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Das Ende der klassischen Formensprache: Neue Kapitellformen (Entwicklungen im 5./6. Jahrhundert)

Autor: M. A. Simone Kraft
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

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Details

Veranstaltung: Frühmittelalterliche Kunst im Adriaraum
Institution/Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Kunsthistorisches Institut)
Tags: Ende, Formensprache, Neue, Kapitellformen, Jahrhundert), Frühmittelalterliche, Kunst, Adriaraum
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 16  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3554 KB
Archivnummer: V49743
ISBN (E-Book): 978-3-638-46112-2
ISBN (Buch): 978-3-638-91179-5
Anmerkungen :
Schwerpunkt auf Referat der Literatur

Zusammenfassung / Abstract

Die Spätantike ist geprägt von Umbrüchen und Veränderungen. Das Ende Roms und die Verlegung der Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel zeugen davon ebenso wie die zahlreichen „Barbaren“einfälle in römischem Reichsgebiet und das Christentum als neue Staatsreligion. Das alte System bricht allmählich zusammen. Die Spätantike löst sich nach und nach von der antiken Tradition. Eine neue, eigenständige Kultur beginnt sich auszubilden. Diese tief greifenden Veränderungen im politischen wie kulturellen Leben zeichnen sich auch in der Bauweise ab. Gerade im sakralen Bereich entstehen mit der neuen Religion andere rituelle Anforderungen; die christliche Basilika wird zum dominierenden Gebäudetypus. Besonders deutlich werden die neuen Formen im Bereich der Bauplastik und hier wiederum an den Kapitellen. In Auseinandersetzung mit den klassischen Vorbildern werden diese vereinfacht, ergänzt, neu kombiniert. Es entstehen vielfältige Um- und Neubildungen, bis schließlich im frühen 6. Jahrhundert mit dem reinen Kämpfer- bzw. Korbkapitell eine eigenständige frühchristliche Kapitellform gefunden ist, die gegen Ende des 6. Jahrhunderts zur dominierenden Baudekoration wird. Welche formalen Veränderungen entstehen, hauptsächlich ausgehend vom korinthischen Kapitell? Welche neuen Dekorationstypen werden entwickelt? Welche Beziehungen und Wechselwirkungen bestehen und wie führen sie schließlich zum Korbkapitell? Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten. Es wird versucht, in die Erkenntnisse beispielhafter jüngerer Literatur zu diesem Forschungsgebiet zu referieren und auszuwerten.

Textauszug (computergeneriert)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg,
Kunsthistorisches Institut
Oberseminar: Frühmittelalterliche Kunst im Adriaraum
Sommersemester 2004, 7. Fachsemester

Das Ende der klassischen Formensprache: Neue
Kapitellformen (Entwicklungen im 5./6. Jahrhundert)

von: Simone Kraft

 


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung S. 3

2) Die Abkehr von der klassischen Bautradition: Spolienverwendung und Aufkommen des Prinzips der varietas S. 4

3.1) Korinthische Kapitelle und ihre Umbildungen S. 8
3.2) Gliederung des Kircheninnenraums: Einsatz der verschiedenen Kapitellformen S.13
3.3) Entwicklung zur Einzonigkeit: Figuralkapitelle und ihr Einfluss auf die Entstehung des reinen Kämpferkapitells bzw. Korbkapitells S.15
3.4) Ionisches Kämpferkapitell S.18

4) Zusammenfassung S.20

5) Literatur S.22

6) Abbildungen S.24




 

1) Einleitung

Die Spätantike ist geprägt von Umbrüchen und Veränderungen. Das Ende Roms und die Verlegung der Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel, ebenso wie die zahlreichen „Barbaren“einfälle in römischem Reichsgebiet und das Christentum als neue Staatsreligion zeugen davon.1 Das alte System bricht allmählich zusammen. Die Spätantike löst sich nach und nach von der antiken Tradition. Eine neue, eigenständige Kultur beginnt sich auszubilden.

Diese tief greifenden Veränderungen im politischen wie kulturellen Leben zeichnen sich auch in der Bauweise ab. Gerade im sakralen Bereich entstehen mit der neuen Religion andere rituelle Anforderungen; die christliche Basilika wird zum dominierenden Gebäudetypus. Besonders deutlich werden die neuen Formen im Bereich der Bauplastik und hier wiederum an den Kapitellen. In Auseinandersetzung mit den klassischen Vorbildern werden diese vereinfacht, ergänzt, neu kombiniert. Es entstehen vielfältige Um- und Neubildungen, bis schließlich im frühen 6. Jh. mit dem reinen Kämpfer- bzw. Korbkapitell2 der „Höhepunkt des frühchristlichen plastischen Architekturschmuckes“3 gefunden ist. Diese neue und typisch spätantike Bauform ersetzt nach und nach die herrschende Vielfalt an Formen. Im späten 5. Jh. vollzieht sich ein wesentlicher Wandel in der Baudekoration, der zum Ende der klassischantiken Tradition führt. Viele neue, von der Antike zunehmend unabhängigere Formen ent- und bestehen nebeneinander.

Welche formalen Veränderungen entstehen ausgehend vom korinthischen Kapitelltypus, welche neuen Typen werden entwickelt? Welche Beziehungen und Wechselwirkungen bestehen und wie führen sie schließlich zum Korbkapitell? Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten, was allerdings nur überblicksweise geschehen kann. Geografische Besonderheiten können nicht untersucht werden, auch nicht, wie sich Entwicklung und Verbreitung geografisch vollzogen haben. Es sei kurz erwähnt, dass die stilistischen Veränderungen höchstwahrscheinlich von Konstantinopel ausgehen, wie Untersuchungen des Marmorexports von Prokonnesos ergeben. Allerdings ist gerade für das hierfür so wichtige 5. Jh. kaum Befund in der neuen Hauptstadt vorhanden4; die ersten datierbaren Korbkapitelle wiederum finden sich allerdings dort. Außerdem können in dieser Arbeit keine konkreten einzelnen Kapitelle und die jeweiligen Bauten vorgestellt werden. Die verwendeten Bildbeispiele dienen nur zur Verdeutlichung der wesentlichen Grundzüge ohne Berücksichtigung möglicher Besonderheiten. Ehe die Entwicklung der Kapitellformen vorgestellt werden kann, sind Überlegungen anzustellen, wie überhaupt diese Formenvielfalt aufkommen konnte. Was hat sich verändert im ästhetischen Anspruch der Spätantike?

2) Die Abkehr von der klassischen Bautradition:

Spolienverwendung und Aufkommen des Prinzips der varietas

Bevor die Entwicklung der Formensprache an konkreten Beispielen nachgezeichnet werden kann, sind zunächst einige Überlegungen anzustellen, wie es zu der variantenreichen Bauplastik, besonders im Bereich der Kapitelle, kommen und sich mit diesen eine Abkehr von der klassisch-antiken Bautradition vollziehen konnte. Hierzu ist ein Rückblick auf die Praktik der Spolienverwendung5 als „Ornament- und Profilträger“6 in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten nötig.7

In der Spätantike wird es üblich, Bauteile älterer, hauptsächlich antiker8 Bauten, die sogenannten Spolien, die als besonders wertvoll geschätzt wurden, in neuen Gebäuden wiederzuverwenden. In konstantinischer Zeit beginnt die systematische Spoliennahme in großem Umfang.9 Im späten 3. und besonders im 4. Jh. n. Chr. setzen entscheidende Veränderungen in der Baupraxis ein. Es kommt zu einem nachhaltigen Wandel der ästhetischen Bauprinzipien. Ein Überblick über die Veränderungen der Baupraktiken in dieser Zeit verdeutlicht dies.

Im ersten Drittel des 4. Jh.s werden die kostbaren Spolien in kleineren offiziellen Gebäuden eingesetzt, während die Bauplastik für kaiserliche Großprojekte10 in eigens eingerichteten Werkstätten hergestellt wird. Gründe dafür mögen im Schwinden der handwerklichen Fertigkeiten und dem Mangel an Material in dieser Zeit11 gesehen werden12, so dass nur noch für große, bedeutende Bauten neue Ausstattungen angefertigt wurden. Dies zeigt einerseits „die hohe Wertschätzung des älteren Spolienmaterials“13, das zur Dekoration von kleineren öffentlichen Gebäuden, etwa kleineren Tempeln14 – also durchaus Bauten von Bedeutung –, verwendet wurde; andererseits aber herrscht offenbar noch die Vorstellung vor, dass gerade für große, prestigeträchtige Bauwerke eigens angefertigte Bauplastik herzustellen sei. Gerade weil in dieser Zeit handwerkliche Fähigkeiten und Fachwissen schwinden, werden die fähigsten Bauleute dort zusammengezogen, wo es gilt, besonders prächtige Ausstattungen zu schaffen. Zudem hätte die Menge an einheitlicher Bauplastik, die für einen Großbau erforderlich ist, nicht aus dem vorhandenen Spolienmaterial gedeckt werden können.15

[...]


1 Vgl. Seidlmayer, S. 22ff.; Martin, (v. a.) S. 29ff.

2 Zur Verwendung dieser Begriffe vgl. Anm. 124

3 Deichmann, Frühchristliche Kirchen, S. 47.

4 Strube, S. 11.

5 Das Spolienthema ist ein recht junges Forschungsgebiet, das sich erst in den 60er Jahren, vor allem aber in den 80ern zu einem eigenständigen Bereich entwickelt hat. Entsprechend offen ist die Forschungslage, vgl. etwa den Sammelband von Joachim Poeschke (Hg.): Antike Spolien in der Architektur des Mittelalters und der Renaissance, München 1996.

6 Deichmann, Spolien, S. 4: Zu unterscheiden ist der Gebrauch von älteren Bauteilen als billigem Baumaterial von gezielt dekorativ eingesetzten Spolien gemäß einem bestimmten ästhetischen Anspruch.

7 Vgl. hierzu Brandenburg, S. 11.

8 Auch Spolien und magazinierte Bauteile der späten Kaiserzeit werden verbaut. Hierzu mehr im Folgenden.

9 Vgl. Brandenburg, S. 21; 30. Schon vor Konstantin gibt es Beispiele für Spolienverwendung, jedoch nicht so systematisch und in dem Ausmaß wie im 4. Jh. Über das Vorgehen in vorkonstantinischer Zeit ist allerdings nur wenig bekannt (Brandenburg, S. 17; Brenk, S. 50; Deichmann, Spolien, S. 91).

10 Brandenburg nennt als Beispiele etwa die Diokletiansthermen in Rom (Brandenburg, S. 17).

11 Die Spolienverwendung kann weder (nur) als Zeichen des kulturellen Verfalls gewertet werden, noch (nur) als Zeichen der klassizistischen Verehrung der Antike (Poeschke, S. 7; Brenk, S. 67). Zum Problem der Bewertung dieser Praxis vgl. auch Anm. 5 und Anm. 32.

12 Brandenburg, S. 17f.

13 Ebd., S. 18.

14 Brandenburg nennt als Beispiele etwa den Romulustempel in Rom (Brandenburg, S. 7; Deichmann, Spolien, S. 6).

15 Brenk, S. 56; Brandenburg, S. 20; 21: Entsprechend große antike Bauten wurden zu dieser Zeit noch genutzt, so dass sie nicht ohne weiteres und ohne kaiserliche Genehmigung abgeräumt werden konnten. Zur spätrömischen Gesetzgebung/zur Baumaterialnahme vgl. Deichmann, Spolien, S. 96; 100.

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