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Rechtsextremismus und Jugend in der DDR in den 80er Jahren

Scholarly Essay, 2002, 27 Pages
Author: Ioannis Orfanidis
Subject: Politics - Political Systems - Germany

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 2002
Pages: 27
Grade: 1,6
Language: German
Archive No.: V50222
ISBN (E-book): 978-3-638-46484-0
ISBN (Book): 978-3-638-66090-7
File size: 201 KB
Notes :
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis


Abstract

Inhaltsverzeichnis Einleitung S. 1 I. Rechtsextremismus –Eine begriffliche Annäherung S. 2 1. Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus S. 3 a) Rechtsextremismus S. 3 b) Rechtsradikalismus S. 4 2. Neonationalsozialismus und Neofaschismus S. 5 a) Neonationalsozialismus S. 5 b) Neofaschismus S. 6 II. Rechtsextremistische Tendenzen und Entwicklungen in der DDR S. 7 1. Rechtsextremistische Gewalt in der DDR–Eine unvollständige Chronologie S. 7 2. Generelle Trends der politischen Bewußtseinsentwicklung S. 9 3. Entstehung der „Skin“- Bewegung S. 10 4. Übernahme und Verbreitung des Stils der Skinheads in der DDR S. 11 5. Entwicklungsphasen der Skinhead-Bewegung in der DDR S. 13 III. Zu den Ursachen des Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit in der DDR –Versuch einer Definition S. 17 1. Der institutionell „verordnete Antifaschismus“ S. 17 a) Die Konservierung von Mentalitätsbeständen aus der Zeit vor 1945–Der Autoritarismus als Folge des Antifaschismus S. 19 b) Antifaschismus als Herrschaftsinstrument der SED S. 20 2. Xenophobische Gewalttaten und ihre möglichen Ursachen S. 21 a) Die Situation der Ausländer in der DDR S. 21 b) Zunahme von fremdenfeindlichen Einstellungen S. 23 IV. Rechtsextremimus im Osten –Ein Resultat der DDR-Sozialisation? (Schlußbetrachtung) S. 24 Literatur


Excerpt (computer-generated)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Hauptseminar: Der politische Kontext ideologischer Schlagwörter:
Faschismus, Totalitarismus, Extremismus, Terrorismus
Sommersemester 2001/2002
Fachsemester: 6

Rechtsextremismus und Jugend in der
DDR in den 80er Jahren

von: Ioannis Orfanidis

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung S. 1

I. Rechtsextremismus –Eine begriffliche Annäherung S. 2

1. Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus S. 3

a) Rechtsextremismus S. 3
b) Rechtsradikalismus S. 4

2. Neonationalsozialismus und Neofaschismus S. 5

a) Neonationalsozialismus S. 5
b) Neofaschismus S. 6

II. Rechtsextremistische Tendenzen und Entwicklungen in der DDR S. 7

1. Rechtsextremistische Gewalt in der DDR–Eine unvollständige Chronologie S. 7
2. Generelle Trends der politischen Bewußtseinsentwicklung S. 9
3. Entstehung der „Skin“- Bewegung S. 10
4. Übernahme und Verbreitung des Stils der Skinheads in der DDR S. 11
5. Entwicklungsphasen der Skinhead-Bewegung in der DDR S. 13

III. Zu den Ursachen des Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit in der DDR –Versuch einer Definition S. 17

1. Der institutionell „verordnete Antifaschismus“ S. 17

a) Die Konservierung von Mentalitätsbeständen aus der Zeit vor 1945–Der Autoritarismus als Folge des Antifaschismus S. 19
b) Antifaschismus als Herrschaftsinstrument der SED S. 20

2. Xenophobische Gewalttaten und ihre möglichen Ursachen S. 21

a) Die Situation der Ausländer in der DDR S. 21
b) Zunahme von fremdenfeindlichen Einstellungen S. 23

IV. Rechtsextremimus im Osten –Ein Resultat der DDR-Sozialisation?

(Schlußbetrachtung) S. 24

Literatur




 

Einleitung

Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten ist ein Problem schlagartig ins Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt, das lange Zeit nur einen relativ kleinen Kern von Verfassungsschützern und Extremismusexperten beschäftigt hat. Seit den mehrtägigen Ausschreitungen vor einem Ausländerwohnheim in der sächsischen Kleinstadt Hoyerswerda (September 1991) und den pogromartigen Angriffen auf die „Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber“ in Rostock-Lichtenhagen ein knappes Jahr später kann sich Rechtsextremismus der besonderen Beachtung in Politik und Medien sicher sein und rangiert ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Medienvertreter sowie einige Politiker vermittelten in den ersten Jahren nach der „Wende“ den Eindruck, daß Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt ausgesprochene „Ost-Phänomene“i seien. Für rassistisches Denken und Gewalttätigkeiten wären nur die neuen Bundesländer anfällig, nicht jedoch der „zivilisierte Westen“. ii Der Publizist Eberhard Seidel-Pielen hob den Gebrauchswert der These „Zuviel Rotlicht macht braun“ hervor, indem er schrieb: „ Rechtsradikalismus und Ungleichheitsideologien sind [...] kein originäres Problem der Altbundesrepublik mehr, sondern ein importiertes, eine Altlast der verblichenen DDR, die sich im Zuge des Einigungsprozesses und der Menschwerdung der Neubürger/innen aus dem Osten, mit deren Zivilisierung und Demokratisierung schon auswaschen werde“.iii Die Erkenntnisse von Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz sprechen diesbezüglich eine andere Sprache. Allein im Jahr 1991 wurden 354 Brandanschläge gegen Ausländer registriert, von denen allein 107 in Nordrhein-Westfalen verübt wurden; das waren mehr Anschläge als in den fünf neuen Bundesländern zusammen.iv Spätestens seit dem Mord an drei Türkinnen im schleswig- holsteinischen Mölln stellt sich rassistisch motivierte Gewalt als ein gesamtdeutsches Phänomen dar. Zwar ist zur Entwicklung des Rechtsextremismus nach 1989 eine wahre Publikationsflut zu verzeichnen, eine systematische und empirisch ausgewiesene Forschung der Ursachen und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in Ostdeutschland steht allerdings erst am Anfang. Rechtextremismus ist ein komplexes Phänomen, mit dem sich die einschlägigen Wissenschaften schwer tun. Hinzu kommt, daß die deutsche Rechts- extremismusforschung –im Vergleich zum Forschungsstand anderer Länder- rückständig und ihrem Objekt gegenüber im Grunde ratlos ist. Bereits die Definition des Terminus Rechtsextremismus, mit seinen zahlreichen konkurrierenden Begrifflichkeiten, stellt den Verfasser vor eine Problematik, welche im Rahmen der folgenden Arbeit nur annähernd geklärt werden kann.

Sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse bestätigen, dass in der DDR etwa Mitte der 80er Jahre ein tiefgreifender Mentalitätswechsel bei Jugendlichen einsetzte, der bei einem beachtlichen Teil der Jugend zu einer Abkehr von den Inhalten der sozialistischen Erziehung führte. Diese Ergebnisse sind vor allem auf die Befragungen des Zentralinstituts für Jugendforschung in Leipzig zurückzuführen. v Insbesondere die stark anwachsende Skinhead-Szene in den 80ern, bot für Jugendliche eine Plattform des sozialen Protestes gegen das gesellschaftliche System des „Realen Sozialismus“. Allerdings muss auch in dieser Arbeit die Skinheadszene in der DDR differenziert erforscht werden muß. Der zweite Teil der Analyse wird sich daher mit der Skinhead-Bewegung in der DDR allgemein befassen. Inhalt des Kapitels soll die Entstehung, Verbreitung sowie die einzelnen Entwicklungsstufen der Skinheadgruppen sein. Auch wenn im folgenden die Entwicklung des Rechtsextremismus unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ostdeutschland bearbeitet wird, so handelt es sich nicht um eine rein historische Rekonstruktion. Die Zentrale Fragestellung der folgenden Arbeit lautet, ob, wie und wo Jugendliche in der DDR rechtsextremistische Einstellungen zeigten und warum die „antifaschistische“ DDR über keine wirksamen politischen oder ideologischen Rezepte gegen diese Entwicklung verfügte. Der Autor wird im letzten Teil dieser Arbeit versuchen ein Ursachen-Schema für die rechtsextremistischen Entwicklungen in der DDR aufzuzeigen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich auch hier lediglich um eine Annäherung handeln kann, da sich das Phänomen „Rechtsextremismus“ nur schwerlich in ein Kausalprinzip unterordnen läßt.

I. Rechtsextremismus –Eine begriffliche Annäherung

Ein Problem der Rechtsextremismus-Terminologie besteht darin, daß eine Reihe von konkurrierenden Begrifflichkeiten wie „Rechtsradikalismus“, „Rechtsfundamentalismus“, „Neo-Nazismus“, „Neo-Faschismus“, „Rechts –und Nationalpopulismus“ bis hin zur „Alten“ und „Neuen Rechten“vi im Gebrauch sind.vii Autoren die den Begriff „Rechtsextremismus“ benutzen, verbinden damit sehr unterschiedliche Motivationen. Der Begriffsinhalt ist nicht einheitlich definiert. In der Fachliteratur wird immer wieder „die unpräzise und inkonsistent verwendete Begrifflichkeit“, „die inflationäre Verwendung des Ausdrucks Rechtsextremismus“viii beklagt. Diese terminologische Schwierigkeit sollte jedoch des weiteren nicht davon abhalten, unter Bezugnahme auf einige bekannte Autoren doch eine kurze Charakteristik des Konstrukts zu geben. Um der Klärung dieser begrifflichen Implikationen willen, ist eine Erläuterung hier über das Maß einer üblichen begrifflichen Abgrenzung hinaus erforderlich. Im folgenden wird daher die Verwendung der verschiedenen Termini geklärt, mit denen das Phänomen, das im Titel des Rechtsextremismus umschrieben ist sonst noch bezeichnet wird.

1. Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus

a) Rechtsextremismus

„Tatsächlich haben wir es beim Rechtsextremismus gar nicht mit rationaler Argumentation, sondern mit Wahnvorstellungen zu tun, die zumeist in bestimmten sozialen Gruppen [...] gedeihen, und zwar zumeist in Zeiten grundlegenden sozioökonomischen und/oder politischen Wandels, wenn der Verlust von Macht, Privilegien oder Sozialprestige droht bzw. bereits eingetreten ist, wenn sich gesellschaftliche Teilgruppen gegenüber anderen Gruppen benachteiligt oder zurückgesetzt fühlen. Dann entstehen kollektive Ängste und Ohnmachtgefühle, zugleich aber auch Hass und Aggressivität“. ix Zur Begründung wie auch zur Legitimierung hierarchischer und ausgrenzender Praxen, wird zurückgegriffen auf Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus sowie auf biologische und sozialdarwinistische Menschen –und Gesellschaftsbilder. Aus diesen Wurzeln nähren sich die Ideologiefragmente, die jedoch keine geschlossene Ideologie bilden. Im Gegensatz zum Linksextremismus verfügt der Rechtsextremismus über kein ideengeschichtlich zweifelsfreies Fundament.x

[...]


i Zit.: v. Berg, Heinz Lynen: Rechtsextremismus in Ostdeutschland seit der Wende, in: Kowalsky, Wolfgang/Schroeder, Wolfgang (Hg.): Rechtsextremismu s. Einführung und Forschungsbilanz, Opladen 1994, S. 103.

ii Zit.: Butterwege, Christoph: Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt. Erklärungsmodelle in der Diskussion, Darmstadt 1996, S. 43.

iii Zit. nach: Seidel-Pielen, Eberhard: Vom Judenhaß zum „Türkenproblem“. Politischer Umgang mit Rechts, in: Faber, Richard (Hg.): Rechtsextremismus. Ideologie und Gewalt, Berlin 1995, S. 70.

iv Bundesministerium des Innern (Hg.): Verfassungsschutzbericht des Bundes 1991, Bonn 1992, S. 76 ff.

v Titel: Friedrich, Walter/Förster, Peter/Starke, Kurt (Hg.): Das Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig 1966-1990. Geschichte, Methoden, Erkenntnisse, Berlin 1999.

vi Vgl.: Kowalski/Schroeder sehen im Begriff der Neuen Rechte eine Zweideutigkeit. Einerseits wird darunter die „Modernisierung“ des Rechtsextremismus verstanden, andererseits findet er auch Verwendung bei der 1 Bezeichnung von rechtsintellektuellen Denkzirkeln die seit den 60ern existieren. (Vgl.: Kowalsky /Schroeder: Rechtsextremismus, S. 9.)

vii Im Rahmen dieser Arbeit kann jedoch nicht auf jeden alternativen Begriff eingegangen werden. Hauptmerkmal soll den Begriffen Rechtsradikalismus –und extremismus zufallen sowie Neonationalsozialismus und Neofaschismus.

viii Zit.: Friedrich, Walter: Rechtsextremismus im Osten. Ein Resultat der DDR-Sozialisation?, Berlin 2002, S. 11.

ix Zit.: Stöss, Richard: Ideologie und Strategie des Rechtsextremismus, in: www.bpb/pdfrechtsextrem/ stoess.pdf, S. 4 am 31. 07 2002.

x Neubacher, Frank: Jugend und Rechtsextremismus in Ostdeutschland vor und nach der Wende, Bonn 1994, S. 14.


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