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Goethes 'Die Leiden des jungen Werther' - Beispiel für einen Briefroman

Autor: Anonym
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Veranstaltung: Hauptseminar: „Goethe und der Roman. Von Werther bis Wilhelm Meister.“
Institution/Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Germanistisches Seminar)
Tags: Goethes, Leiden, Werther, Beispiel, Briefroman, Hauptseminar, Roman, Werther, Wilhelm, Meister
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 17
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 204 KB
Archivnummer: V49763
ISBN (E-Book): 978-3-638-46126-9
Anmerkungen :
Erfreulich präzise Beschreibung der Gattungsfrage (auch sprachlich) und intensive Verwendung der Forschungsliteratur. DIe Eigenart des Goetheschen "Werther" wird vor diesem Hintergrund guterfaßt. Daher: Sehr gut.

Textauszug (computergeneriert)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Germanistisches Seminar
Hauptseminar: „Goethe und der Roman.
Von Werther bis Wilhelm Meister.“
SS 2005

Goethes ′Die Leiden des jungen Werther′ –
Beispiel für einen Briefroman

 

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 3

2 Der Briefroman als solcher 3

3 „Die Leiden des jungen Werther“ als Beispiel eines Briefromans 6

3.1 Die Perspektive des Briefromans 6
3.2 Charakteristika des „Werther“ als Briefroman 9
3.3 Vergleich mit anderen Briefromanen des 18. Jahrhunderts 11

4 Schlussbemerkungen 13

5 Literaturverzeichnis 15



 

1 Einleitung

„Die Leiden des jungen Werther“ ist ein Briefroman von Johann Wolfgang von Goethe, erstmalig erschienen 1774, als überarbeitete Fassung im Jahre 1787. Sein Erscheinen ist ein für die Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts denkwürdiges Ereignis, dessen herausragende Wirkung sich nicht nur aus dem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Inhalt und dem Selbstmord des Helden ergibt, sondern aus der großen Identifikation vieler Leser mit Werther. Vor allem unter den Jugendlichen brach ein regelrechtes „Werther-Fieber“ aus, das Werther zu einer Kultfigur werden ließ. Es gab unter anderem die Werther-Mode (gelbe Hose, gelbe Weste, blauer Rock) und sogar ein Eau de Werther. Der Roman galt als Initialzündung der Empfindsamkeit in der Literatur, aber auch als Schlüsselroman des Sturm und Drang, wurde in für damalige Zeiten sehr hohen Auflagen gedruckt und war Mitauslöser der so genannten „Lesesucht“.

Literarisch gesehen schuf Goethe mit „Die Leiden des jungen Werther“ das erste deutsche Werk von Weltgeltung und erwarb sich bleibenden weltliterarischen Ruhm.1 Wesentlich für den „Werther“ ist das Bemühen um die Ich-Identität eines Helden, die mit der ihn umgebenden modernen, konfliktzerrissenen Welt dargestellt wird. Dieses Ich „ringt um seine Identität, weil es sich von Gesellschaft umstellt weiß. In die Mitte genommen von den Sanktionen, die ihm drohen, wenn es seine vitalen Wünsche ausleben will, bedrängt von den Normierungszwängen, von Moral und den Institutionen des Über-Ich, hält es sich mühevoll im Gleichgewicht“.2

Zentral für diese Fokussierung auf ein Ich und seine Identitätsbemühungen ist die Briefform des Romans. Im Folgenden soll der „Werther“ auf die zentralen Merkmale der Briefform bezogen werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Perspektive des Briefromans gerade auf die in ihr angelegte Ich-Identität des „Werther“ bezogen werden kann. Dabei geht es auch um einen kurzen Vergleich des „Werther“ mit anderen Briefromanen des 18. Jahrhunderts. In Kapitel 2 dieser Arbeit sollen zunächst ein kurzer theoretischer Abriss der Geschichte und wesentliche Merkmale des Briefromans dargelegt werden. Im 3. Kapitel wird die Perspektive des Briefromans im „Werther“ dargestellt und es werden zentrale Charakteristika herausgearbeitet. Mit einigen kurzen Bemerkungen schließt die Arbeit ab.

2 Der Briefroman als solcher

Bei einem Briefroman handelt es sich um eine Sonderform des Romans, die als Abfolge bzw. Wechsel von fingierten Briefen eines bzw. einer oder mehrerer Korrespondent(inn)en komponiert ist. Diese Briefe werden dabei zum Teil durch andere autobiographische Zeugnisse (Tagbuchnotizen) oder Kommentare eines „Herausgebers“ ergänzt. Zwar gab es schon im 13. Jahrhundert literarisch verarbeitete Briefwechsel, so z.B. den Briefwechsel zwischen Abelard und Heloise - eingebunden in Jean de Meun′s Roman de la Rose (1280)-, aber der eigentliche Briefroman entstand aus den Ansätzen des französischen höfischen Romans des 17. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert setzte sich der Briefroman mit Montesquieus „Lettres Persanes“, Samuel Richardsons „Epistolary novels“ und Rousseaus „Novelle Heloise“ als anerkannte Romanform durch. 3 Die Blütezeit des Briefromans war das 18. Jh. Bereits um 1780 war jeder dritte neu veröffentlichte Roman ein Briefroman. In Deutschland wurde z.B. der Briefroman „Fräulein von Sternheim“ (1771) von Sophie La Roche veröffentlicht, jedoch weist Honnefelder darauf hin, dass es eine rein deutsche Tradition des Briefromans nicht gibt.4

Charakteristisch für einen Briefroman ist die Tatsache, dass nicht mehr der Erzähler das Geschehen schildert, sondern die Figuren in Briefen und Dialogen selbst zu Wort kommen. Der Autor eines Briefromans hatte damit die Möglichkeit, sich vom allwissenden Erzähler zu lösen und den Anschein von Authentizität zu erwecken. Da das Geschehen scheinbar nach nur kurzer zeitlicher Distanz aufgezeichnet wird, entsteht die Fiktion, dass die Helden ihre seelischen Regungen unreflektiert wiedergeben. So lässt sich der Abstand zwischen Erleben und Schreiben auf ein Minimum verringern:

Die Begebenheiten erscheinen nicht als episch Vergangenes, sondern als von den Briefe schreibenden Personen als soeben Erlebtes und in der brieflichen Mitteilung Gegenwärtiges.5 Damit verbunden ist eine Ausrichtung des Textes auf die innere Einstellung dieser Personen im Sinne einer intimen Selbstdarstellung. Konflikte und Empfindungen werden dabei aus der Perspektive der Briefeschreiber dargestellt. Das erzähltheoretische Potential des Briefromans besteht deshalb in einer von der subjektiven Position eines Individuums gestalteten Beziehung zur Umwelt und zu anderen Personen. Diese Beziehung kann durchaus den Charakter von Erwiderungen in einem Dialog annehmen und damit ein den dramatischen Texten nicht unähnliches Kommunikationsschema aufweisen. 6 Für den Leser wird das Geschehen dabei in einem Brief scheinbar unmittelbar übermittelt, jeder einzelne Brief ist somit Selbstdarstellung des Schreibers und zugleich subjektive Fremdcharakterisierung anderer fiktiver Figuren. 7

[...]


1 Vgl. Müller 1969, S. 5.

2 Blessin 1996, S. 60.

3 Vgl. Engel 1988, S. 41.

4 Vgl. Honnefelder 1975, S. 79 ff.

5 Picard 1971, S. 11.

6 Vgl. Moravetz 1990, S. 25.

7 Vgl. ebd., S. 26.

Kommentare

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