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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 26 Pages
Author: Dr. phil. Michael Portmann
Subject: History - Non-German
Details
Tags: Ustasa-Staat
Year: 2003
Pages: 26
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46098-9
ISBN (Book): 978-3-638-66051-8
File size: 486 KB
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis
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Abstract
Ein ebenso trauriges wie grausames Kapitel aus der neuesten jugoslawischen Geschichte bildet den Gegenstand dieser Arbeit: Es sollen das Programm und die Verwirklichung der Nationalitätenpolitik im kurzlebigen „Unabhängigen Staat Kroatien“ (Nezavisna država Hrvatska=NDH) besprochen werden, der im April 1941 als Begleitprodukt jenes Entschlusses von Hitler entstand, Jugoslawien zum territorialen, ökonomischen und politischen Nachteil der Serben zu zerschlagen und mit dem Vormarsch der von Tito angeführten kommunistischen Partisanen parallel zum totalen Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Mai 1945 schliesslich kollabierte. Auch wenn für Hitler der „Führer“ Ante Pavelić und seine im Zwischenkriegsjugoslawien unbedeutende ustaše lediglich die zweite Wahl (hinter Vladko Maček) für die Leitung des neuen kroatischen Staates darstellte, blieb nach der standhaften Weigerung Mačeks nur Pavelić als „Staatschef“ übrig. Damit sollte das schon in den 1920er und 1930er Jahren ausgearbeitete nationalistische, antiserbische und antisemitische grosskroatische Programm der ustaše als eine südslawische Variante der im Rahmen von Hitler propagierten und auch praktizierten „ethnischen Neuordnung Europas “ mehr als nur ansatzweise umgesetzt werden. Welche bis in die heutige Zeit spürbaren Konsequenzen der damals fehlgeschlagene Versuch der Bildung eines ethnisch „reinen“ kroatischen Gebildes hat, ist lediglich eine der Fragen, die zu beantworten Ziel vorliegender Arbeit ist.
Excerpt (computer-generated)
Der kroatische Ustasa-Staat 1941-1945
von: Michael Portmann
INHALT
1. EINLEITUNG 3
2. DER „UNABHÄNGIGE STAAT KROATIEN“ 5
a. Entstehung und Trägerschichten
b. Nationalitätenpolitik: Programm und Wirklichkeit
c. Die deutsche Volksgruppe
d. Das Ende des NDH
3. SCHLUSSBEMERKUNGEN 26
Vorbemerkungen
Im Text erscheinende Ortsnamen werden bei ihrer Erstnennung in der heute offiziell gültigen Form und nach einem Schrägstrich in ihren damaligen anderssprachigen Bezeichnungen aufgeführt. Bsp.: Osijek/Esseg Im weiteren Verlauf des Textes findet ausschliesslich die gegenwärtige Form Verwendung. Abkürzungen für Institutionen und Organisationen werden in der Regel bei Erstnennung in Klammern ausgeschrieben und nach Schrägstrichtrennung übersetzt. Bsp.: AVNOJ (Antifa(?)isticko vece narodnog oslobodenja Jugoslavije/Antifaschistischer Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens). Häufig auftretende und im deutschen Sprachgebrauch sich mehr oder weniger bereits eingebürgerte Namen südslawischer Provenienz werden im Nominativ Singular und Plural in ihrer südslawischen Form genannt, auf eine weitere Deklination wird hingegen verzichtet. Solche Namen werden klein und kursiv geschrieben. Bsp.: Sg. cetnik; Pl. cetnici. In Verbindung allerdings mit einem deutschen Nomen steht das Wort weder in Kleinschreibung noch in Kursivschrift. Bsp.: Usta(?)a-Staat. Serbokroatische Titel im Anmerkungsapparat und in der Bibliographie werden nicht übersetzt.
1. EINLEITUNG
Ein ebenso trauriges wie grausames Kapitel aus der neuesten jugoslawischen Geschichte bildet den Gegenstand dieser Arbeit: Es sollen das Programm und die Verwirklichung der Nationalitätenpolitik im kurzlebigen „Unabhängigen Staat Kroatien“ (Nezavisna dr(?)ava Hrvatska=NDH) besprochen werden, der im April 1941 als Begleitprodukt jenes Entschlusses von Hitler entstand, Jugoslawien zum territorialen, ökonomischen und politischen Nachteil der Serben zu zerschlagen und mit dem Vormarsch der von Tito angeführten kommunistischen Partisanen parallel zum totalen Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Mai 1945 schliesslich kollabierte. Auch wenn für Hitler der „Führer“ Ante Pavelic und seine im Zwischenkriegsjugoslawien unbedeutende usta(?)e lediglich die zweite Wahl (hinter Vladko Macek) für die Leitung des neuen kroatischen Staates darstellte, blieb nach der standhaften Weigerung Maceks nur Pavelic als „Staatschef“ übrig. Damit sollte das schon in den 1920er und 1930er Jahren ausgearbeitete nationalistische, antiserbische und antisemitische grosskroatische Programm der usta(?)e als eine südslawische Variante der im Rahmen von Hitler propagierten und auch praktizierten „ethnischen Neuordnung Europas “ mehr als nur ansatzweise umgesetzt werden. Welche bis in die heutige Ze it spürbaren Konsequenzen der damals fehlgeschlagene Versuch der Bildung eines ethnisch „reinen“ kroatischen Gebildes hat, ist lediglich eine der Fragen, die zu beantworten Ziel vorliegender Arbeit ist.
Nach einer knappen Rekapitulation einiger zum Verständnis notwendigen Fakten über Aufbau, Trägerschichten und Sympathisanten des NDH (2.a.) soll das Augenmerk auf die Folgen der Penetration der nationalen Vorstellungen von Pavelic und seinen loyalen Anhängern gerichtet sein (2.b.). Die Vernichtungs- und Vertreibungspolitik der usta(?)e bildete lediglich den Anfang1 einer Reihe kriegerischer, nationalistisch oder ideologisch motivierter Auseinandersetzungen auf dem Gebiet Jugoslawiens, die zuletzt in den 1990er Jahren zum Zusammenbruch der „Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien“ (Socijalisticka federativna republika Jugoslavija=SFRJ) führten. Die Position und Agitation der einen autonomen Status geniessenden deutschen Volksgruppe in Kroatien (DVKG) soll Teil des dritten Kapitels sein (2.c.). Der Abschluss des Hauptkapitels (2.d.) ist der Beschreibung der furchtbaren Ereignisse im Mai 1945 gewidmet (Stichwort: „Bleiburg“), als Teile der sich zurückziehenden kroatischen, bosniakischen und deutschen Soldaten von den siegreichen kommunistischen Partisanen nahe der slowenisch-österreichischen Grenze und während der „Todesmärsche“ gefangen genommen und ohne Gerichtsverhandlung umgebracht wurden. In den Schlussbemerkungen (3.) seien die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst, zugleich soll der Bogen gespannt werden von den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg zum kriegerischen Zerfall des sozialistischen Jugoslawiens in den 1990er-Jahren.
2. DER „UNABHÄNGIGE STAAT KROATIEN“
a. Entstehung, Trägerschichten und Staatsapparat
Entstehung
Die im königlichen Jugoslawien unbedeutende, im Jahre 1929 als Reaktion auf die Einführung der Königsdiktatur gegründete faschistische Usta(?)a-Terrorgruppe mit Ante Pavelic als poglavnik (dt. Führer) an der Spitze - in Kroatien dürfte bei ihrem Machtantritt die Zahl der eingeschworenen Usta(?)a-Parteimitglieder die Tausendergrenze nicht überschritten haben - übernahm in dem am 10. April 1941 von Slavko Kvaternik, Stellvertreter Pavelics und Oberbefehlshaber der Militärkräfte ausgerufenen, „Unabhängigen Staat Kroatien“ die Führung. Folgende Worte richtete Kvaternik bei der Verkündung über Radio an die Bewohner des neuen Staates:
„Kroatisches Volk! Gottes Vorsehung und der Wille unserer Verbündeter, der leidvolle, hunderte Jahre andauernde Kampf des kroatischen Volkes und die grosse Opferbereitschaft unseres Führers Dr. Ante Pavelic sowie die Usta(?)a-Bewegung im In - und Ausland: Haben angeordnet, dass heute, einen Tag vor der Auferstehung des Sohn Gottes auch unser unabhängiger Staat Kroatien aufersteht. Ich rufe alle Kroaten auf, wo immer sie auch gerade sein mögen, und selbstverständlich alle Offiziere und Unteroffiziere und die Mannschaften der gesamten bewaffneten Kräfte und der öffentlichen Sicherheit, grösstmögliche Ordnung einzuhalten und sich unverzüglich beim Kommando der bewaffneten Kräfte in Zagreb zu melden [...],dann dass die gesamten Kräfte sofort einen Treueschwur auf den unabhängigen Staat Kroatien und seinen Führer ablegen. Als Bevollmächtigter vom Führer habe ich heute die gesamte Gewalt und das Kommando der gesamten bewaffneten Kräfte übernommen. Gott und die Kroaten! Für die Heimat bereit!“ 2
[...]
1 Zweifellos traten Spannungen u.a. zwischen Serben und Kroaten, zwischen bosnischen Muslimen und Serben und Kroaten und zwischen Albanern und Serben schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf, d.h. seit der Artikulation nationaler Aspirationen, die erstmals in den Balkankriegen und dann während des Ersten Weltkriegs und unmittelbar danach in blutige Auseinandersetzungen mündeten. Erst aber der Beginn des Zweiten Weltkrieges in Jugoslawien sollte zum Fanal werden für den Ausbruch einer regelrechten Hysterie auf ethnischer, nationaler und konfessioneller Basis unter Teilen der "jugoslawischen" (im staatsrechtlichen Sinne) Nationen und nationalen Minderheiten. Eine sachliche, enttabuisierte und ent-ideologisierte Aufarbeitung der jüngsten Kriegsereignisse wurde im kommunistischen Jugoslawien vorerst "erfolgreich" be- und verhindert, bis sich nach dem Tode des unbestrittenen Führers Josip Broz Tito in der Historiographie und unter der Bevölkerung erste Anzeichen einer "neuen Vergangenheit - als Wegweiser für Gegenwart und Zukunft" (Sundhaussen) bemerkbar machten. Sundhaussen formuliert treffend die in den 1980er Jahren einsetzende Umdeutung der Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs im jugoslawischen Raum: "Aus Kollaborateuren wurden Patrioten, aus Helden Verbrecher, aus Schwarz wurde Weiss." Zitiert aus: Sundhaussen, Holm, Das Konzentrationslager Jasenovac (1941-1945): Konstruktion und Dekonstruktion eines Kriegverbrechens und Weltkriegsmythos, in: Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert, hg. von Wolfram Wette/Gerd R. Ueberschär, Darmstadt 2001, S. 370.
2 Übersetzt aus: Vojnoistorijski institut, Zlocini na jugoslovenskim prostorima u prvom i drugom svetskom ratu. Zbornik dokumenata. Tom 1: Zlocini Nezavisne Dr(?)ave Hrvatske 1941-1945, Beograd 1993, S. 5-6. (Im folgenden: Zlocini NDH 1941-1945.)
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