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Komik bei Thomas Bernhard am Beispiel 'Die Mütze'

Scholary Paper (Seminar), 2002, 29 Pages
Author: Kristina Werndl
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Ironie und Übertreibung: Linguistische Analysen zu Bernhard, Jandl, Jelinek
Institution/College: University of Salzburg 'Paris Lodron' (Germanistik)
Tags: Komik, Thomas, Bernhard, Beispiel, Mütze, Ironie, Linguistische, Analysen, Bernhard, Jandl, Jelinek
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 29
Grade: Sehr gut
Bibliography: ~ 22  Entries
Language: German
Archive No.: V50236
ISBN (E-book): 978-3-638-46492-5
ISBN (Book): 978-3-638-59804-0
File size: 237 KB
Notes :
Thomas Bernhards Werk gibt einer linguistischen Untersuchung jede Menge Nahrung: Auf allen Ebenen seiner literarischen Texte lassen sich Poetisierungsverfahren orten. Meine Seminararbeit widmet sich Bernhards Beitrag zur „Österreichischen Komik“ und der Komik als rezeptionsästhetischem Phänomen, bevor eine detaillierte Analyse der Erzählung „Die Mütze“ erfolgt.


Abstract

Thomas Bernhards Werk gibt einer linguistischen Untersuchung jede Menge Nahrung: Auf allen Ebenen seiner literarischen Texte lassen sich Poetisierungsverfahren orten. Diese Seminararbeit widmet sich Bernhards Beitrag zur "Österreichischen Komik" und der Komik als rezeptionsästhetischem Phänomen, bevor eine detaillierte Analyse der Erzählung "Die Mütze" erfolgt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Salzburg

Komik bei Thomas Bernhard am Beispiel "Die Mütze"

Seminar-Arbeit 

für die Lehrveranstaltung
 „Ironie und Übertreibung: Linguistische Analysen zu Bernhard, Jandl, Jelinek“
WS 2001/02

vorgelegt von

Kristina Werndl

Salzburg, September 2002

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2 . Bernhards Beitrag zur „Österreichischen Komik“ 3

3. Komik als rezeptionsästhetisches Phänomen 5

4. Komik: Bestimmungsversuche 7

5. Die Mütze 9
5.1. Erzähler und Erzählhaltung 9
5.2. Wahn und Zwänge 15
5.2.1. Beschwörungsformeln 16
5.2.2. Isolation und Ausbruch 19
5.2.3. Krankhafter Ich-Bezug 22
5.2.4. Zwischenergebnis 23
5.3. Die Mütze 24
5.4. Schluss 25

6. Bibliographie 26

 

 

1. Einleitung

Es gilt in dieser Seminar-Arbeit einem Phänomen auf den Grund zu gehen, das in Bernhards Texten in unterschiedlicher Gewichtung eine entscheidende Rolle spielt, unterschiedlich nach Gattung und Entstehungszeit eines Textes und nach der Haltung und dem Vorwissen des Rezipienten: der Komik. Inwieweit ist sie strukturimmanentes Phänomen und also auf der Textebene nachweisbar, etwa durch das Aufspüren lexikalischer und grammatischer Inkongruenzen? Inwieweit ist sie (zusätzlich) auf ko- und kontextueller Ebene festzumachen und muss unter Miteinbeziehung diverser Welt- und Erfahrungswissensbestände erschlossen werden? Das wird im einzelnen, d.h. am konkreten Textpassus, zu ergründen sein. Vorausgeschickt sei, dass die Verfasserin dieser Arbeit vom heuristischen Standpunkt ausgeht, die Bedeutung der Bernhard´schen Komik in ihrer Facettenhaftigkeit und je unterschiedlichen Gewandung sowie die ihrer nächsten stilistischen Verwandten (Humor, Spott, Witz, Sarkasmus, Zynismus und Ironie) könne allein durch eine nüchterne Textstruktur-Analyse nicht hinreichend erschlossen werden; immer spielt auch der persönliche Erfahrungshintergrund des Lesers eine Rolle.

Die Wahl der Analyse-Methode ist dadurch gekennzeichnet, dass kein einheitliches Interpretationsverfahren an den Text gelegt wird. Wo es angebracht scheint, werden bestimmte Passagen einer Sem-Analyse unterzogen und damit ein genuin linguistisches Verfahren zur Anwendung gebracht; erscheint es dagegen sinnvoll, intertextuelle und thematische Verweise zu verfolgen, wird in einer literaturwissenschaftlich ausgerichteten Interpretation nach möglichen stofflichen und motivgeschichtlichen Parallelen Ausschau gehalten. Auf eine Einordnung der Komik Thomas Bernhards in die unüberschaubaren Weiten poetischer und literaturtheoretischer Äußerungen zur Komik und ihren verwandten Phänomenen wird, um die Grenzen der Seminar-Arbeit nicht zu sprengen und hoffentlich zugunsten der favorisierten Genauigkeit im Detail, weitgehend verzichtet.

Isle Aichinger hat sich in einem sehr komprimierten Text (in: Kleist, Moose, Fasane, 1997: 109) mit Thomas Bernhard auseinandergesetzt und einige wesentliche Punkte formuliert, die bei einer Auseinandersetzung mit diesem Künstler nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Bedeutend für Germanisten und Interpreten seines Werkes erscheint mir ihre Forderung, seine Texte einmal per se als literarische Konstrukte zu bewerten:


Wenn wir ihn immer wieder lesen, immer weiter lesen, immer neu beim Text bleiben, nicht zwischen die Zeilen dringen – das ist sicher nicht sein Wunsch –, sondern bei den Zeilen, den Worten, den Haupt- und Nebensätzen, den Satzzeichen bleiben, bei allem in seiner unnachgiebigen Reihenfolge, wenn wir die oft sehr scharfen Angriffe, auch wenn sie gegen uns selbst gerichtet sind, gelassen hinnehmen, denn sie sind auch ein Zeichen leidender Auseinandersetzung, geht uns seine und unsere gemeinsame Welt auf. (1997: 109)

Der Einstieg in Bernhards Welt soll nicht durch vorgefertigte Interpretationsschemata und abstrakte ideelle Konstrukte erfolgen, sondern unmittelbar durch die Auseinandersetzung mit der grammatischen und syntaktischen Struktur seiner Texte. Bernhards selbst äußerte in dem Monolog Drei Tage die vielzitierten Worte, in seinen Büchern sei „alles künstlich“ (zit. nach Mittermayer 1995: 2), alles gemacht – Artefakt. Das erinnert an Gottfried Benn, der ausdrücklich auf den Konstruktionscharakter seiner literarischen Erzeugnisse hingewiesen hat. In seiner Grundsatzrede Probleme der Lyrik (= sogenannte Marburger Rede) von 1951, in der er, gestützt auf die etymologische Wurzel von „Poesie“, das Moment des „Gemachten“ hervorstreicht, legt er den Schwerpunkt auf den Prozess der Überformung, auf die Formgebung selbst:


Die Form i s t ja das Gedicht. Die Inhalte eines Gedichts, sagen wir Trauer, panisches Gefühl, finale Strömungen, die hat ja jeder, das ist der menschliche Bestand, sein Besitz in mehr oder weniger vielfältigem und sublimen Ausmaß, aber Lyrik wird daraus nur, wenn es in eine Form gerät, die diesen Inhalt autochthon macht, ihn trägt, aus ihm mit Worten Faszination macht. (Benn 1959: 507-508)

Zwar bezieht er sich hier auf den Gattungsbereich der Lyrik, doch seine Worte sind m.E. ohne Bedenken auf das Prosaschaffen und das dramatische Schaffen Thomas Bernhards übertragbar: Dessen Werk wurde von diversen Interpreten unter den Kategorien „musikalisches Prinzip“ und „mimetisches Prinzip“ analysiert und mit dem Hinweis versehen, die äußere Form spiegle Inhaltliches wieder bzw. bringe Inhaltliches eigentlich erst zum Ausdruck.1

Bernhards Werk gibt einer linguistischen Untersuchung jede Menge Nahrung, auf allen Ebenen seiner literarischen Texte (und auch der spontan formulierten Texte, ich denke an Interview-Situationen) lassen sich Poetisierungsverfahren orten. Jedoch: „Anatomieren magst du die Sprache, doch nur ihr Kadaver; Geist und Leben entschlüpft flüchtig dem groben Skalpell“ (Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Xenien).

[....]


1 Zu den handlungsarmen Werken des „Geschichtenzerstörer[s]“ (Bernhard 1971: 83f.) Bernhard passt er besonders gut, Kandinskys Satz : „Die richtig herausgeholte Form drückt ihren Dank dadurch aus, dass sie selbst ganz allein für den Inhalt sorgt.“ (Wassily Kandinsky, Zugang zur Kunst)


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