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Die Militärverwaltung für den Banat, die Backa und die Baranja. Unter besonderer Berücksichtung der deutsch- und ungarischsprachigen Minderheit

Scholarly Essay, 2006, 21 Pages
Author: Dr. phil. Michael Portmann
Subject: History - Non-German

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 2006
Pages: 21
Bibliography: ~ (69 Fußnoten)  Entries
Language: German
Archive No.: V49714
ISBN (E-book): 978-3-638-46092-7
ISBN (Book): 978-3-638-80246-8
File size: 299 KB

Abstract

Unmittelbar nach dem Durchmarsch bzw. Einmarsch der Roten Armee, bulgarischer Truppen und jugoslawischer Volksbefreiungseinheiten wurde am 17. Oktober 1944 auf Anordnung Titos auf dem Gebiet des Banats, der Bačka und der Baranja eine Militärverwaltung (Vojna uprava za Banat, Bačku i Baranju) installiert. Damit endete die dreieinhalb Jahre dauernde Annexion bzw. Okkupation dieser historischen Regionen durch Ungarn und das Deutsche Reich. Die Militärverwaltung hatte bis zum 15. Februar 1945 Bestand. In diesem kurzen Zeitraum wurden die Weichen für die politischen, wirtschaftlichen, bevölkerungspolitischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse in der Vojvodina gestellt. Im folgenden Beitrag sollen auf der Grundlage jugoslawischer Arbeiten und serbischer Archivdokumente Funktion und Aktionsradius der Militärverwaltung in groben Zügen aufgezeichnet werden. Spezielles Augenmerk wird dabei auf den behördlichen Umgang und das Schicksal der deutsch- und ungarischsprachigen Minderheit gerichtet sein.


Excerpt (computer-generated)

Die jugoslawisch-kommunistische Militärverwaltung für den Banat, 
die
Backa und die Baranja (1944-1945)
unter besonderer Berücksichtigung der deutsch- und ungarischsprachigen Minderheit

von

Michael Portmann

 

 

1 EINLEITUNG 3

2 GRÜNDE FÜR DIE INSTALLATION DER MILITÄRVERWALTUNG 3

3 AUFGABEN UND TÄTIGKEITEN 5

4 TERRITORIALER UND ADMINISTRATIVER AUFBAU 8
KARTE 1: DIE MILITÄR VERWALTUNG FÜR DEN BANAT, DIE BACKA UND DIE BARANJA 1944/1945 9

5 DIE DEUTSCH- UND UNGARISCHSPRACHIGE BEVÖLKERUNG ZUR ZEIT DER MILITÄRVERWALTUNG 11

6 BILANZ ÜBER VIER MONATE MILITÄRVERWALTUNG 17

 

 

1 EINLEITUNG

Unmittelbar nach dem Durchmarsch bzw. Einmarsch der Roten Armee, bulgarischer Truppen und jugoslawischer Volksbefreiungseinheiten wurde am 17. Oktober 1944 auf Anordnung Titos auf dem Gebiet des Banats, der Backa und der Baranja eine Militärverwaltung (Vojna uprava za Banat, Backu i Baranju) installiert.1 Damit endete die dreieinhalb Jahre dauernde Annexion bzw. Okkupation dieser historischen Regionen durch Ungarn und das Deutsche Reich. Im nördlich der Donau gelegenen Teil der späteren Autonomen Provinz Vojvodina (Autonomna Pokrajina Vojvodina) setzte im Herbst 1944 der vielschichtige Prozess der kommunistischen Revolution von oben ein, der in ganz Jugoslawien bereits Anfang 1946 - notabene früher als in allen anderen kommunistischen Ländern Europas - abgeschlossen sein sollte.2

Die Militärverwaltung für den Banat, die Backa und die Baranja hatte bis zum 15. Februar 1945 Bestand. In diesem kurzen Zeitraum wurden die Weichen für die politischen, wirtschaftlichen, bevölkerungspolitischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse in der Vojvodina gestellt. Im folgenden Beitrag sollen auf der Grundlage jugoslawischer Arbeiten3 und serbischer Archivdokumente Funktion und Aktionsradius der Militärverwaltung in groben Zügen aufgezeichnet werden. Spezielles Augenmerk wird dabei auf den behördlichen Umgang und das Schicksal der deutsch- und ungarischsprachigen Minderheit gerichtet sein.

2 GRÜNDE FÜR DIE INSTALLATION DER MILITÄRVERWALTUNG

Die aus Sicht der kommunistischen Führung „schwierige Lage des Banats, der Backa und der Baranja zur Besatzungszeit“ bot den äußeren Anlass für die Installation einer Militärverwaltung. Als Folge der relativ „effizienten“ deutschen und ungarischen Okkupations- und Annexionspolitik war das Netz der kommunistischen Volksbefreiungsausschüsse im Banat, der Backa und der Baranja tatsächlich nicht engmaschig genug, um sofort eine funktionierende zivile Verwaltung aufbauen zu können.4 Aus der Optik des kommunistischen Führungsstabes traf die Armee hier auf unterentwickeltes Territorium, auf den „Wilden Westen“ sozusagen, der nur unter temporärer Aufsicht und Leitung der ideologisch bereits geformten Partisaneneinheiten „zivilisiert“ werden konnte. In der Kundmachung (Proglas) vom 22. Oktober 1944 hieß es, dass der „[...] jugoslawische Charakter dieser Gebiete [...]“ erhalten werden müsse und die „[...] slawischen Einwohner die Durchführung der notwendigen Maßnahmen im Interesse der nationalen Zukunft unterstützen [sollen].“ 5 Die Angst der militärischen Führung vor Sabotageaktionen dürfte ebenfalls ein Motiv für die Errichtung der Militärverwaltung gewesen sein. 6 Die nationale Heterogenität der Bevölkerung, allen voran der große Anteil an nicht-slawischen Bewohnern, deren Angehörige zudem die „Volkszugehörigkeit“ eines der Okkupations- oder zumindest Feindstaaten besaßen, musste zwangsläufig eine rigorose und harte Übergangsverwaltung nach sich ziehen. Die durchaus skeptische bis feindliche Stoßrichtung der Militärverwaltungsorgane gegenüber allen nichtslawischen Einwohnern der Vojvodina ist charakteristisch für die erste Phase ihres Bestehens (bis Anfang Dezember 1944).7 Dazu hieß es in einer auf den 13. November 1944 datierten Mitteilung des Provinzkomitees der Vojvodina an alle Mitglieder der KPJ im Banat, der Backa und der Baranja :

„Diese Maßnahme [die Installation der Militärverwaltung, Anm. des Autors] wurde getroffen, da in diesen unseren Gebieten viele Deutsche und Magyaren leben, die sich zur Zeit der Besatzung den slawischen Einwohnern gegenüber feindlich verhalten und an allen Gräueltaten teilgenommen haben, welche die Besatzungsmacht an unserem Volk verübt hat. Besonders die hiesigen Schwaben haben sich den Serben, aber auch allen anderen Völkern gegenüber barbarisch verhalten. Deswegen ist es notwendig, dass wir gründlich [Hervorhebung im Original, Anm. des Autors] mit allen Schwaben abrechnen und auch mit jenen Magyaren, die Verbrechen begangen haben. Wegen der hohen Anzahl feindlicher Elemente, die in unserer Mitte leben, konnte unsere Vo lksgewalt nicht sofort jene Autorität ausüben, die sie haben sollte und müsste. [...]“8

Noch prägnanter äußerte sich der Sekretär des Hauptvolksbefreiungsausschusses der Vojvodina, Toma Granfil, anlässlich seines Referats am 31. Juli 1945: „Die Militärverwaltung wurde eingeführt, um das Problem der Deutschen zu lösen“.9 Im Vordergrund stand zweifellos die militärische und damit effiziente Kontrolle über die als illoyal geltende jugoslawiendeutsche und jugoslawienmagyarische Minderheit und die Sicherstellung (später Konfiskation und Sequestrierung) des von den „Volksdeutschen“ verlassenen Besitzes. 10 Nicht zuletzt stellte die vorläufige Machtübernahme durch das Militär sicher, dass die wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Ressourcen der Vojvodina prioritär der sich noch mitten im Krieg befindenden Volksbefreiungsarmee zu Gute kamen.11

3 AUFGABEN UND TÄTIGKEITEN

Konkret übernahmen die Organe der Militärverwaltung die gesamte exekutive und judikative Gewalt und waren u.a. zuständig für:12

[....]


1 Vgl. Arhiv Srbije i Crne Gore, Belgrad (im Folgenden: ASCG), F-513, XXXIV, MP, III-3/173: Anordnung des Obersten Kommandanten der Volksbefreiungsarmee Jugoslawiens und der Partisanenabteilungen Jugoslawiens über die Installation der Militärverwaltung für den Banat, die Backa und die Baranja, Dokument undatiert, gezeichnet von Tito. Dokument auch in: Arhiv Vojvodine, Novi Sad (im Folgenden: AV), F-170.1.

2 Vgl. M. PORTMANN, Die Revolution in der Vojvodina 1944-1948, 2 Bd., Unveröffentlichte Dissertation, Wien 2005.

3 Die jugoslawisch-kommunistische Historiografie beschäftigte sich wenn auch faktographis ch richtig, so zumeist unkritisch und apologetisch mit der Periode der Militärverwaltung. Vgl. R. KONCAR, Vojna uprava u Banatu, Backoj i Baranji 1944/1945, in: Narodna vlast u Vojvodini 1941-1945 (Radovi sa savetovanja odrzanog 22-23. novembra 1982. u Novom Sadu), Novi Sad 1986, 736-738; G. MALOVIC, Vojna uprava u Banatu, Unveröffentlichte Magisterarbeit, Beograd 1979; R. CVEJIC, Uloga KPJ u organizovanju i radu Vojne uprave za Banat, Backu i Baranju, in: Istra(?)ivanje, Nr. 1, Novi Sad 1971, 245-255; A. KASAS, Ekonomske mere Vojne uprave za Banat, Backu i Baranju 1944/1945, in: Zbornik za istoriju Matice Srpske, Nr. 27/1983, 173-183. DERS., Madari u Vojvodini 1941-1946, Novi Sad 1996; J. POPOV, Razlozi uvodenja Vojne uprave na podrucju Banata, Backe i Baranje 1944, in: Zbornik Matice Srpske za istoriju Bd. 55, Novi Sad 1997, 87-109. In englischer Sprache: E. A. SAJTI, The Change of Rule and Reprisals against the Hungarians in Yugoslavia 1944-1946, in: CHRONICA (Annual of the Institute of History University of Szeged), Szeged 2003, 114-131. In der deutschsprachigen Literatur existiert meines Wissens keine Arbeit zum Thema.

4 Vgl. AV, F-198.7: Bericht der Abteilung für den Aufbau der Gewalt und die Organisation der staatlichen Verwaltung des Sekretariats vom Exekutivausschuss des Volksparlaments der AP Vojvodina über den Aufbau der staatlichen Gewalt und des staatlichen Verwaltungsapparats auf dem Gebiet der AP Vojvodina 1944-1950, Dokument undatiert, nicht gezeichnet.

5 Zit. aus: AV, F-171.2: Kundmachung, Dokument undatiert, nicht gezeichnet.

6 Vgl. A. KASAS, Madari u Vojvodini 1941-1946, Novi Sad 1996, 159.

7 JANJETOVIC, Die Konflikte zwischen Serben und Donauschwaben 164.

8 Zit. aus: AV, F-334, ohne weitere Angaben: Mitteilung des Provinzkomitees der Vojvodina an alle Mitglieder der KPJ im Banat, der Backa und der Baranja vom 13. November 1944. Interessanterweise existiert ein auf den 14. November 1944 datiertes Dokument mit exakt dem gleichen Wortlaut, allerdings wird dort als Absender der Hauptvolksbefreiungsausschuss der Vojvodina und als Empfänger sämtliche Volksbefreiungsausschüsse in der Backa, im Banat und der Baranja angegeben. Vgl. J. POPOV (ed.), Glavni NOO Vojvodine 1943-1945, (=Grada za istoriju Vojvodine, Buch 12), Novi Sad/Sremski Karlovci 1977, 130-132 und AV, F-205, kut. 98, fol. „Odluke organa vlasti“: Mitteilung des GNOOV an alle Volksbefreiungsausschüsse in der Backa, im Banat und der Baranja vom 14. November 1944.

9 Zit. aus: POPOV, Glavni NOO Vojvodine 521.

10 Vgl. JANJETOVIC, Die Konflikte 164 und B. PETRANOVIC, Istorija Jugoslavije 1918-1988, Buch 2: Narodnooslobodilacki rat i revolucija 421.

11 Vgl. B. PETRANOVIC / M. ZECEVIC, Jugoslovenski federalizam. Ideje i stvarnost. Tematska zbirka dokumenata. Band 2: 1943-1986, 144 und Cvejic, Uloga KPJ 247.

12 Vgl. AV, F-171.9: Anordnung Nr. 1 vom Kommandanten der Militärverwaltung für den Banat, die Backa und die Baranja vom 25. Oktober 1944, gezeichnet von Ivan Rukavina.


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