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Aspekte des magischen Realismus in ausgewählten Werken von Andre Brink

Autor: M.A. Jenny Matulat
Fach: Englisch - Literatur, Werke

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Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 71
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 45  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 239 KB
Archivnummer: V49452
ISBN (E-Book): 978-3-638-45904-4

Textauszug (computergeneriert)

Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien Wissenschaftliche Hausarbeit im Fach Englisch

Aspekte des magischen Realismus in ausgewählten Werken von André Brink

vorgelegt von Jenny Matulat
2003

 

Inhalt

Einleitung ... 2

I. Geschichte des magischen Realismus ... 5

1.Ursprung des Begriffes ... 5
2. Magischer Realismus und das „wunderbar Wirkliche“ in Lateinamerika ... 7

II. Das Wesen des magischen Realismus ... 15

1. Abgrenzung zu fantastischer Literatur ... 17
2. Magischer Realismus als ein postkoloniales Phänomen ... 19
3. Magischer Realismus in Afrika ... 21
3.1. Südafrika ... 23

III. Magischer Realismus in Werken von André Brink ... 26

1. Imaginings of Sand (1996) ... 27
2. Devil’s Valley (1998) ... 41
3. The Rights of Desire (2000) ... 52
4. Magischer Realismus bei Brink – ein Fazit ... 61

Literaturverzeichnis ... 66

Englische Zusammenfassung ... 70

 

Einleitung

Obwohl der Begriff „Magischer Realismus“ schon über siebzig Jahre existiert, scheint es doch immer noch keinen gemeinsamen Konsens über eine Definition zu geben. Die Schwierigkeit der Begriffsbestimmung liegt in dem Terminus selbst, denn die Verbindung aus „magisch“ und „realistisch“ deutet darauf hin, dass sich hier zwei scheinbar widersprüchliche Elemente zusammenfügen: das Konzept der gewöhnlichen Realität einerseits und das Konzept des Magischen, d.h. des Fantastischen oder Übernatürlichen andererseits. Normalerweise können diese beiden Konzepte – zumindest aus europäischer Sichtweise – nicht gleichwertig koexistieren. Für einen narrativen Text bedeutet dies, dass er entweder überwiegend realistisch ist, d. h. fiktive Gestalten und Handlungen bewegen sich immer in den Normen der Realität, oder der Text weicht von der Realität ab und zeigt uns fantastische Elemente. Dabei ist dem Leser normalerweise bewusst, in welcher der beiden Welten er sich gerade bewegt. In magisch–realistischer Literatur hingegen scheinen die Grenzen zwischen rational-pragmatischer Alltagserfahrung und magischer Wirklichkeitssicht überschritten zu werden, und es wird eine gleichwertige Koexistenz der beiden Konzepte ermöglicht. Dies macht den Begriff des magischen Realismus sicherlich sehr faszinierend. Doch wie sieht ein Text aus, in dem diese gegensätzlichen Elemente koexistieren, in dem es keine Grenzen zwischen der Realität und magischen Vorstellungen gibt? Wie kann ermöglicht werden, dass die beiden Elemente gleichwertig und nicht in einer Hierarchie existieren? Dies sind Fragen, die sicherlich nicht einfach zu beantworten sind. Deutlich wird jedoch, dass sich hinter dem Begriff „Magischer Realismus“ ein komplexes und problematisches Konzept verbirgt.

In der Literaturwissenschaft finden sich viele Versuche, den Begriff zu definieren, doch meistens werden die Definitionen sehr allgemein gehalten, was dazu führt, dass Kritiker diesen Begriff auf unterschiedlichste Texte beziehen und den verschiedensten Autoren zuordnen. Auch findet man häufig keine Abgrenzung zu benachbarten Genres wie dem der fantastischen Literatur oder des Surrealismus. Unklar bleibt im Grunde auch, worum es sich beim magischen Realismus eigentlich handelt. Ist es ein Genre, eine literarische Technik, ein bestimmter Stil oder einfach nur ein Sammelbegriff für die Literaturen, die vom klassischen Realismus abweichen?
Seit den 50iger und 60iger Jahren wird das Konzept des magischen Realismus meist mit Lateinamerika assoziiert. Hierbei ist vor allem der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez von Bedeutung, dessen Werk Hundert Jahre Einsamkeit (1967) immer noch als Prototyp des magischen Realismus gilt. Zwar wird auch dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zugesprochen, doch bei ihm gehen die Kritiker in zwei Richtungen. Teilweise werden seine Texte dem magischen Realismus zugeordnet, andere Kritiker hingegen sind der Meinung, dass seine Werke in den Bereich der fantastischen Literatur fallen. Hieran wird deutlich, wie ungenau die Grenze zwischen dem magischen Realismus und fantastischer Literatur ist.

Während das Konzept des magischen Realismus zunächst geographisch mit Lateinamerika in Verbindung gebracht wurde, werden mittlerweile Werke von Schriftstellern aus der ganzen Welt diesem Konzept zugeordnet, wie zum Beispiel Günter Grass (Deutschland), Toni Morrison (Nordamerika), Ben Okri (Nigeria), Robert Kroetsch (Kanada) oder Salman Rushdie (Indien). Teilweise sind diese Zuordnungen nicht mehr überschaubar und wirken willkürlich. Jedoch taucht in Untersuchungen zum magischen Realismus häufig die Frage danach auf, ob die Schriftsteller, die magischen Realismus in ihre Werke integrieren, Gemeinsamkeiten aufweisen. So sind einige Kritiker der Meinung, dass es sich bei dem Konzept des magischen Realismus um ein postkoloniales Phänomen handelt. Magischer Realismus als Technik könne gewissermaßen von allen Schriftstellern aus postkolonialen Kulturen eingesetzt werden. In derartigen Diskussionen wird vor allem Literatur aus Lateinamerika, Kanada und Indien berücksichtigt, wobei für letzteres sicherlich der Schriftsteller Salman Rushdie und sein Roman Midnight’s Children (1981) eine sehr große Rolle spielt. Aber auch Literaturen aus Westafrika werden dem magischen Realismus zugeordnet. Eine große Bedeutung wird hier dem Roman Famished Road (1991) des nigerianischen Schriftstellers Ben Okri zugesprochen. Andere Länder, die postkolonial geprägt sind, wie zum Beispiel Australien, werden in Diskussionen um den magischen Realismus relativ wenig bedacht. Ähnlich ist es mit Südafrika. Es stellt sich die Frage, ob sich in der südafrikanischen Literatur so etwas wie ein magischer Realismus findet und wenn ja, wodurch er gekennzeichnet. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Südafrika nicht nur postkoloniale Prägungen aufzuweisen hat, sondern jahrzehntelang durch das System der Apartheid geprägt war. Die Apartheid ist für Südafrika noch jüngste Geschichte. Erst mit Beginn der neunziger Jahre fiel dieses System. Bis in die achtziger Jahre hinein setzte sich ein großer Teil der südafrikanischen Literatur, wie unter anderem die Romane von der Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer aber auch des weniger bekannten Schriftstellers André Brink mit der Apartheid auseinander. Wie aber schlägt sich der Übergang von einem Apartheid-Staat zu einem Postapartheid-Staat auf die Literatur nieder? Bei André Brink kann man beobachten, dass seit dem Fall des Apartheid Systems eine Art von magischem Realismus in seine Romane einzufließen scheint. Dies soll in der vorliegenden Arbeit genauer untersucht werden.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll zunächst ein Überblick darüber gegeben werden, wo der Ursprung des Begriffes „Magischer Realismus“ liegt und wie sich dieses Konzept entwickelt hat. Hierbei wird es überwiegend um den lateinamerikanischen Kontext gehen. Meiner Meinung nach ist eine Auseinandersetzung mit den Ursprüngen des magischen Realismus in Lateinamerika wichtig, um zu verstehen, welche komplexen Ideen sich hinter diesem Begriff verbergen.

Im zweiten Teil der Arbeit soll das Konzept des magischen Realismus aus seinem lateinamerikanischen Kontext gelöst und dabei auf einige Merkmale des magischen Realismus eingegangen werden. Es soll hier auch untersucht werden, ob in Afrika und vor allem in Südafrika die Voraussetzungen für die Entstehung eines magischen Realismus in der Literatur gegeben sind und ob und wie stark dieses Konzept verbreitet ist.

Im dritten Teil dieser Arbeit werden dann die drei Romane Imaginings of Sand (1996), Devil’s Valley (1998) und The Rights of Desire (2000) des südafrikanischen Schriftstellers André Brink untersucht. Es soll herausgearbeitet werden, ob und inwiefern diese Romane als magisch-realistisch eingestuft werden können.

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