Die Oberrheinkorrektur Tullas und die Folgen des Oberrheinausbaus close Bitte warten


Details

Veranstaltung: Oberseminar "Aktuelle Probleme zur Geomorphologie Mitteleuropas"
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Geographisches Institut)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 37
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 28  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3753 KB
Archivnummer: V50255
ISBN (E-Book): 978-3-638-46509-0

Textauszug (computergeneriert)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Geographisches Institut
Wintersemester 2003/04

Oberseminar A:
Aktuelle Probleme zur Geomorphologie Mitteleuropas

Die Oberrheinkorrektur Tullas
und die Folgen des Oberrheinausbaus

vorgelegt von

Björn Schreier

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Überblick über das Rheingebiet 2

3. Geologische / geomorphologische Entwicklung des Oberrheingrabens 4

4. Die Oberrheinlandschaft vor den Korrektionsmaßnahmen
4.1 Furkationszone 7
4.2 Mäanderzone 8
4.3 Auenlandschaft 10
4.4 Frühe Flussbaumaßnahmen 11

5. Die Oberrheinkorrektur von J. G. Tulla 11
5.1 Politischer und organisatorischer Hintergrund 11
5.2 Ziele der Oberrheinkorrektion 12
5.3 Durchführung der Korrektionsarbeiten 13
5.4 Tiefenerosion als Folge 15

6. Die weiteren Ausbaumaßnahmen 16
6.1 Niederwasserregulierung und Schiffbarmachung 16
6.2 Kanalisierung zur Schifffahrtsverbesserung und zur Energiegewinnung 18
6.2.1 Rheinseitenkanal 18
6.2.2 Schlingenlösung und Vollkanalisierung 20
6.2.3 Fazit: Ausbaumaßnahmen 21

7. Die Problematik der Sohlenerosion 22

8. Die Hochwasserproblematik 24

9. Das Integrierte Rheinprogramm (IRP) 27
9.1 Trockenaueprojekt Südlicher Oberrhein 31

10. Fazit 32

Literatur 33

 

 

1. Einleitung


„ In der Regel sollten in kultivierten Ländern, die Bäche, Flüsse und Ströme, – Kanäle – seyn, und die Leitung der Gewässer in der Gewalt der Bewohner stehen.“ 

(TULLA 1822, zit. nach LÖBERT 1997: 38). 

Dieses Zitat stammt vom Oberingenieur Johann Gottfried TULLA aus dem Jahre 1822. Aus der gleichen Zeit (1820) stammt das Gemälde von Peter BIRMANN, das den Isteiner Klotz und die Oberrheinlandschaft rheinaufwärts in Richtung Basel darstellt (Abb. 1, Titelseite). Es wird also deutlich, dass der Anspruch, den der oberste Wasserbauer Badens erhebt, mit der damaligen Realität nicht übereinstimmt. Anstatt eines Kanales sieht man eine Wildstromlandschaft, die heute idyllisch erscheinen mag; bei genauerer Kenntnis des historischen Kontextes aber (Hochwasserkatastrophen, Seuchen- und Stechmückenplagen, Grenzstreitigkeiten...) wird die Forderung nach begradigten Gewässern, die dem Menschen dienen sollen anstatt ihn zu gefährden, verständlich. In dieser Arbeit sollen die nach den Plänen Tullas vollzogene Oberrheinkorrektur, aber auch die darauffolgenden, bis in die jüngste Vergangenheit reichenden Ausbaumaßnahmen thematisiert werden und geomorphologische, hydrologische und ökologische Folgen sowie Maßnahmen zu deren Bewältigung angesprochen werden.

2. Überblick über das Rheingebiet

Zum Rhein gehört ein Einzugsgebiet von 185.000 km²; er hat eine Lauflänge von 1250 km und kann somit als bedeutendster Strom des westlichen Mitteleuropas bezeichnet werden. Seine mittlere Höhe beträgt 483 m ü. NN, seine mittlere Neigung 9 ‰ (KHR 1993: 13). Sein Lauf wird von seiner Quelle in den Alpen bis zu seiner Mündung in die Nordsee unterteilt in (vgl. Abb. 2):

  • Alpenrhein (von der Quelle bis zur Einmündung in den Bodensee, Hochgebirgsbereich) 
  • Hochrhein (vom Bodensee bis nach Basel, entlang der deutschschweizerischen Grenze)
  • Oberrhein (von Basel bis nach Mainz, entlang der Grenze von Baden- Württemberg bzw. Hessen zu Frankreich bzw. Rheinland-Pfalz, Bereich der Oberrheinischen Tiefebene)
  • Mittelrhein (von Mainz bis nach Bonn, Durchbruch des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge)
  • Niederrhein (ab Bonn, Bereich der Niederrheinischen Bucht) 
  • Der niederländische Tieflandbereich mit seinen Flussverzweigungen (Lek / Waal) wird als Bovenrhijn bezeichnet.

Im folgenden wird auf die Ausbaumaßnahmen am Oberrhein eingegangen, die ab dem 19. Jahrhundert in größerem Umfang einsetzten.


Abb. 2: Einzugsgebiet des Rheins (Quelle: POHL 2002: 31)

[...]

3. Geologische / geomorphologische Entwicklung des Oberrheingrabens

Bei dem ca. 300 km langen und bis zu 35 km breiten Oberrheingraben handelt es sich um einen tertiären Graben mit randlichen Schollentreppen (Staffelbruch) (TIETZE et al. 1990: 128). Er liegt heute zwischen 80 m (bei Mainz) und 250 m (bei Basel) über dem Meeresspiegel.

Im mittleren Eozän begann infolge von Zerrungsbewegungen der Erdkruste in Nord-Süd-Richtung die Absenkung des Oberrheingrabens; die maximale Höhe der vertikalen Verwerfung zwischen dem Graben und den seitlichen Grabenschultern betrug bis zu 5000 m. Im Oligozän wurde der Graben von einem schmalen Lagunenmeer bedeckt, was zur Ablagerung einer bis zu 3000 m mächtigen Sedimentschicht (Molasse) führte. In der Folgezeit wurden weitere, weniger mächtige Schichten (Pliozän, Pleistozän) sedimentiert, wodurch die frühere Differenz zwischen Grabenschultern und Senke auf nur noch ca. 1000 m gemindert werden konnte (vgl. Abb. 3) (JEHN 2001: 6, SRU 1976: 9, TÜMMERS 1994: 138). Abb. 3: Die Entwicklung des Oberrheingrabens vom Unteren Eozän bis zum Unteren Oligozän zwischen Breisach und dem Belchengebiet (Quelle: LFU 2000: 17)

[....]

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/50255/