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Die dramatische Umsetzung des "The Inside of His Head" Motivs in Arthur Millers Bewusstseinsdramen Death of a Salesman und After the Fall

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 25 Pages
Author: Barbara Groß-Langenhoff
Subject: American Studies - Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V49158
ISBN (E-book): 978-3-638-45680-7

File size: 298 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln, Englisches Seminar
der Philosophischen Fakultät
Hauptseminar: „Arthur Miller“
WS 2003/04

Die dramatische Umsetzung des "The Inside of His Head"
Motivs in Arthur Millers Bewusstseinsdramen Death of a
Salesman und After the Fall

von: Barbara Groß-Langenhoff

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 1

II Millers dramentheoretische Position 2

II.1. Millers Dramenverständnis, seine Grundthematik und seine Rolle als Autor 2
II.2. Grundzüge des Realismus und des Expressionismus 3

III Millers dramatische Umsetzung des „The Inside of His Head“ Motivs 6

III.1. Präsentation von Bewusstseinsinhalten in Death of a Salesman 6

III.1.1. Plot und Erinnerungsszenen 7
III.1.2. Raumgestaltung 9
III.1.3. Geräuschkulisse und optische Signale 10

III.2. Präsentation von Bewusstseinsinhalten in After the Fall im Vergleich 12

III.2.1. Fehlender Plot und dramatisierte Vergangenheit 13
III.2.2. Raumgestaltung 15
III.2.3. Geräuschkulisse und optische Signale 17

IV Evaluation der individuellen Gestaltung des “The Inside of His Head” Motivs 19

IV.1. Vergleich der Protagonisten zur Begründung der Dramenform 19
IV.2. Abschließendes Fazit 21

Bibliographie 23

 



 

I. Einleitung

Das menschliche Gehirn ist ein außerordentlich komplexes Produkt der Natur. Es ist unter anderem für die Gedächtnisfähigkeit und die Intelligenz eines Menschen zuständig und weiterhin für Gefühle und Assoziationen verantwortlich. Emotionale Stimmungen kommen in der Regel auch in der Körpersprache zum Ausdruck, jedoch kann ein Mensch seine Gedankengänge und Erinnerungen der Außenwelt nur dadurch vermitteln, indem er sie in Worte zu fassen versucht. Die Versprachlichung innerer Vorgänge wiederum setzt eine gewisse Selbstkenntnis und Artikulationsfähigkeit voraus und das persönliche Interesse an einer ehrlichen Wiedergabe.

Die häufige Unzulänglichkeit in der sprachlichen Übersetzung subjektiven Erlebens umgeht Arthur Miller in seinen beiden Bewusstseinsdramen Death of a Salesman und After the Fall, in denen er dem Zuschauer durch szenische Darstellung einen Einblick in den Kopf des Protagonisten verschafft. So hieß das Stück Death of a Salesman vor der Uraufführung im Jahre 1949 auch zunächst The Inside of His Head. Diese Arbeit wird sich damit beschäftigen, aus welchen Gründen dieser Arbeitstitel am Ende verworfen wurde und inwiefern das „The Inside of His Head“ Motiv in Millers zweitem Versuch, dem 1964 uraufgeführten Bewusstseinsdrama After the Fall, eine konsequente Umsetzung findet. Hierfür wird untersucht, welcher drama tischer Techniken sich Miller jeweils bedient, um die Gedankenwelt des Protagonisten und seine inneren Erfahrungen auf der Bühne vorzuführen. Dabei richtet sich das Hauptaugenmerk auf die Kernfiguren und die Darstellung ihrer Erinnerungen sowie auf den plot, die Raumgestaltung, die Geräuschkulisse und die Beleuchtung der Bühne. Durch die Gegenüberstellung der Protagonisten wird die unterschiedliche Wahl der dramatischen Mittel begründet und bewertet.

Um Millers Stücke dramentheoretisch einordnen zu können, wird zunächst ein kurzer Überblick über Millers Vorstellungen von Drama, seine Theorie über Mensch und Gesellschaft und sein Selbstverständnis als Autor gegeben. Im Kontrast zum traditionellen realistischen Drama werden daraufhin die wesentlichen Merkmale des expressionistischen Bewusstseinsdramas herausgestellt, bevor in den folgenden Kapiteln mit der Analyse der konkreten Umsetzung dieser Charakteristika in Death of a Salesman und After the Fall zur Verwirklichung des „The Inside of His Head“ Motivs bego nnen werden kann.

II. Millers dramentheoretische Position

II.1. Millers Dramenverständnis, seine Grundthematik und seine Rolle als Autor

In seinem Vorwort zu den Collected Plays legt Arthur Miller (1994 [1957]: 113ff) ausführlich sein Verständnis von Drama dar und versucht sowohl sich als Autor als auch die seinen Stücken zugrunde liegende Intention einzuordnen. Er sieht sich demnach als Künstler und experimentierfreudiger Autor, der sich aber auch mit den bestehenden Theatertraditionen beschäftigt und auskennt. So spielen bei ihm auch Aristoteles Begriffe der „katharsis“ und der „hamartia“ eine große Rolle. Seine Dramen sollen beim Zuschauer Furcht und Mitleid hervorrufen und behandeln einen tragischen Fehler, der durch die Fügung des Schicksals noch begünstigt wird. Insbesondere die Leidenschaft, mit der die Problematik des Protagonisten dargestellt wird und wodurch die Emotionen des Publikums erweckt werden, ist nach Miller ausschlaggebend für gutes Drama. Dagegen lehnt er die vom klassischen Drama postulierte Fallhöhe des Helden ab, da die Zeiten der antiken Könige und deren Landeseroberungen der heutigen Gesellschaft nicht mehr entsprechen. Millers Hauptfigur ist sozusagen ein „mittlerer“ Held, bei dem es darauf ankommt, dass er Statur hat, also dass er eine interessante Persönlichkeit darstellt. Auch die Einheit von Raum und Zeit sowie das Festhalten an der klassischen Handlungsstruktur sind für Miller nicht zwingend.

Der formale Aufbau seiner Stücke ist nicht auf einen bestimmten Dramentyp festgelegt. Die Wahl der Form ist stattdessen themenbedingt, und führt bei Miller nicht selten zu einer Vermischung von Stilmitteln verschiedener Dramentypen. Je nach Inhalt setzt er unterschiedliche dramatische Elemente ein, um seine Idee künstlerisch vollkommen entfalten zu können. Die originelle Idee ist eine weitere wesentliche Voraussetzung eines guten Dramas im Sinne Millers, die von Anbeginn des Schreibens vorhanden sein soll, aber während des Schreibprozesses noch reifen muss. Dabei drehen sich seine Themen immer um das paradoxe Verhältnis zwischen dem einzelnen Menschen und der Gesellschaft, in der er lebt: Einerseits kann der Mensch nur innerhalb einer Gesellschaft sich selbst verwirklichen, gleichzeitig wird er aber von ihr bedroht, da sie eine Selbstentfremdung des Menschen provoziert, indem sie dazu tendiert, das Individuum durch gesellschaftliche Normen zu konditionieren. Nach Millers Anschauung ist der Mensch ein selbständiges, rationales Wesen, das für das eigene Leben und innerhalb der Gesellschaft eine gewisse Verantwortung trägt und so auch zur Verantwortung gezogen werden kann.

Dieses Bild eines zur Verantwortung gezogenen Menschen liefert drei Hauptthemen. Zum einen geht es in Millers Werken um den Grad der Einsicht in diese Verantwortung. Die Charaktere werden mit der Frage konfrontiert, ob sie ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, und stehen vor der Entscheidung, sich der Frage entweder zu stellen oder ihr auszuweichen. Das letztere führt konsequenterweise zu einem weiteren zentralen Aspekt, der bei Miller in den verschiedensten Facetten präsentierten Schuldthematik. Er hält es für unausweichlich, dass man im Laufe seines Lebens Schuld auf sich lädt und er verlangt dem Menschen ab, dass er sich seine Schuld bewusst eingesteht und dadurch seine Verantwortung akzeptiert. Nur so kann der Mensch sich dem Manipulationsapparat gesellschaftlicher Institutionen entziehen, die mit Begnadigung durch Unterwerfung locken und damit die menschliche Sehnsucht nach Unschuld und Reinheit ausnutzen. Schuld im Sinne bereits begangener Fehler verweist gleichzeitig als drittes Hauptthema auf den Zusammenhang zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

[...]


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