Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Axel Siegemund
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Geschichte)
Tags: Administrative, Rationalität, Modernisierung, Aspekt, Institutionalisierung, England, Jahrhunderts, Luxus, Mittelalter
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 30 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 253 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45756-9
ISBN (Buch): 978-3-638-76447-6
Zusammenfassung / Abstract
In vorliegender Untersuchung sollen zwei Thesen der älteren Forschung zur Institutionalisierung im 12. und 13. Jahrhundert in England auf ihre Schlüssigkeit im Hinblick auf das recht umfangreiche Quellenmaterial überprüft werden. Zum einen ist es die „Rationalisierungsthese“, derer sich einige namhafte Historiker im Gefolge M. Webers angenommen haben, zum anderen eine „Mechanisierungsthese“, die von L. White, Jr. aufgestellt wurde. Erstere bezieht sich auf die soziologische Herrschaftstheorie, nach der sich aus willkürlichen Herrschaftsmodellen heraus der bürokratische Staat der Moderne entwickelt. Diese Entwicklung habe, so W. Stubbs, H. Mitteis u.a., in England bereits nach der normannischen Eroberung begonnen und sei in der Bildung von Institutionen wie im Grad der Verschriftlichung der Verwaltung nachweisbar. In der zweiten These, wird parallel dazu von einem planvollen Anwachsen technologischer Entwicklungen gesprochen, auf die eine ausgreifende Mechanisierung hinwiese. Anhand der Rechnungsbücher Heinrichs III. und einiger Aspekte zu den Pipe Rolls der englischen Könige und dem Domesday-Book sollen hier die tatsächliche Aussagekraft des Materials und die Funktion des unabweisbaren „administrativen Luxus“ für die Positionierung der mittelalterlichen Herrschaftspraxis in England hinterfragt werden. Die gemeinsame Untersuchung der beiden Aspekte, Verwaltung und Technologie, ist nicht ihren Inhalten geschuldet sondern der Tatsache, dass beide als Indikatoren für den Grad der Modernisierung gelten: Der Stand der Technik erscheint als Maß für das Verlassen des europäischen Mittelalters. Weil aber sowohl die administrativen Bedingungen wie auch die technischen Möglichkeiten in den genannten Quellen angesprochen und aus ihnen abgeleitet wurden und werden, müssen sie gemeinsam untersucht werden. Dabei spielt auch die Frage nach nicht ableitbaren Aussagen und nach dem einer These zugrundeliegenden Vorverständnisses eine Rolle. Es geht nicht vordergründig um eine qualitative Einschätzung der Potentialität administrativer und technologischer Möglichkeiten in England, sondern um ihre Funktion für die politische Praxis und die aus ihrer Aktualität ableitbaren Tendenzen.
Textauszug (computergeneriert)
TU Dresden, Philosophische Fakultät
HS „Luxus im Mittelalter“
SS 2005
Administrative Rationalität und technologische
Modernisierung? Ein Aspekt der Institutionalisierung
im England des 12. und 13. Jahrhunderts
von: Axel Siegemund
Inhalt
I Einleitung 3
II 2 Thesen: Rationalisierung und Mechanisierung 5
III Rechnungsbücher, Pipe Rolls und Praxiswissen: Die Schriftstücke und ihre Aussagen 7
IV Infragestellung: Tendenzen der Institutionalisierung 12
V Zusammenfassung 17
VI Quellen und Literatur 18
I Einleitung
Die Methodik der historischen Wissenschaften ist es, anhand von Quellenmaterial nachvollziehbare Aussagen über die Vergangenheit zu treffen. Die Quellenlage ist somit mit der Beantwortung historischer Fragen untrennbar verknüpft und konstitutiver Bestandteil einer Ableitung von Forschungsthesen. In dieser Untersuchung sollen zwei Thesen der älteren Forschung zur Institutionalisierung im 12. und 13. Jahrhundert in England auf Schlüssigkeit im Hinblick auf ihre Ableitung aus dem für diesen Bereich recht umfangreichen Material überprüft werden. Zum einen ist es die „Rationalisierungsthese“, derer sich einige namhafte Historiker im Gefolge M. Webers angenommen haben, zum anderen eine „Mechanisierungsthese“, die von L. White, Jr. aufgestellt wurde. Erstere bezieht sich auf die soziologische Herrschaftstheorie, nach der sich aus willkürlichen Herrschaftsmodellen heraus der bürokratische Staat der Moderne entwickelt. Diese Entwicklung habe, so W. Stubbs, H. Mitteis u.a., in England bereits nach der normannischen Eroberung begonnen und sei in der Bildung von Institutionen wie im Grad der Verschriftlichung der Verwaltung nachweisbar1. In der zweiten These wird parallel dazu von dem planvollen Anwachsen technologischer Entwicklungen gesprochen, auf die eine ausgreifende Mechanisierung hinwiese.
Anhand der Rechnungsbücher Heinrichs III. und einiger Aspekte zu den Pipe Rolls der englischen Könige und dem Domesday-Book sollen hier die tatsächliche Aussagekraft des Materials und die Funktion des unabweisbaren „administrativen Luxus“ für die Positionierung der mittelalterlichen Herrschaftspraxis in England hinterfragt werden.
Die gemeinsame Untersuchung der beiden Aspekte, Verwaltung und Technologie, ist nicht ihren Inhalten geschuldet – dafür wäre eine getrennte Thematisierung angebrachter. Der Grund liegt vielmehr in der hergebrachter Argumentation: Sie gelten als Indikatoren für den Grad der Modernisierung, ihr jeweiliger Stand der Technik erscheint als Maß für das Verlassen des europäischen Mittelalters. Weil aber sowohl die administrativen Bedingungen wie auch die technischen Möglichkeiten in den genannten Quellen angesprochen und aus ihnen abgeleitet wurden und werden, sollen sie hier gemeinsam untersucht werden. Dabei spielt auch die Frage nach nicht ableitbaren Aussagen und nach dem einer These zugrundeliegenden Vorverständnisses eine Rolle. Es geht nicht vordergründig um eine qualitative Einschätzung der Potentialität administrativer und technologischer Möglichkeiten in England, sondern um ihre Funktion für die politische Praxis und die aus ihrer Aktualität ableitbaren Tendenzen.
2 Thesen: Rationalisierung und Mechanisierung
II 2 Thesen: Rationalisierung und Mechanisierung
W. STUBBS hat die normannische Periode als diejenige charakterisiert, in der sich in England ein neues administratives System herausgebildet hat, aus dem später der zentralisierte Staat hervorging2. Desgleichen verfuhren kontinentale Historiker, die z.B. die späte Entstehung des deutschen Nationalstaates dem englischen Ideal gegenüberstellten3. Für das hier behandelte Thema ist insbesondere die Frage nach der administrativen Leistung der englischen (Finanz-)Verwaltung des 13. Jahrhunderts für die Entwicklung eines solchen Staates von Interesse. Waren die Institutionen der Zeit tatsächlich ein Mittel, das der Entstehung einer bürokratischen Herrschaft im Sinne Max Webers zugute kam4? Dafür spricht der Umfang des Verwaltungsapparates, auf den allein schon die Quellenlage schließen läßt. Wenn auch die ersten Rechnungsbücher dieser Art erst aus der Zeit Heinrichs III. stammen, so setzte die exponentielle Zunahme des schriftlichen Verwaltungsverkehrs schon unter Heinrich II. bzw. Johann ein. Die Bürokratie beginnt aus dieser Sichtweise heraus mit der Einführung der Pipe Rolls5. Die Schriftlichkeit gilt als Maß der Zentralisierung und der Institutionalisierungsprozeß erscheint als Funktion der Anzahl von Schriftzeugnissen. Demgegenüber fragt U. Göllmann, ob „[diese Interpretationsmuster] nicht mitunter bestimmte Dinge verstellen oder zu stark ausblenden“6. Die bekannte administrative Unterteilung Englands in Grafschaften und Hundertschaften, die seit 1066 das gesamte Inselreich überzieht, war für die militärische wie auch zivilrechtliche Verwaltung grundlegend7.
[...]
1 W. STUBBS, History, Bd.1, 1897; S. B. CHRIMES, Introduction, 1952.
2 W.STUBBS, History, Bd.1, S. 365. Vgl. Zusammenfassung der verfassungsgeschichtlichen Werke des 19. und 20. Jahrhunderts bei S. B. CHRIMES, Introduction, 1952.
3 So H. MITTEIS, Staat, 1959.
4 M. WEBER, Wirtschaft, S. 126ff.
5 Vgl. M. T. CLANCHY, England, S. 32ff.
6 U. GÖLLMANN, Geld, S. 33.
7 J. CAMPBELL, Anglo-Saxon State, 1994
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: