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Autor: Anja Riedeberger
Fach: Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Details
Tags: Kommunikationsbegriff, Niklas, Luhmanns, Funktionssystem, Massenmedien
Jahr: 2005
Seiten: 16
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 155 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45802-3
ISBN (Buch): 978-3-638-59791-3
Zusammenfassung / Abstract
Niklas Luhmann, einer der wichtigsten deutschen Sozialtheoretiker des 20. Jahrhunderts, kritisierte an bisherigen soziologischen Ansätzen, dass sie nur Ausschnitte der Welt im Blickpunkt hätten, somit also nicht umfassend genug einsetzbar wären. [Kneer/Nassehi, S. 5.] In seinem wichtigsten Werk von 1984 "Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie" versucht er solch einen universal geltenden Ansatz zu finden. Seine Theorie der sozialen Systeme hat den Anspruch, "...jeden möglichen sozialen Kontakt, d.h. den gesamten Gegenstandsbereich der Soziologie mit Hilfe des Begriffsinstrumentariums der Theorie sozialer Systeme beschreibbar zu machen." [Kneer/Nassehi, S. 7.] Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den für die Kommunikationswissenschaft relevanten Aspekten der Luhmannschen Systemtheorie, zum einen mit dem ihr zugrunde liegenden Kommunikationsbegriff, der eine zentrale Rolle in der Systemtheorie einnimmt und sich von dem verbreiteten Kommunikationsverständnis als Verständigungsprozess zwischen Individuen bzw. als Übermittlungsprozess einer Botschaft, wie bei Roland Burkart formuliert, unterscheidet. Des Weiteren wird auf die Rolle der Massenmedien in der Gesellschaft eingegangen, so wie Luhmann sie in seinem 1996 veröffentlichten Werk "Die Realität der Massenmedien" benennt. Darüber hinaus gibt die Hausarbeit einen Einblick in die Grundbegriffe der Systemtheorie, so wie Luhmann sie formuliert hat. Dies dient vor allem dazu, die zentrale Bedeutung des Begriffs Kommunikation für Luhmann innerhalb der Theorie deutlich zu machen und die Funktionsweise und Bedeutung des Funktionssystems Massenmedien innerhalb der Systemtheorie einordnen zu können. Eine vollständige Darstellung kann in dieser Hausarbeit aber nicht gegeben werden. Die Hausarbeit stellt sich also folgende Fragen: Was bedeutet Kommunikation für Niklas Luhmann und wie funktioniert sie? Welche Funktionsweise hat das System der Massenmedien und welche Aufgaben erfüllt es? Luhmanns Systemtheorie stützt sich auf frühere systemtheoretische Ansätze und Begrifflichkeiten, die er weiterentwickelt und ausdifferenziert hat, erwähnt seien da insbesondere Ludwig van Bertalanffy und Talcott Parsons. Da die Grundlagen für Luhmanns Theorie für diese Arbeit aber nicht von Bedeutung sind, wird auf sie nicht weiter eingegangen. Die verwendete Literatur ist im Literaturverzeichnis aufgeführt. Besonders wichtig für die Recherche war der Einführungsband zu Luhmann von Georg Kneer und Armin Nassehi.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften
Seminar: Basistheorien und –modelle der Kommunikationswissenschaft
Sommersemester 2005
4. Fachsemester
Der Kommunikationsbegriff Niklas Luhmanns und das
soziale Funktionssystem der Massenmedien
von: Anja Riedeberger
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Einführendes in die Systemtheorie 4
3. Luhmanns Kommunikationsbegriff 8
4. Das soziale Funktionssystem Massenmedien 12
4.1. Nähere Bestimmung des Begriffs „Massenmedien“ und Besonderheiten des Systems 12
4.2. Funktionen 13
5. Bezug auf die Kommunikationswissenschaften und Schluss 15
6. Literatur 16
1. Einleitung
Niklas Luhmann, einer der wichtigsten deutschen Sozialtheoretiker des 20. Jahrhunderts, kritisierte an bisherigen soziologischen Ansätzen, dass sie nur Ausschnitte der Welt im Blickpunkt hätten, somit also nicht umfassend genug einsetzbar wären. 1 In seinem wichtigsten Werk von 1984 „Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie“ versucht er solch einen universal geltenden Ansatz zu finden. Seine Theorie der sozialen Systeme hat den Anspruch, „...jeden möglichen sozialen Kontakt, d.h. den gesamten Gegenstandsbereich der Soziologie mit Hilfe des Begriffsinstrumentariums der Theorie sozialer Systeme beschreibbar zu machen.“2
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den für die Kommunikationswissenschaft relevanten Aspekten der Luhmannschen Systemtheorie, zum einen mit dem ihr zugrunde liegenden Kommunikationsbegriff, der eine zentrale Rolle in der Systemtheorie einnimmt und sich von dem verbreiteten Kommunikationsverständnis als Verständigungsprozess zwischen Individuen bzw. als Übermittlungsprozess einer Botschaft, wie bei Roland Burkart formuliert, unterscheidet. Desweiteren wird auf die Rolle der Massenmedien in der Gesellschaft eingegangen, so wie Luhmann sie in seinem 1996 veröffentlichten Werk „Die Realität der Massenmedien“ benennt. Darüber hinaus gibt die Hausarbeit einen Einblick in die Grundbegriffe der Systemtheorie, so wie Luhmann sie formuliert hat. Dies dient vor allem dazu, die zentrale Bedeutung des Begriffs Kommunikation für Luhmann innerhalb der Theorie deutlich zu machen und die Funktionsweise und Bedeutung des Funktionssystems Massenmedien innerhalb der Systemtheorie einordnen zu können. Eine vollständige Darstellung kann in dieser Hausarbeit aber nicht gegeben werden. Die Hausarbeit stellt sich also folgende Fragen: Was bedeutet Kommunikation für Niklas Luhmann und wie funktioniert sie? Welche Funktionsweise hat das System der Massenmedien und welche Aufgaben erfüllt es?
Luhmanns Systemtheorie stützt sich auf frühere systemtheoretische Ansätze und Begrifflichkeiten, die er weiterentwickelt und ausdifferenziert hat, erwähnt seien da insbesondere Ludwig van Bertalanffy und Talcott Parsons. Da die Grundlagen für Luhmanns Theorie für diese Arbeit aber nicht von Bedeutung sind, wird auf sie nicht weiter eingegangen. Die verwendete Literatur ist im Literaturverzeichnis aufgeführt. Besonders wichtig für die Recherche war der Einführungsband zu Luhmann von Georg Kneer und Armin Nassehi.
2. Einführendes in die Systemtheorie
Der Begriff System im Sinne der Systemtheorie bezeichnet etwas aus Einzelelementen Zusammengesetztes, das mehr ist als die Summe seiner Teile (Prinzip der Emergenz). Ein System ist also keine reine Addition von Einzelelementen, sondern geht darüber hinaus, da die Teile des Systems miteinander in Beziehung stehen. Für ein System ist jeweils alles, was nicht zum System gehört, Umwelt. So gehört auch jedes System zur Umwelt eines anderen Systems. Die Umwelt konstituiert das System, das System besteht also nur in der Differenz zu seiner Umwelt. Ein System ist „operativ geschlossen“3, d.h. die im System ablaufenden Prozesse bilden einen in sich geschlossenen Kreis. Weiterhin sind Systeme nach Luhmann „selbstreferenziell“4, d.h. alle Elemente des Systems sind aufeinander bezogen. Luhmann unterscheidet zwischen autopoietischen Systemen, also solchen, dessen Einzelelemente sich selbst und damit das gesamte System reproduzieren, und allopoietischen Systemen, also solchen, die sich nicht selbst reproduzieren, sondern etwas Systemfremdes produzieren.
Desweiteren nennt Luhmann vier Systemtypen: biologische Systeme, also Organismen, psychische Systeme, also Bewusstseinssysteme, soziale Systeme, und Maschinen, die als einziger Systemtyp allopoietisch sind, sich also nicht selbst reproduzieren können. Das ausschließliche Interesse Luhmanns gilt der Analyse der sozialen Systeme. Das übergeordnete soziale System Gesellschaft setzt sich nach seiner Theorie aus neun sozialen Funktionssystemen zusammen: dem Wirtschaftssystem, dem Politiksystem, dem Religionssystem, dem Rechtssystem, dem Wissenschaftssystem, dem Kunstsystem, dem Erziehungssystem, dem Familien- bzw. Intimbeziehungssystem und dem System der Massenmedien.
Jedes dieser Funktionssysteme kann in verschiedene Ebenen bzw. Untersysteme differenziert werden. Luhmann nennt die Interaktionsebene als unterste, kleinste Ebene. Interaktionssysteme sind überall dort, wo anwesende, sich gegenseitig wahrnehmende Personen kommunizieren5, beispielsweise die anwesenden Personen in einer Redaktion. Alle Kommunikationen der dort Anwesenden gehören zu diesem Interaktionssystem, alles andere gehört zur Umwelt des Systems. Interaktionssysteme lösen sich auf, sobald keine Kommunikationen zwischen den Anwesenden mehr stattfinden.
[...]
1 Kneer/Nassehi, S. 5.
2 Kneer/Nassehi, S. 7.
3 Weber, Stefan, S. 205
4 Weber, Stefan, S. 205
5 Auf die Bedeutung des Begriffs „Kommunikation“ wird in Kapitel 3 gesondert eingegangen.
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