Autor: Markus Wagner
Fach: Geowiss. / Geographie - Regionalgeographie
Details
Institution/Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Tags: Suezkanal, Mittelseminar, Mittelmeerraum
Jahr: 2006
Seiten: 26
Literaturverzeichnis: ~ 11 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 697 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46524-3
Textauszug (computergeneriert)
Bayrische-Julius-Maximilian Universität Würzburg
Mittelseminar Mittelmeerraum (WS 2005/06)
Fachsemester 3
Der Suezkanal
von: Markus Wagner
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Geschichte des Suezkanals 3
2.1 von den Pharaonen bis zur Gründung der Suez Kanal Gesellschaft 3
2.2 von 1858 bis heute 6
3. Der Kanalbau 9
3.1 Die Folgen des Kanalbaus für Ägypten 11
4. Der Suezkanal und seine weltweite Bedeutung 12
4.1 Der Verkehr auf dem Suezkanal 12
4.2 Der Suezkanal im Netz der internationalen Transportwege 17
4.3 Die Bedeutung des Suezkanals für die europäische Energieversorgung 19
4.4 Die strategische Bedeutung des Suezkanals im Kalten Krieg und heute 22
5. Die Zukunft des Suezkanals 23
6. Literaturverzeichnis 25
7. Abbildungsverzeichnis 26
8. Tabellenverzeichnis 26
1. Einleitung
Der Suezkanal hat eine bewegte Geschichte von über 3000 Jahren hinter sich. Er wurde in vielen verschiedenen Ausführungen gebaut, um dann nach einiger Zeit entweder vergessen, oder durch Kriege verwüstet zu werden. Doch die Idee einer Kanalverbindung vom Mittelmeer zum rotem Meer überdauerte und war in jeder Epoche der Weltgeschichte fest in den Köpfen der Menschen und vor allen Dingen in denen der Machthaber verankert. So war es nur eine Frage der Zeit, bis in der Neuzeit wieder der Versuch unternommen wurde, den Isthmus von Suez zu durchstoßen um eine Kanalverbindung herzustellen. Am 17.11.1869 sollte nach über drei Jahrtausenden die Eröffnung des modernen Suezkanal gefeiert werden und euphorische Stimmen wie der Deutsche Wilhelm Zenker sprachen 1869 davon, dass „die Welt um ein Wunderwerk reicher werd[e]“. (ZENKER 1869, S.1) Der Suezkanal hat zwar von seiner anfänglichen Stärke und Wichtigkeit eingebüßt, dennoch ist er immer noch der wichtigste Schifffahrtskanal der Welt und seine Nutzung hat Auswirkungen auf alle Waren und Handelsgüter, die in alle Welt verschifft werden. In meiner Hausarbeit will ich mich am Anfang mit der langen Geschichte des Suezkanals beschäftigen um danach kurz auf die Bauarbeiten des modernen Kanals einzugehen. In einem weiteren Schritt werde ich mich mit der weltwirtschaftlichen Bedeutung des Kanals für den Schiffsverkehr, für die internationalen Transportwege, sowie seine Rolle für die europäische Energieversorgung und seine strategischen Bedeutung beschäftigen. Zuletzt will ich einen Ausblick in die Zukunft geben und die möglichen Entwicklungen des Suezkanals – positiv wie negativ – näher beleuchten.
2. Die Geschichte des Suezkanal
2.1 Von den Pharaonen bis zur Gründung der Suez-Kanal-Gesellschaft
Die Idee eines Kanalbaus auf dem Isthmus, der Landenge, die Afrika und Asien miteinander verbindet, geht bis in die Zeit der Pharaonen zurück. Damals hatten die Ägypter aber nicht den Bau eines in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Kanals im Sinn, sondern sie wollten das westlich des Isthmus gelegene Nildelta mit Hilfe ihres Systems der Wasserbewirtschaftung nach Osten erweitern und somit besiedlungsfähiges Land für ihre Bevölkerung schaffen. Außerdem richteten die Pharaonen politisch und wirtschaftlich ihren Blick nach Osten, weil sie mit den Nachbarreichen Syrien und Arabien Handelsbeziehungen pflegten und die Karawanenstraßen der Landenge immer wieder Schauplatz kriegerischer Handlungen waren.
Der Bau eines Kanals vom Nil zum Golf von Suez hatte drei Vorteile: Man erweiterte die eigene Kulturfläche, zum anderen erhielt man einen neuen Weg für den Inlandsverkehr und einen direkten Wasserweg zum Roten Meer, der für den Handel und auch strategisch wertvoll ist. Außerdem gibt es Annahmen, dass das Rote Meer damals weit tiefer ins Landesinnere hineingereicht haben muss, als es jetzt der Fall ist. Ferner stellte man keine geologischen Hindernisse fest, die den Kanalbau behindern würden. Man befürchtete allerdings, dass der Wasserspiegel des Roten Meers höher lag als der des Mittelmeers und somit ganz Unterägypten überflutet werden könnte. Die Ägypter verwarfen die Baupläne für einen Kanal in der Zeit der frühen Dynastien, wegen der Unsicherheit der Folgen eines solchen Kanals. (vgl. KIENITZ 1957, S.11) Die ältesten, allerdings nicht eindeutig feststellbaren Beweise eines Kanalbaus, gehen auf den Pharao Sesostris I. (um 1950 vor Christus) zurück, der einen Kanal vom Nil zu den Bitterseen gebaut haben soll. Es gibt auch Überlieferungen von Herodot, der den Erstbau eines Nil-Rote-Meer-Kanals König Necho (um 600 vor Christus) zuschreibt, weiterhin soll Ramses II. fast 700 Jahre vorher schon einen solchen Kanal gebaut haben. Allerdings hatte Ramses nicht den Anspruch Mittelmeer und Rotes Meer miteinander zu verbinden, sondern nur das Bewässerungsland des Nils zu erweitern, um die ägyptische Landwirtschaft zu stärken. (vgl. KIENITZ 1957, S.12f)
Als 100 Jahre später Ägypten vom Perserkönig Darius erobert wurde, ließ dieser die nun tatsächlich vorhandene Wasserstraße ausbauen. Aber auch hier hatte der Kanal keine internationale Bedeutung, sondern war nur „eine Wasserstraße innerhalb des Machtbereichs des Persischen Weltreiches[…] für die machtpolitischen und strategischen Zwecke des Territorialherren.“ (KIENITZ 1957, S.13) Außerdem dachte der Perserkönig nicht daran, seine Schiffe, die sich im Mittelmeer Seegefechte mit den Griechen lieferten, durch den „Dariuskanal“ fahren zu lassen. Einige Geschichtsschreiber wie Plinius oder Strabo behaupten wiederum, dass die Arbeiten am Verbindungskanal zwischen Rotem Meer und Bitterseen wegen des höheren Wasserspiegels des Roten Meeres abgebrochen wurden. (BRENDL 1975, S.212) Die letzten Herrscher eines eigenständigen Ägypten, die Ptolemäer (rund 200 Jahre später), erneuerten den Kanal und bauten Schleusen am Ausgang des Flusses am Golf von Suez. Damals führte der Wasserweg vom pelusischen Nilarm in der Höhe der heutigen Stadt Sagazig nach Osten und dem Wadi Tumilat folgend in den Bittersee, von dort gelangte ein weiterer Kanal zum Golf von Suez. Dieser Kanal verschlammte allerdings mit dem Niedergang der Ptolemäerherrschaft.
Kaiser Trajan und sein Nachfolger Hadrian errichteten um 100 nach Christus einen neuen Kanal, mit dem eine direkte Schiffsverbindung zur neuen oströmischen Provinz Arabia geschaffen wurde und die Warentransporte vereinfacht wurden. Bei diesem Kanalbau rückte aber immer noch nicht die internationale Bedeutung des Kanals in den Vordergrund, da das gesamte Mittelmeergebiet von Rom beherrscht wurde und es sich somit nur um einen innerterritorialen Kanal handelte. Auch dieser Kanal geriet nach dem Untergang des oströmischen Reiches schnell in Vergessenheit und versandete. Nun dauerte es wiederum ca. 550 Jahre bis unter dem Kalifen Omar (um 642) der alte Römerkanal wieder ausgebaut wurde. In dieser Zeit wurde der Suezkanal erstmals unabhängig vom Nil und seinen Seitenkanälen genannt. Der Feldherr des Kalifen Amru sprach erstmals von „einem direkten maritimen Kanal von Meer zu Meer“ (KIENITZ 1957, S.14). Dies wurde aber von venezianischer Seite aus religiösen Gründen abgelehnt und somit wurde der Kanal 125 Jahre später wieder zugeschüttet.
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