (linkes) Bildungsgut jedermann zugänglich zu machen. Viele etablierte Verlage verweigerten sich aber der sozialistischen Idee. Diese Konstellation führte dazu, dass sich die Bewegung zum Handeln gezwungen sah und mit alternativen, selbstorganisierten Verlags- und Buchhandelsformen den Buchmarkt revolutionierte. Die radikalsten Veränderungen im deutschen Buchmarkt durch die sozialistische Bewegung in den 60er und 70er Jahren waren - die neue Raubdruckerbewegung - die alternativen Verlagsformen - und der linke Buchhandel mit seinen Buchmessen. Diese Phänomene behandelt diese Arbeit und stellt sich abschließend der Fragen, wie viel des Geistes der 1960er bis heute im Buchmarkt überlebt hat.
Textauszug (computergeneriert)
Der oppositionelle Buchmarkt der
1960er und 1970er Jahre in Deutschland
von: Ina Hitzenauer
Sommersemester 2005
Inhaltsverzeichnis
1 Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund des „oppositionellen Buchmarkts“ S. 1
2 Die Raubdruckerbewegung S. 2
3 Alternative Verlagslandschaft S. 4
3.1 Neue Verlagskonzepte S. 4
3.2 Der Verlag Klaus Wagenbach S. 5
3.3 Der Verlag der Autoren S. 6
4 Der linke Buchhandel S. 9
4.1 Sortiments- und Zwischenbuchhandel sowie andere Vertriebswege S. 9
4.2 Verband des linken Buchhandels S. 10
5 Buchmessen alternativer Verlage S. 12
6 Der „Geist der 68er“ - Auswirkungen damals und bis in die heutige Zeit S. 14
Literaturverzeichnis S. 16
Internetverzeichnis S. 17
1 Politischer und gesellschaftlicher Hintergrund des „oppositionellen Buchmarkts“
Die 1960er gelten in der bundesrepublikanischen Geschichte als Jahrzehnt der politischen Unruhen und des gesellschaftlichen Umbruchs: Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und der Restauration eines patriarchalisch-autoritären Systems begann nun die Generation, die noch während des Krieges oder schon danach geboren worden war, das saturierte Leben ihrer Eltern im neu gewonnenen Wohlstand in Frage zu stellen. Vor allem Studenten forderten eine Aufarbeitung des Nationalsozialismus und einen generellen Wandel überkommener gesellschaftlicher Strukturen in Arbeitswelt, Familie, Kirche und Staat. Mit den einschneidenden Veränderungen in Politik und Gesellschaft musste auch im Buchmarkt – bisher Bastion tradierter und überholter Strukturen – ein Wandel vollzogen werden: Die sozialistische Studentenbewegung kritisierte die bürgerlichen Massenmedien und suchte ihrerseits ein publizistisches Sprachrohr um die Presse zu demokratisieren. Zudem wollte sie (linkes) Bildungsgut jedermann zugänglich machen. Viele etablierte Verlage verweigerten sich aber der sozialistischen Idee. Einige Verlage und Buchhandlungen versuchten zwar mit dieser Entwicklung - durch neue Programme oder ein verändertes Sortiment - Schritt zu halten, konnten aber oft schon allein wegen ihrer kapitalistischen und konservativen Strukturen kein adäquater Partner der Studentenbewegung sein. Diese Konstellation führte dazu, dass sich die Bewegung zum Handeln gezwungen sah und mit alternativen, selbstorganisierten Verlags- und Buchhandelsformen den Buchmarkt revolutionierte.
Die radikalsten Veränderungen im deutschen Buchmarkt durch die sozialistische Bewegung in den 60er und 70er Jahren, wie die neue Raubdruckerbewegung, die alternativen Verlagsformen und der linke Buchhandel mit seinen Buchmessen sollen in dieser Arbeit im Rahmen des Seminars „Der Buchmarkt in den 60er Jahren“ skizziert werden. Behandelt werden also ausschließlich Entwicklungen, die auf eine Korrelation zur linken Bewegung bzw. Studentenbewegung schließen lassen. Die Literatur und Literaturdiskussion in der Bewegung wird – obwohl natürlich auch sie den Buchmarkt beeinflusste – jedoch weitgehend außer Acht gelassen. Abschließend stellt sich die Frage, wie viel des Geistes der 1960er bis heute im Buchmarkt überlebt hat.
2 Die Raubdruckerbewegung
Für die Studentenbewegung war es elementar für den aktuellen Gebrauch in Lese-, Studien- und Diskussionsgruppen Raubdrucke von Schriften herzustellen, die zu dieser Zeit nicht oder nur schwer auf dem normalen Wege aus Bibliotheken oder aus dem Buchhandel zu beschaffen waren. Bereits seit den frühen 1960er Jahren existierten deshalb u.a. Raubdrucke von Werken von Adorno, Horkheimer oder Marcuse. Diese „sozialisierte[n] Drucke und Reprints“1 – wie die Raubdrucke von der linken Bewegung genannt wurden – wurden mit fotomechanischen Verfahren so günstig wie möglich hergestellt. Copyrights oder Urheberrechte fanden dabei keine Beachtung.2 Ein Großteil der sozialisierten Drucke war nach geltendem Recht illegal, viele Nachdrucker stützten sich aber auf die These, dass „(...) der Urheber grundsätzlich dort im Interesse der Allgemeinheit freien Zugang zu seinem Werk gewähren müsse, wo dies unmittelbar der Förderung der geistigen und kulturellen Werte diene, die ihrerseits Grundlage für sein Wertschaffen seien.“3 Was für die Schulbuchverlage galt, so meinten sie, müsse auch für sie gelten. Andererseits wurden aber auch Absprachen mit den etablierten Verlagen getroffen, oder Lizenzen von den Rechteinhabern vergeben.4
Oft entstanden Drucke aus der Notwendigkeit heraus, dass Titel vergriffen waren und kein Verlag eine Neuauflage drucken wollte. Auch waren nach Ansicht einiger Nachdrucker Texte von Autoren wie Walter Benjamin bewusst unterschlagen oder nur unzureichend, da unvollständig oder zerstückelt, editiert worden, was ihrer Meinung nach einen „korrekten Nachdruck“ rechtfertigte.5 Daneben wurden wichtige Grundlagentexte, die von den Autoren zurückgehalten wurden, weil sie dem Stand der gegenwärtigen Entwicklung ihrer Ansicht nach nicht mehr entsprachen, von den Raubdruckern reproduziert.6 Primär ging es den Druckern also darum, den aus der NS-Herrschaft und dem kalten Krieg entstandenen Mangel an grundlegenden Werken der marxistischen Theorie, der Geschichte der Arbeiterbewegung sowie sozialistischen und psychoanalytischen wissenschaftlichen Werken zu beheben.7 Beispielhaft sind hier die Zeitschriften-Reprints des Archivs für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung anzuführen.8 Ein sekundärer aber wichtiger Grund war die preiskorrigierende Funktion der Nachdrucke: So wurde auch weniger bemittelten Gesellschaftsschichten – wie z.B. Schülern und Studenten – der Zugang zu wissenschaftlichen Schriften ermöglicht.9
Die Münchner Tagung der Literaturproduzenten definierte die Nachdrucke „(...) als Protest gegen die kapitalistische Verwertung und Monopolisierung von Kollektiveigentum; als zeitweise wirksames Gegenmittel gegen die Manipulation der Literatur durch Selektion und Unterschlagung; als eine Voraussetzung zur Bildung sozialistischer Kultur und proletarischen Klassenbewußtseins.“10
[...]
1 Götz von Olenhusen, Albrecht: Aufklärung durch Aktion – Kollektiv-Verlage und Raubdruck. In: Estermann, Monika; Lersch, Edgar (Hgg.): Buch, Buchhandel, Rundfunk, 1968 und die Folgen. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2003, S.196 f
2 Ders.: Schwarze Kunst und rote Bücher. Zur Produktion von Raubdrucken in der Bundesrepublik. In: Widmann, Hans (Hg.): Gutenberg Jahrbuch 1972. Mainz: Verlag der Gutenberg-Gesellschaft 1972, S. 278
3 Götz von Olenhusen, Albrecht: Schwarze Kunst und rote Bücher, S. 274 f
4 Götz von Olenhusen, Albrecht: Schwarze Kunst und rote Bücher, S. 276
5 Götz von Olenhusen, Albrecht: Aufklärung durch Aktion – Kollektiv-Verlage und Raubdruck, S. 196 - 212
6 http://de.wikipedia.org/wiki/Raubdruck 3.8.05
7 Götz von Olenhusen, Albrecht: Schwarze Kunst und rote Bücher. S. 274 f
8 http://www.bsz-bw.de/depot/media/3400000/3421000/3421308/98_0087.html 2.8.05
9 ebd.
10 Volpers, Helmut: Alternative Kleinverlage in der Bundesrepublik Deutschland. Göttingen: Davids Drucke 1986, S. 37
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: