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Menschliche Gesichtsattraktivität und sexuelle Selektion - Die Rolle der Symmetrie und Durchschnittlichkeit

Autor: Marc Müller
Fach: Biologie - Verhalten

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Details

Kategorie: Bachelorarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 29
Note: Sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 41  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 951 KB
Archivnummer: V49634
ISBN (E-Book): 978-3-638-46027-9

Textauszug (computergeneriert)

Institut für Zoologie der Universität Graz

Menschliche Gesichtsattraktivität und sexuelle Selektion
Die Rolle der Symmetrie und Durchschnittlichkeit


Bakkalaureatsarbeit
:
Marc Müller

 

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung ... 1

1 Hauptteil ... 4

1.1 Allgemeine ... 4
1.2 Methode ... 7
1.2.1 Bewertungsschema ... 7
1.2.2 Erstellung individueller Photos ... 7
1.2.3 Erstellung der Composites ... 8
1.2.4 Vermessung der Gesichter ... 10
1.2.5 Berechnung der Asymmetrie ... 11
1.2.6 Vermessung/Kalkulation der Durchschnittlichkeit ... 12
1.2.7 Statistische Tests ... 13
1.2.8 Kalkulation der metrischen Gesichtsdimensionen ... 13
1.3 Ergebnisse ... 14
1.3.1 Composites im Vergleich mit individueller Attraktivität ... 14
1.3.2 Composites im Vergleich mit individuellen Gesichtern: Durchschnittlichkeit und Symmetrie ... 14
1.3.3 Asymmetrie und Attraktivität ... 15
1.3.4 Durchschnittlichkeit und Attraktivität ... 17
1.3.5 Gesichtszüge und Attraktivität ... 17

2 Nachspann ... 22

2.1 Diskussion ... 22
2.2 Literaturverzeichnis ... 25
2.2.1 Verwendete Internetadressen ... 27

 

0 Einleitung
Im Rahmen meiner Bakkalaureatsarbeit habe ich mich entschieden das Thema:


„Die Menschliche Gesichtsattraktivität und sexuelle Selektion; Die Rolle der Symmetrie und Durchschnittlichkeit“

zu behandeln und richtete mich vor allem nach dem zu diesem Thema im „Journal of Comparative Psychology“ publizierten Artikel von Karl Grammer und Randy Thornhill. (Journal of Comparative Psychology 1994, Vol 108, No. 3, S. 233 – 242).

Ich wählte dieses Thema, da es mich sehr interessiert, ob Attraktivität wirklich mathematisch verifizierbar ist und auf welchen Merkmalen sie beruht. Tagtäglich begegnen wir unzähligen Menschen, sehen in unzählige Gesichter und fällen in der Regel innerhalb kürzester Zeit ein Urteil darüber, ob uns unser Gegenüber attraktiv erscheint oder nicht. Selten machen wir uns wohl bewusst darüber Gedanken, welche Merkmale es im Einzelnen sind, die diesen Eindruck hervorrufen.

Erst seit einigen Jahrzehnten wird systematisch untersucht, wie sich die Ausprägung morphologischer Merkmale auf die Attraktivität eines Menschen auswirkt. Viele Sozialwissenschaftler vertreten die These, dass Vorlieben für bestimmte äußere Merkmale kulturell geprägt sind und sich dementsprechend im Laufe der Zeit ändern. Diese Ansichten stehen jedoch nicht im Einklang mit den Erkenntnissen, zu denen viele Attraktivitätsforscher in den letzten Jahrzehnten gelangten. Sicherlich gibt es individuelle Präferenzen und sicherlich übt auch unser kulturelles Umfeld einen Einfluss darauf aus, was wir an unseren Mitmenschen attraktiv finden und was nicht. Auf der anderen Seite zeigt eine Reihe von Studien, dass es sehr wohl einen hohen Konsens bei der Attraktivitätsbeurteilung anderer Menschen gibt und dies über viele Länder und Kulturen hinweg. Und die Behauptung, Attraktivitätsmaßstäbe seien ausschließlich erlernt, ist nicht vereinbar mit einigen mehrfach replizierten Forschungsbefunden. Wenn der Mensch nicht von Geburt an mit bestimmten psychischen Mechanismen ausgestattet wäre, die letztendlich auch unser Attraktivitätsempfinden prägen, wie ließe sich dann erklären, dass bereits wenige Monate alte Säuglinge attraktiveren Gesichtern mehr Aufmerksamkeit schenken als weniger attraktiven (Langlois, Ritter, Roggmann 1991)

Auch ohne wissenschaftliche Hintergrundinformation erscheint die Annahme vieler Attraktivitätsforscher plausibel, dass die Wahrnehmung physischer Attraktivität an unseren Mitmenschen in engem Zusammenhang mit der Partnerwahl steht. Die Intensität der Gefühle, die mit körperlicher Anziehung und Partnerschaft einhergehen, soll nach evolutionspsychologischen Überlegungen darin begründet sein, dass sie Verhalten nach sich ziehen, das bereits unseren Vorfahren erfolgreiche Reproduktion, beziehungsweise (in Anbetracht widriger Umweltbedingungen) das Überleben sicherte.

Auch unsere heutigen Präferenzen für bestimmte äußerliche Merkmale sollen auf Strategien zurückgehen, die sich als Anpassung an die Umgebung unserer Vorfahren entwickelt haben. Nach evolutionspsychologischen Überlegungen bedeutet dies, dass sich diese als adaptiv erwiesenen Strategien im Laufe der Evolution sich auf die Anlage der gesamten Menschheit verteilt hat und unterbewusst wirksam sind. Diese Ansicht relativiert die Sichtweise, die den Menschen als reines Produkt der Gesellschaft sieht. Erhärtend ist, dass viele Studien zeigen, dass bestimmte Partnerwahlpräferenzen bei Männern und Frauen weltweit anzutreffen sind d. h. dass bestimmte Präferenzen kulturinvariant sind. So bevorzugen Frauen äußerliche Merkmale und Verhaltensweisen bei Männern, die darauf hinweisen, dass sie ihren Nachkommen möglichst gute Erbanlagen weitergeben und in der Lage sind, die Familie zu schützen, sie zu nähren und sich emotional zu engagieren. Im Bezug auf physische Attraktivität spielen hierbei physiognomische Merkmale eine Rolle, die neben körperlicher Gesundheit und Stärke auch soziale Dominanz und Beziehungsfähigkeit signalisieren. Ein großes Kinn und ein breiter Unterkiefer als extrem ausgeprägte sekundäre Geschlechtsmerkmale signalisieren beispielsweise Dominanz und Stärke und verweisen auf ein gut funktionierendes Immunsystem (Handicap Prinzip Zahavi 1975).

Eine extreme Ausprägung der unteren Gesichtshälfte beim Mann ist durch ein hohes Aufkommen des Sexualhormons Testosteron bedingt. Da ein hoher Testosteronspiegel wiederum das Immunsystem beeinträchtigen kann, könnte sich der Träger dieser Extremmerkmale dieses Handicap ohne gutes Immunsystem gar nicht leisten (Grammer, 2000). Nach diesen Überlegungen dienen solche Merkmale auch als Indikator für genetische Qualität und werden als attraktiv empfunden. Die männlichen Präferenzen für weibliche Eigenschaften und Merkmale umfassen neben Treue und Keuschheit insbesondere Indikatoren für Jugendlichkeit und Gesundheit, welche wiederum Hinweise auf den weiblichen Fortpflanzungswert darstellen
.
In dem Artikel „Die Menschliche Gesichtsattraktivität und sexuelle Selektion; Die Rolle der Symmetrie und Durchschnittlichkeit“ im „Journal of Comparative Psychology“ publizierten Artikel (Journal of Comparative Psychology 1994, Vol 108, No. 3, S. 233 – 242). erstellten „Karl Grammer und Randy Thornhill aufgrund der Parasiten- Selektionstheorie (Selektion aufgrund von Parasitenresistenz - wird im Hauptteil näher beschrieben) die Hypothesen, dass Männer und Frauen die Durchschnittlichkeit und Symmetrie des Gesichtes bei dem jeweiligen Partnergeschlecht präferieren und dass Frauen die Größe (nicht die Durchschnittlichkeit) der sekundären Geschlechtsmerkmale als attraktiv befinden.

Sie erstellten im Rahmen ihrer Forschungen Gesichter am Computerbildschirm und legten diese dann übereinander. Dadurch entstanden so genannte „Composites“, mittels derer die Präferenz für Durchschnittlichkeit nachgewiesen werden sollte. Danach bewerteten Frauen und Männer die Gesichter vom jeweils anderen Geschlecht mit 4 Variablen (attraktiv, dominant, sexy und gesund). Die Hypothese wurde tatsächlich signifikant bestätigt, mit Ausnahme der Wirkung der Durchschnittlichkeit auf die Wertung der Attraktivität bei Männern. Dies war die erste Studie, die einen positiven Einfluss der Gesichtssymmetrie auf die Gesichtsattraktivität nachwies.


1 Hauptteil

1.1 Allgemeines

Karl Grammer und Randy Thornhill erstellten, wie gesagt, ihre Hypothesen aufgrund der Parasitentheorie. Die Parasitentheorie auch Hamilton-Zuk-Theorie genannt (Hamilton & Zuk 1982, Science 218: 384-387), befasst sich mit dem Parasitenbefall als entscheidenden Faktor in der Partnerwahl. In einem zwischenartlichen Vergleich mit 109 Vogelspezies zeigten William D. Hamilton und Marlene Zuk, dass Arten, bei denen Männchen ein auffälliges, prächtiges Brutkleid ausbilden, einen höheren Parasitenbefall aufweisen als Arten, bei denen Männchen ein weniger prächtiges Brutgefieder aufweisen. Für den innerartlichen Vergleich sagt die Hamilton-Zuk-Hypothese voraus, dass Männchen mit besonders gut ausgebildeten sekundären Geschlechtsmerkmalen weniger Parasiten aufweisen als Männchen mit weniger gut ausgebildeten sekundären Geschlechtsmerkmalen. Sekundäre Geschlechtsmerkmale werden dabei als Handicaps verstanden, die sich negativ auf die Überlebensfähigkeit auswirken, aber gleichzeitig genetische Resistenz anzeigen (Maynard Smith 1985, J Theoretische Biologie 115, 1-8). Weibchen können demnach Männchen mit hoher genetischer Parasitenresistenz an ihrem Gefieder erkennen und so eine Wahl treffen, die ihren Nachkommen bessere Überlebenschancen gibt. Allgemeiner ausgedrückt, repräsentiert die Ausbildung eines sexuell selektierten Merkmals einen Trade-off zwischen sexueller Selektion und Parasitenresistenz. Wirtsresistenz und Parasitenvirulenz folgen dabei einem zyklischen dynamischen Prozess, d.h. auf jeden neuen evolutionären Schritt der Wirte bezüglich ihrer Parasitenresistenz kann der Parasit mit einer Anpassung seinerseits reagieren. Im nächsten Schritt werden die Wirtstiere wiederum auf eine verbesserte Resistenz gegen den neuen Parasitentyp selektiert usw. Ein Variationsstop des bevorzugt selektierten Merkmals wird somit nicht erreicht, es können also nie alle Konkurrenten gleich "gute" Gene besitzen (Hamilton & Zuk, 1982).

Einen weiteren Erklärungsansatz für die Merkmalsevolution durch sexuelle Selektion bietet die Immunokompetenzhypothese von Folstadt und Karter (1992, S. 603-622), eine Weiterentwicklung und Modifizierung der Hamilton-Zuk-Theorie. Sie beschäftigt sich mit dem Kostenaspekt der Ausprägung sekundärer Geschlechtsmerkmale, also der Frage, welche Nachteile solche Merkmale mit sich bringen. Wären keine Kosten mit diesen Merkmalen verbunden, könnten einfach alle Männchen besonders prachtvolle Ornamente ausbilden, um dadurch einen hohen Fortpflanzungserfolg zu erzielen. Folstadt und Karter erklären diesen Aspekt mit der zweischneidigen Wirkung des Hormons Testosteron. Bei vielen Tierarten ist Testosteron an der Ausprägung sekundärer Geschlechtsmerkmale beteiligt. Gleichzeitig übt dieses Hormon einen hemmenden Einfluss auf das Immunsystem aus. In einer negativen Rückkopplung würde demnach ein Männchen, das hohe Investitionen in die Fortpflanzung (Ausprägung des sexuellen Merkmals) tätigt, einen Nachteil bezüglich seiner Krankheitsresistenz erfahren. Einen hohen Hormonlevel kann sich demnach nur ein Tier leisten, das eine genetisch bedingte hohe Resistenz gegenüber Krankheiten, Parasiten, u.ä. besitzt. Weibchen könnten so durch die sekundären Geschlechtsmerkmale der Männchen eine Information über die (genetische) Qualität möglicher Paarungspartner erhalten, da nur gesundheitlich ‚robuste′ Männchen die geforderten Geschlechtsmerkmale in ausreichender Güte zu produzieren vermögen. Sekundäre sexuelle Geschlechtsmerkmale sind also Entwicklungsfolgen der sexuellen Selektion.

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