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Korrespondenzen zwischen Symbolik und Figurenpsychologie in Gerhart Hauptmanns "Bahnwärter Thiel"

Termpaper, 2005, 14 Pages
Author: Simona Kirpal
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 14
Grade: sehr gut (1,0)
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V49081
ISBN (E-book): 978-3-638-45617-3
ISBN (Book): 978-3-638-75113-1
File size: 220 KB
Notes :
Kommentar der Dozentin: "Eine sehr detaillierte Analyse der Symbolik und der Figurenpsychologie. Sprachlich-stilistisch ist die Arbeit sehr erfreulich. Auch gelingt die Integration der Positionen der Sekundärliteratur in die eigenen Betrachtungen."


Abstract

Gerhart Hauptmanns novellistische Studie Bahnwärter Thiel thematisiert die Gefahren der industriellen Technologie zur Zeit des Naturalismus. Die vorliegende Arbeit nimmt eine epochale Einordnung von Hauptmanns Novelle vor, wobei nachgewiesen wird, dass es sich dabei nicht um einen rein naturalistischen Text handelt. Im Weiteren erfolgt eine Charakterisierung der Titelfigur im Hinblick auf ihre psychologische Entwicklung und eine Analyse der Symbolik in der Darstellung von Natur und Technik in der Novelle. Abschließend wird untersucht, inwiefern die Bilder aus Natur und Technik das Innenleben des Bahnwärters spiegeln. Kommentar der Dozentin: "Eine sehr detaillierte Analyse der Symbolik und der Figurenpsychologie. Sprachlich-stilistisch ist die Arbeit sehr erfreulich. Auch gelingt die Integration der Positionen der Sekundärliteratur in die eigenen Betrachtungen."


Excerpt (computer-generated)

Korrespondenzen zwischen Symbolik und
Figurenpsychologie in Gerhart Hauptmanns
Bahnwärter Thiel

von: Simona Kirpal

 


I. Einleitung  2

II. Bahnwärter Thiel – Ein (nicht nur) naturalistischer Text  2

III. Figurenpsychologie der Titelfigur  5

IV: Symbolik in Natur und Technik  8

IV.1: Darstellung der Natur  8
IV.2.: Darstellung der Technik  10

V. Korrespondenzen zwischen Symbolik und Figurenpsychologie  11

VI. Fazit  14

VII. Literatur  15




 

I. Einleitung

Die Industrialisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert war prägend für das Leben der Menschen dieser Zeit. Die veränderten Lebensbedingungen wurden von den Künstlern aufgegriffen. Gerhart Hauptmanns novellistische Studie Bahnwärter Thiel thematisiert die Gefahren der industriellen Technologie zur Zeit des Naturalismus.

Das zweite Kapitel der vorliegenden Arbeit nimmt eine epochale Einordnung von Hauptmanns Novelle vor, wobei nachgewiesen wird, dass es sich dabei nicht um einen rein naturalistischen Text handelt. Im Weiteren erfolgt eine Charakterisierung der Titelfigur im Hinblick auf ihre psychologische Entwicklung und eine Analyse der Symbolik in der Darstellung von Natur und Technik in der Novelle. Abschließend wird untersucht, inwiefern die Bilder aus Natur und Technik das Innenleben des Bahnwärters spiegeln.

II. Bahnwärter Thiel – Ein (nicht nur) naturalistischer Text

Die literarische Epoche des Naturalismus (ca. 1880-1900) zeichnete sich aus durch die naturgetreue Abbildung der Wirklichkeit ohne Stilisierung oder metaphysische Erhöhung. Die Naturalisten forderten eine von der Wahrheit durchdrungene Literatur, sie forderten Lebensnähe von der Kunst und komplexe Darstellung des Lebens ohne Idealisierungen. Die Alltagsrealität sollte mö glichst objektiv dargestellt werden, ohne Manipulation durch Erzählerfiguren. Die Kunst orientierte sich an wissenschaftlichem Positivismus und einem naturwissenschaftlich geprägten Weltbild. Das literarische Werk sollte ein naturwissenschaftliches Experiment sein, in dem der Schriftsteller die menschliche Maschine auseinander nimmt. Die Literatur findet ihre wissenschaftliche Legitimation in Evolutionstheorie, Determinismus, Kausalität und Objektivität; evolutionäre Mechanismen werden nachgeahmt. Inhaltlich geht es häufig um Scheiternde, denen die gesellschaftliche Anpassung nicht gelingt. Im Naturalismus werden erstmals die unteren Schichten literaturfähig, der Mensch wird in seiner Abhängigkeit von ökonomischen, sozialen und familiären Bindungen dargestellt. Häufig ist in naturalistischer Literatur die Darstellung sozialer Unterschichten im Sekundenstil.1

Gerhart Hauptmanns 1888 erschienene Novelle Bahnwärter Thiel weist wesentliche Elemente des Naturalismus auf. Sie behandelt die Determiniertheit menschlichen Lebens, die Titelfigur ist schicksalhaft in ihrer Passivität gefangen. Das Leben des Bahnwärters nimmt seinen vorherbestimmten Lauf, die drohende Gefahr durch die Züge wird bereits auf der ersten Seite angedeutet. Die Novelle ist eine Milieustudie ohne subjektive Kommentare eines Erzählers, besonders Anfang und Ende sind in sehr sachlichem Stil gehalten. Ansätze der Vererbungslehre zeigen sich in der Figur des kleinen Tobias, der die kränkelnde Gestalt seiner verstorbenen Mutter und die innerlichen Schwächen beider Eltern in sich trägt2. Bei E. Hilscher heißt es dazu:

"In der Novelle kann man viele Merkmale des naturalistischen Themenkatalogs wiedererkennen: die schicksalhafte Passivität einer plebejischen Zentralgestalt, Vererbungsprobleme, Triebhaftigkeit, Milieugebundenheit, eine naturwissenschaftlich exakte Krankheitsanalyse und eine sehr detailliert beschreibende Erzählweise, die kaum über den Standort der Beteiligten hinausgeht."3

Die Verknüpfung der Beschreibung der Außenwelt mit der psychologischen Innenwelt der Titelfigur war eine Neuerung des Naturalismus, die es so in realistischen Erzählformen zuvor nicht gegeben hat, ebenso neu war das Motiv einer Abhängigkeit durch sexuelle Triebsteuerung.

Des weiteren war die Eisenbahn ein beliebtes Motiv des Naturalismus, der ersten Kunstströmung der industriellen Gesellschaft, wobei besonders Hauptmann erstmals auf die Gefahren der neuartigen Technologie verweist:

[...]


1 Vgl. (?)megac, Viktor (Hrsg.): Kleine Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin 1981. S. 220-227.

2 Vgl. Böckmann, Paul: Der Naturalismus Gerhart Hauptmanns. In: Gerhart Hauptmann. Wege der Forschung. Darmstadt 1976. S. 217 - 249

3 Hilscher, Eberhard: Gerhard Hauptmann. Berlin 1969. S. 100.


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