'Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung' von J.M.R. Lenz - Kritik am z... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

'Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung' von J.M.R. Lenz - Kritik am zeitgenössischen Drama und der Gesellschaft in Anlehnung an die 'Anmerkungen übers Theater'

Autor: Sabrina Reuter
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2000
Seiten: 20
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 225 KB
Archivnummer: V49301
ISBN (E-Book): 978-3-638-45785-9

Textauszug (computergeneriert)

Heinrich-Heine-Universität, Germanistisches Seminar
Thematisches Proseminar: Das Drama – Theorie und Praxis
von den Anfängen bis zur Gegenwart
Wintersemester 1999/2000
4. Semester

′Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung′ von
J.M.R. Lenz - Kritik am zeitgenössischen Drama und
der Gesellschaft in Anlehnung an die ′Anmerkungen übers Theater′

von: Sabrina Reuter

 


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort 3

2. Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung von J.M.R. Lenz – Kritik am zeitgenössischen Drama und der Gesellschaft in Anlehnung an die „Anmerkungen übers Theater“ 4

2.1. Abgrenzung vom aristotelischen Drama und der Versuch einer neuen, modernen Theaterkonzeption - Umsetzung der „Anmerkungen übers Theater“ im Hofmeister 4
2.2. „Läuffer läuft fort“ – ein tragischer Held? Gesellschaftskritik thematisiert an der Zent ralfigur 9
2.3. Die Erziehung in der gesellschaftlichen Diskussion thematisiert am Beispiel des Hofmeistertums 14

3. Schlußwort 18

4. Literaturverzeichnis 20

4.1. benutzte Primärliteratur 20
4.2. benutzte Sekundärliteratur 20




 

1. Vorwort

Die Auseinandersetzung mit dem ‚Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung‘ 1 von Jakob Michael Reinhold Lenz ist für die Betrachtung der Zeitgeschichte von großer Wichtigkeit, sowie für die Veranschaulichung der Dramenentwicklung an sich. In seiner Form und Sprache den Sturm und Drang widerspiegelnd, setzt der Hofmeister die Bemühungen anderer Stürmer und Dränger fort, erstarrte Traditionen aufzubrechen. Die bereits erfolgten literarischen Veränderungen im Gegensatz zur Literatur der Aufklärung, machen eine Manifestierung der Definition der neuen Literaturtheorie erforderlich. Lenz schafft mit seinen Anmerkungen übers Theater2 eine öffentliche Darlegung der Ideale der modernen, zukünftigen Dichtung. Im Hofmeister werden Kritik an der Tradition und Mut zur Modernisierung erstmals umgesetzt. Doch zeigen sich im Hofmeister nicht nur formelle und auf die Charaktere bezogene Veränderungen. Auch inhaltlich wird das Stück genutzt, um Kritik am bestehenden System zu äußern.

Diese Arbeit soll aufzeigen, welche Veränderungen im Detail die Anmerkungen für die traditionelle Dramentheorie bedeutet haben. Inwieweit Lenz sich von der Tradition entfernt hat, und ob überhaupt noch Gemeinsamkeiten bestehen, soll erarbeitet werden. Demzufolge ist zu prüfen, ob auch der Hofmeister streng nach den Anmerkungen konzipiert ist, oder ob Parallelen zum aristotelischen Drama bleiben. Im zweiten Teil soll die Figur des Läuffers untersucht werden, die eine Schlüsselfigur des Dramas darstellt. Schließlich ist Läuffer selbst der im Titel genannte Hofmeister. Seine Funktion, sowie sein Einfluß auf den Verlauf des Stückes werden hinterfragt. Inwieweit die Figur des Läuffers die gesellschaftliche Kritik widerspiegelt, wird Gegenstand der Analyse sein. Da die Frage der Erziehung zur Zeit des Sturm und Drang ein viel diskutiertes Thema war, wird sie auch in Lenzens Hofmeister zum Kritikpunkt. Im dritten Teil wird inhaltlich geprüft, welche Standpunkte zur Diskussion der Erziehung erörtert werden und welche Figur, ihrem gesellschaftlichen Stand entsprechend oder nicht, welche Meinung vertritt.

2. Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung von J.M.R. Lenz – Kritik am zeitgenössischen Drama und der Gesellschaft in Anlehnung an die „Anmerkungen übers Theater“

2.1. Abgrenzung vom aristotelischen Drama und der Versuch einer neuen, modernen Theaterkonzeption - Umsetzung der „Anmerkungen übers Theater“ im Hofmeister

Die als Vortrag verfaßten Anmerkungen sind, auch nachdem sie von Lenz selbst für den Druck überarbeitet wurden, in ihrer ursprünglichen „rhapsodienweis[en]“3 Form vorzufinden. Der unstrukturierte und formal durch nicht zu Ende geführte Sätze und Gedankengä nge von jeglicher Norm abweichende Text unterstreicht Lenzens differenzierte Haltung zur zeitgenössischen Dichtung.

„Nicht in logisch-systematisch eingeteilte Sinnabschnitte oder Paragraphen, die einen stringenten Aufbau mit klaren Grundthesen erkennen lassen, gliedert Lenz seinen Text“4, so wie er im Hofmeister, in dem er die Anmerkungen zum ersten mal umsetzte, herkömmliche formale Gesetze und Normen ungeachtet ließ. Szenen setzen unvermittelt ein und enden ebenso abrupt wieder. Im ersten Akt, vierte Szene, schließt der Aufzug sogar mitten im Satz, wenn Graf Wermuth spricht: „Pintinello tanzt...Es ist wahr, ich habe mir mein Tanzen einige dreißigtausend Gulden kosten lassen, aber noch einmal so viel gäb‘ ich drum, wenn...“5. Was dann wäre, erfahren wir nie, denn die Szene wird einfach ausgeblendet; der weitere Verlauf des Gesprächs ist wohl für das Stück nicht weiter von Belang, so daß Lenz, anstatt den Dialog ausklingen zu lassen, einfach zum nächsten interessanten und für die Handlung wichtigen Handlungsstrang übergeht.

Um ein neues, modernes Theater zu schaffen, distanziert sich Lenz vom aristotelischen Drama. Er kritisiert nicht Aristoteles selbst, den er in den Anmerkungen bewundernd und verehrend beschreibt, sondern Lenz bemängelt die zeitgenössische Umsetzung des aristotelischen Dramas, die sich zu sehr an antiken, nicht mehr gültigen Denkweisen orientiert. Zu Zeiten Aristoteles‘ erschien seine Dramentheorie sinnvoll, da einfache Charaktere dem damaligen Weltbild entsprachen, in dem die Götter im wahren Leben sowie im Theater jedes Schicksal bestimmten. Die Figuren des Lebens und die abbildhaften Figuren des Theaters waren bloße Marionetten, Spielbälle der Götter. Aus Furcht vor den Göttern war an selbstverantwortliche Charaktere, die den Verlauf der Geschichte durch ihre verschiedenen Charaktereigenschaften beeinflußten und bestimmten, nicht zu denken.

[...]


1 Künftig nur noch Hofmeister genannt.

2 Künftig nur noch Anmerkungen genannt.

3 Lenz, Jakob Michael Reinhold: Anmerkungen übers Theater. Leipzig 1774, S.717, künftig zitiert als Anmerkungen 1774.

4 Luserke, Matthias: J.M.R. Lenz: Der Hofmeister - Der neue Menoza - Die Soldaten. München 1993, S.23-24, künftig zitiert als Luserke 1993.

5 Lenz, Jakob Michael Reinhold: Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung. Stuttgart 1993, S.9, künftig werden Zitate aus diesem Text nur noch mit Seitenzahlangabe vermerkt.

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/49301/