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Der Wahrheitsanspruch bei Egon Erwin Kisch

Hausarbeit, 2001, 10 Seiten
Autor: Sarah Trede
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Details

Veranstaltung: Einführung in das Studium der Rhetorik
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Sem. f. Allg. Rhetorik)
Tags: Wahrheitsanspruch, Egon, Erwin, Kisch, Einführung, Studium, Rhetorik
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2001
Seiten: 10
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V49113
ISBN (E-Book): 978-3-638-45641-8

Dateigröße: 230 KB
Anmerkungen :
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand



Textauszug (computergeneriert)

Eberhard-Karls-Universität Tübingen, WS 2000/01
Proseminar I: Einführung in das Studium der Rhetorik
1. Semester

Der Wahrheitsanspruch bei Egon Erwin Kisch

von: Sarah Trede

 


Inhalt

1. Einleitung 2

2. Biographie – Egon Erwin Kisch 2

3. Die Bedeutung der Realität für Egon E. Kisch 2

3.1 Die Wahrheit als Dogma für den Reporter 2
3.2 Die Änderung der Theorien aufgrund politischer Wandlung 3

4. Die Reportagen „Bei den Heizern“ und „Bei den Heizern des Riesendampfers“ – Rhetorische Textanalyse 4

4.1 Textanalyse: „Bei den Heizern“ 4
4.2 Textanalyse: „Bei den Heizern des Riesendampfers“ 5
4.3 Gemeinsamkeiten und wesentliche Unterschiede der beiden Reportagen 6

5. Der Wahrheitsanspruch in bezug auf die beiden Reportagen 7

6. Zusammenfassung 8

7. Literaturverzeichnis 9
 



 

1. Einleitung

„Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist phantasievoller als die Sachlichkeit. Und nichts sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt!“1 Dieser oft zitierte Satz von Egon E. Kisch fasst seine Theorie zum Wesen der Reportage gut zusammen. Für Kisch ist das genaue Abbilden der Wirklichkeit die oberste Priorität eines Reporters. Dieser soll sich genau an die Fakten und die von ihm vorgefundenen Tatsachen halten, er darf nichts dazuerfinden oder Informationen vorenthalten. Wer solche hohen Ansprüche an seine Kollegen stellt, muss ihnen natürlich auch selbst gerecht werden. Ob Kisch dies immer gelungen ist, soll im folgenden untersucht werden.

2. Biographie – Egon Erwin Kisch

Egon Erwin Kisch wurde am 29. 4. 1885 als Sohn eines deutschsprachigen jüdischen Tuchhändlers in Prag geboren. Nach dem Abbruch seines Studiums an der TH Prag, erhielt er 1905 ein Volontariat beim „Prager Tagblatt“ und begann ein Jahr darauf als Lokalreporter bei der „Bohemia“. Ab 1913 arbeitete er beim „Berliner Tagblatt“, bis er 1914 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. 1917 kehrte er von der Front zurück, war Oberleutnant im Kriegspressequartier in Wien und nahm ab 1918 an Aktionen der Arbeiter- und Soldatenräte teil. Ein Jahr später wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs. Nach seiner Übersiedelung nach Berlin im Jahre 1921 arbeitete er für verschiedene Zeitungen und unternahm Reisen durch Europa, Afrika, die Sowjetunion und die USA, die er in seinen Reportagen festhielt. 1924 erschien seine erste Reportagensammlung: „Der rasende Reporter“, die schnell zum Bestseller wurde und deren Titel ihm von da an anhaftete. 1925 trat er der KPD bei und ab 1928 engagierte er sich im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“, 1931 bekam er die Professur für Journalistik an der Universität Charkov. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, jedoch durch Interventionen der tschechoslowakischen Regierung wieder freigelassen. Daraufhin emigrierte er nach Paris und nahm am antifaschistischen Widerstand teil. 1934 reiste er durch Spanien, Belgien, die Niederlande und Australien und kehrte 1937 für kurze Zeit nach Prag zurück, bevor er sich auf seiten der Republikaner am spanischen Bürgerkrieg beteiligte. 1939, nach Beginn des zweiten Weltkrieges emigrierte er nach Mexiko und kehrte schließlich 1946 endgültig nach Prag zurück, wo er in den Stadtrat gewählt wurde. Am 31. 3. 1948 starb Kisch überraschend nach einer kurzen, schweren Krankheit.

3. Die Bedeutung der Realität für Egon E. Kisch

3.1 Die Wahrheit als Dogma für den Reporter

Wie eingangs schon gesagt betont Kisch immer wieder, die oberste Pflicht eines Reporters sei es, die Wirklichkeit in seinen Reportagen genau abzubilden. Warum Tatsachentreue für ihn persönlich eine so hohe Stellung erhielt, erklärt er durch einen Vorfall während seiner Zeit bei der Prager Zeitung: Kisch war beauftragt über den Brand in einer Mühle zu berichten, dort angekommen, fiel ihm jedoch nichts spannendes ein, was er darüber hätte schreiben können. Deshalb erfand er, unter redaktionellem Druck stehend, eine aufregende Szenerie, für die er von der Redaktion (in seinen eigenen Augen unverdient) gelobt wurde. Nach diesem Erlebnis stand für Kisch fest, dass von nun an die Wahrheit im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen würde. „Er sagt später darüber: ‚Gerade weil mir bei der ersten Jagd nach der Wahrheit die Wahrheit entgangen war, wollte ich ihr fürderhin nachspüren. Es war ein sportlicher Entschluß.’“2 Trotzdem gesteht Kisch dem Reporter auch Phantasie zu, er bezeichnet diese aber als „logische Phantasie“. Diese beschreibt er sehr bildlich, davon ausgehend, dass der Reporter niemals alle vorhandenen Fakten betreffs eines Ereignisses zusammentragen kann, und die Reportage ohne logische Phantasie demzufolge Lücken aufweisen würde. Deshalb muss der Reporter „die Pragmatik des Vorfalles, die Übergänge zu den Ergebnissen der Erhebungen selbst schaffen und nur darauf achten, dass die Linie seiner Darstellung haarscharf durch die ihm bekannten Tatsachen (die gegebenen Punkte der Strecke) führt. Das Ideal ist nun, dass diese vom Reporter gezogene Wahrscheinlichkeitskurve mit der wirklichen Verbindungslinie aller Phasen des Ereignisses zusammenfällt; erreichbar und anzustreben ist ihr harmonischer Verlauf und die Bestimmung der größtmöglichen Zahl der Durchlaufpunkte.“3 Der Reporter darf also, im Gegensatz beispielsweise zum Romanautor, seine Phantasie niemals frei spielen lassen, sondern sich nur im Rahmen der von ihm gefundenen Tatsachen bewegen. Die Phantasie soll hier also dazu verwendet werden, die Realität nachzuempfinden. Kisch weist dem Reporter darüber hinaus eine Vermittlerrolle zwischen den gesellschaftlichen Extremen zu. Dem „Künstler“, der die Wirklichkeit nur intuitiv erahnen kann und dem „Bürger“, der nicht imstande ist die Wirklichkeit zu durchschauen. Um seiner Mittlerrolle gerecht zu werden besteht die Aufgabe des guten Reporters demzufolge darin, die Wirklichkeit exakt wiederzugeben. 4

3.2 Abänderung der Theorien aufgrund politischer Wandlung

[...]


1 Egon E. Kisch: „Der rasende Reporter“, Berlin 1924; S.10.

2 Dieter Schlenstedt: „Die Reportage bei Egon Erwin Kisch“, Berlin 1959; S.14f.

3 E. E. Kisch: „Wesen des Reporters“. In: Erhard H. Schütz (Hg): Reporter und Reportagen, Giessen 1974; S. 41.

4 Dieter Schlenstedt: „Die Reportage bei E. E. Kisch“; S. 15ff.


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