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Die Bayreuther Festspiele nach 1930

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1995, 21 Pages
Author: Dr. Sabine Busch-Frank
Subject: Theater Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1995
Pages: 21
Grade: 1
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V49787
ISBN (E-book): 978-3-638-46146-7
ISBN (Book): 978-3-640-20372-7
File size: 180 KB
Notes :
Dieses Hauptseminar beschäftigte sich weniger mit dem Werk Richard Wagners, als mit seiner Wirkung. Vor allem die Bayreuther Aufführungsgeschichte nach Wagners Tod und das Wirken seiner Erben waren Themen. Die Arbeit wurde von einer damaligen Hauptfachstudentin Theaterwissenschaft vorgelegt, Fußnoten, Zitate und Literaturnachweise sind vorhanden - die Gliederung ist aber nicht mit der Arbeit verlinkt.


Abstract

Am 1. April 1930 starb Cosima, am 4. August Siegfried Wagner. Testamentarisch hatte Siegfried Wagner verfügt, daß seine damals 33 Jahre alte Frau die Festspiele fortführen sollte: "Stirbt Herr Siegfried Wagner vor Frau Winifred Wagner, so hat folgende Erbfolge Platz zu greifen: 1. Frau Winifred Wagner wird Vorerbin des gesamten Nachlasses des Herrn Siegfried Wagner. Als Nacherben werden bestimmt die gemeinsamen Abkömmlinge der Ehegatten Wagner zu gleichen Stammteilen. Die Nacherbfolge tritt ein mit dem Tode oder mit der Wiederverheiratung der Frau Winifred Wagner.(...) 2. Die Erben erhalten bezüglich des Festspielhauses folgende Auflage: Das Festspielhaus darf nicht veräußert werden. Es soll stets den Zwecken, für die es sein Erbauer bestimmt hat, dienstbar gemacht werden, einzig also der festlichen Aufführung der Werke Richard Wagners." 2 Somit waren für die unerwartete Übernahme der Festspielleitung durch Winifred Wagner, die nach dem Tod ihres Gatten mitten in der Festspielsaison 1930 erfolgte, die notwendigsten Regelungen getroffen: Winifred Wagner übernahm eigenverantwortlich und mit allen Vollmachten die Leitung der Bayreuther Festspiele. Sie hatte mit dieser großen Aufgabe weniger Schwierigkeiten als anzunehmen, da sie ihrem Mann bereits bei der Leitung der Festspiele zur Hand gegangen war. Sie hatte auch schon vor seinem Tode in diesem Bereich eigenverantwortlich gearbeitet. So hatte sie 1930 die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Festspiele reformiert, indem sie begann, Kontakte mit der Presse3 zu fördern. Damit verstieß Winifred Wagner gegen ein ehernes Gesetz und erregte den lebhaften Wiederspruch konservativer Wagnerianer. So schrieb ihr ihre Schwägerin Eva Chamberlain (vermutlich Ende 1930): "Bayreuth stand stolz und frei bisher der Presse gegenüber da - das können wir leider seit dem Sommer 1930 nicht mehr sagen."4 1 Spotts, S. 293 2 Karbaum, S. 59 ff. 3 Damit konform wurde auch am Festspielhaus eine Veränderung vorgenommen und 1929 ein Balkon für die Presse eingebaut. 4 Karbaum S. 76


Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit und Referat

"Die Bayreuther Festspiele nach 1930"

Hauptseminar: "Projekt Wahnfried"

vorgelegt von:

Sabine Busch

 

 

Gliederung:

1. Voraussetzungen für die 1930 beginnende Arbeit Winifred Wagners als Leiterin der Festspiele

2. Die Festspielleitung durch Winifred Wagner 1930-1943
2. 1. Organisation
2. 2. Bauliche Veränderungen am Festspielhaus
2. 3. Wirtschaftliche Faktoren
2. 4. Inszenierungs- und Aufführungsgeschichte

3. Die Festspielleitung durch Wieland und Wolfgang Wagner 1951-1966
3. 1. Organisation
3. 2. Bauliche Veränderungen am Festspielhaus
3. 3. Wirtschaftliche Faktoren
3. 4. Inszenierungs- und Aufführungsgeschichte

4. Die Festspielleitung durch Wolfgang Wagner seit 1966
4. 1. Organisation
4. 2. Bauliche Veränderungen am Festspielhaus
4. 3. Wirtschaftliche Faktoren
4. 4. Inszenierungs- und Aufführungsgeschichte

5. Ausblick auf die Zeit nach Wolfgang Wagner

 

 

Nike Wagner über ihre Familie:

"Atridenclan, in dem Väter die Söhne kastrieren und Mütter sie liebend erdrücken, in dem Mütter ihre Töchter verstoßen und Töchter ihre Mütter verketzern, in dem Brüder einander auf die Füße treten und Brüder gegen Schwestern aufstehen wie Schwestern gegen Brüder, in dem Töchter totgeschwiegen werden und Schwiegertöchter verdrängt, in dem die Männer weiblich sind und die Weiber männlich, und in dem ein Urenkel dem anderen schon an der Leber knabbert. 1

1. Voraussetzungen für die 1930 einsetzende Arbeit Winifred Wagners als Leiterin der Festspiele

Am 1. April 1930 starb Cosima, am 4. August Siegfried Wagner.
Testamentarisch hatte Siegfried Wagner verfügt, daß seine damals 33 Jahre alte Frau die Festspiele fortführen sollte:

"Stirbt Herr Siegfried Wagner vor Frau Winifred Wagner, so hat folgende Erbfolge Platz zu greifen:

  1. Frau Winifred Wagner wird Vorerbin des gesamten Nachlasses des Herrn Siegfried Wagner. Als Nacherben werden bestimmt die gemeinsamen Abkömmlinge der Ehegatten Wagner zu gleichen Stammteilen. Die Nacherbfolge tritt ein mit dem Tode oder mit der Wiederverheiratung der Frau Winifred Wagner.(...)
  2. Die Erben erhalten bezüglich des Festspielhauses folgende Auflage:
    Das Festspielhaus darf nicht veräußert werden. Es soll stets den Zwecken, für die es sein Erbauer bestimmt hat, dienstbar gemacht werden, einzig also der festlichen Aufführung der Werke Richard Wagners." 2

Somit waren für die unerwartete Übernahme der Festspielleitung durch Winifred Wagner, die nach dem Tod ihres Gatten mitten in der Festspielsaison 1930 erfolgte, die notwendigsten Regelungen getroffen:

Winifred Wagner übernahm eigenverantwortlich und mit allen Vollmachten die Leitung der Bayreuther Festspiele.

Sie hatte mit dieser großen Aufgabe weniger Schwierigkeiten als anzunehmen, da sie ihrem Mann bereits bei der Leitung der Festspiele zur Hand gegangen war. Sie hatte auch schon vor seinem Tode in diesem Bereich eigenverantwortlich gearbeitet. So hatte sie 1930 die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Festspiele reformiert, indem sie begann, Kontakte mit der Presse3 zu fördern. Damit verstieß Winifred Wagner gegen ein ehernes Gesetz und erregte den lebhaften Wiederspruch konservativer Wagnerianer. So schrieb ihr ihre Schwägerin Eva Chamberlain (vermutlich Ende 1930):

"Bayreuth stand stolz und frei bisher der Presse gegenüber da - das können wir leider seit dem Sommer 1930 nicht mehr sagen."4

Doch Winifred schien nicht nur (was Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen anging) der zu erwartenden Aufgabe gewachsen zu sein, sondern sie fand auch eine glückliche finanzielle Situation vor. Die "Zeiten des Überflusses" 5 nahmen zwar mit der Inflation von 1922/23 ein Ende, 1924 war der Betriebsfond aber bereits wieder auf 200 000 Mark angewachsen. Zudem bedeutete das erstmalige Engagement von Toscanini und die Erfolge der Debütanten Maria Müller und Sigismund Pilinski im Jahre 1930 eine Form von Garantie für das erfolgreiche Weiterbestehen der Festspiele. Eine 100 000 - Mark - Spende anläßlich des 60. Geburtstags Siegfried Wagners hatte die Kosten für die Neuinszenierung des "Tannhäuser`s "1930 gedeckt, finanziell hatte Winifred also keine konkreten Probleme zu lösen.

Auch waren die privaten Vermögensverhältnisse der Familie Wagner unter anderem durch Ehrenhonorare6, die Familie Wagner für die Werke Richard Wagners bezog, ausgesprochen günstig.

Dazu kam, daß Winifred Wagner nach den großen Um- und Anbauten 1929 (Magazine bei der Hinterbühne) auch technisch ein funktionierender Apparat zur Verfügung stand. Alles in allem herrschten also günstige Rahmenbedingungen für den Beginn der Ära Winifred. Die Inszenierungen des Jahres 1930 (darunter der "neue" Tannhäuser in der Inszenierung ihres verstorbenen Mannes) konnten im folgenden Jahr wiederaufgenommen werden, und für 1932 stand traditionell ein spielfreies Jahr ins Haus. Die Aufgaben der jungen Festspielchefin schienen also fürs erste zu bewältigen zu sein.

2. Die Festspielleitung durch Winifred Wagner 1930-1943

Die Festspiele 1930 führte Winifred Wagner nach dem Willen und der Vorbereitung ihres Mannes Siegfried Wagner zu Ende. Für das Jahr 1931 wurde aber bereits Eigeninitiative von ihr gefordert.

[....]


1 Spotts, S. 293

2 Karbaum, S. 59 ff.

3 Damit konform wurde auch am Festspielhaus eine Veränderung vorgenommen und 1929 ein Balkon für die Presse eingebaut.

4 Karbaum S. 76

5 Karbaum, S. 81

6 Solche Ehrentantiemen flossen aus verschiedenen Quellen: 15 000 Mark erhielten die Wagners seit 1914 jährlich vom Festspielbetrieb, dazu zahlten Hoftheater nach der Inflation freiwillig (und ungeachtet der bereits abgelaufenen Schutzfrist) Tantiemen. Auch jede Aufführung des "Parsifal" in Bayreuth bescherte Cosima Wagner ein Ehrenhonorar. (Alle Angaben nach Karbaum)


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