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Radio als medialer Raum in Rainer W. Fassbinders 'Lili Marleen'. Inszenierung und Motivierung des Mediums

Hauptseminararbeit, 2005, 26 Seiten
Autor: Jan Gerhard
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: Rainer W. Fassbinder als Chronist der BRD
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Neuere deutsche Literatur)
Tags: Radio, Raum, Rainer, Fassbinders, Lili, Marleen, Inszenierung, Motivierung, Mediums, Rainer, Fassbinder, Chronist
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V49177
ISBN (E-Book): 978-3-638-45697-5

Dateigröße: 292 KB


Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin, Neuere deutsche Literatur
HS: Rainer W. Fassbinder als Chronist der BRD
WS 2004/05

Radio als medialer Raum in Rainer W. Fassbinders
„Lili Marleen“. Inszenierung und Motivierung des Mediums

von: Jan Gerhard

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 1

2. Zusammenfassung sowie strukturelle Grundlagen S. 2

3. Figurenkonstellation/-entwicklung S. 3

4. Überblick: Radio- und Medientheorien S. 4

5. Thesen zur Inszenierung und Codierung des Radios im Film

5.1 Das Radio als Produktionsmaschine einer „Volksgemeinschaft“ S. 7
5.2 Die subversive Kraft des Radios S. 9
5.3 Chronologisch/historische Einordnung der Handlung durch das Radio S.11
5.4 Das Radio als Verbindungsmedium der getrennten Liebenden S.13

5. Schlussbetrachtung/Fazit S.14

Anhang S.17

Literaturverzeichnis S.17

Daten S.18

Liedtext S.19

Sequenzprotokoll S.20


 

 

1. Einleitung

Der Film LILI MARLEEN stellt im Werk des Rainer Werner Fassbinder in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar. Er ist vor allem der Fassbinderfilm mit dem größten Budget. Fassbinder hatte hier die Möglichkeit mit einem 10 Millionen D-Mark-Etat zu arbeiten und damit auch, wie ihm von Seiten seiner Kritiker vorgeworfen wurde, die Chance, sich bei den großen Filmstudios in Hollywood zu „bewerben“ , oder gar anzubiedern. Fassbinder war durch einen Zufall zu dem Projekt gekommen, nachdem Luggi Waldleitner, ein eher konservativer Produzent, sich die Rechte an dem Drehbuch von Manfred Purzer gesichert hatte. Purzer wiederum, selbst ein politisch eher konservativer Regisseur und Drehbuchautor, hatte das Drehbuch nach dem autobiografischen Roman Der Himmel hat viele Farben von Lale Andersen, der Sängerin des Liedes LILI MARLEEN geschrieben und sollte nach den Plänen Waldleitners auch die Regie übernehmen. Gleichzeitig wollte Waldleitner Hanna Schygulla, die er nach dem Erfolg von DIE EHE DER MARIA BRAUN für den weiblichen deutschen Filmstar mit internationalem Potential hielt, für die Hauptrolle gewinnen. Schygulla weigerte sich allerdings, unter Purzers Regie zu arbeiten und forderte von Waldleitner, Rainer W. Fassbinder zu engagieren.

Für Fassbinder war es nun also einerseits eine großartige Möglichkeit einen teuren Film mit einem höchst professionellen Umfeld zu realisieren, der die Chance hatte ein breites Publikum zu erreichen, auf der anderen Seite bestand durchaus die Gefahr, die Sympathien alter Wegbegleiter und eines Teils seines eigenen Publikums zu verlieren. Fassbinder entschied sich, seiner Vorliebe für Auseinandersetzungen entsprechend, für den Weg des größten Widerstandes und damit für die Realisierung des Films. „Als Fassbinder auf das Angebot den Film zu drehen, einging, schloss er den Pakt nicht nur mit einem Teufel, sondern gleich mit zweien: mit ‚Papas Kino’ und der Kitsch-Glamour-Hitler-Nostalgie-Welle. Dass die anspruchsvollen Zeitungen daraufhin ein Protestgeheul anstimmten, konnte niemanden verwundern: Es wurde über Parallelen zur Nazizeit, über die Rache der Väter an den Söhnen spekuliert, und mit kaum verhohlener Schadenfreude hat man das einstige Enfant terrible des Ausverkaufs bezichtigt.“1 Die Geschichte der Verbreitung und Rezeption des Liedes LILI MARLEEN, die im Film unter anderem erzählt wird, ist filmimmanent, genauso wie auch historisch eng mit dem Medium Radio verbunden. Welche Funktion das Radio auf narrativer, dramaturgischer und formaler Ebene im Film einnimmt, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Zuerst wird daher eine kurze Übersicht der erzählten Geschichte gegeben. Danach ist ein kurzer Überblick über die verschiedenen Medientheorien, die sich unter anderem mit dem Medium Radio beschäftigen, vorgesehen. Anschließend folgt eine Analyse des Films in Bezug auf Thesen zur Funktion des Mediums Radio im Film LILI MARLEEN.

2. Zusammenfassung und strukturelle Grundlagen

Der Film beginnt im Zürich des Jahres 1938. Willie (Hanna Schygulla), eine erfolglose Kneipensängerin und Robert (Giancarlo Giannini), ein jüdischer Pianist sind ein Liebespaar. Sie werden in ihrer Liebe gestört von Roberts reicher Familie, die im Untergrund gegen die Nazis kämpft und selbst geprägt ist von stark patriarchalischen Strukturen. Robert hilft bei diesem Untergrundkampf durch Reisen nach München, während sich Willie mit dem hochrangigen Nazi Hans Henkel (Karl- Heinz von Hassel) anfreundet, der später, nach Willies Ausweisung aus der Schweiz (diese wird durch Roberts Vater in die Wege geleitet), zu ihrem Manager wird. Er überredet sie dazu, das Lied LILI MARLEEN auf Platte aufzunehmen. Die Aufnahmen der Platte fallen mit dem Kriegsanfang zusammen und werden bei Soldaten der deutschen, wie auch der gegnerischen Seite zum großen Erfolg. Robert wird indes auf einer seiner Reisen für die Widerstandsgruppe von der Gestapo verhaftet und verhört. Willie erfährt davon und hilft der Untergrundorganisation beim Schmuggeln eines Films über Greueltaten der Nazis in den besetzten Gebieten. Später unternimmt sie einen Selbstmordversuch, weil sie glaubt, Robert sei ums Leben gekommen. Das Lied LILI MARLEEN wird vom Regime wegen seiner Wehrkraft zersetzenden Tendenz verboten. Das Naziregime wird den Gerüchten von Willies Deportation in ein KZ, die durch eine Radiodurchsage des inzwischen bei einem Austausch befreiten Robert geschürt werden, nicht Herr. Deshalb wird Willie noch für ein letztes Konzert im Sportpalast Berlin fit gemacht. Das Konzert endet in tosendem Applaus, der gebrochen wird durch die Radiodurchsage der Kapitulation des deutschen Reiches. Am Ende des Films sieht Willie in Zürich noch einen erfolgreichen Auftritt ihres geliebten Robert, der inzwischen mit einer Jüdin verheiratet ist. Ein Zusammentreffen der Beiden wird durch die anwesende Familie Roberts verhindert und Willie verschwindet alleine in der Nacht. Der Film kann für eine strukturelle Betrachtung in vier Teile separiert werden. Der erste Akt, in dem die Hauptpersonen und die Konstellation der Figuren vorgestellt werden, wobei Willie und Robert mit ihrer melodramatischen Konstellation im Mittelpunkt stehen.2 Im zweiten Akt stehen der Aufstieg des Liedes und der Erfolg der Sängerin im Mittelpunkt. Er endet mit der Trennung der Liebenden. Im dritten Akt verliert das Regime die Kontrolle über das Lied und damit über die Protagonistin. Er endet mit der Kriegsniederlage und Kapitulation. Im vierten Akt wird epilogartig noch einmal die melodramatische Stellung von Willie aufgegriffen und damit das Finale in Zürich vorbereitet.

3. Figurenkonstellation/-entwicklung

[...]


1 Siehe Thomas Elsaesser, Rainer Werner Fassbinder; Bertz, Berlin 2001, S. 239f.

2 vgl. Stephan May, Rainer Werner Fassbinders LILI MARLEEN und Gilles Deleuze´ Theorie der kinematographischen Zeit; Coppi-Verlag, Alfeld 2000, S.55ff.


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