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Scholary Paper (Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Angela Schaaf
Subject: English Language and Literature Studies - Literature
Details
Institution/College: European University Viadrina Frankfurt (Oder) (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Tags: Wissenschaft, Arbeit, Mary, Shelleys, Frankenstein, Modern, Prometheus, Unwesen, Doppelgänger, Chimären, Gespenster, Literatur, Jahrhunderts
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46453-6
File size: 286 KB
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Excerpt (computer-generated)
Wissenschaft und wissenschaftliche Arbeit in Mary Shelleys
Frankenstein or, The Modern Prometheus
von: Angela Schaaf
WS 2003/2004
1. Einleitung 3
2. Wissenschaft in Frankenstein
2.1. Wissenschaft um 1800 4
2.2. Die wissenschaftliche Arbeit Victor Frankensteins 13
2.3. Wissenschaft und Verantwortung 24
3. Schlußbemerkung 28
- Bibliographie 30
1. Einleitung
Nach der erstmaligen Publikation von Mary Shelleys Roman Frankenstein or, The Modern Prometheus im Jahre 1818 veröffentlichten vier der bekanntesten Literaturmagazine Englands Rezensionen zu diesem Werk, dessen Autorin seinerzeit anonym bleiben wollte und welches aufgrund des von ihm verfaßten Vorwortes zunächst Percy Shelley zugeschrieben wurde. Nicht nur zeichnen sich diese Kritiken mehrheitlich durch eine negative Bewertung des Romans aus, auch der wissenschaftliche Aspekt des Textes erfährt keinerlei Beachtung.1 An diesem Umstand ändert sich auch im darauffolgenden Jahrhundert kaum etwas. Weder die Literaturkritik noch die in regelmäßigen Abständen erscheinenden Biographien über das Leben und Werk Mary Shelleys werden sich mit diesem Thema in irgendeiner Form auseinandersetzen. Muriel Spark ist die erste Kritikerin, die im Jahre 1951 zumindest eingesteht, daß die Wissenschaft einen integralen Bestandteil des Romans darstellt – „(...) regarding it as a necessary ingredient to a story of this nature“2 –, ohne diese Feststellung jedoch einer weiteren Analyse zu unterziehen. Zwei Jahre später ist es Elizabeth Nitchie, die in ihrer Shelley-Biographie Mary zumindest zugesteht, über ein gewisses Maß an wissenschaftlicher Grundkenntnis verfügt zu haben.3 Erstmals in der langen Rezeptionsgeschichte Frankensteins wird der Wichtigkeit des wissenschaftlichen Hintergrunds jedoch erst Rechnung getragen in einem 1972 erschienen Artikel von Patrick J. Callahan, in welchem dieser mit Unverständnis auf die bisherige Ignoranz dieses Aspekts reagiert:
„He is disturbed that the critics who „take endless interest in the Miltonic or Promethean echoes of Frankenstein’s speeches“ have never taken it upon themselves to „stress“ that “Frankenstein is an empirical scientist, with all the progressivist prejudices of the Enlightenment obvious in his narrative.””4
In der vorliegende Arbeit wird, ausgehend Mary Shelleys Erstlingswerk, zunächst eine Übersicht über die damalige Situation der Wissenschaften im allgemeinen und an der Universität in Ingolstadt im besonderen gegeben. Anschließend erfolgt eine konkrete Untersuchung der wissenschaftlichen Arbeit Victor Frankensteins, an deren Ende die Frage geklärt werden soll, ob es sich bei diesem um einen Alchemisten oder einen modernen Naturwissenschaftler gehandelt habe. Abschließend wird dessen wissenschaftliches Handeln in Bezug auf die Problematik der Verantwortung einer genaueren Betrachtung unterzogen, wobei analysiert werden soll, ob Frankenstein im Zuge seines Experiments seiner Verantwortung sich und den Menschen in seiner Ungebung gegenüber gerecht geworden ist.
2. Wissenschaft in Frankenstein
2.1. Wissenschaft um 1800
Bereits im Vorwort zu der von ihr überarbeiteten Auflage Frankensteins (1831) verwendet Mary Shelley in der Erläuterung der Entstehungsgeschichte ihres Werkes, beinahe wie nebenbei, einige wissenschaftlich-technische Termini. Dort ist die Rede von einer Unterhaltung zwischen ihrem mittlerweile verstorbenen Gatten Percy Shelley und Lord Byron, die sich über vermeintlich stattgefundene Experimente Erasmus Darwins und die Anwendung von Galvanismus austauschten.5 Dieser Umstand deutet darauf hin, daß Mary Shelley ihre seinerzeit als reine Schauergeschichte abgeurteilte Erzählung durchaus auf der Basis eines wissenschaftlicheren Fundaments als bisher angenommen konzipierte. Nicht nur war sie als Tochter der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft und des Schriftstellers und Philosophen William Godwin selber eine ungewöhnlich belesene junge Frau, auch der Mann an ihrer Seite, Percy Shelley, begeisterte sich seit seiner Jugend für die Naturwissenschaften6 und die Annahme liegt nahe, daß Mary an seinen wissenschaftlichen Kenntnissen partizipierte. Ein weiterer Ansprechpartner für die Erläuterung wissenschaftlicher Fragestellungen könnte der Arzt John Polidori7 gewesen sein, der wie die Shelleys den Sommer des Jahres 1816 in der Byronschen Villa Diodati am Genfer See in der Schweiz verbrachte. Während jener Beisammenkunft hatte Mary, wie alle Anwesenden von Lord Byron zur Erfindung einer Geistergeschichte animiert, in einem Traum die Idee zu ihrem Roman.
Eine bestimmte technische Neuerung scheint dabei besonderen Eindruck auf sie gemacht zu haben: die Entwicklung von Maschinen zur „Herstellung“ von Elektrizität. In ihrer Einleitung beschreibt Mary Shelley, wie bereits in ihrem Traum die Kreatur mittels einer Maschine – „some powerful engine“ (S. 9) – zum Leben erweckt wird. Vermutlich wurde sie zu dieser „Eingebung“ inspiriert durch die seinerzeit hochaktuelle Fragestellung, ob in der Elektrizität die Quelle des Lebens zu finden sei. Diese Möglichkeit wurde bereits damals in Versuchen mit menschlichen Leichen untersucht: „The use of human bodies to ascertain whether or not electricity was the source of the spark of life was, while not common, still done and knowledge of such things could very well have been part of the discussions at Diodati. This is particularly true since Polidori had so recently graduated from the medical schools at Edinburgh and would have of necessity been familiar with all the latest research.”8
Und nicht nur läßt Shelley die Frankensteinsche Schöpfung mittels eines „spark of being“ (S. 55) lebendig werden, auch an anderen Stellen finden sich Anspielungen auf elektrische Phänomene, zumeist in der Form von Blitzen, die seit den Experimenten Franklins mit Elektrizität gleichgesetzt wurden.9 So sind es die Beobachtung eines Blitzeinschlags in eine alte Eiche und die anschließenden Erläuterungen eines Wissenschaftlers, die in Victor das Interesse für die Naturwissenschaften wecken: „On this occasion a man of great research in natural philosophy was with us, and excited by this catastrophe, he entered on the explanation of a theory which he had formed on the subject of electricity and galvanism, which was at once new and astonishing to me.“ (S. 39)
[...]
1 „No one has made a serious attempt to expose the scientific learning present in the novel, preferring to believe that Mary picked up detached pieces of scientific gossip and was able to miraculously piece them together into a coherent whole.” (Vasbinder, Samuel: Scientific Attitudes in Mary Shelley’s Frankenstein, S. 7, UMI Research Press, Michigan, 1976)
2 Vasbinder, S. 12 (sich beziehend auf: Spark, Muriel: Child of Light, Essex, 1951)
3 „No young woman could have written so effectively of Frankenstein’s scientific career unless she had shared it to some degree.“ (Nitchie, Elizabeth: Mary Shelley, S. 26f, New Brunswick, N. J., 1953)
4 Vasbinder (S. 25) zitierend aus: Callahan, Patrick J.: Frankenstein, Bacon and the Two Truths , Extrapolation 14, No. 1, December 1972
5 Shelley, Mary: Frankenstein or, The Modern Prometheus , S. 8, Penguin Books, London, 1994, basierend auf der Auflage von 1831 – alle folgenden Zitate aus Frankenstein werden durch Seitenangaben im Text angegeben –
6 „Schon als Jugendlicher hatte er mittels einer galvanischen Batterie die Frostbeulen seiner Schwester behandelt. Als Schüler in der Syan House Academy hatte er sich eine Galvanisiermaschine gekauft und damit einem wenig beliebten Lehrer (...) eine Elektrisierbehandlung zukommen lassen. Er hatte aber auch furchtlos, ja sorglos Benjamin Franklins Experiment mit dem blitzanziehenden Drachen wiederholt, den er während eines Gewitters aufsteigen ließ. Seine elektrischen Experimente beschränkten sich jedoch nicht auf die naturwissenschaftlichen Aspekte; sie waren aufs engste mit seinen philosophisch-weltanschaulichen Vorstellungen verknüpft. (...) Percy Shelley glaubte, in der Elektrizität allerdings auch die Lebensenergie entdeckt zu haben.“ (Sailer, Wolfram : Wissen, Arbeit und Liebe in Mary Shelleys Frankenstein: Studien zur romantischen Mythendeutung, S. 112f, Verlag Die Blaue Eule, Essen, 1994)
7 „A person who was so well grounded in contemporary science must have been able to teach Mary some of the concepts and theory of eighteenth-century science when she needed help and clarification. What she could not get from Shelley, who was in Rieger’s words an “accomplished chemist”, she could have made up by “consulting with Polidori.”” (Vasbinder, S. 81)
8 Vasbinder, S. 81
9 “(…) Mary is aware of a number of problems of the new science as applied to the relatively new field of electricity: lightning and electricity are seen to be one and the s ame;” (Vasbinder, S. 68); “Anyone who knows Frankenstein at all will remember how important electricity is, both as informing idea and as a symbol of creative and destructive power”. (Vernon, Peter: Frankenstein: Science and Electricity, S. 276f, in: Études Anglaises 3, S. 270-282, Didier Érudition, Paris, 1997)
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