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Zwischen Neutralität und Fehleinschätzung - Hitlers 'großzügiges Angebot' vom 25. August 1939

Scholarly Essay, 2001, 16 Pages
Author: Ioannis Orfanidis
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 2001
Pages: 16
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V50221
ISBN (E-book): 978-3-638-46483-3
ISBN (Book): 978-3-640-25620-4
File size: 248 KB

Abstract

Hitlers Versuche das Englische Empire doch noch in sein Bündnissystem zu integrieren sind bekannt. Mit welcher Vehemenz er dieses Ziel verfolgte gilt jedoch noch als weitestgehend unerforscht. Diese Arbeit beschäftigt sich mit Hitlers Optionen England als Weltmacht zu gewinnen. Die verwanden "Herrenmenschen" sollten zur See das Deutsche Reich schützen, während das Deutsche Reich seine Hegemonialmacht zu Land ausbauen sollte. Alle Versuche sind kläglich gescheitert. Nicht zuletzt weil sich Großbritannien nicht erpressen lassen wollte. Die Arbeit untersucht den wohl größten strategischen Fehler Hitlers.


Excerpt (computer-generated)

Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Übung: Das „Dritte Reich“ und Großbritannien
WS 2000/2001, 3. Semester

Zwischen Neutralität und Fehleinschätzung –
Hitlers ′großzügiges Angebot′ vom 25. August 1939

von: Ioannis Orfanidis

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung S. 1

I. Polen als nächstes außenpolitisches Opfer des Nationalsozialismus S. 2

II. Englands Haltung nach dem „Griff nach Prag“ S. 4

III. Die Letzten Friedenstage

1. Vorbereitung des Angriffs auf Polen S. 5
2. Der Briefwechsel Chamberlains mit Hitler am 23. August 1939 S. 7
3. Das „großzügige Angebot“ Hitlers an Chamberlain am 25.August 1939 S. 8

IV. Verschiebung und Wiederaufnahme des „Überfalls“ auf Polen S. 10

V. Außenpolitischer Wahn oder eine grobe Fehleinschätzung des Führers? (Schlussbetrachtung) S. 12

Literatur
 


 

Einleitung

„Die Sicherheit des britischen Empire liegt im Interesse der ganzen weißen Rasse“1 (Adolf Hitler zu Lord Rothermere im Jahre 1935) So undurchsichtig die außenpolitische Haltung Hitlers gegenüber England gewesen sein mochte, diese Aussage spiegelt seine innere Einstellung gegenüber England exakt wieder. Seit seinem Werk „Mein Kampf“, dass er während seiner Haftzeit nach dem Putschversuch 1923 verfasste, strebte Hitler nach einem Bündnis mit England. Auch als ein Abkommen mit England in weite Ferne rückte, sah sich Hitler in einer guten Ausgangslage. Sein Versuch das nationalsozialistische Deutschland Bündnisreif zu machen, zieht sich über die gesamte Periode des „Dritten Reiches“. Für Hitler war der echte Engländer der geborene Herrenmensch, dessen Selbstbewusstsein, Überlegenheit und Selbstsicherheit, ihn zum berufenen Hüter der Weltsuprematie des Germanentums machte. Die Idee eines Bündnisses mit England beruhte nicht nur aus Überlegungen nüchterner Interessenpolitik, sondern auch aus Motiven die rein weltanschaulicher Art waren und von der Hervorhebung der rassischen Verwandtschaft zwischen Deutschen und Briten. Die Errichtung eines Weltkondominats der beiden nordischen Völker stammen demnach auch aus der sentimentalen Bewunderung für die imperiale Leistung des germanischen Herrenvolkes. Das britische Weltreich zu erhalten schien Hitler als eine gesamteuropäische Aufgabe.

Die britische Gleichgewichtsdoktrin war im Sinne Hitlers eine Art Rückendeckung für große weltpolitische Ziele. England hielt sich so lange aus dem kontinentalen Verhältnissen heraus, solange kein drohender Weltkonkurrent entstand. Eine Bedrohung dieser imperialen Stellung wäre nur dann erfolgt, wenn die britische See-und Kolonialherrschaft bedroht zu sein schien. Da Hitler die Zukunft Deutschlands im kontinentalen Bereich ansah, würden sich ihre Interessen nicht überkreuzen. Im Gegenteil nach seiner Meinung drohe eine Gefahr, nicht mehr von Europa aus, sondern von Nord- Amerika. Die Gleichgewichtsdoktrin wäre somit überaaltet und ein Bündnis mit Deutschland unausweichlich. Deutschland als stärkste Militärmacht und England als die stärkste See- und Kolonialmacht sollten sich, nach Hitler, die Weltherrschaft teilen.

Durch den Antikomminternpakt 1936, der ursprünglich als Bündnis gegen die Sowjetunion gedacht war, sollte England doch noch ins deutsche Lager gezwungen werden, jedoch bewirkte dieser genau das Gegenteil. Die plötzlichen Kolonialforderungen an England standen im Widerspruch zu den Vorstellungen der Teilung von Interessensphären. Hitler musste erkennen das ein Bündnis mit England in weiter Ferne gerückt war. Nach der Absetzung Ribbentrops als Botschafter in London 1938, wurde ein härterer Englandkurs eingeschlagen. Der Historiker Klaus Hildebrand vertritt in seinem Werk: „Vom Reich zum Weltreich“ die Meinung, dass die aggressivere Politik Hitlers gegenüber England ein Resultat der „enttäuschten Liebe zu England“ gewesen sein könnte.2 Die Verschärfung der deutsch-polnischen Krise wird der erste Bestandteil der folgenden Arbeit sein. Nur bei Kenntnis des historischen Kontexts kann das „großzügige Angebot“ Hitlers an England, am 25. August 1939, nachvollzogen werden. Englands Stellung während dieser Krise war bestimmend für die Handlungen des Führers.

I. Polen als nächstes außenpolitisches Opfer des Nationalsozialismus

Der Marsch nach Prag am 15. März 1939 war ein klarer Verstoß des Münchener Abkommens. Unter dem schweigen der Bevölkerung erfolgte die militärische Besetzung und die Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren“. Hitler war der Annahme das diese Intervention ungeachtet bleiben würde. Jedoch lag er genau in diesem Punkt falsch. Gerade für England bedeutete dieser Gewaltakt einen endgültigen Bruch der Appeasement-Politik, welche auf der Grundlage von Verhandlungen über deutsche Revisionsforderungen basierte. Auch Chamberlain musste erkennen, dass für Hitler weder Konzessionen noch Verträge ein Rolle spielten. 3 Die Zerschlagung der Tschechoslowakei musste man als Wendepunkt der nationalsozialistischen Außenpolitik werten. 4 Hitler war sich dessen wohl nicht Bewusst, er hielt weiterhin an seiner Taktik fest, ein Objekt nach dem anderen zu isolieren und von innen nach außen zu zerstören. Polen war das letzte Land wogegen der Vorwand der nationalpolitischen Revision noch anwendbar war. Die NS-Regierung in Danzig konnte fünf Jahre davon abgehalten werden eine Propaganda gegen den polnischen Korridor zu betreiben. Aber sofort nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei gab Berlin grünes Licht für eine härtere Politik gegen Polen.

Der polnische Nichtangriffspakt mit Deutschland vom Jahr 1934 blieb bis zur Münchener Konferenz bestehen. Der damalige Außenminister Polens Beck, war auf eine Verständigung mit Deutschland aus. Er gehörte zu den Hauptverfechtern der Annäherung mit dem Deutsche Volk. Mit dieser Politik war er innenpolitisch nicht ganz unumstritten. Die Beziehungen beider Länder von 1934-1938 musste man als eine Zwecksfreundschaft ansehen. Die Staatlich gelenkten Pressen hatten die Aufgabe die Beziehungen als positiv darzustellen. Die deutsche Seite konnte jedoch nie auf einen unterschwellig-negativen Ton verzichten.

[...]


1 Zit. Nach: Aigner, Dietrich: Das Ringen um England. Das deutsch-britische Verhältnis. Die öffentliche Meinung 1933- 1939. Tragödie zweier Völker, München, Esslingen 1969, S.9.

2 Vollständiger Titel: Hildebrand, Klaus: Vom Reich zum Weltreich. Hitler, NSDAP und koloniale Frage 1919-1945, München 1969, S. 591.

3 Vgl.: Recker, Marie-Luise: Die Aussenpolitik des Dritten Reiches, München 1990, S. 24.

4 Vgl.: Bracher, Karl Dietrich: Die deutsche Diktatur. Entstehung, Struktur, Folgen des Nationalsozialismus, Berlin, Köln 1969, S. 343.


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