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Autor: M.A. Sebastian Schäffer
Fach: Russistik / Slavistik
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Slavische Philologie)
Tags: Analyse, Reden, Textlinguistik
Jahr: 2005
Seiten: 28
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 860 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46504-5
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig – Maximilians – Universität München
Institut für Slavische Philologie
Sommersemester 2005
6. Semester
Analyse politischer Reden
von: Sebastian Schäffer
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung S.3
II. Analyse politischer Reden S.4
0. Anmerkungen zur slavischen Textlinguistik S.4
1. Definition von (kommunikativer) Handlung S.4
2. Modell einer Handlungssemiotik S.6
3. Intentionalität S.8
4. Sprechakttheorie S.11
5. Der Prozesscharakter des Handelns (Text-Script) S.14
6. Analyse einer politische Rede S.16
III. Schlussbemerkungen S.19
Anhang S.21
Literaturverzeichnis S.28
I. Einleitung
„Auch Worte sind Handlungen“ – Johann Peter Eckermann (1792-1854), dt. Schriftsteller und Sekretär von Johann Wolfgang von Goethe 1
Politische Reden sind seit vielen Jahrtausenden Teil der Gesellschaft. So kann man zum Beispiel die Ausführungen des Sokrates in Platons Politeia über Gerechtigkeit, die er unter anderem mit einem gerechten Staat zu finden sucht, als politische Rede bezeichnen. Zwar wurde diese noch nicht öffentlich gehalten, aber die Kunst über das Wohl des Staates zu debattieren wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wichtiger. Heutzutage kann man beinahe jede Parlamentsdebatte im deutschen Bundestag live verfolgen und diese, die als besonders wichtig empfunden werden, übertragen sogar mehrere Fernsehsender gleichzeitig. Politische Reden sind gerade jetzt in Wahlkampfzeiten ein beliebtes Mittel, um die Wähler für sich zu gewinnen und „Entgleisungen“, wie die des SPD Abgeordneten Ludwig Stiegler, der den Slogan seiner politischen Konkurrenten „Sozial ist was Arbeit schafft“ mit „Arbeit macht frei“ der Nationalsozialisten vergleicht 2, oder die des Bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der sich den Gewinn der Bundestagswahl nicht schon wieder von den „Frustrierten“3 verhageln lassen will, sorgen in der breiten Öffentlichkeit für Entrüstung. Der scheidende Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Joschka Fischer, hält im Kampf um Wählerstimmen so viele Reden bis er fast seine Stimme verliert. Doch was steht hinter dem Halten solcher politischer Reden? Zunächst ist das Halten einer Rede als sprachliches Handeln zu sehen. Gibt es ein Analysemodell für sprachliches Handeln und kann man dieses für eine Analyse politischer Reden anwenden? Um diese Frage beantworten zu können, soll die Dissertation von Markus Hubenschmid als Grundlage dienen. Dessen Modell, mit dem er politische Reden von V.I. Lenin analysiert, soll zunächst veranschaulicht werden um danach dessen Anwendbarkeit auf andere politische Reden überprüfen zu können. Dazu wird zunächst der Begriff Handlung nach Max Weber und Alfred Schütz definiert und das Modell einer Handlungssemiotik vorgestellt. Danach soll der Begriff Intentionalität und dessen Problematik erklärt werden. Daraufhin wird die Sprechakttheorie (u.a. von John Rogers Searle) genauer betrachtet und schließlich näher auf den Prozesscharakter von Handlungen eingegangen. Die Ergebnisse sollen dann auf eine politische Rede angewendet werden.
II. Die Analyse politischer Reden
Die Textlinguistik als Teilgebiet der Sprachforschung beschäftigt sich insbesondere mit den regelhaften Vorgängen der Textkonstituierung, dem Zusammenwirken von Textteilen und den kommunikativen Funktionen und Wirkungen von Texten. Eine grundsätzliche Frage dabei ist: Was macht einen Text zu einem Text? Antworten auf diese Frage wurden bereits hinreichend gegeben (vgl. z.B. De Beaugrande & Dressler: Einführung in die Textlinguistik, Tübingen, 1981) und eine Neudefinition ist hier auch nicht Gegenstand der Analyse. Vielmehr soll ein Ansatz betrachtet werden, der die Zielgerichtetheit von Sprache, also deren Wirkung auf Dritte, als konstituierend für Texte annimmt. Hierzu bietet sich die Textsorte Rede an, da deren Produzent, neben der Beschreibung bestimmter Sachverhalte und von Gegenständen, auch immer eine bestimmte Intention verfolgt, z.B. die Einstellung seiner Zuhörer zu politischen Themen. Im Zentrum einer solchen Auseinandersetzung mit Texten steht der Handlungsaspekt von Sprache. Eine Analyse politischer Reden ist also ohne die Beschäftigung mit Handlung nicht möglich. Dazu soll nun zunächst der Begriff Handlung in seinem weitesten Sinne definiert werden.
0. Anmerkung zur slavischen Textlinguistik
Markus Hubenschmid rechtfertigt sein Analysemodell politischer Reden am Beispiel Lenins unter anderem damit, dass die Textsorte Rede und speziell die politische Rede in der slavischen Textlinguistik, im Gegensatz z.B. zur germanistischen Textlinguistik, kaum Beachtung gefunden hat. Als Beispiel zur Überprüfung der Anwendbarkeit des Modells von Hubenschmid soll daher auch eine politische Rede dienen, die in einer slavischen Sprache gehalten worden ist.
1. Definition von (kommunikativer) Handlung
Handlung definiert sich nach Max Weber zunächst als „sinnvolle Handlung“4. Weber gebraucht dabei den Begriff Sinn in drei verschiedenen Zusammenhängen:
1. Sinn als Zweck des Handelns
2. Sinn als Mittel des Handelns und
3. Sinn als objektiver Bedeutungszusammenhang
Hubenschmid erläutert diese Definition mit Hilfe von Helmut Grindt5: Der Zweck des Handelns soll dabei als Motiv für ein Ziel oder eine Zielsetzung verstanden werden. Zweck kann daher auch synonym als Motiv gebraucht werden. Unter Mittel des Handelns sind Maßnahmen zur Realisierung eines Ziels resp. die Effekte von Handlungen, die äußerlich wahrnehmbar sind, zu verstehen. Objektive Bedeutungszusammenhänge sind diese, die sich an überindividuellen Vorstellungsinhalten des Handelnden orientieren, also z.B. Werte, Normen oder Traditionen6. Der Handlungsbegriff von Weber ist also zum einen „als ein auf ein Ziel gerichtetes, in konkreten Mitteln bzw. Zwecksetzungen sich manifestierendes Verhalten“7 und zum anderen als „ein an objektiven Bedeutungszusammenhängen orientiertes Verhalten“8 zu bestimmen. Der Begriff Sinn ist dazu noch von einem subjektiven, also das, was der Handelnde mit seiner Handlung meint, und einem objektiven, also das, was der Empfänger der Handlung diesem Handeln zuschreiben kann, zu unterscheiden.
[...]
1 www.zitate.de, Stichwort: „Reden“, Online im Internet: ULR: http://www.zitate.de/ergebnisse.php [Stand: 05.10.2005]
2 N24: Nazi-Vergleich: Stiegler bereut „Fehlschaltung“, 13.07.2005, Online im Internet: ULR: http://www.n24.de/politik/wahl-2005/?n2005071311101900002 [Stand: 05.10.2005]
3 N24: Was Stoiber wirklich sagte, 12.08.2005, Online im Internet: ULR: http://www.n24.de/politik/wahl- 2005/?n2005081211312900002 [Stand: 05.10.2005]
4 Weber, M.: Wirtschaft und Gesellschaft, 1976, S.1
5 Girndt, H.: Das soziale Handeln als Grundkategorie erfahrungswissenschaftlicher Soziologie. Mit einer Einführung von Johannes Winckelmann und einer Bibliographie von Walter M. Sprondel (Veröffentlichungen des Max Weber Instituts der Universität München), Tübingen, 1967
6 Hubenschmid, M.: Text und Handlungsrepräsentation, 1998, S.16f
7 ebd., S.17
8 ebd.
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