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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Johannes Prokop
Subject: Theater Studies
Details
Tags: Geheimdienst, Elizabeth, Frage, Beteiligung, Christopher, Marlowes
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46278-5
File size: 223 KB
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Excerpt (computer-generated)
LMU München, Institut für Theaterwissenschaft
HS Christopher Marlowe
Im Geheimdienst Ihrer Majestät
6. Semester, WS 2004/ 05
Über den englischen Geheimdienst unter Elizabeth I und die
Frage nach einer Beteiligung Christopher Marlowes
von: Johannes Prokop
Inhaltverzeichnis
1. Marlowe, die unbekannte Person 3
2. Christopher Marlowe und seine Zeit 4
2.1 Die politische/ religiöse Entwicklung in England 4
2.2 Das Seminar in Rheims- der Widerstand 7
2.3 Cambridge- junge Intellektuelle 8
3. Das Spionagenetzwerk Walsinghams 8
3.1 Der Aufstieg Sir Francis Walsinghams 9
3.2 Ein doppeltes Spiel- die Spione 10
3.3 Der Babington- Plot 11
4. Die Rolle Marlowes 14
4.1 Cambridge und Rheims 14
4.2 Mit Richard Baines in Flushing 17
4.3 Weitere Indizien 19
5. Schlussbemerkung 21
Literaturverzeichnis 22
Anhang:
Brief des Privy Council 23
Brief des Governors von Flushing 24
Fehlzeiten Marlowes auf dem College 25
1. Marlowe, die unbekannte Person
Glaubt man den Zeitgenossen Marlowes, so war er zumindest kein langweiliger Zeitgenosse: er fälschte Münzen, hatte gern und häufig Streit, wurde des Atheismus und der Homosexualität beschuldigt und starb schließlich so, wie er gelebt hatte: ungewöhnlich. Doch sobald man genaueres über sein Leben wissen will, scheint nichts mehr sicher zu sein: die Verfasser der Quellen scheinen nicht objektiv berichtet zu haben, manches ist vage formuliert. Das zentrale Problem mit der Person Christopher Marlowe ist, dass sich sämtliche Literatur nur auf eine Handvoll Quellen stützen kann, die direkt die Person Marlowe zum Gegenstand haben. Am wertvollsten sind dabei der Coroner’s Report, der den Tathergang von Marlowes Tod zum Gegenstand hat, der Brief des Privy Counc ils an die Universitätsleitung von Cambridge sowie der Brief des Gouverneurs von Flushing. Vor allem die letzten beiden sind in Hinblick auf eine Agententätigkeit Marlowes von Interesse; doch auch sie bieten letztlich keine klaren Antworten. Jede Vermutung über Marlowes Leben, selbst wenn der Indizienbeweis noch so penibel geführt wird, kann nur Vermutung bleiben. So verwundert es nicht, dass in der Forschung dieselben Quellen höchst unterschiedlich interpretiert werden.
Um die Frage zu untersuchen, ob bzw. in welcher Funktion Christopher Marlowe für den Geheimdienst tätig war, möchte ich zuerst auf den gesellschaftlichen und religionspolitischen Hintergrund des Elisabethanischen Zeitalters eingehen- was war das für eine Zeit, und was konnte einen intelligenten Studenten dazu bewegen, mit dem Secret Service zusammenzuarbeiten? Vorwiegend bestand das Netzwerk von Sir Francis Walsingham aus harmlosen Informanten, die für Geld Briefe unterschlugen oder Leute belauschten – meist keine hauptberuflichen Agenten, sondern Menschen, die kein Problem damit hatten, für entsprechende Bezahlung andere ans Messer zu liefern. 1
Nach den zeitgeschichtlichen Grundlagen soll der Aufbau des Geheimdienstes kurz dargestellt und die damals übliche Vorgehensweise anhand der Babingtonverschwörung erklärt werden. Danach soll die Rolle Christopher Marlowes näher beleuchtet werden. Weshalb kam die Forschung überhaupt auf die Idee, Marlowe habe in diesen Kreisen verkehrt? Welche Interpretationsmöglichkeiten lassen die vorhandenen Quellen zu? Vielleicht kann man sich so der Person Christopher Marlowe etwas nähern – auch wenn die vielen Geheimnisse, die ihn umgeben, wohl niemals gelüftet werden.
2. Christopher Marlowe und seine Zeit
Betrachtet man den Hintergrund, warum England zur Zeit von Elizabeth I über einen der bestorganisierten Geheimdienste verfügte, stößt man sofort auf einen zentralen Streitpunkt der damaligen Zeit: den der richtigen Religion. Es war nicht nur eine Glaubensfrage, sondern eine hochpolitische Angelegenheit, da damals die Staatenbildung in Europa fest im Gang war. Ein Prozess der Trennung von Staat und Religion war bereits auszumachen, stand aber erst am Beginn. Man suchte Bündnispartner, wollte sich Länder mit anderer Konfession nicht unbedingt zum Feind machen – England war erst dabei, sich zu einem der wichtigsten Staaten in Europa zu entwickeln. Zum Glück für England jedoch war Elizabeth Meisterin im Taktieren.
2.1 Die politische/ religiöse Entwicklung in England2
Nachdem sich Henry VIII von seiner Frau Katharina von Aragon scheiden ließ, was den Bruch mit Rom und die Gründung der anglikanischen Kirche zur Folge hatte, mussten die Engländer immer wieder einen Wechsel in der von oben verordneten Religion hinnehmen: Edward VI (bzw. sein Vormund Eduard Seymour) vertrat die puritanische Richtung, Mary Tudor verfolgte einen sehr rigiden Katholizismus. Die Folge war, dass in England die verschiedenen religiösen Strömungen nebeneinander existierten. Eine der wichtigsten Fragen beim Amtsantritt Elizabeths war also die Religionsfrage. Bereits bei ihrem ersten Parlament (ab dem 25. Januar 1555) wurden das königliche Supremat sowie der damit verbundene Eid für Klerus, Schöffen, Bürgermeister, königliche Beamte sowie das von Edward IV einge führte Prayer Book (mit einigen Änderungen) wieder als verbindlich eingeführt. Geistliche, die gegen die im Prayer Book verankerten Glaubensinhalte verstieß, konnten ab dem 3. Wiederholungsfall lebenslänglich in Haft genommen werden. Interessant im Falle Marlowes ist auch, dass jeder, der an einer Universität einen akademischen Grad erwerben wollte, zum Suprematseid verpflichtet war. Der Vorwurf gegen Marlowe, nach Rheims gehen zu wollen, konnte also schlimme Folgen für ihn haben, da ein solches Verhalten eine Wertung als Hochverrat bedeutete.
[...]
1 Ich orientiere mich bei der Benennung der Geheimdienstbegriffe an: Charles Nicholl. The Reckoning: The Murder of Christopher Marlowe. London: Jonathan Cape, 1992
2 Jürgen Klein. Elisabeth I und ihre Zeit. München: C.H.Beck, 2004
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