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Scholary Paper (Seminar), 2002, 17 Pages
Author: M.A. Nicole Gast
Subject: American Studies - Culture and Applied Geography
Details
Tags: Spirituals, Amerika, Sklaverei
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 2+
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46162-7
File size: 244 KB
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Spirituals im Amerika der Sklaverei
von: Nicole Gast
Jede Untersuchung über schwarze Kultur in Amerika trifft zwangsläufig Aussagen über das Verhältnis zwischen weißen und schwarzen Amerikanern. In dieser Arbeit wird das aber nicht nur ein unvermeidbarer Nebeneffekt sein, sondern ist von vornherein beabsichtigt. Auf den folgenden Seiten werde ich die Frage beantworten, ob die Spirituals – Gesänge der vom Christentum inspirierten Sklaven - primär als “Krisenmusik“ angesehen werden sollte, die nur durch Unterdrückung und Ausbeutung durch Weiße entstanden ist und nur den einen Zweck hat : eine Plattform zu bilden, die Schwarzen eine Möglichkeit bietet sich frei zu fühlen und ihre Gedanken, Ängste und Schmerzen zu verarbeiten, oder ob sie als ein Motor verstanden werden kann, der nicht nur dem Einzelnen die Möglichkeit bietet sich individuell zu entfalten, sondern auch ganzen Massen Antrieb und Kraft gibt, um auf bestehende Missstände innerhalb der Gesellschaftsstruktur aufmerksam zu machen und eine kulturelle, soziale, wirtschaftliche und politische Veränderung zu bewirken.
Kurz : Haben Spirituals den Sklaven auf den Baumwollfeldern nur die Arbeit erträglicher gemacht oder waren sie es, die sie aus der Sklaverei hinausführten ? Ist diese Form schwarzer Musik ein Zeitvertreib gewesen oder hat sie tatsächlich etwas bewirkt ? Ich werde versuchen eine Antwort auf diese Frage zu finden, indem ich herausarbeiten werde, warum `Black Music´ als Fortführung der oral culture verstanden werden muss und erläutere, was man eigentlich unter oral culture versteht, welche Rolle der Rhythmus in der Musik der Schwarzen spielt und welche Auswirkungen Musik und Rhythmus auf die black community haben. Da Musik, speziell die hier angesprochenen Spirituals, sehr eng mit Emotionen verbunden ist, und Veränderungen in der Gemütslage verarbeiten sowie hervorrufen kann, werde ich mich mit verschiedenen Spirituals befassen und zeigen, dass schwarze Musik nicht nur aus Noten und Harmonien besteht, sondern auch aus Melancholie und Hoffnung. Davor ist es jedoch nötig, auf das Christentum einzugehen, in dem Spirituals ihren Ursprung fanden und dass die Sklaven derart beeinflusste, dass aus emotional aufwühlenden Gottesdiensten Lieder entstanden, die Jahrzehnte nach der Befreiung der Sklaven sogar kommerziell erfolgreich waren.
Schwarze Musik kann nicht einfach – wie Musik im europäischen Kontext gerne behandelt wird – als Mittel zur Unterhaltung angesehen werden, vielmehr nimmt sie einen weitaus wichtigeren Platz in der schwarzen Geschichte Amerikas ein : Sie muss als eine Art Sprache verstanden werden. Als das einzige Sprachrohr einer Kultur, auf das weiße Unterdrücker keinen Einfluss nehmen konnten und das im Laufe der Jahrhunderte zum Inbegriff von Freiheit avancierte. `Black Music´, als Sammelbegriff für Gospel, worksongs, Jazz, Blues, Rock´n Roll, Bebop und auch für Spirituals, ist daher die künstlerische Verbindung aus musikalischer Tradition und gesellschaftlichen Problemen. In ihr werden die sozialen Verhältnisse der Gegenwart verarbeitet und somit auch für die Nachwelt festgehalten. In diesem Sinne liegt es nahe, diese Musik als Fortführung der oral culture anzusehen, da dies eine Kulturform war, in der das Erlebte mündlich weitergegeben wurde um anderen Menschen und den eigenen Nachfahren Geschichten und Geschichte zu hinterlassen. Diese Mitteilungsform ist nicht nur bei verschiedenen indianischen Kulturen zu finden, sondern auch in der Kultur Afrikas.
Die afrikanischen Kulturen, aus denen die amerikanischen Schwarzen abstammen, kannten keine schriftliche Überlieferung. Und das, was an Informationen in Form von Zauberei und Ritualen mit nach Amerika hinübergebracht wurde, erachteten die Weißen als primitiv und barbarisch. Sie hielten es nicht für nötig, die Riten und Bräuche der Schwarzen schriftlich festzuhalten oder es gar in Geschichtsbüchern zu verewigen. Dennoch war es eine Tatsache, dass afrikanische Kulturen orale Überlieferung pflegten und diese führten sie auch in Amerika fort. In Amerika waren sie kulturell isoliert und so gelang es dem amerikanischen Schwarzen seine oral culture zu bewahren, ja sie sogar über ihre Grenzen hinaus erweitern und ihr neuen Einfluss verschaffen: durch Musik.
Die oral culture der Schwarzen in den USA stand jahrhundertelang in Schatten der literate culture und konnte sich daher im Verborgenen entwickeln, weshalb sie kaum auf Widerstand von Seiten des weißen Amerika stieß. Angehörige einer oral culture erleben die Welt um sich herum, ihre Kultur und ihre Musik viel intensiver als die Angehörigen westlicher Kulturen, die anscheinend Wert auf die Ausgrenzung sinnlicher Wahrnehmung legen. Sie sind der Auffassung, es sei nicht von Vorteil “zu viel“ Wirklichkeit in sich aufzunehmen. Doch gerade davon lebt oral culture, deren Überreste man immer noch im Geschichtenerzählen, im Tanz und in Liedern, Feldgesängen und Jodelrufen findet. Während Papier und Tinte die Medien der literate culture darstellen, braucht die mündlich orientierte Kultur nur eines : die Anwesenheit Anderer.
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