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Autor: M.A. Nicole Gast
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Tags: Anglizismen, Bereicherung, Schändung, Sprache
Jahr: 2002
Seiten: 26
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 393 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46169-6
Textauszug (computergeneriert)
Universität Potsdam, Institut für Germanistik
Grundkurs II - Sprachwissenschaft
SS 2002
Anglizismen - Bereicherung
oder Schändung der deutschen Sprache?
von: Nicole Gast
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3-4
2. Anglizismen 5
2.1 Geschichte der englischen Sprache 6-7
2.2 Englischer Spracheinfluss vom Mittelalter bis 1945 7-9
2.3 Englischer Spracheinfluss von 1945 bis heute 9-10
2.4 Integration von Anglizismen 10-12
3. Anglizismen in modernen Werbe - und Medientexten 13-15
3.1 Chat – Kommunikation 15-17
4. Beispiele von Anglizismenbildung und –verwendung im täglichen Sprachgebrauch 18
4.1 Analyse von Einzelentlehnungen 18-19
4.2 Beispiele für Problemfälle 19-20
4.3 Pluralbildungen 21
4.4 Redewendungen 22-23
5. Fazit 24-25
6. Literaturverzeichnis 26
1. Einleitung
Ursprünglich hatten alle Menschen die gleiche Sprache und waren ein Volk. Als sie auf die Idee kamen, einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reicht, um sich damit einen Namen zu machen, griff Gott ein, denn er sah, dass den Menschen nun nichts mehr unmöglich war. Er verwirrte die Sprache und zerstörte damit jede Verständigungsmöglichkeit. Das eine Volk zerfiel wie seine Sprache und der Turm blieb eine Ruine. Derart pluralisiert, verbreiteten sich die Völker und Sprachen über die Erde. Die elf Apostel saßen in Jerusalem zusammen, als plötzlich ein Brausen vom Himmel das Haus erfüllte und Feuerzungen erschienen, die sich auf sie verteilten. Der Heilige Geist, der sie dieserweise erfüllte, hieß sie nun, in fremden Sprachen zu sprechen. Und so kam es, dass alle Menschen in der Vielvölkerstadt zu ihrem größten Erstaunen die Apostel, die doch nur einfache Galiläer waren, in ihrer je eigenen Muttersprache (idia dialekto) reden hörten. Das sind die beiden kommunikativen Urszenen, die uns die Bibel vor Augen führt : der Turmbau zu Babel ( Genesis 11, 1-9) und das Pfingstwunder ( Apostelgeschichte 2, 1 - 13). Heute scheint die Wirklichkeit die theologische Vorstellung eingeholt zu haben - und zwar beide Urszenen zugleich.
Über die Gesamtzahl der heute auf der Erde gesprochenen Sprachen herrscht keine Einigkeit. Die meisten Nachschlagewerke nennen eine Zahl zwischen 4000 und 5000, doch andere Schätzungen schwanken zwischen 3000 und 10 000. Ein Grund für diese schwankenden Zahlen besteht darin, dass in unerforschten Gebieten der Erde selbst heute noch neue Völker und damit neue Sprachen entdeckt werden. Sprachenvielfalt ist also nichts Neues. Sie besteht seit Jahrtausenden und jedes Volk unternahm gezielte Bemühungen seine Sprache von fremdsprachlichen Einflüssen freizuhalten. Diese puristischen Bestrebungen sollten dem Sprachzerfall bzw. der “Muttersprachzertrümmerung“ Einhalt gebieten und zielten in erster Linie darauf ab, Ausdrücke fremder Herkunft durch spracheigene Ausdrücke zu ersetzen.
Doch trotz intensiver Bemühungen war diese Aufgabe nicht zu erfüllen. Schon immer mischten sich fremdartige Ausdrücke in das Vokabular einer Sprache, die von ihren Sprechern genutzt wurden ohne dass sie vorher übersetzt wurden. Und auch die deutsche Sprache konnte sich vor der Invasion fremder (insbesondere englischer) Vokabeln und Redewendungen nicht ewig schützen. Und exakt dieses Thema behandelt diese Arbeit. Ich werde der Frage nachgehen, ob Anglizismen und Amerikanismen eine Bereicherung oder doch eher eine Bedrohung der deutschen Sprache sind. Haben sie eine Daseinsberechtigung in unserer Sprache ? Tragen sie zur Sprachschändung und damit zum Verfall des Deutschen bei ? Oder sind sie eine Bereicherung unseres Wortschatzes und automatische Nebenerscheinung der Globalisierung? Um diese Fragen zu beantworten, werde ich erläutern was genau Anglizismen sind, und wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelten und auf andere Sprachen Einfluss nahmen. Außerdem werde ich Beispiele, u. a. auch aus modernen Werbe - und Medientexten, näher untersuchen, die unvermeidbar für den modernen Menschen geworden sind und in denen sich - oft unbemerkt - Anglizismen verstecken.
2. Anglizismen
Die Bezeichnung (sprachliche) `Entlehnung´ beschreibt nicht nur einzelne aus einer anderen Sprache übernommene Wörter, sondern umfasst alle Erscheinungen einer Sprache, die auf den Kontakt mit einer anderen Sprache zurückzuführen sind. Als Oberbegriff für die durch das Englische bedingten Veränderungen im Deutschen gebraucht man den Terminus “Anglizismus“. Fischer definiert : Der Anglizismus...kann...beschrieben werden als ein englisches Wort, eine englische Wendung oder eine englische Abkürzung in einer anderen Sprache oder als das Produkt einer unter englischsprachlichem Einfluß stattgefundenen Veränderung eines anders- sprachlichen Wort- oder Wortgruppenkörpers in morphologischer, semantischer, syntaktischer, orthographischer, lautlicher und frequenzmässiger Hinsicht;...1 Nach dieser Definition wird `Anglizismus´ nicht auf die Spracheinflüsse des britischen Englisch beschränkt, was ich im Rahmen dieser Arbeit für sehr sinnvoll halte. Der Terminus bleibt somit für das Gesamtenglische frei, er umfasst alle Entlehnungen aus den verschiedenen Sprachzweigen. Als wichtigste nationalsprachliche Varianten sind das Amerikanische, das Australisch- Neuseeländische, das Britische und das Kanadische zu nennen, wobei Großbritannien und vor allem die USA als Einflussbereiche dominieren.
In Sekundärliteratur und vielen anderen Nachschlagewerken werden verwirrende Begriffe eingeführt um Entlehnungen genauestens zu klassifizieren und zu registrieren. Man muss sich u.a. mit Termini wie “Angloamerikanismus“, “Amerikanismus“ und “Britizismus“ befassen. Das halte ich jedoch nur für sinnvoll, wenn man genaue Klassifikationen und Untersuchungen vornehmen will. Um Missverständnisse auszuschließen, verwende ich daher in dieser Arbeit den Terminus “Anglizismus“ für alle englischen Begriffe.
2.1 Geschichte der englischen Sprache
[...]
1 Fischer, Urs (1980) : Der Einfluss des Englischen auf den deutschen Wortschatz im Bereich von Essen und Trinken, Frankfurt a. M. ( Europ. Hochschulschriften : Deutsche Sprache und Literatur; Bd. 372, S. 28)
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