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Die Große Griechische Kolonisation: Einflüsse und Bedeutung von Religion und Kult

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 16 Pages
Author: Katja Schröder
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V50052
ISBN (E-book): 978-3-638-46356-0

File size: 291 KB


Excerpt (computer-generated)

INSTITUT FÜR GESCHICHTE AN DER TU DRESDEN
LEHRSTUHL FÜR WIRTSCHAFTS- UND SOZIALGESCHICHTE
HS "DIE STADT: URBANISIERUNG IN VERGLEICHENDER SICHT"
SoSe 2002, 6. Fachsemester

Die Große Griechische Kolonisation: Einflüsse und
Bedeutung von Religion und Kult

von: Katja Schröder

 


Gliederung

1. Einleitung S. 3

2. Die „Große Kolonisation“ S. 4

2. 1. Vorbedingungen S. 4

2. 1. 1. Die Entwicklung der griechischen Stadt S. 4
2. 1. 2. Die Entwicklung des Polis-Geflechts S. 5

2. 2. Die Große Kolonisation – Gründe, Motive, Verlauf S. 5
2. 3. Die Gründung einer Kolonie S. 7
2. 4. Das anfängliche Leben einer Kolonie S. 11
2. 5. Auswirkungen der Kolonisation S. 11

3. Bedeutung von Kult und Religion für die Stadtstaaten S. 12

3. 1. Die Bipolarität der griechischen Polis und der Ausnahmefall Athens S. 12
3. 2. Städtischer Kult und Identität S. 13
3. 3. Institutionalisierung der städtischen Rituale S. 15

4. Zusammenfassung S. 15

Anhang: Literaturverzeichnis S. 16



 

 

1. Einleitung

Das antike Zeitalter des Hellenismus hat unsere Geschichte entscheidend geprägt. Die europäische Kulturgeschichte ist heute kaum vorstellbar ohne die Philosophie, die Architektur und die Wissenschaften der alten Griechen. Wie kam es aber zur Entstehung dieses griechischen Machtzentrums? Die wohl einflussreichste Entwicklung in klassischer Zeit ist die sogenannte „Große Kolonisation“, die als Wegbereiterin des hellenischen Zeitalters gesehen werden kann. Was waren nun die Motive und Hintergründe dieser Expansionsbewegung? Welche gemeinschaftsbildenden und identitätsstiftenden Elemente waren dafür prägend? Gemeinhin bekannt ist die polytheistische Religion der Griechen. Weniger bekannt ist der konkrete Einfluss religiöser Kulte und Rituale auf das gesellschaftliche und politische Leben. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Bedeutung und welche Einflüsse die Religion und die Kulte der alten Griechen auf ihre „Große Kolonisation“ - und damit auf ihren Weg zu einem hellenischen Zeitalter – hatten: Welche Rolle spielte Religion für die Polis? Wie beeinflusste sie das Zusammenleben der Menschen? Welche Rolle spielt die Polis für den Kult? Ist der Kult konstituiv für die Entstehung der Polis? Diese Fragen sollen beleuchtet und geklärt werden.

Die Quellenlage zu diesem Thema ist, wie bei vielen althistorischen Themen, als schwierig zu bewerten. Es finden sich viele Darstellungen in den Werken von Homer, Thukykides, Herodot und anderen bekannten Schriftstellern. Jedoch bleibt es zumeist bei der Darstellung; eine Erklärung der Kulte und Rituale scheint entweder nicht nötig oder war auch verpönt – nur die Eingeweihten durften um die tatsächliche Bedeutung wissen. 1 Jedoch ist die Fragestellung kein Neuland in der wissenschaftlichen Debatte von Althistorikern aller Länder. Neben den Historikern finden sich naheliegenderweise auch Religionswissenschaftler, Theater- und Sprachwissenschaftler, Soziologen, Politologen und viele mehr, die reges Interesse an diesem Thema zeigen. Dass die Fragestellung (auch in unseren Breiten) immer noch aktuell ist, zeigt die Existenz eines aktuellen Sonderforschungsbereichs an der Universität Münster, genauso wie die Curricula althistorischer Seminare.

2. Die „Große Kolonisation“

2. 1. Vorbedingungen

2.1.1. Die Entwicklung der griechischen Stadt

Da das zentrale Thema dieser Arbeit nicht die Entstehung der griechischen Stadtstaaten selbst darstellt, soll hier nur ein kurzer historischer Abriss über die gesellschaftliche Entwicklung bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. gegeben werden. Die kleinste gesellschaftliche Einheit der griechischen Gesellschaft war seit den Anfängen der „griechischen“ Besiedelung (ab dem 3. Jahrtausend v.Chr.) die Familie. Die Zugehörigkeit zu einer Familie war nur durch legitime Geburt oder Adoption möglich. Jede Familie hatte eine eigene häusliche Religion und einen eigenen Haus- und Schutzgott, der am heimischen Herd „wohnte“ und dem regelmäßig gehuldigt und geopfert wurde.

Im Zuge des gesellschaftlichen Zusammenwachsens schlossen sich mehrere Familien zu Phratrien („Bruderschaften“) zusammen. Jede Phratrie hatte einen gemeinsamen Kultus, der allerdings nicht den familiären Kultus aufhob, sondern vielmehr mit diesem kompatibel sein musste. Der Zusammenschluss verschiedener Phratrien wird als „Ethnos“ bezeichnet. In diesen Ethnen, die eine Vorstufe zur Polis darstellen, entwickelten sich neue Formen der Ordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens, also schon eine gewisse „Staatlichkeit“. Die Ethnen hielten beispielsweise Versammlungen ab und fassten Beschlüsse, die für alle Mitglieder verbindlich waren. Auch nach dem Zusammenschluss verschiedener Ethnen, die zur Entstehung der Stadtstaaten (Poleis) führte, galt allerdings weiterhin das Prinzip, dass die Stadt die Unabhängigkeit der einzelnen Körperschaften achten musste, das „Privatrecht“ der Familie also tatsächlich privat blieb. Individuen konnten also anfänglich nur von der eigenen Familie oder der Phratrie bzw. Ethne gerichtet werden, nicht vom „Staat“. Die Religion spielte in all diesen gemeinschaftlichen Zusammenschlüssen eine entscheidende Rolle: Sie war das identitätsbildende Kriterium, das zugleich Integration, aber auch Identitätsfindung durch die Abgrenzung nach außen ermöglichte.

Auf das gesellschaftliche Problem der Sklavenhaltung kann in dieser Arbeit nicht gesondert eingegangen werden. Zwar wäre die „Große Kolonisation“ ohne die Sklaven wohl kaum möglich gewesen; da die Sklaven theoretisch als Sache galten und nicht die Recht der Bürger besaßen, daher auch bei den religiösen Kulten und Ritualen – die im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen – kaum Beachtung fanden2, muss diese (sehr spannende) Thematik hier leider ausgeklammert werden. (Einzig das Asylrecht der Tempel als Schutz vor Misshandlungen soll hier erwähnt werden.)

2. 1. 2. Die Entwicklung des Polis-Geflechts

[...]


1 Zu dieser Problematik siehe den hervorragenden Aufsatz von Henrichs 1997.

2 Friedell 2002, S. 229.
 


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