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Scholary Paper (Seminar), 2003, 23 Pages
Author: M.A. Nicole Gast
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Frauenbild, Mittelalters, Minne
Year: 2003
Pages: 23
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46165-8
File size: 349 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam, Institut für Germanistik
Seminararbeit zum Erwerb des Leistungsscheines :
Grundkurs B - Literaturwissenschaft
Seminar: SS 2002/2003
Das Frauenbild des Mittelalters und die Minne
von: Nicole Gast
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Historische Stellung der Frau im Mittelalter 4
2.1 Erziehung und Bildung der höfischen Frau 4
2.2 Frauen als Dienerinnen und Repräsentantinnen ihres Geschlechts 4
2.3 Frauen im ehelichen Alltag 5
3. Der Minnesang 7
3.1 Hohe und niedere Minne 8
3.2 Walther von der Vogelweide und die Minne 9
3.3 Das Frauenbild in Minneliedern Walthers 10
4. Fazit 11
1. Einleitung
Im Minnesang werden Rollenspiele inszeniert, die der zuhörenden höfischen Gesellschaft in spielerisch kunstvoller Weise Liebesbeziehungen und erotische Situationen vorführen. Die häufigste Konstellation ist die des vergeblich um eine höfische Dame werbenden Mannes, der trotz aller Abweisungen und Enttäuschungen an der Verehrung für seine „Herrin“ festhält und sein Leid als Möglichkeit der inneren Vervollkommnung begreift.1 Durch die Minne scheint daher ein bis dahin völlig neues Frauenbild transportiert zu werden, nämlich das der idealisierten höfischen Dame, die nicht nur gesellschaftlich sondern auch menschlich über dem Mann zu stehen scheint. Eine neue Wertschätzung der Frau als Person und eine sich steigernde Achtung gegenüber der Weiblichkeit durch den Idealisierungsprozess der Frau in der Minne scheint diese Epoche rund um Walther von der Vogelweide auszuzeichnen.
Das Frauenbild in der vorherrschenden Gesellschaftsordnung jedoch lief dem Idealbild der Frau innerhalb der Literatur völlig entgegen: Im realen Leben wurde das Bild der Frau nicht romantisch verklärt; unverheiratete Frauen galten bei ihren Familien als zusätzlicher Kostenfaktor. Geheiratet wurde nur aus ökonomischen Gründen und innerhalb der Ehe nahm der Mann selbstverständlich die Vormachtstellung ein. Das reale Bild und die idealisierte literarische Vorstellung der Frau scheinen daher zwei verschiedene Dinge zu sein. Dass dies keineswegs so ist, und dass es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Realität und literarischer Fiktion gibt als es scheint, werde ich im Laufe dieser Arbeit herausarbeiten.
Dabei werde ich auf die historische Stellung adliger Frauen bzw. Damen der höfischen Gesellschaft des Mittelalters eingehen und beschreiben, was man unter dem Begriff „Minnesang“ versteht und was der Unterschied zwischen „hoher“ und „niederer“ Minne ist. Außerdem werde ich mich eingehend mit der Person des Walther von der Vogelweide beschäftigen um sein Verhältnis zur Minnetradition besser einschätzen zu können und das Frauenbild, das in seinen Liedern transportiert wird, erklären zu können. Ich schreibe diese Arbeit nach der neuen Rechtschreibreform.
2. Die historische Stellung der Frau im Mittelalter
Mittelalter. Das bedeutete für die Frauen dieser Zeit ein Leben unter männlicher Hegemonie. Sie mussten in allen kulturellen und sozialen Bereichen die tägliche Bevormundung und Reglementierung durch ihre Väter, ihre Ehemänner und auch durch ihre Beichtväter ertragen und die Idealisierungen und Abwertungen seitens aller Männer der Gesellschaft erdulden. Mit der Formulierung „kulturelle und sozialen Bereiche“ spiele ich auf die dienende Rolle der Frau innerhalb der Familie, ihre Erziehung und Bildung, ihr religiöses Leben und ihren Part innerhalb der Ehe an. Diese Bereiche werde ich im folgenden beschreiben und diskutieren.
2.1 Erziehung und Bildung der höfischen Frau
Nach männlichem Verstehen und Verständnis wurde der Frau eine unterwürfige Rolle innerhalb der Gesellschaft zugewiesen. Die weibliche Natur wurde als „schwach“ und „schutzbedürftig“ angesehen, was dazu führte, dass Frauen sorgsamer belehrt und angeleitet werden mussten als Männer. In zahlreichen Schriften mahnten Kirchenväter zur Keuschheit und ließen verschiedenen höfischen Damen der Gesellschaft Ratschläge zur moralisch wertvollen Erziehung ihrer Töchter zukommen. Diese Briefe waren „eine Hauptquelle der christlichen Frauenlehre“. 2
Bei der Erziehung adliger Mädchen wurde strengstens darauf geachtet, dass sie stets unter Bewachung standen, um ihre Jungfräulichkeit nicht zu verlieren. In Briefen des heiligen Hieronymus hieß es zum Beispiel, dass man junge Mädchen am Besten ständig im Hause halten und den Weg in die Kirche immer in Begleitung der Mutter absolvieren lassen sollte. Die große Angst der „Erziehungsberechtigten“ war, dass adlige Mädchen auf schlimme Gedanken kommen könnten. Sie wurden daher permanent beschäftigt. Diese regelrechte Beschäftigungstherapie äußerte sich in arbeiten, beten und lernen. Als angemessene Arbeiten für junge höfische Damen nannte man das Spinnen, das Weben und besonders das Nähen, Besticken und Verzieren von Gewändern aus dickem Stoff gegen die Kälte. Die Mädchen lernten auch das Lesen. Geforderte Lektüre waren vor allem die heiligen Schriften, in denen die vier wichtigsten Dinge beschr ieben waren, die es für Mädchen einzuhalten bzw. zu wissen galt :
1) Schamhaftigkeit und Keuschheit
2) Demut
3) Schweigsamkeit
4) Würde der Sitten und Gebärden
Schamhaftigkeit und Keuschheit zeigten sich darin, dass jede unnütze Ergötzung des Fleisches unterblieb.3 So sollten sie nicht zu viel und zu lange schlafen und auch nicht zu oft baden. Zu eben diesem Punkt schrieb Hieronymus an Laeta : „Mir missfallen Bäder sehr bei einer erwachsenen Jungfrau, die über sich selbst erröten muss und die sich nicht nackend soll sehen können.“ ( Vgl. Bumke, 1986, 471).
[...]
1 Nusser, Peter ( 1992): Deutsche Literatur im Mittelalter. Stuttgart.- Kröner Verlag. S. 241
2 Bumke, Joachim (1986): Höfische Kultur Band 2. 3. Aufl. Nördlingen.-dtv. S. 470.
3 Bumke, S. 471.
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