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Autor: Sarah Trede
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Sem. f. Allg. Rhetorik)
Tags: Verhältnis, Text, Bild, Karikaturen, Satirezeitschrift, Karikatur, Kunst
Jahr: 2004
Seiten: 18
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 227 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45638-8
Textauszug (computergeneriert)
Eberhard-Karls-Universität Tübingen WS 2003/04
Hauptseminar: Die Karikatur als rhetorische Kunst betrachtet
7. Semester
Das Verhältnis von Text und Bild in Karikaturen
der Satirezeitschrift pardon
von: Sarah Trede
Inhalt
1. Einleitung 2
2. Die Satirezeitschrift „pardon“ 3
3. Analyse von Karikaturen unter rhetorischen Gesichtspunkten 5
3.1. „Unter Geiern“ von Rainer Hachfeldt 5
3.2. „Hier lacht der Blockwart“ von Papan 11
3.3. „Geständnis eines Intellektuellen“ von Chlodwig Poth 13
4. Zusammenfassung und Schlußbemerkungen 15
5. Literaturverzeichnis 17
Anhang: Verwendete Karikaturen
1. Einleitung
Robert Gernhardt beschreibt in seinem Buch „Letzte Ölung“ einen, seiner Meinung nach, äußerst wichtigen Unterschied zwischen der Satirezeitschrift „pardon“ und anderen Satiremagazinen folgendermaßen: Die Mitglieder der „pardon“-Redaktion lieferten nicht, wie dies beispielsweise beim damals einzigen weiteren Satiremagazin „Simplicissimus“ der Fall war, nur die Karikatur und ein anderer Mitarbeiter schrieb den entsprechenden Text dazu, oder zeichneten umgekehrt zu einem vorgegebenen Thema, sondern sie taten beides: „Schreiben und Zeichnen.“1 Und diese Tatsache sieht Gernhardt, eines der bekanntesten Mitglieder der „Neuen Frankfurter Schule“, der von Anfang an in der „pardon“- Redaktion dabei war, als einen Hauptauslöser für den Erfolg des Magazins in seiner Anfangszeit an. Dadurch, daß die Karikatur und der dazugehörige Text aus einer Quelle stammten und sich somit optimal ergänzten, funktionierten die „pardon“-Karikaturen, seiner Ansicht nach, besser, waren also witziger als die der Konkurrenzzeitschriften.
Diese Ansicht möchte ich als Ausgangspunkt meiner folgenden Arbeit nehmen und überprüfen. Dazu werde ich einzelne Karikaturen, die aus Text und Bild bestehen einer Analyse, auch unter rhetorischen Gesichtspunkten, unterziehen, um festzustellen in welcher Weise Text und Bild sich aufeinander beziehen und wie das Zusammenspiel zwischen ihnen im Detail funktioniert. Dadurch soll dann geklärt werden, ob es wirklich von solcher Wichtigkeit ist, daß Text und Bild sich möglichst gut ergänzen, oder ob die Karikatur in den untersuchten Fällen möglicherweise auch ohne den dazugehörigen Text ihren Zweck erreichen und auf den Rezipienten eine komische Wirkung erzielen kann. Oder ob sogar nur der, zur Kariktur gehörige, Text für sich allein schon witzig sein kann. Ich werde daher die Vielzahl, der in „pardon“ auftauchenden Genres auf Karikaturen mit zugehörigem Text beschränken, auch weil die Karikatur das zentrale Thema dieses Seminars ist, und daher nicht auf die häufig vorkommenden Formen von reiner Textsatire oder Fotodokumentationen eingehen. Um aber trotzdem einen Überblick üb er die Vielseitigkeit der Beiträge in „pardon“ zu geben, werde ich anfangs kurz die Besonderheiten des typ ischen Stils der Zeitschrift und den Hintergrund ihrer Entstehung erläutern.
2. Die Satirezeitschrift „pardon“
In der Mitte der fünfziger Jahre sind die Kabaretts das quasi einzige Forum für Humor und Satire. Es existiert zwar noch die Zeitschrift „Simplicissimus“, die jedoch den Zeitgeist nicht mehr trifft und daher ihren Lesern wenig Provokantes und Neues bieten kann. Dazu kommt, daß das Image des „Simplicissimus“ dadurch beschädigt wurde, daß er sich in den Kriegsjahren von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda mißbrauchen ließ, wodurch er für viele Menschen vor allem der jüngeren Generation uninteressant geworden ist. Durch diese, in Deutschland vorhandene, Lücke auf dem Zeitschriftenmarkt und die Tatsache, daß in Frankreich und den USA die Satirezeitschriften „Harakiri“ und „Mad“ äußerst populär sind, spielt der Verleger Hans A. Nikel vom Verlag Bärmeier & Nikel gegen Ende der fünfziger Jahre mit dem Gedanken, eine eigene Satirezeitschrift herauszubringen. Da er in seinem Verlag bereits eine komische Buchreihe namens „Schmunzelbücher“ herausgibt, hat er Kontakte zu diversen Karikaturisten und Satirikern und trifft sich ab 1958 mit Kurt Halbritter, Chlodwig Poth und Hans Traxler, um die neue Zeitschrift zu planen.
Schließlich kommt 1961 eine, von Loriot gezeichnete, Nullnummer heraus und im Juli 1962 erscheint dann die erste Ausgabe von „pardon“. Um die Gründungsmitglieder von „pardon“ herum entsteht auch die Satirikergruppe der „Neuen Frankfurter Schule“, denn der Verleger, der bei seiner Zeitschrift auch als Chefredakteur fungiert, holt nach und nach deren weitere Mitglieder wie Gernhardt, Bernstein, Knorr und Henscheid in seine Redaktion. In ihrer Anfangszeit ist die Zeitschrift ein großer Erfolg und bewirkt eine Spaltung der satirischen Presselandschaft: „Der ‚Simplicissimus’ steht für das Bestreben nach historischer Kontinuität und Tradition, ‚Pardon’ hingegen für den Wunsch nach Erneuerung, nach Rebellion gegen die Vätergeneration.“2 Der Erfolg des neuen Magazins hängt einerseits damit zusammen, daß in „pardon“ zahlreiche sexuelle und gesellschaftliche Tabus gebrochen werden, wodurch das Blatt für die junge Generation einen Kultstatus erreicht, den es bis heute innehat. Nicht ohne Grund wurde gerade noch einmal ein Versuch unternommen, die Zeitschrift wieder aufleben zu lassen. Andererseits war auch für den Erfolg ausschlaggebend, daß dem Redaktionsteam zu Beginn weitestgehend freie Hand bei der Heftgestaltung gelassen wird. Durch die unabhä ngige kreative Arbeitsweise entstehen im Gegensatz zu den früher üblichen Vignetten, Bildgeschichten und Karikaturen, neue Formen der Satire. Meistens sind dies Mischformen, die sich zwischen verschiedenen Genres bewegen, wie Bilderzählungen, fiktive Reportagen und Dokumentationen, Fotomontagen, Collagen oder Comics.
[...]
1 Gernhardt 1984, S. 336.
2 Zerpka 1991, S.201.
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