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Goethes Mephistopheles und andere mephistophelische Figuren in der Oper

Hauptseminararbeit, 1995, 22 Seiten
Autor: Dr. Sabine Busch-Frank
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1995
Seiten: 22
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 30  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V49800
ISBN (E-Book): 978-3-638-46159-7
ISBN (Buch): 978-3-640-20373-4
Dateigröße: 193 KB
Anmerkungen :
Die Hausarbeit wurde in NdL von einer Nebenfächlerin, die im Hauptfach Theaterwissenschaft studierte, erstellt. Die Thematik ist somit an der Schnittstelle zwischen Germanistik und Musiktheater angesiedelt und beschäftigt sich mit verschiedenen, beispielhaft angeführten teuflischen Figuren in der Oper. Eine Diskographie ist dabei. Das Institut für Bayerische Literaturgeschichte, für welches die Arbeit angefertigt wurde, existiert allerdings inzwischen nicht mehr.


Zusammenfassung / Abstract

Mephistopheles ist mit Sicherheit eine der aufregendsten Figuren, die das deutschsprachige Theater hervorgebracht hat. Er zerstört das Klischee vom "bösen Teufel", ohne dabei Abstriche von seiner gefährlichen Selbstdefinition zu machen, er sei: "Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft" .1 Dabei bietet der passionierte Zyniker und lebensfrohe Genießer Mephistopheles immer einen Gegenpol zum chronisch unzufriedenen, oft regelrecht miesepetrigen Faust. Die Wesenszüge dieser Teufelsfigur verbinden das Unmögliche: Die Personifikation des Bösen wird nicht nur sympathisch, sondern im höchsten Maße unterhaltsam . Eine solche Figur kann auf der Opernbühne, die sich so oft an der "großen Schwester" Schauspielbühne orientiert, nicht ohne Wirkung geblieben sein. Mephistos Spuren im Musiktheater zu verfolgen, ist die Intention dieser Arbeit. Nach dem Versuch einer konzisen Charakteristik des Goetheschen "Mephistos" sollen dabei zuerst einige ausgewählte Mephistos in "Faust" - Opern zur Betrachtung herangezogen werden. Die daraus hervorgegangenen Informationen werden zur Kennzeichnung mephistophelischer Opernfiguren herangezogen. So sollen Definitionskriterien erarbeitet werden, die dann an mehreren mephistophelischen Figuren erprobt werden. 1 Goethe: Faust, S. 107


Textauszug (computergeneriert)

Goethes Mephistopheles und andere
mephistophelische Figuren in der Oper

von: Sabine Busch-Frank

 


INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Mephistopheles in Goethes Faust

II. 1. Name und Herkunft
II. 2. Äußeres
II. 3. Charakter und Handlungsmotivation

III. Mephisto als Opernfigur

III. 1. Faustopern nach Goethe

III. 1. 1. "La Damnation de Faust" von Hector Berlioz
III. 1. 2. "Szenen aus Goethes Faust" von Robert Schumann
III. 1. 3. "Mefistophele" von Arrigo Boito

III. 2. Bearbeitungen des Fauststoffes

III. 2. 1. "Faust" von Louis Spohr
III. 2. 2. "Faust" von Charles Gounod
III. 2. 3. "Der feurige Engel" von Sergej Prokofjew

IV. Mephistophelische Figuren in der Oper

IV. 1. Mephistophelische Figuren in Opern, deren Komponisten Goethe kannte

IV. 1. 1. "Roberto il Diavolo" von Giacomo Meyerbeer
IV. 1. 2. "Don Giovanni" und "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart
IV. 1. 3. "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber

IV. 2. Mephistophelische Figuren in Opern nach Goethes Tod

IV. 2. 1. "Lohengrin" von Richard Wagner
IV. 2. 2. "Otello" von Giuseppe Verdi

V. Zusammenfassung und Versuch eines Ausblicks auf die Weiterentwicklung mephistophelischer Opernfiguren

Literaturverzeichnis / Discographie


 

 

I. Einleitung

Mephistopheles ist mit Sicherheit eine der aufregendsten Figuren, die das deutschsprachige Theater hervorgebracht hat. Er zerstört das Klischee vom "bösen Teufel", ohne dabei Abstriche von seiner gefährlichen Selbstdefinition zu machen, er sei: "Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft" .1

Dabei bietet der passionierte Zyniker und lebensfrohe Genießer Mephistopheles immer einen Gegenpol zum chronisch unzufriedenen, oft regelrecht miesepetrigen Faust. Die Wesenszüge dieser Teufelsfigur verbinden das Unmögliche: Die Personifikation des Bösen wird nicht nur sympathisch, sondern im höchsten Maße unterhaltsam . Eine solche Figur kann auf der Opernbühne, die sich so oft an der "großen Schwester" Schauspielbühne orientiert, nicht ohne Wirkung geblieben sein. Mephistos Spuren im Musiktheater zu verfolgen, ist die Intention dieser Arbeit. Nach dem Versuch einer konzisen Charakteristik des Goetheschen "Mephistos" sollen dabei zuerst einige ausgewählte Mephistos in "Faust" - Opern zur Betrachtung herangezogen werden. Die daraus hervorgegangenen Informationen werden zur Kennzeichnung mephistophelischer Opernfiguren herangezogen. So sollen Definitionskriterien erarbeitet werden, die dann an mehreren mephistophelischen Figuren erprobt werden. II. Mephistopheles in Goethes Faust Schon vor Goethe gibt es in verschiedenen "Faust" - Stoffen Teufelsfiguren, doch wird in Goethes "Urfaust" zum ersten Male der Name Mephistopheles verwendet. Um also Mephistopheles und seinen Nachfahren im Musiktheater auf die Spur zu kommen, wird es nötig sein, sich seine wichtigsten Charakteristika aus Goethes Faust - Dramen in Erinnerung zu rufen.

II. 1. Name und Herkunft

Die Namensfindung "Mephistopheles" ist bisher nicht erklärt. Es soll sich dabei um eine Verballhornung griechischer oder aramäischer Silben, die im 16. Jahrhundert entstanden sein muß handeln. Man vermutet auch, daß der Name Mephistopheles eine Anspielung auf Melanchthon sein könnte. Zum Ort seiner Herkunft gibt uns Mephisto selbst Auskunft:

"So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element".2

Er ist also ein Geschöpf der Hölle, verzeichnet als solches das Feuer als sein ureigenes Element. Freilich ist er nicht der Höllenfürst selbst, sondern vielmehr nur:
"Der Herr der Ratten und der Mäuse,
Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse".3

Dazu vermerkt Erich Trunz: "Der Mensch kann seinem Wesen nach das Geisterreich nicht überblicken. Deswegen erscheint in dem ganzen Drama Mephistopheles als der zu Faust passende Teufel, aber nicht als ein Unterteufel, der sich seine Befehle von Satanas holt, auch nicht als der Teufel schlechthin, der für alles Böse in der Welt zuständig ist."4 Es handelt sich also bei Mephistopheles um den vom Erdgeist in der Szene "Nacht" angekündigten Geist, der Faust gleicht und den er so begreifen kann - eine ähnliche Wirkung erzeugt dieser vermenschlichte Teufel sicher auch beim Rezipienten. Geklärt wäre somit Mephistos Stellung in der Höllenhierarchie: Es handelt sich bei ihm um einen untergeordneten, aber selbständig auf das Böse hinarbeitenden und mit Zauberkünsten sowie eigenständigen Machtbefugnissen ausgestatteten Teufel.5 Diese durchaus eigene Position, die ihn sowohl vom biblischen Satan wie vom dummen Teufel des Märchens und der Sage abgrenzt, wird man bei der Spurensuche mephistophelischer Wirkung in der Oper beachten müssen.

II. 2. Äußeres

Das Äußere, das Goethe sich für Mephisto vorstellte, läßt sich wiederum aus einigen Textzitaten erschließen: Fausts Forderungen "Fletsche deine gefräßigen Zähne mir nicht so entgegen!"6 und "Wälze die teuflischen Augen ingrimmend im Kopf herum" 7 mögen das Äußere Mephistos auf den ersten Blick als "teuflisch" beschreiben. Doch man muß natürlich beachten, daß Faust seinen Begleiter so nur im Moment höchster Wut schmäht. Frau Marthe hingegen findet Mephistopheles ja immerhin anziehend genug, daß sie nichts gegen eine Bindung mit ihm hätte - spricht das nicht für ein normales, wenn nicht sogar attraktives Äußeres? Doch es gilt auch, Gretchens Antipathie gegen ihn zu beachten. Daß ihr "der Mensch" nämlich "in tiefer innrer Seel verhaßt"8 ist, dürfte bestätigen, daß Mephistos Maske als Biedermann nicht so perfekt ist, wie man denken könnte.

Obwohl er sich aber ohne Scheu selbst ständig als "Teufel" benennt9, fehlen ihm doch die meisten traditionellen Teufelsmerkmale. Er entbehrt offenbar Schwanz, Hörner, Pferdefuß und Teufelsfratze genauso wie die rote Gesichtsfarbe und seine ihn begleitenden Raben, die nur in "Faust" II erwähnt werden. Als das Fehlen einiger dieser Attribute in der Hexenküchenszene bemängelt wird, gibt Mephistopheles auch eine Erklärung dazu ab: Ein Zugeständnis an die Kultur war es, das ihn dazu bewog, sein Äußeres zu verändern.

Einige Merkmale haben sich allerdings erhalten: Der Pferdefuß ist ja nur mittels einer falschen Wade kaschiert. Auch die Bekleidungsteile "rotes Wams" und "Hahnenfeder" haben sich erhalten. Allerdings hat Mephisto die Möglichkeit, sein Äußeres vollkommen zu verwandeln - zum Beispiel in den Pudel oder in den reisenden Scholaren. Die Anlehnung an den Volksteufel bleibt also eher gering. Sie äußert sich nur noch in der Abscheu vor Christentum, Kirche und Kreuz. Eventuell ist auch Gretchens "Es ist so schwül, so dumpfig hie"10 als ein Verweis auf den Schwefelgeruch, den der Teufel nach seinem Erscheinen traditionell hinterlassen soll. Dennoch ist Mephistopheles eine zivilisierte, aktualisierte Version des Teufels - man wird im Vergleich mit verwandten Figuren im Musiktheater darauf Rücksicht nehmen müssen.

II. 3. Charakter und Handlungsmotivation

[...]


1 Goethe: Faust, S. 107

2 Goethe: Faust, S. 109

3 Goethe: Faust S. 112

4 Trunz: S. 568

5 Morris weist darüberhinaus zumindest für die Entstehungszeit der Goetheschen Faustbearbeitung eine hierarchische Ableitung aus dem Swedenborgischen Geisterreich nach. Somit wäre dann der erste Geist, der sich Faust im Zeichen des Makrokosmos offenbart, ein Vertreter der "All - Geister", der Erdgeist würde das "Geisterreich der Erde" und Mephistopheles selbst also den "persönlichen" Geist Fausts darstellen. Im Gegensatz zu Swedenborgs derartigen Geistern ist er allerdings individualisiert. Vgl. dazu Morris, S. 150 ff

6 Goethe: Faust, S. 205

7 Goethe: Faust, S. 204

8 Goethe: Faust, S. 175

9 Zum ersten Mal bezeichnet er sich so am Ende des Prologs im Himmel. Auch gegenüber Faust wird seine "Profession" gleich beim ersten Zusammentreffen offenbar.

10 Goethe: Faust, S. 152


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