Die Stadt im hohen und späten Mittelalter

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Details

Titel: Die Stadt im hohen und späten Mittelalter
Autor: Björn Schreier
Fach: Geowiss. / Geographie - Bevölkerungsgeogr., Stadt- u. Raumplanung
Veranstaltung: Seminar Stadtgeographie
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen (Geographisches Institut)
Kategorie: Referat (Ausarbeitung)
Jahr: 2000
Seiten: 17
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 319 KB
Archivnummer: V50252
ISBN (E-Book): 978-3-638-46506-9

Textauszug (computergeneriert)

Georg-August-Universität Göttingen, Geographisches Institut
Seminar zur Angewandten Geographie
Kultur- und Sozialgeographie: Stadtgeographie
Sommersemester 2000

Die Stadt im hohen und späten Mittelalter

von: Björn Schreier

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die Epoche des hohen und späten Mittelalters 3

3. Der mittelalterliche Stadtbegriff  4

(1) Mutterstädte 4
(2) Ältere Gründungsstädte 4
(3) Kleinstädte 5
(4) Minderstädte 5

4. Märkte als Grundlage von Städten 6

5. Die kommunale Bewegung, Eidgenossenschaft und Bürgertum 6

5.1 Die kommunale Bewegung in Köln 7

6. Stadtfrieden – Stadtfreiheit – Stadtrecht 8

7. Die Bewohner der Stadt 9

7.1 Bürger 9
7.2 Mitwohner 9

8. Stadtgründungen und Stadterhebungen im 11. und 12. Jahrhundert 10

8.1 Mutterstädte 10
8.2 Ältere Gründungsstädte 10

9. Stadterweiterungen  12

10. Stadtgründungen ab dem 13. Jahrhundert 12

11. Wirtschaftsformen und Wirtschaftsleben 13

11.1 Hanse 13
11.2 Zünfte 14

12. Schlußbetrachtung und Ausblick 15




 

1. Einleitung

Dieses Referat soll einen Überblick über die Stadtgründungen und städtische Entwicklung im hohen und späten Mittelalter geben. Aufgrund der großen Vielfalt von Merkmalszügen und Ausprägungsformen der Städte dieser Epoche können nur wenige Aspekte beleuchtet werden, die zudem – wie z.B. bei den Stadtentstehungsschichten deutlich wird – stark typisiert und vereinfacht werden müssen. Ich hoffe aber, einige wesentliche Merkmale, die diesen Zeitraum charakterisieren, deutlich machen zu können.

2. Die Epoche des hohen und späten Mittelalters

Zur Periodisierung: Zwischen Früh- und Hochmittelalter können unterschiedliche Grenzen gezogen werden: 1024: Tod Heinrichs II., damit Ende der Ottonenherrschaft, deren Kennzeichen eine gesicherte Herrschaft des Kaisers (zuletzt Heinrich II.) gegenüber der Kirche und den Beamten war. 1056: Antritt Heinrichs IV., der in Gegnerschaft zum Papst Gregor VII. gerät (Investiturstreit). Dieser von der kluniazensischen Bewegung ausgehende Kampf um das Recht der Einsetzung von Bischöfen und Äbten ist das Ende der bisher bestehenden Eintracht zwischen Kaiser und Papsttum und wird meist als entscheidend für den Übergang zum Hochmittelalter angesehen. Der Investiturstreit wird zwar 1122 im Wormser Konkordat mit dem Verbot der Bischofsinvestitur durch den Kaiser und der Abnahme der Bistümer aus königlichem Besitz (statt dessen Reichslehenverband) beigelegt,1 der Gegensatz zum Papsttum lebt aber unter den Staufern wieder auf. Bei diesen (v.a. Friedrich I. Barbarossa) besteht zudem eine machtpolitische und damit auch städtepolitische Gegnerschaft zum Geschlecht der Welfen (Heinrich der Löwe). Das Spätmittelalter beginnt in der Mitte des 13. Jh., als Jahreszahl sei hier 1254 genannt (Beginn des Interregnums: Machtvakuum, dadurch schwache Zentralgewalt, aufgrund einer uneindeutigen Wahlentscheidung nach dem Tod Konrads IV.). Für diese Epoche ist (besonders auch für die Städtegründungen) ein Erstarken der Landesfürsten bei weitgehender Schwächung der Reichsgewalt und ab der Mitte des 14. Jh. eine wirtschaftliche Krise infolge der Pest 1347—52 signifikant. Das Ende des Mittelalters wird im allgemeinen um 1500 angesetzt, als besondere Ereignisse treten hier die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg (1450), die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus (1492) und die Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers (1517) hervor. Dahinter stehen neue geistige Strömungen (Reformation, Humanismus, Renaissance), die das mittelalterliche Weltbild in Frage stellen, so wird durch die Reformation die Weltordnung einer einzigen Christenheit aufgelöst (Meyers Gr. Taschenlexikon 1998, 5: 18ff.).

3. Der mittelalterliche Stadtbegriff

Zunächst ist der Frage nachzugehen, welche Siedlungen sich im Mittelalter (speziell im Hoch- und Spätmittelalter) als Städte bezeichnen lassen. Der moderne Stadtbegriff ist nicht auf vergangene Epochen übertragbar, so schließt der statistische Schwellenwert von 2000 Einwohnern die rechtlich und teilweise wirtschaftlich als Stadt anzusehenden Klein- und Zwergstädte, die im Spätmittelalter 94,5% der Städte ausmachen (ISENMANN 1988: 31), aus. Aber auch Merkmale, die für die Stadt des hohen und späten Mittelalters typisch sind und sie deutlich von frühmittelalterlichen städtischen Siedlungen abtrennen (wie die Ummauerung und das Stadtrecht, mit dem die bürgerliche Rechtsfreiheit ausgedrückt wird) können keine umfassende Definition hergeben. So gibt es auch im Mittelalter durchaus schon unbefestigte Städte (z.B. in Tirol) und befestigte Marktflecken sowie stadtrechtsähnliche Privilegien in ländlichen Siedlungen, z.B. in Westfalen (HAASE 1959: 18f., ISENMANN 1988: 20).2 Letztendlich ist also eine größere Anzahl von Kriterien notwendig, von HAASE (1959: 22) als „kombinierter“ Stadtbegriff bezeichnet. Neben rechtlichen (Stadtrecht) und architektonische n Merkmalen (Mauer) sind hier z.B. die Bedeutung des Handels, eine gewerbliche Differenzierung, eine große soziale Spannbreite und die Zentralität eines Ortes (in Bezug auf sein Umland) zu nennen. Da im Laufe des Mittelalters diese Kriterien nicht zu allen Zeiten für die Charakterisierung als Stadt von Bedeutung sind und unterschiedlich stark gewichtet sind, ist es notwendig, zu verschiedenen Epochen von unterschiedlichen Stadtbegriffen zu sprechen. STOOB (1956: 40ff.) hat ein Schema von Stadtentstehungsschichten erarbeitet. Für das Hoch- und Spätmittelalter nennt er folgende Epochen:

(1) bis 1150: Mutterstädte. Aus den Kaufmannssiedlungen neben der Burg oder der Pfalz bildet sich der mittelalterliche Typ „Stadt“ heraus, nachdem sich das Marktwesen und eine selbständige Handwerkerschaft entfalten konnte (STOOB 1956: 33, HEINEBERG 1986: 64). Die Gründung und Entwicklung der Stadt geht klar vom genossenschaftlichen Gedanken aus. Oft sind Städte an Bischofssitzen entstanden und in verkehrsgünstiger Lage zu großen Handelsstädten angewachsen (z.B. Soest, Dortmund). Die Stadtgründungspolitik des sächsischen Herzogs Heinrich der Löwe (Ende des 12. Jh.) konnte sich in dieser Zeit gegen die aufstrebenden Territorialgewalten durchsetzen, so daß sich unter diesem Gesichtspunkt die Periode bis zu seinem Sturz 1180 erweitern läßt (HAASE 1959: 26f.). Besonders in Flandern setzen die Stadtgründungen sehr früh ein, während der Schwerpunkt deutscher Stadtgründungen später liegt.
(2) 1150—1250: ältere Gründungsstädte. Der in den Mutterstädten ausgebildete genossenschaftliche Typ entwickelt sich weiter und vervielfältigt sich. Die Städte werden von Fürsten in günstiger Verkehrslage planmäßig angelegt, auch wenn die besten Plätze bereits vergriffen waren; die Wirtschaftsfunktion (Gewerbe, Handel) überwiegt also noch gegenüber der Verteidigungsfunktion. Bsp.: Zähringergründungen (Freiburg/Brsg. 1120), Lübeck (Gründung durch Heinrich den Löwen 1158/59). Die Regelmäßigkeit dieser planmäßigen Gründungen wird im ostelbischen Kolonisationsgebiet noch gesteigert (HEINEBERG 1986: 66).

[...]


1 Für PLANITZ (1954: 86) hat die Reichslehensträgerschaft der Bischöfe, die damit Reichsfürsten geworden sind, einen großen Einfluß auf die Stadtgründungswelle von 1050 bis 1200.

2 Auch die wirtschaftliche Struktur als alleiniges Kriterium ist unzureichend, so stellt JECHT (1926: 226ff.) heraus, das der Großteil der mittelalterlichen Städte eher als (landwirtschaftlich geprägte) Dörfer anzusehen ist (z.B. Ackerbürgerstädte im ausgehenden Mittelalter).

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