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Textauszug (computergeneriert)

Methoden der Materialbedarfsplanung

von Stefan Kusch

Inhaltsverzeichnis

1. Aufgaben, Ziele und Bedeutung der Materialwirtschaft

2. Vorüberlegungen der Materialbedarfsplanung und -bereitstellung

3. Materialbereitstellungsprinzipien
3.1. Prinzip der Einzelbeschaffung im Bedarfsfalle
3.2. Prinzip der Voratshaltung
3.3. Prinzip der einsatzsynchronen Anlieferung (Just-In-Time-Konzept)

4. Ermittlung des Materialbedarfs

4.1. Programmgebundene (deterministische) Materialbedarfsplanung
4.1.1. Analytische Methode
4.1.1.1. Fertigungsstufenverfahren
4.1.1.2. Dispositionsstufenverfahren
4.1.2. Synthetische Methode
4.1.3. Gozinto-Methode

4.2. Verbrauchsgebundene (stochastische) Materialbedarfsplanung
4.2.1. Methoden der Mittelwertbildung
4.2.1.1. Gleitender Mittelwert und arithmetisches Mittel
4.2.1.2. Gewogener, gleitender Mittelwert
4.2.2. Methoden der exponentiellen Glättung
4.2.2.1. Exponentielle Glättung erster Ordnung
4.2.2.2. Exponentielle Glättung zweiter Ordnung
4.2.3. Regressionsanalyse
4.2.4. Subjektive Schätzung
4.2.4.1. Analogschätzung
4.2.4.2. Intuitivschätzung

Literaturnachweis

1. Aufgaben, Ziele und Bedeutung der Materialwirtschaft

Die betriebliche Leistungserstellung findet durch einen Kombinationsprozeß der betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren Arbeit (dispositive und ausführende Arbeit), Kapital und Werkstoffe statt. Der Gruppe der Werkstoffe werden Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe sowie Zulieferteile und Handelswaren zugeordnet. Die Beschaffung erstreckt sich nun über Bereitstellung dieser Produktionsfaktoren, wobei sich die Materialwirtschaft lediglich mit der Bereitstellung der Werkstoffe befaßt. Die Bereitstellung der anderen Faktoren (Arbeitskräfte, Finanzmittel, Betriebsmittel usw.) erfordert ein spezielles Fachwissen, so daß diese in der Materialwirtschaft keine Berücksichtigung findet. Die Aufgaben der Materialwirtschaft bestehen nun darin, die Werkstoffe in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität, zu den richtigen Kosten und am richtigen Ort bereitzustellen. Diese Aufgaben werden als die "5 R der Materialwirtschaft oder Logistik" bezeichnet und lassen sich zum Beispiel wie folgt operationalisieren:

- richtige Menge, z.B. aufgrund der optimalen Bestellmenge
- richtige Zeit, z.B. anhand einer bestimmten Zeit (Datum bzw. Uhrzeit)
- richtige Qualität, z.B. Nullfehlerqualität
- richtige Kosten, z.B. anhand einer vorgegebenen Preisobergrenze
- richtiger Ort, z.B. durch Vorgabe des Lieferorts (Werkstor)

Da die Entwicklung der Absätze und der daraus resultierenden Erlöse von den Entscheidungen der Materialwirtschaft unabhängig ist, kann die Materialwirtschaft durch Kostenminimierung unmittelbar zur Gewinnmaximierung beitragen. Neben dem Ziel der Minimierung sämtlicher Materialkosten strebt die Materialwirtschaft eine jederzeitige Gewährleistung der Versorgungssicherheit, eine Qualitätsmaximierung, eine Optimierung des Materialflusses und somit eine Bestandsminimierung, eine Optimierung des Informationsflusses sowie eine Flexibilitätssteigerung und Automatisierung der Prozesse an.

Heutzutage nimmt die Materialwirtschaft stets an Bedeutung zu. Dies hat aus der Unternehmensperspektive sowohl externe als auch interne Gründe. Extern nimmt die Bedeutung aufgrund der sich sukzessive verknappenden Rohstoffe, der internationalen Beschaffung ("Global Sourcing"), restriktiveren Umweltbedingungen sowie einer zunehmenden Komplexität und Dynamik des Beschaffungsmarktes zu. Innerbetrieblich ist die Bedeutungszunahme dadurch begründet, daß Unternehmen sich zunehmend für eine Erhöhung des Fremdbezuganteils oder des Just-in-Time-Konzeptes (fertigungsynchrone Lieferung) entscheiden. Weiterhin besteht zweifellos ein signifikantes Kostensenkungspotential im Bereich der Beschaffung und Materialwirtschaft.

2. Vorüberlegungen der Materialbedarfsplanung und -bereitstellung

In einem Industriebetrieb werden zur Leistungserstellung zahlreiche verschiedene Materialien benötigt. Aufgrund deren Vielzahl und Vielfältigkeit haben sich mehrere Methoden zur bedarfsgerechten Materialbereitstellung und Materialbedarfsplanung entwickelt. Betriebswirtschaftlich relevant sind vor allem die Kosten, die durch die benötigten Materialien verursacht werden. Hochwertige Materialien verursachen zum Beispiel hohe Kapitalbindungs- und Lagerkosten. Geringwertige Materialien verursachen hingegen geringere Lager- und Kapitalbindungskosten, jedoch einen im Verhältnis zum Materialwert hohen Planungs- und Verwaltungsaufwand. Der Wert eines Materials beeinflußt also die Kosten nicht unerheblich. Die in einem Industriebetrieb verwendeten Materialien sollten somit sinnvoll aufgrund ihres Wert- und Mengenanteils differenziert bzw. klassifiziert werden. Ein probates Mittel hierzu stellt die ABC-Analyse dar, die die Güter entsprechend ihres Wert- und Mengenanteils in die Klassen A, B und C einteilt. Gemäß dieser Klassifikation werden Materialien mit hohem Wert-, jedoch geringem Mengenanteil als A-Güter und Materialien mit niedrigem Wert- und hohem Mengenanteil als C-Güter bezeichnet. Materialien, die sich den A- oder C-Gütern nicht eindeutig zuordnen lassen, werden den B-Gütern zugeordnet. Zur Ermittlung des Wertanteils eines Materials wird dessen Verbrauch einer Periode durch Multiplikation mit dem jeweiligen Bezugspreis bewertet. Dieser Verbrauchswert wird anschließend prozentual mit dem Gesamtverbrauchswert sämtlicher Materialien in Relation gesetzt. Der mengenmäßige Anteil eines Materials läßt sich prozentual auf Basis der Gesamtverbrauchsmenge ermitteln. Die Materialien werden nun ihrem Wertanteil entsprechend absteigend sortiert, um sie gemäß der in der Praxis häufig verwendeten Einteilungskonvention zu klassifizieren. Diese Konvention sieht vor, daß jene Güter, die zusammen ca. 80% des Gesamtwertes und ca. 15% des Mengenanteils ausmachen, den A-Gütern zugeordnet werden. Materialien mit einem Wertanteil von ca. 15% und einem Mengenanteil von ca. 20% werden als B-Güter und Materialien mit einem Wertanteil von ca. 5% und einem Mengenanteil von ca. 70% als C-Güter klassifiziert. Die ABC-Analyse läßt sich aufgrund der Regelmäßigkeit und Vorhersagbarkeit der Materialverbräuche noch zur Verfeinerung mit einer sogenannten XYZ-Analyse kombinieren. Für die folgenden Ausführungen sollte jedoch die Betrachtung auf Basis der ABC-Klassifikation genügen.

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