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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1994, 20 Pages
Author: Dr. Sabine Busch-Frank
Subject: Art - Sculpture / Plastics
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Kunstgeschichte)
Tags: Hubert, Gerhards, Bavaria, Hofgartentempel, München, Hauptseminar
Year: 1994
Pages: 20
Grade: 2
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46160-3
ISBN (Book): 978-3-640-20374-1
File size: 203 KB
Das Referat und die Hausarbeit beschäftigen sich mit einem spezifisch Münchnerischen Kunstgeschichtsthema - Hubert Gerhard war zwar Niederländer, aber lange Zeit bayerischer Hofbildhauer. Die Referentin war im Nebenfach Kunstgeschichtlerin.
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Abstract
Hubert (oder Rupert) Gerhard stammte wahrscheinlich aus einer Amsterdamer Künstlerfamilie, die wegen politischer Unruhen das Dasein als Wanderkünstler wählte. Von seinem Lebensweg sind nur Eckdaten bekannt. Geboren wurde er wahrscheinlich etwa 1550. Er verbrachte dann prägende Jahre in Italien, - die Vorbildfunktion Giovanni da Bolognas und Benvenuto Cellinis zeichnet sich deutlich in Gerhards Werk ab. (Man vergleiche dazu den seit D. Diemer Hubert Gerhard zugeschriebenen Merkur der Münchner Residenz mit dem Giovanni da Bolognas und den Gerhardschen "Perseus" aus dem Grottenhof der Residenz mit dem Cellinis.) Auch Einflüsse der niederländischen Kunst, der Floris - Werkstatt, Ammanatis, und Vincenco de'Rossis sind im Werk Hubert Gerhards erkennbar. Er lebte seit 1581 nachweisbar in Augsburg. Dort arbeitete er für die mächtige Fuggerfamilie und die Stadt und erwarb sich als Schöpfer des Schmuckes von Schloß Kirchheim Ruhm. Er wurde daraufhin an den Hofe Wilhelm V. nach München berufen, wo seine Hauptarbeitsstätte die neuerbaute Jesuitenkirche St. Michael wurde. 1587 gab es am Münchner Hof unter den Künstlern eine regelrechte Entlassungswelle aus Finanznot, von der aber Gerhard und zwei seiner Gesellen (darunter Krumpper) verschont blieben. 1589 wurde er sogar bei Hof als "fürstlich Bayrischer Scultor" fest angestellt und zwar für ein Gehalt von 100 fl. Gerhard schien durch seine Arbeiten zu Wohlstand gekommen zu sein, denn 1590 ist der Kauf eines Hauses in München urkundlich belegt. Doch bereits fünf Jahre später wurde Hubert Gerhard als offizieller Hofkünstler entlassen, zunächst aber dennoch weiterbeschäftigt und wahrscheinlich aus der Privatschatulle Wilhelm V. bezahlt. Spätestens seit 1598 stand er dann im Dienste Erzherzogs Max von Österreich. Dort verblieb er sogar, als sich Rudolf II. 1605 darum bemühte, Gerhard nach Prag zu holen. Erst 1613 wurde er von diesem Vertrag aus Altersgründen entbunden. Sein Todesdatum ist nicht belegt, aufgrund eines erhaltenen Dokuments, in welchem sich seine Frau als "Witwe" bezeichnet, datiert man es etwa gegen 1620, auch der Ort, an welchem er starb, ist unbekannt.
Excerpt (computer-generated)
Hubert Gerhards "Bavaria"
auf dem Hofgartentempel in München
von: Sabine Busch-Frank
4. Fachsemester, WS 1994/95
Gliederung
1. Hubert Gerhard und seine Zeit
1. 1. Hubert Gerhard - ein Niederländer auf Reisen
1. 2. Die Gerhardsche "Werkstatt" - das Prinzip der Arbeitsteilung
1. 3. Die Kunstpolitik der Wittelsbacher zur Entstehungszeit der "Bavaria"
2. Das Brunnenprojekt mit der "Bavaria"
2. 1. Das Brunnenprojekt - Aufbau und Lage
2. 2. Die "Bavaria" im Rahmen des Brunnenprojektes
2. 2. 1. Position der "Bavaria" im Brunnenprojekt
2. 2. 2. Beschreibung der "Bavaria" im Brunnenprojekt
2. 2. 3. Deutungsversuch der "Bavaria" im Brunnenprojekt
EXKURS: Die Tradition der Diana- bzw. Landesallegoriedarstellung
3. Die "Bavaria" nach 1611
3. 1. Bauliche Veränderungen an der Residenz und ihre Auswirkung auf die "Bavaria"
3. 2. Historische Veränderungen und ihre Auswirkung auf die "Bavaria"
3. 3. Bestandsaufnahme: Die "Bavaria" als Landesallegorie und Herrschaftssymbol
4. Die "Bavaria" heute - ein unglücklicher Kompromiß
1. Hubert Gerhard und seine Zeit
Vom Schöpfer der sogenannten "Bavaria" (die Hubert Gerhard zugeschrieben wird, seit seine Lebensdaten genauer bekannt sind) ist nur ein sehr schematischer Lebenslauf überliefert - ein Schicksal, das er mit vielen seiner zeitgenössischen Künstler teilt.
1. 1. Hubert Gerhard - ein Niederländer auf Reisen
Hubert (oder Rupert) Gerhard stammte wahrscheinlich aus einer Amsterdamer Künstlerfamilie, die wegen politischer Unruhen das Dasein als Wanderkünstler wählte. Von seinem Lebensweg sind nur Eckdaten bekannt. Geboren wurde er wahrscheinlich etwa 1550. Er verbrachte dann prägende Jahre in Italien, - die Vorbildfunktion Giovanni da Bolognas und Benvenuto Cellinis zeichnet sich deutlich in Gerhards Werk ab. (Man vergleiche dazu den seit D. Diemer Hubert Gerhard zugeschriebenen Merkur der Münchner Residenz mit dem Giovanni da Bolognas und den Gerhardschen "Perseus" aus dem Grottenhof der Residenz mit dem Cellinis.) Auch Einflüsse der niederländischen Kunst, der Floris - Werkstatt, Ammanatis, und Vincenco de′Rossis sind im Werk Hubert Gerhards erkennbar. Er lebte seit 1581 nachweisbar in Augsburg. Dort arbeitete er für die mächtige Fuggerfamilie und die Stadt und erwarb sich als Schöpfer des Schmuckes von Schloß Kirchheim Ruhm. Er wurde daraufhin an den Hofe Wilhelm V. nach München berufen, wo seine Hauptarbeitsstätte die neuerbaute Jesuitenkirche St. Michael wurde. 1587 gab es am Münchner Hof unter den Künstlern eine regelrechte Entlassungswelle aus Finanznot, von der aber Gerhard und zwei seiner Gesellen (darunter Krumpper) verschont blieben.
1589 wurde er sogar bei Hof als "fürstlich Bayrischer Scultor" fest angestellt und zwar für ein Gehalt von 100 fl. Gerhard schien durch seine Arbeiten zu Wohlstand gekommen zu sein, denn 1590 ist der Kauf eines Hauses in München urkundlich belegt. Doch bereits fünf Jahre später wurde Hubert Gerhard als offizieller Hofkünstler entlassen, zunächst aber dennoch weiterbeschäftigt und wahrscheinlich aus der Privatschatulle Wilhelm V. bezahlt. Spätestens seit 1598 stand er dann im Dienste Erzherzogs Max von Österreich. Dort verblieb er sogar, als sich Rudolf II. 1605 darum bemühte, Gerhard nach Prag zu holen. Erst 1613 wurde er von diesem Vertrag aus Altersgründen entbunden. Sein Todesdatum ist nicht belegt, aufgrund eines erhaltenen Dokuments, in welchem sich seine Frau als "Witwe" bezeichnet, datiert man es etwa gegen 1620, auch der Ort, an welchem er starb, ist unbekannt.
Seinen Stil kennzeichnet Weihrauch1 als "durch realistische Züge und grotesken Dekor aufgelockerte klassizistische Strömung des internationalen Manierismus". Hubert Gerhards Werke befinden sich heute zum Großteil nicht mehr am ursprünglichen Ort. Sie sind u. a. im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums, des Augsburger Fuggermuseums, des Berliner und Hamburger Kunstgewerbemuseums und des Wiener Kunsthistorischen Museums. Der Forschungsstand ist schlecht, manche Zuschreibungsfragen sind bis heute nicht geklärt, besonders der Anteil Pallagos an Gerhards Werk ist bisher nicht erforscht. Auch fehlt bisher jede Untersuchung des künstlerischen Kontextes Gerhards über Augsburg und München hinaus und über seine Zeit in Italien. Hier läßt die Forschung bisher so manche Frage offen, Sustris und Krumpper sind bereits weitaus besser bearbeitet.
1. 2. Die Gerhardsche "Werkstatt" - das Prinzip der Arbeitsteilung
Sicher ist, daß Hubert Gerhard sein Werk nicht im Alleingang vollbracht haben kann, an jeder Figur wirkten mehrere Arbeiter, die sich die verschiedenen Aufgaben im Laufe des Entstehungsprozesses teilten, mit. Doch deswegen von einer Gerhardschen "Werkstatt" zu sprechen ist heikel. So beschäftigte Gerhard zwar Lehrlinge, arbeitete aber auch mit selbstständigen Künstlern symbiotisch zusammen. Wer dabei die Leitung innehatte, ist nicht völlig geklärt. Eine dominante Position nahm natürlich Sustris ein, der die Entwürfe zeichnete. Gerhard selbst wirkte als Stukkateur und Bildhauer, modellierte die Figur in Stuck, Ton oder Wachs, wobei seine Gesellen und Carlo Pallago einen bisher nicht näher erforschten Anteil hatten. Den Guß fertigte dann ein Stück- oder Glockengießer. Hubert Gerhard fand in München bereits eine Gießhütte vor, die er nur noch umorganisieren und für Monumentalgüsse einrichten mußte. In München bestand aus vier Gründen Interesse an einer Gießhütte:
1. Es gab dort prunkliebenden und finanzkräftigen Adel, der sich für den Bronzeguß, der gerade in Mode kam, interessierte.
2. Eine Gießhütte galt als Wirtschaftsfaktor, da die produzierten Stücke ja auch exportiert werden konnten.
3. Es bestand die militärische Notwendigkeit des Bronzegusses. Man konnte auch Gebrauchsgegenstände und Glocken kostendämpfend selbst gießen.
4. Das Tiroler Erz war in München leichter erreichbar als zum Beispiel in Nürnberg. Außerdem wurde es bei der Verschickung in den Norden sowieso durch München geleitet.
[...]
1 vgl. Lit. 25, S. 279
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