Mythologische Aspekte in Thomas Manns Novelle 'Der Tod in Venedig' close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Mythologische Aspekte in Thomas Manns Novelle 'Der Tod in Venedig'

Autor: Sascha Bechmann
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 18
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 173 KB
Archivnummer: V50102
ISBN (E-Book): 978-3-638-46397-3

Textauszug (computergeneriert)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Germanistisches Seminar II
TPS: Thomas Mann – Die Erzählungen
Wintersemester 2003 / 2004
Fachsemester: 3

Mythologische Aspekte in Thomas Manns Novelle
„Der Tod in Venedig“

von: Sascha Bechmann

 


Inhalt

Einleitung 1

1. Entstehungsgeschichtliche Grundlagen im mythologischen Kontext 2

1.1 Leitmotiv und Verweisungstechnik – Der Einfluss Richard Wagners 2
1.2 Die Philosophie Nietzsches – Das Apollinische und das Dionysische 4
1.3 Die Neuklassik als literaturhistorischer Kontext 6

2. Mythologische Motive in „Der Tod in Venedig“ 7

3. Der Sieg des Dionysischen über das Apollinische 10

3.1 Die Darstellung von Apollinischem und Dionysischem in der Erzählung 10
3.2 Der Tod als Konsequenz 12

Schluss 14

Bibliographie 16




 

Einleitung

Es ist eine der Besonderheiten Thomas Manns, dass sich dem Leser bei der Lektüre der Mann`schen Texte eine Vielfalt an Interpretationsmöglichkeiten bietet. Das liegt vor allem daran, dass sich das epische Werk auf mehreren Ebenen erschließen lässt. Die Erzählung „Der Tod in Venedig“ ist dafür ein gutes Beispiel, denn hier vereinen sich psychologische, philosophische, moralistisch-ästhetische und mythologische Aspekte und Gedanken. Es existiert neben der Erzählebene eine oft kryptische, symbolisch-mythologische Verweisung. In meiner Ausarbeitung werde ich den Fokus auf diese Verweisungen richten, denn gerade im Bezug auf das Gesamtwerk Thomas Manns stellt „Der Tod in Venedig“ in dieser Hinsicht einen Wendepunkt dar, denn „die Erzählung ist [...] die erste seiner Dichtungen mit deutlich sichtbaren mythologischen Motiven, die man von nun an bis ins Spätwerk verfolgen kann“1. Im Folgenden sollen diese mythologischen Verweise transparent gemacht werden, indem einige der wichtigen mythologischen Aspekte und Motive dargestellt werden.

In meiner Ausarbeitung fasse ich die wichtigsten Forschungsergebnisse der Sekundärliteratur zusammen und suche nach Belegen in der direkten Textarbeit. Ziel ist es, eine knappe und prägnante Darstellung wesentlicher Aspekte der Mythologie für das Gesamtverständnis der Novelle zu liefern. Es werden zunächst die wichtigsten entstehungsgeschichtlichen Aspekte im Hinblick auf die Mythologie vorgestellt. Anschließend wird untersucht, auf welche Art und in welchem Umfang Thomas Mann hier mit der Mythologie gearbeitet hat und wo sich am Text konkrete Hinweise finden und mythologische Motive nachweisen lassen.

Daneben wird in dieser Untersuchung der mythologisch-philosophische Gegensatz von Apollinischem und Dionysischem als antipodische Lebens- und Kunstprinzipien thematisiert. Dieser, durch die Philosophie Nietzsches geprägte Gegensatz wird erläutert und anhand von Beispielen am Text transparent gemacht. Abschließend werde ich der Frage nachgehen, ob der Tod Aschenbachs aus mythologisch-philosophischer Sicht unausweichlich ist und warum Thomas Mann seine Novelle darin gipfeln lässt.

1. Entstehungsgeschichtliche Grundlagen im mythologischen Kontext

1.1 Leitmotiv und Verweisungstechnik – Der Einfluss Richard Wagners

Bei der Entstehung der Novelle hat unter anderem Thomas Manns Beschäftigung mit der Musik und namentlich mit Richard Wagner eine wichtige Rolle gespielt. Bezogen auf Wagner ist es in „Der Tod in Venedig“ gerade die Abwendung und Abspaltung auf inhaltlicher Ebene, die hier von Bedeutung ist. Während Thomas Mann noch in seinem Frühwerk Wagner´sche Handlungen mit mythologischem Kern verarbeitet hat, beispielsweise in „Tristan und Isolde“, so ist dies in dieser Novelle nicht mehr der Fall. Thomas Mann wendet sich von den germanischen Mythen und Fabeln Wagners ab und lenkt sein Interesse stattdessen auf die antike Mythologie.2 Dabei werden „die Traditionen des Mythos [...] nicht pathetisch zelebriert, wie Wagners Kunst den germanischen Mythos zum monumentalen Gesamtkunstwerk [...] stilisiert, sondern sie werden funktionalisiert und damit ironisiert“3. Mythologie ist somit nicht zentrales Thema, sondern Mittel zum Zweck. Konkret bedeutet das, dass Thomas Mann das Pathos nutzt um die eigene Ironie auszudrücken. Die klassische Mythologie fungiert dabei in ihrer strengen Klassizität gewissermaßen als Parodie; Es ist eine der Eigenarten Thomas Manns, durch Ironisierung und Distanzierung zu reflektieren, woran er glaubt.4 Thomas Mann bedient sich somit der Mythologie zum Ausdruck seiner Gedanken. Dabei wird die Tradition in den Dienst der Zukunft gestellt. Altes wird für Neues benutzt. Thomas Mann verwendet zwar altüberlieferte Bilder und Motive, jedoch nicht um ihnen ein Denkmal zu setzten, sondern um sie zukunftsweisend umzudeuten.

Betrachtet man allerdings die rein „handwerkliche“ Seite des Schreibens, so lassen sich sehr deutliche Entsprechungen mit Wagners Musik feststellen. Ein wichtiges Merkmal der Musik Wagners ist das Leitmotiv. Das Leitmotiv bei Wagner bedeutet, „dass das ganze Werk durch eine Folge wiederkehrender prägnanter Tongebilde strukturiert wird, die ein eigenes Gefüge von Bedeutungen schaffen“5. Wesentlich dabei ist, dass dadurch Bedeutungsbeziehungen und eine Ebenenstruktur entstehen. Das Entscheidende bei der Leitmotivtechnik ist, dass wichtige Motive durch Wiederholungen ständig in Erinnerung gebracht werden und so Assoziationen geweckt werden, die dann beim Hörer Verknüpfungen bewirken sollen. Klussmann definiert diese Funktion folgendermaßen:

[...]


1 Karthaus, Ulrich: Thomas Mann. Literaturwissen für Schule und Studium, Stuttgart 1994, S.71 (hinfort zitiert als Karthaus 1994)

2 Vgl. Northcote-Bade, James: Die Wagner-Mythen im Frühwerk Thomas Manns, Bonn 1975, S. 85f (hinfort zitiert als Northcote 1975)

3 Karthaus 1994, S. 75

4 Vgl. Karthaus 1994, S 74ff

5 Klussmann, Paul: Die Struktur des Leitmotivs in Thomas Manns Erzählprosa. In: Wolff, Rudolf (Hrsg.): Thomas Mann – Erzählungen und Novellen, Bonn 1984, S. 9 (hinfort zitiert als Klussmann 1984)

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/50102/