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Hauptseminararbeit, 2005, 17 Seiten
Autor: M.A. Carl Christian Wahrmann
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Tags: Teufelsscharen, Strickers, Kommentar
Jahr: 2005
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-46342-3
Dateigröße: 244 KB
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„Die sechs Teufelsscharen“ des Strickers –
Übersetzung und Kommentar
von: Carl Christian Wahrmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Übersetzung und Kommentar 3
3. Quellen und Literatur 15
1. Einleitung
Als der Stricker in der Mitte des 13. Jahrhunderts seine Kleindichtungen verfasste, hatte er dabei vielfach ein Publikum im Auge, das durch die Texte belehrt und zu einem guten Leben erzogen werden sollte. Ein interessantes Beispiel dieser didaktischen Literatur sind „Die sechs Teufelsscharen“, in denen vor den verschiedenen Gefahren gewarnt wird, die den Menschen an einem gottgefälligen Leben hindern können. Für jede dieser Gefahren ist eine Gruppe von Teufeln verantwortlich. 1 Der Text gehört zu den diskursiven Kleindichtungen des Strickers, genauer zur Gruppe der Reihen und Katalogreden. 2 Die Belehrung des Lesers/Hörers erfolgt bei diesem Texttyp nicht allein durch die vorgebrachten Argumente, es ist vor allem die Anzahl der vorgebrachten Argumente, die überzeugend wirkt.3
Wie kaum ein zweiter Autor der Zeit zeichnet sich der Stricker durch die Vielseitigkeit seines Werkes aus. Zunächst sind da die großen Erzählungen zu nennen, die auch von der Forschung bevorzugt untersucht worden sind. Im Karl verarbeitet der Stricker die Geschichte um den Spanienfeldzug Karls des Großen, im Daniel von den blühendem Tal nimmt er Elemente der Artusdichtung auf, zeigt sich hier also als Autor, der sich mit höfischen Themen befasst. Einer nichthöfischen Thematik wendet sich der Stricker im Schwankroman um den Pfaffen Amîs zu, dessen Hauptfigur Amîs seine Mitmenschen mit seinen Streichen und Betrügereien narrt.4 Neben diesen umfangreichen Werken werden dem Stricker noch weitere Kleindichtungen (bis um 1000 Verse) zugeschrieben, die häufig einen belehrenden Charakter haben. Diese Vielseitigkeit macht es plausibel, dass es sich beim Stricker um einen Berufsdichter gehandelt hat, der für seine jeweiligen Auftraggeber Schriften verfasste. Die häufige Verwendung geistlicher Themen legt es zudem nahe, dass der Stricker über eine theologische Ausbildung verfügte, die er zur Erziehung seines Publikums einsetzte.
Über den Autor selbst ist so gut wie nichts bekannt. Neben einigen Andeutungen in seinen Werken und der Erwähnung bei seinem Zeitgenossen Rudolf von Ems gibt es keine gesicherten Hinweise auf seinen Lebenslauf.5 Der Name „Stricker“ könnte sowohl ein Eigenname als auch eine Berufsbezeichnung (Seiler) oder eine Umschreibung der Dichtertätigkeit sein. Das lateinische Wort textus meint ursprünglich soviel wie „Stoff, Gewebtes“ und in diesem Zusammenhang könnte der Stricker als ein sprachlicher Weber bezeichnet worden sein.6 Durch Analyse seiner Werke und den dort verwendeten Dialekt wird zumeist eine rheinfränkische Herkunft vermutet. Doch nicht in Rheinfranken, sondern im österreichischen Raum hat der Stricker später gewirkt, dieses lässt sich wiederum anhand einiger Textstellen belegen, in denen er sich auf Begebenheiten bezieht, die nur im lokalen Umfeld Österreichs von Bedeutung waren und die Anwesenheit des Autors nahelegen. Der für die Übersetzung zugrunde liegende Text folgt dem Wortlaut der von Wolfgang Moelleken herausgegebenen Ausgabe. Auf die dort teilweise vorgenommene Kursivsetzung wurde verzichtet. Bei besonderen Satzkonstruktionen, nicht eindeutigen Formulierungen und mehreren Bedeutungsvarianten werden die Besonderheiten oder Variationen im Kommentar deutlich gemacht.
[...]
1 Der Text umfasst 228 Zeilen und lässt sich in mehrere Abschnitte untergliedern: 1. Einleitung und erste Schar, 2. zweite Schar, 3. dritte Schar, 4. vierte Schar, 5. fünfte Schar, 6. sechste Schar, 7. Zusammenfassung, 8. Kreuzzugsaufruf. Eine ausführliche Interpretation des Textes liefert Wailes, S. L.: Studien zur Kleindichtung des Stricker (Philologische Studien und Quellen 104). Berlin 1981.
2 Vgl. Spiewok, W.: Geschichte der deutschen Literatur des Spätmittelalters. Band 1 (Wodan 64). Greifswald 1997, 295; hier eine Zusammenfassung der Einteilungsmöglichkeiten nach Fischer.
3 Zur selben Gruppe gehören die ähnlich aufgebauten „Die fünf teuflischen Geister“ und „Die sechs Versuchungen“, die ebenfalls vor den möglichen Gefahren für die Seele warnen.
4 Zur Bedeutung der strickerschen Werke für die deutsche Literatur: Spiewok 1997, 30, 44, 47, 349; Kreutzner, H.-J.: Buchmarkt und Roman in der Frühdruckzeit. In: Grenzmann, L.; Stackmann, K. (Hg.): Literatur und Laienbildung im Spätmittelalter und in der Reformationszeit. Symposium Wolfenbüttel 1981 (Germanistische Symposien – Berichtsbände 5). Stuttgart 1984, 198.
5 Spiewok 1997, 303.
6 Eine ähnlich metaphorische (Bei-)Namensgebung lässt sich auch bei einem Zeitgenossen Strickers, dem Pleier, vermuten. Spiewok 1997, 198.
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