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Autor: Henri Schmidt
Fach: Wirtschaft - Handel und Distribution
Details
Institution/Hochschule: Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Tags: Deutschland, Basarökonomie, Exportweltmeister, Wachstum, Entwicklung
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 32 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 479 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46221-1
Textauszug (computergeneriert)
HELMUT-SCHMIDT-UNIVERSITÄT
UNIVERSITÄT DER BUNDESWEHR HAMBURG
Veranstaltung: „Wachstum und weltwirtschaftliche Entwicklung“
Deutschland - Basarökonomie oder Exportweltmeister
von: Henri Schmidt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Zum Begriff der Basarökonomie – Theoretische und empirische Grundlagen 2
2.1 Outsourcing oder Offshoring 3
2.2 Statistische Beweise 3
2.2.1 Die Wachstumsschwäche Deutschlands 4
2.2.2 Die Flucht nach Osteuropa 5
2.2.3 Die deutsche Exportstatistik 6
2.3 Warum entsteht Arbeitslosigkeit? – ein verzweifelter Kampf 7
3. Kritische Bemerkungen 9
3.1 Outsourcing in den Dienstleistungssektor 9
3.2 Offshoring schafft Arbeitsplätze 11
3.3 Basartendenz als „normale“ Folge der Globalisierung 12
3.4 Die Lohnstückkosten 13
3.5 Die fehlende Binnennachfrage als Grundlage allen Übels 14
3.6 Der wachsende Außenbeitrag als Indikator für Handelsgewinne 15
4. Positive Effekte der Basarökonomie? 16
5. Zusammenfassung und Schluss 17
1. Einleitung
Zwischen Marktbuden und Menschengetümmel wird um Preise gefeilscht. Ein Gewirr von Stimmen liegt in der Luft. Ein Basar, so findet man den Begriff in vielen Lexika, sei „ein orientalischer Wochenmarkt“ oder allgemeiner „ein orientalischer Handelsplatz“. Was hat das alles mit dem Begriff der „Basarökonomie“ zu tun, die derzeit immer wieder in der Presse auftaucht und was hat dieser Begriff in einer Vorlesung über internationalen Handel zu suchen? Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Deutschland als Exportweltmeister oder als Basarökonomie?“. Der Titel verdeutlicht sogleich die Intention dieser Arbeit. Ziel wird es sein, der Frage nachzugehen, ob der Titel des „Exportweltmeisters“, mit dem sich der deutsche Handel immer wieder schmückt, überhaupt gerechtfertigt ist oder ob Deutschland inzwischen viel mehr zu einer internationalen Handelsdrehscheibe ohne eigene Wertschöpfung verkommen ist.
Dazu wird im Kapitel zwei der Begriff der Basarökonomie einer genaueren Betrachtung unterzogen. Hierzu werden seine Herkunft und seine Grundaussagen erläutert. Zusätzlich erfolgt eine Messung dieser Aussagen an empirischen Fakten. Im Kapitel drei werden dann einige Kritikpunkte an der Basarökonomiethese aufgenommen, näher erläutert und kritisch betrachtet. So werden beispielsweise die Lohnstückkosten und die fehlende Binnennachfrage Erwähnung finden. Im Schlussteil erfolgen eine kurze Zusammenfassung und die Beantwortung der oben genannten Fragestellung.
Die Literaturlage zu dieser Thematik ist hervorragend. Es gibt beinahe keine Tageszeitung und auch kein Wirtschaftsmagazin, das sich noch nicht mit dem Begriff der Basarökonomie befasst hat. Auch bei Akademikern ist die Diskussion dieses Begriffes sehr beliebt und stößt immer wieder auf geteilte Meinungen. Daher war es zunächst notwendig, die Vielzahl der Texte hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Aussagen einzuordnen. Dabei waren es vor allem Kritiker, die sich zu Wort meldeten. Man hatte beinahe das Gefühl, der Begriff der Basarökonomie sei ein verbotenes Wort, dessen Aussprache unbedingt verhindert werden müsse. Themenspezifische Fachbegriffe werde ich jeweils im Kontext erläutern. Mit dem zentralen Begriff der Basarökonomie werde ich im Folgenden beginnen.
2. Zum Begriff der Basarökonomie – Theoretische und empirische Grundlagen
Dieser Abschnitt wird die grundlegenden Aussagen des Begriffs der „Basarökonomie“ zusammenfassen und seine Herkunft erläutern. Darüber hinaus werden einige empirische Fakten und Statistiken dargestellt, die die zentralen Argumente belegen sollen. Die These der Basarökonomie1 zur Kennzeichnung der Standortverlagerung der Industrie in Niedriglohnländer geht zurück auf Hans-Werner Sinn2, der diesen Begriff insbesondere für die deutsche Wirtschaft prägte. Seine Grundaussage ist, dass der Anteil der inländischen Wertschöpfung an der Industrieproduktion immer weiter zurückgeht. Der Anteil der im Ausland bezogenen Vorleistungen nimmt währenddessen immer weiter zu. Dies sei eine Folge der sich verringernden Fertigungstiefe im Inland. Es werden also immer mehr Teile der Wertschöpfungskette ins Ausland verlagert. Der Titel „Exportweltmeister“, den der deutsche Warenhandel derzeit für sich einnimmt, müsse deswegen überdacht werden. Der Widerspruch zwischen der angeblichen Weltmeisterschaft beim Export und der große deutsche Exportüberschuss auf der einen Seite sowie der Massenarbeitslosigkeit auf der anderen Seite sei schlicht zu gewaltig. Einerseits scheint Deutschland mit der Globalisierung prächtig zu Recht zu kommen und andererseits ist auch in einer Phase des dramatischen Konjunkturaufschwungs in der Welt eine enorme Wachstumsschwäche vorhanden.3 Sinn macht deutlich, dass es sich bei seiner Darstellung nur um eine Karikatur und nicht um die Beschreibung des derzeitigen Zustandes handelt. Er sagt aber auch, dass sich eine deutliche Tendenz in die Richtung seiner überspitzten Darstellung abzeichnet. In dieser schwierigen Phase sind sich bislang nicht einmal die Volkswirte darüber einig, wie die scheinbar widersprüchlichen Informationen zu interpretieren sind. Deshalb versucht Sinn in einer ganzheitlichen Betrachtung den Zusammenhang von Exportboom, Basar-Effekt und Wachstumsschwäche zu zeigen.
2.1 Outsourcing oder Offshoring
Zur Kennzeichnung der Verlagerung der Wertschöpfung aus dem verarbeitenden Gewerbe heraus werden zwei Begriffe unterschieden, das Outsourcing und das Offshoring. Sinn skizziert diese Begriffe wie folgt:
Beim Offshoring spricht man von der Verlagerung von Betriebsteilen in eine eigene ausländische Niederlassung. Beim Outsourcing ist die Verlagerung von Arbeitsplätzen auf Zulieferer im In- oder Ausland gemeint. Im Rahmen des Offshorings sind vor allem die berühmten Beispiele aus der Automobilindustrie zu nennen. So produziert Volkswagen sowohl den Polo als auch den Touareg in Bratislava. Porsche fertigt seinen Cayenne nominell zwar noch in Leipzig, die Praxis sieht allerdings ganz anders aus. 73 % des Wertes kommt von Zulieferern, von denen die Hälfte im Ausland ansässig ist. Auch die inländischen Zulieferer lassen ihre Vorprodukte großenteils in ihren ausländischen Werken produzieren. Nichts desto trotz verkaufen die Firmen ihre Produkte weiter unter dem bekannten deutschen Markennamen und als „made in germany“. Kann man oder muss man hier von Markenschwindel sprechen? Der zunehmende Einsatz von Internetausschreibungen hat darüber hinaus das Outsourcing ins Ausland deutlich beschleunigt. So kommen immer mehr Teile und Vorprodukte von Billiganbietern, die auf der ganzen Welt zusammengesucht werden. Beide Vorgänge zusammen sind kennzeichnend für den Begriff der Basarökonomie und ursächlich für den sinkenden Wertschöpfungsanteil an den Endprodukten und das ohne, dass der Käufer davon weiß. Die Entwicklung selbst sei schließlich die natürliche Konsequenz von Globalisierung und internationaler Spezialisierung.4
2.2 Statistische Beweise
[...]
1 Sinn benutzte das Wort erstmals in seiner Deutschland-Rede am 15. November 2003 im Schloss Neu- Hardenberg.
2 Hans-Werner Sinn ist am 7. März 1948 in Brake/ Westfalen geboren. Sinn hat den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München inne und ist seit dem 1. Februar 1999 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, einem der weltweit angesehensten Wirtschaftsforschungsinstitute. Er gilt als einer der einflussreichsten neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler Deutschlands.
3 Vgl. Sinn, Hans-Werner: Basar-Ökonomie Deutschland. Exportweltmeister oder Schlusslicht? In: ifo Schnelldienst, 58. Jahrgang, 06/2005, S. 3ff.
4 Vgl. Sinn, Hans-Werner: Ist Deutschland noch zu retten? Berlin 2005, S. 72f.
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