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Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg 1941-1945

Scholarly Essay, 2005, 33 Pages
Author: Dr. phil. Michael Portmann
Subject: History - Non-German

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 2005
Pages: 33
Bibliography: ~ (über 110 Fußnoten)  Entries
Language: German
Archive No.: V49717
ISBN (E-book): 978-3-638-46093-4
ISBN (Book): 978-3-638-70869-2
File size: 568 KB

Abstract

Im vorliegenden Aufsatz werden zunächst die Rahmenbedingungen in den unter deutscher, ungarischer, kroatischer und italienischer (albanischer) Besatzung stehenden Territorien auf dem Gebiet des heutigen Serbien und Montenegro diskutiert , bevor auf Programm, Aktionsradius und Wirkung der zwei zentralen Bürgerkriegsparteien (serbische und montenegrinische četnici und Titos Partisanen) eingegangen wird. Das letzte Kapitel ist der endgültigen Machtübernahme durch die kommunistisch dominierte Volksbefreiungsarmee und den Anfängen der sozialistischen „Erneuerung“ [obnova] Serbien und Montenegros gewidmet.


Excerpt (computer-generated)

Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg
(1941-1944/45)

von

Michael Portmann

 

 

Inhaltsverzeichnis

Die Zerschlagung und Aufteilung des Königreichs Jugoslawien ...  2

Das okkupierte Serbien und der Banat 1941-1944 ...  5

Die Baèka und die Baranja als Teil Ungarns  ...  17

Syrmien im „Unabhängigen Staat Kroatien“ [NDH]  ...  19

Montenegro als italienisches und deutsches Protektorat ...  21

Der Kosovo unter italienischer und deutscher Besatzung ...  23

Bürgerkrieg in Serbien und Montenegro: Nationale, nationalistische und revolutionäre Kräfte im Kampf  ...  25

Anmerkungen zu den Anfängen des kommunistischen Transformationsprozesses  ...  28

Schlussbemerkungen ...  31

 

 

Die Zerschlagung und Aufteilung des Königreichs Jugoslawien

Als wütende Reaktion auf einen Putsch serbischer Militärs und Oppositionspolitiker fasste Adolf Hitler Ende März 1941 den folgenschweren Entschluss, das Königreich Jugoslawien „so rasch als möglich“1 zu zerschlagen. Damit fand der im Dezember 1918 aus dem Königreich Serbien, dem Königreich Montenegro und der Erbmasse der Habsburgermonarchie entstandene Staat nach knapp 23 Jahren ein unrühmliches Ende. Die ersten deutschen Bomben schlugen ohne vorherige Kriegserklärung in Belgrad [Beograd] am frühen Morgen des 6. April 1941 ein („Unternehmen Strafgericht“) und nach lediglich elf Kriegstagen gegen Deutschland, Ungarn und Italien musste das durch seine ungelöste nationale Frage paralysierte2 und militärisch weit unterlegene Königreich Jugoslawien die bedingungslose Kapitulation hinnehmen. Der jugoslawische Vielvölkerstaat wurde – im Wesentlichen nach den reichlich kurzsichtigen Vorstellungen und „improvisierten Entscheidungen“3 Hitlers – auf den Wiener Verhandlungen vom 20. bis zum 22. April 1941 unter den Achsenmächten aufgeteilt: Deutschland besetzte ohne Rücksprache mit Rom [Roma] den größeren Teil Sloweniens, zwar ohne die Hauptstadt Laibach [Ljubljana], dafür okkupierten deutsche Truppen die Untersteiermark, das ehemalige kärntnerische Miesstal, die Gemeinde Seeland und Oberkrain. Vier Katastralgemeinden in der Nordwestecke des Übermurgebiets [Prekmurje] wurden von Deutschland annektiert4. Italien annektierte fast den ganzen Rest Sloweniens [Provincia di Lubiana], die gesamte dalmatinische Platte von Zadar bis Split sowie die meisten der dalmatinischen Inseln. Montenegro (ohne die Bucht von Kotor [Boka Kotorska] sollte als „unabhängiger“ Staat unter italienischem Protektorat wiederauferstehen. Das ebenfalls von Italien regierte Albanien hielt sich am größten Teil des Kosovo [Kosove]5, dem westlichen Makedonien und einem mehrheitlich von Albanern bewohnten Streifen zwischen Montenegro und Albanien schadlos. Fast ganz Makedonien, Teile Süd- und Ostserbiens und der Rest des Kosovo wurden von Bulgarien einverleibt. Ungarn gliederte mehrere nach dem Ersten Weltkrieg verloren gegangene Gebiete des historischen Südungarns, namentlich die Baèka und die Baranja wieder ein und erweiterte sein Territorium zudem um das in der Zwischenkriegszeit zu Kroatien gehörende Zwischenmurgebiet [Medimurje] und das von Slowenien abgetrennte Prekmurje. Serbien - ungefähr in den Grenzen vor den Balkankriegen - und der serbische Banat kamen unter deutsche Militärverwaltung. Kroatien-Slawonien mit Syrmien und ganz Bosnien- Herzegowina bildeten schließlich den faschistischen „Unabhängigen Staat Kroatien [Nezavisna Drzava Hrvatska, im folgenden auch: NDH] mit dem poglavnik [Staatsoberhaupt] Ante Paveliæ an seiner Spitze6.


Karte 1: Die Aufteilung Jugoslawiens, 1941

Quelle: Jozo Tomasevich, War and Revolution in Yugoslavia, 1941-1945. Occupation and Collaboration (Stanford 2001) 62.

[...]

An der Hitlerschen „Neuordnung“ war – um mit den Worten des britischen Historikers Alan Milward zu sprechen – wenig neu und noch weniger in Ordnung7. Sie zeichnete sich durch Kurzsichtigkeit, Planlosigkeit und mangelnde historische Kenntnisse aus, was Staatssekretär Ernst Freiherr v. Weizsäcker bereits im April 1941 zu folgender Aussage verleiten ließ: 


„Im übrigen scheint mir die Neuordnung des Balkans [...] so zu erfolgen, dass keiner mit seinem Nachbarn sich vertragen kann. [...] Ich frage mich nur, wer diesen Sack voll von Flöhen jetzt im Kriege hüten wird.“8

Im vorliegenden Aufsatz werden zunächst die Rahmenbedingungen in den unter deutscher, ungarischer, kroatischer und italienischer (albanischer) Besatzung stehenden Territorien auf dem Gebiet des heutigen Serbien und Montenegro diskutiert9, bevor auf Programm, Aktionsradius und Wirkung der zwei zentralen Bürgerkriegsparteien (serbische und montenegrinische èetnici und Titos Partisanen) eingegangen wird. Das letzte Kapitel ist der endgültigen Machtübernahme durch die kommunistisch dominierte Volksbefreiungsarmee und den Anfängen der sozialistischen „Erneuerung“ [obnova]10 Serbien und Montenegros gewidmet.

[....]


1 Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939-1945. Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht, ed. Walter Hubatsch (Frankfurt a. M. 1962) 106.

2 Angeblich soll es jugoslawische Generäle gegeben haben, die anlässlich ihres bevorstehenden Fronteinsatzes gesagt haben: „Dovioenja u zarobljenistvu“ [Auf Wiedersehen in der Gefangenschaft]. Branko Petranoviæ, Srbija u drugom svetskom ratu 1939-1945 [Serbien im Zweiten Weltkrieg] (Beograd 1992) 109. Die partielle Hilfstätigkeit donauschwäbischer, bereits seit Mai 1940 bestehender paramilitärischer Einheiten (so bei der Besetzung des Militärflugplatzes in Zemun [Semlin], die meist gewaltlose Entwaffnung zerfallender jugoslawischer Einheiten, aber auch die unstrittige donauschwäbische Beteiligung an Plünderungen und Massenerschießungen während des April-Krieges oder unmittelbar danach trugen nicht entscheidend zur schnellen Niederlage des Königreichs Jugoslawien bei. Zoran Janjetoviæ, Die Konflikte zwischen Serben und Donauschwaben. In: Südost-Forschungen (1999) 58, 156 ff.

3 Holm Sundhaussen, Okkupation, Kollaboration und Widerstand in den Ländern Jugoslawiens 1941-1945. In: Okkupation und Kollaboration (1938-1945). Beiträge zu Konzepten und Praxis der Kollaboration in der deutschen Okkupationspolitik. Zusammengestellt und eingeleitet von Werner Röhr (= Europa unterm Hakenkreuz. Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus (1938-1945), Ergänzungsband 1, ed. Bundesarchiv, Berlin/Heidelberg 1994) 349.

4 Arnold Suppan, Zwischen Adria und Karawanken. Deutsche Geschichte im Osten Europa (Wien 1998) 393.

5 Das Gebiet um Kosovska Mitrovica (inklusive Trepèa) war wegen seines bedeutenden Blei- und Zinkbergwerks faktisch von Deutschland besetzt. Petranoviæ, Srbija u drugom svetskom ratu 114.

6 Jozo Tomasevich, War and Revolution in Yugoslavia, 1941-1945. Occupation and Collaboration (Stanford 2001) 61-64. Den genauen Grenz- und Demarkationslinienverlauf der Hitlerschen “Neuordnung” in Jugoslawien beschreibt: Slobodan D, Miloseviæ, Okupatorska podela Jugoslavije 1941-1945 [Besatzungsaufteilung Jugoslawiens 1941-1945]. In: Istorija 20. veka, god. X, broj (1992) 1-2, 125-143.

7 Holm Sundhaussen, Geschichte Jugoslawiens 1918-1980 (Stuttgart u. a. 1982) 110. Dazu auch: Milan Ristoviæ, Third Reich’s „New Order“ Planning and Practice in the Balkans, 1941-1944: Serbian and Greek Case, http://www.udi.org.yu/articles/MRI_3rd_reich_new_order.pdf

8 Sundhaussen, Okkupation, Kollaboration und Widerstand 353.

9 Auf die Ereignisse in den durch Bulgarien annektierten Randgebieten Südostserbiens und der östlichen Distrikte des Kosovo wird im folgenden nicht eingegangen. Diesbezügliche Literatur: Venceslav Glisiæ, Boro Mitrovski, Tomo Ristovski, Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941-1945 (Beograd 1971).

10 Ein Propaganda-Sprichwort dieser Zeitperiode lautete trefflich: „Nema odmora dok traje obnova“ [Es gibt keine Rast, solange die Erneuerung andauert]. Momèilo Mitroviæ, Izgubljene iluzie. Prilozi za drustveni istoriju Srbije 1944-1952 [Verlorene Illusionen. Beiträge zur Sozialgeschichte Serbiens 1944-1952] (Beograd 1997) 5.


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