Karl Philipp Moritz - Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten close Bitte warten


Details

Veranstaltung: Götterlehre oder Mythologische Dichtungen der Alten
Institut: Technische Universität (neuere deutsche Philologie)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 29
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 19  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 355 KB
Archivnummer: V49900
ISBN (E-Book): 978-3-638-46237-2
ISBN (Buch): 978-3-638-66065-5

Zusammenfassung / Abstract

1. Einleitung Karl Philipp Moritz ist eine ambivalente Persönlichkeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die charakteristische und widersprüchliche Zeitströmungen und Tendenzen aufgenommen und in sich vereint hat. In seinen Werken nimmt Moritz bezüglich der Mythendiskussion dieser Zeit eine Schlüsselstellung ein. In meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, aus welchen Beweggründen Karl Philipp Moritz Ende des 18. Jahrhunderts mythologische Werke hervorbringt. Zu seinem Hauptwerk gehört die „Götterlehre oder Mythologische Dichtungen der Alten“, das ich unter verschiedenen Gesichtspunkten näher betrachten werde. Dafür gehe ich im ersten Kapitel auf literarische Debatten um 1800 ein. Des Weiteren möchte ich kurz aufzeigen, welche literarischen Strömungen Moritz beeinflusst haben und wie er sich zeitlich einordnen lässt. Im zweiten Kapitel werde ich auf den Aufbau der Götterlehre eingehen. Moritz bezeichnete mythologische Dichtungen als Sprache der Phantasie, was ich im folgenden Kapitel anhand von Textbeispielen aufzeigen werde. Hierbei möchte ich seine Kritik an Winckelmann miteinbeziehen. Im nächsten Teil meiner Hausarbeit widme ich mich der Schönheitslehre von Moritz und gehe dabei auch auf seine Schrift: „Die Signatur des Schönen“ ein. Des Weiteren betrachte ich den Zusammenhang von Kunst und Natur in der Götterlehre und gehe dann zur Genietheorie und Tragödie über. Im letzten Kapitel möchte ich auf den Theodizeegedanken eingehen. In meiner Hausarbeit möchte ich auch Moritz’ Umgang mit Quellen und Überlieferungen in einigen Kapiteln betrachten. Dabei werde ich Moritz mit Hederich, Ovid und Homer als seine Quellen und mit Winckelmann als seinen Zeitgenossen vergleichen.

Textauszug (computergeneriert)

Karl Philipp Moritz - Götterlehre oder
Mythologische Dichtungen der Alten

von: Kathrin Kadasch

 


1. Einleitung S. 3

1.1. Literarische Debatten um 1800 S. 3
1.2. Zeitliche Einordnung von Karl Philipp Moritz

2. Die Götterlehre S. 6

2.1. Aufbau der Götterlehre S. 7
2.2. Mythologischen Dichtungen als Sprache der Phantasie S. 8
2.3. Kritik an Winckelmann S. 10

3. Schönheitslehre S. 12

3.1. Signatur des Schönen S. 14

4. Kunst und Natur S. 16

5. Ästhetik S. 17

5.1 Harmonie von Gegensätzen als klassisches Kunstideal S. 19

6. Genietheorie und Tragödie S. 22

6.1 Theodizee S. 23

7. Zusammenfassung S. 25

8. Bibliographie S. 28




 


 

1. Einleitung

Karl Philipp Moritz ist eine ambivalente Persönlichkeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die charakteristische und widersprüchliche Zeitströmungen und Tendenzen aufgenommen und in sich vereint hat.1 In seinen Werken nimmt Moritz bezüglich der Mythendiskussion dieser Zeit eine Schlüsselstellung ein. In meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, aus welchen Beweggründen Karl Philipp Moritz Ende des 18. Jahrhunderts mythologische Werke hervorbringt. Zu seinem Hauptwerk gehört die „Götterlehre oder Mythologische Dichtungen der Alten“, das ich unter verschiedenen Gesichtspunkten näher betrachten werde. Dafür gehe ich im ersten Kapitel auf literarische Debatten um 1800 ein. Des Weiteren möchte ich kurz aufzeigen, welche literarischen Strömungen Moritz beeinflusst haben und wie er sich zeitlich einordnen lässt. Im zweiten Kapitel werde ich auf den Aufbau der Götterlehre eingehen. Moritz bezeichnete mythologische Dichtungen als Sprache der Phantasie, was ich im folgenden Kapitel anhand von Textbeispielen aufzeigen werde. Hierbei möchte ich seine Kritik an Winckelmann miteinbeziehen. Im nächsten Teil meiner Hausarbeit widme ich mich der Schönheitslehre von Moritz und gehe dabei auch auf seine Schrift: „Die Signatur des Schönen“ ein. Des Weiteren betrachte ich den Zusammenhang von Kunst und Natur in der Götterlehre und gehe dann zur Genietheorie und Tragödie über. Im letzten Kapitel möchte ich auf den Theodizeegedanken eingehen. In meiner Hausarbeit möchte ich auch Moritz’ Umgang mit Quellen und Überlieferungen in einigen Kapiteln betrachten. Dabei werde ich Moritz mit Hederich, Ovid und Homer als seine Quellen und mit Winckelmann als seinen Zeitgenossen vergleichen.

1. 1. Literarische Debatten um 1800

In der Märzausgabe 1788 erschien Schillers Gedicht „Die Götter Griechenlandes“ im „Teutschen Merkur“. Besonders die Antike, hauptsächlich die griechische, war im Aufklärungsjahrhundert von großer Bedeutung. Winckelmann galt hier als Orientierungspunkt für menschliche Schönheit und Größe, welche „im Zentrum der geistigen Bestrebungen unter den Weimarer Großen stand.“2 Schiller teilte mit Winckelmann nicht nur „die Hoffnung, die auf die menschheitsperspektivischen Wirkungen der griechischen Kunst gesetzt wurden, sondern auch die klare Unterscheidung zwischen Natur und Kunst, zwischen geschichtlicher Wirklichkeit und menschlicher Kunstschöpfung.“3 Mit den „Göttern Griechenlandes“ wurde eine Debatte ausgelöst, indem Schiller seine Zeitgenossen herausforderte, denn er stellte ihr Verständnis von sich und ihrer Welt in Frage.4 Erfahrungen der Einsamkeit und der Disharmonie veranlassten Schiller ein Sehnsuchtsbild zu entwickeln, indem das Individuum als Teil einer harmonischen Welt und parallel als ganzheitliches Wesen in Erscheinung tritt.5 In der nächsten Ausgabe des „Teutschen Merkur“ begann Knebel eine öffentliche Auseinandersetzung, an der sich über längere Zeit hinweg viele literarisch interessierte Menschen beteiligten. Knebel formulierte eine doppelte Kritik: Zum einen, dass Schiller in seinem Gedicht fundamentale historische Erkenntnisse nicht beachtet und griechische Götter als unabhängig von den Menschen existierende Wesen vorstellt, als wären sie dem Menschen vorausgegangen. So lautet die Grundthese von Knebel: „Die Götter sind von jeher aus des Menschen Brust gekommen.“6 Zum anderen werden die Götter bereits in der ersten Strophe als „Schöne Wesen aus dem Fabelland“7 angesprochen, wodurch ihre wirkliche Existenz negiert wird und sie zu poetischen Schöpfungen der menschlichen Phantasie gemacht werden.8 Weiterhin kritisierte Knebel, dass in dem Gedicht „Die Götter Griechenlandes“ der Polytheismus positiv hervorgehoben wird, während der Monotheismus untergeht.9 Aufklärerisch-fortschritts-gläubigen Menschen sowie religiös-konservativen Personen erschien die Gegenüberstellung von Antike und Neuzeit in dem Gedicht als Ausdruck von unüberlegter Einseitigkeit für die Antike und gegen die Neuzeit und löste damit öffentliche Empörung aus. Besonders angegriffen fühlten sich die orthodoxen Christen, welche ihrerseits den antiken Polytheismus als finsteres Heidentum ansahen, aber gleichzeitig für ihre Religion den Anspruch auf ausschließliche Wahrheit und Ansehen forderten.10 „Für die einen schien Schiller in seinem Gedicht die Rückkehr nach Arkadien zu predigen und sich damit zugleich einem schwierigen und unerbittlichen Kampf in der eigenen Gegenwart entziehen zu wollen. Für die anderen konnte als ausgemacht gelten, dass hier der empörende Versuch einer Rehabilitation sinnlich-heidnischer Naturreligion und einer Absage an das Christentum vorlag.“11 Mit Körner begann 1789 eine Diskussion über die Freiheit des Dichters. So schrieb Körner einen Aufsatz: „Ueber die Freiheit des Dichters bei der Wahl seines Stoffs“.12 Mit Körner wurde dann die Literatur vom Reich der Theologie abgegrenzt. In dem damals bestehenden Preußischen Reich gab es keine freie Konfessionswahl. Körner schlug für die Kunst einen Autonomieanspruch als Lösung für die Kontroverse Götter Griechenlands vor.13 Endprodukt dieser Debatte war, dass die Götter als Fiktion und Wesen der Einbildungskraft und der Mensch als ihr Schöpfer gesehen werde konnte, womit die Genieästhetik eingeleitet wurde. Dies galt nur für den Polytheismus und war nicht auf das Christentum bezogen. Der Monotheismus blieb von dieser Auseinandersetzung unberührt. Somit sind in dieser Debatte Kontroversen zwischen Polytheismus und Monotheismus sowie die Auseinandersetzung zwischen Antike und Christentum offen geblieben. Im Laufe dieser Diskussionen entstand auch Moritz Werk: „Die Götterlehre oder Mythologische Dichtungen der Alten“ (1791) mit dem Moritz diese Debatte sanktioniert und kanonisiert hat.

1.2. Zeitliche Einordnung von Karl Philipp Moritz

[...]


1 Simonis , Annette: Die "neue Mythologie" der Aufklärung: Karl Philipp Moritz′ Mythenpoetik im diskursgeschichtlichen Kontext / Annette Simonis. - In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 45. Stuttgart. 2001. S. 97.

2 Dahnke, Hans-Dietrich: Die Debatte um „Die Götter Griechenlands“. In: Dahnke, Hans-Dietrich und Bernd Leistner. (Hrsg.): Debatten und Kontroversen. Literarische Auseinandersetzung in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts. Bd.1. Berlin und Weimar. 1989. S.195.

3 Ebd. S. 196.

4 Ebd. S. 245.

5 Ebd. S. 195.

6 Ebd. S. 208

7 Schiller, Friedrich: Götter Griechenlandes. In: Schillers Werke. Bd.1. Weimar. 1788. S.190.

8 Dahnke, Hans-Dietrich: Die Debatte um „Die Götter Griechenlands“. In: Dahnke, Hans-Dietrich und Bernd Leistner. (Hrsg.): Debatten und Kontroversen. Literarische Auseinandersetzung in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts. Bd.1. Berlin und Weimar. 1989. S. 197.

9 Ebd. S. 210.

10 Ebd.S.207.

11 Ebd.S.207.

12 Körner, Christian Gottfried: Ästhetische Ansichten-Ausgewählte Aufsätze. Bauke, Joseph P. (Hrgs.) Stuttgart. 1964. S. 5.

13 „Mit den Stellungnahmen Körners und Forsters erwies sich die Debatte als vollauf angeschlossen an die großen geistigen Bemühungen der Epoche. Dabei war sie nur bedingt ein Streit über ein Gedicht, sondern mehr noch über Poesie und Öffentlichkeit überhaupt. Das Gedicht blieb im Horizont der Auseinandersetzungen – war es doch selbst eng mit den zeitgeschichtlichen Problemen und geistigen Kämpfen verbunden -, und zugleich diente es als Vehikel für eine Debatte, die übergreifenden Charakters war. Wie lebenswichtig die in ihm aufgeworfenen Probleme den Zeitgenossen, auch gerade der jüngeren Generation, waren, lässt sich an den poetischen Abwandlungen und Gegenentwürfen erkennen, die von Hölderlin bis Heine die deutsche Literatur so ungemein bereicherten.“ Dahnke, Hans-Dietrich: Die Debatte um „Die Götter Griechenlands“. In: Dahnke, Hans-Dietrich und Bernd Leistner. (Hrsg.): Debatten und Kontroversen. Literarische Auseinandersetzung in Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts. Bd.1. Berlin und Weimar. 1989. S. 257.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/49900/