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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 24 Pages
Author: Dr. phil. Michael Portmann
Subject: History - Non-German
Details
Tags: Kroatische, Bauernpartei, Katholizismus, Kroatien
Year: 2002
Pages: 24
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 52 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46099-6
ISBN (Book): 978-3-638-66052-5
File size: 229 KB
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Abstract
Die folgende Arbeit hat zum Ziel, die Politik in Kroatien im allgemeinen und der Weg der kroatischen Bauernpartei im speziellen zwischen 1918 und 1928 nachzuzeichnen. Den Hauptteil habe ich in vier Kapitel unterteilt, wobei der Politik der Kroatischen Bauernpartei am meisten Gewicht beigemessen wird. Da der politische Katholizismus in Kroatien in der Zwischenkriegszeit praktisch keine Rolle gespielt hat und keine katholische Partei das politische Geschehen zu beeinflussen vermochte, gehe ich im letzten Kapitel vor allem auf die Ursachen der geringen Bedeutung des Katholizismus ein. In den Schlussüberlegungen fasse ich die wesentlichen Punkte zusammen und versuche, eine Verbindung zu den Ereignissen in Kroatien zwischen 1991 und 1995 herzustellen.
Excerpt (computer-generated)
Die Kroatische Bauernpartei und der
Katholizismus in Kroatien 1918 bis 1928
von: Michael Portmann
INHALT
Formale Vorbemerkungen 2
1.) Einleitung 3
2.) Die Entstehung des Königreichs SHS 5
2.1.) Das ′Südslawische Komitee′
2.2.) Der ′Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben′
2.3.) Kroatiens Stellung im Königreich SHS
3.) Die Politik in Kroatien von 1918 bis 1928 9
3.1.) Die Parteien
3.2.) Die Politik bis zur Vidovdan-Verfassung vom 28. Juni 1921
3.3.) Die Politik in Kroatien von 1921 bis 1928
4.) Stjepan Radic und die Kroatische Bauernpartei 14
4.1.) Die Brüder Radic
4.2.) Die Kroatische Bauernpartei
5.) Die Bedeutung des politischen Katholizismus in Kroatien in der Zwischenkriegszeit 19
6.) Schlussüberlegungen 21
7.) Literatur 22
Formale Vorbemerkungen:
Die Rechtschreibung folgt den im Duden anerkannten, in der deutschen Schweiz üblichen Regeln, ebenso die Zitierweise. Für Ortsangaben wird in der Regel, d.h., wenn kein gebräuchlicher deutscher Name existiert, der heutige, südslawische Name verwendet, sofern eine gebräuchliche anderssprachige Bezeichnung existiert oder zu diesem Zeitpunkt existiert hat, steht diese bei der Erstnennung in Klammer. Bsp.: Zagreb (dt. Agram) Die Namen der Parteien werden bei ihrer Erstnennung in Klammern mit dem südslawischen Namen genannt. Bsp.: Nationale radikale Partei (Narodna radikalna stranka) Die gesamte in den Anmerkungen aufgeführte Literatur ist im Anhang zu finden. In den Anmerkungen selber wird auf einzelne Werke lediglich in Kurzform verwiesen . Im Anhang sind die Werke mit vollem Titel und Untertitel (samt deutscher Übersetzung, falls der Titel in keiner westlichen Sprache lautet) verzeichnet.
1.) Einleitung
Die folgende Arbeit hat zum Ziel, die Politik in Kroatien im allgemeinen und der Weg der kroatischen Bauernpartei im speziellen zwischen 1918 und 1928 nachzuzeichnen. Den Hauptteil habe ich in vier Kapitel unterteilt, wobei der Politik der Kroatischen Bauernpartei am meisten Gewicht beigemessen wird. Da der politische Katholizismus in Kroatien in der Zwischenkriegszeit praktisch keine Rolle gespielt hat und keine katholische Partei das politische Geschehen zu beeinflussen vermochte, gehe ich im letzten Kapitel vor allem auf die Ursachen der geringen Bedeutung des Katholizismus ein. In den Schlussüberlegungen fasse ich die wesentlichen Punkte zusammen und versuche, eine Verbindung zu den Ereignissen in Kroatien zwischen 1991 und 1995 herzustellen.
Am 1. Dezember 1918 wurde das ′Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen′ (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca, im folgenden abgekürzt: Königreich SHS) durch Prinzregent Alexander proklamiert. Die südslawische oder jugoslawische Idee, interessanterweise zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Kroatien geboren, wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum ersten Mal realisiert1. Gebiete, die vor dem Krieg entweder zum zisleithanischen Teil des Habsburgerreiches gehört hatten (Teile der Kronländer Steiermark, Küstenland und Kärnten, Krain und Dalmatien), dem transleithanischen Teil zugehörig waren (Königreich Kroatien-Slawonien, Vojvodina und Rijeka (it. Fiume), schon seit kurzer Zeit selbständig waren (Königreich Serbien, Königreich Montenegro, beide unabhängig seit 1878) oder bis kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges noch zum Osmanische n Reich gehört hatten (Makedonien und Kosovo bis 1913, Bosnien-Herzegowina bis 1878/1908) wurden in dem neuen Staat politisch zusammengefasst (vgl. Karte 1). Die Emanzipation der Südslawen von den beiden stets miteinander konkurrierenden Reichen auf dem Balkan hatte nach ungefähr 100 Jahren ihren Abschluss gefunden. Der südslawische Staat war historisch, sprachlichkulturell, ethnisch und in religiöser Hinsicht wohl das komplizierteste Gebilde, das nach dem 1. Weltkrieg entstand (vgl. Tab. 1 und 2). Die Vorstellung der Slowenen und vor allem der Kroaten, einen föderativen, jugoslawischen Staat zu errichten, der den einzelnen Nationen relativ grosse Autonomie einräumen sollte, konkurrierte schon zu Beginn mit der Intention des tonangebenden serbischen Politikers Nikola Pa(?)ic, einen zentralistisch regierten, grossserbischen Staat zu schaffen. Der Kontrast zwischen den Serben und den Kroaten und damit eng verbunden die Frage eines zentralistischen oder föderativen Staates, war vielleicht das dringendste, bei weitem aber nicht das einzige innenpolitische Problem des neugeborenen Staates.
Stjepan Radic, der Führer der Kroatischen Bauernpartei und die bedeutendste kroatische Persönlichkeit in der Zwischenkriegszeit, hat nie Gefallen gefunden an der Gründung eines jugoslawischen Staates ausserhalb der Habsburgermonarchie, so wie es die serbischen Politiker vorgesehen hatten2. Seine Befürchtung, die grossserbische Politik werde kaum föderative Elemente zulassen, sollte sich bewahrheiten. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen war von Beginn an ein von mehrheitlich zentralistisch eingestellten serbischen Politikern dominierter Staat, in dem die Kroaten weniger Autonomie genossen als zur Zeit der ungarischen Vorherrschaft. Die Bauernpartei der Brüder Radic kämpfte in der Zwischenkriegszeit für die Errichtung einer Kroatischen Bauernrepublik, jedoch ohne Erfolg. Mit dem Attentat auf Radic am 20. Juni 1928 während der Nationalversammlung war der Bruch zwischen Belgrad und Zagreb (dt. Agram) eindeutig vollzogen. Das Land schlitterte Ende 1928 in eine ernste Krise, die am 6. Januar 1929 mit der Auflösung des Parlaments und der Aussetzung des Vidovdan-Verfassung durch König Alexander ihren Höhepunkt fand.
2.) Die Entstehung des Königreichs SHS
2.1.) Das ′Südslawische Komitee′
[...]
1 Zu den wichtigsten Vertreter des Illyrismus und des Jugoslawis mus gehörten im 19. Jahrhundert Ljudevit Gaj und der Bischof von Ðakovo Josip Juraj Strossmayer. Hierbei ist anzufügen, dass eine Vereinigung der Südslawen von den oben genanntnen Vertretern immer nur innerhalb der Habsburgermonarchie verstanden wurde.
2 Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es verschiedene Lösungen des nationalen Problems Kroatiens: Eine Minderheit war für die Beibehaltung der Union mit Ungarn, die konservativen Kräfte stimmten für die Errichtung eines südslawischen Staates innnerhalb der Monarchie. Die dritte Lösung war ein unabhängiger südslawischer Staat gemeinsam mit Serbien und Montenegro.
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