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Diploma Thesis, 2005, 139 Pages
Author: Cornelia Wurzinger
Subject: Theater Studies
Details
Tags: Bedeutung, Funktion, Mythen, Film, Indiens, Analyse, Beispiele
Year: 2005
Pages: 139
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 70 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46538-0
ISBN (Book): 978-3-638-68018-9
File size: 806 KB
Diese Arbeit möchte zwei Mythologien, die in Indien omnipräsent sind,auf einen Nenner bringen: Zum einen die alten Mythen aus dem Ramayana und Mahabharata und zum anderen die Mythen, die die Filme hervorbringen und die in der Vorstellungswelt Indiens einen ähnlichen Status besitzen. Mythologische Material soll als Einfluss auf Geschichten und Narration der Filme und als Schlüssel zur Interpretation gezeigt werden. Auch die Manipulation mythologischen Materials für politische Zwecke wird thematisiert
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Abstract
In der vorliegenden Arbeit sollen zwei Themengebiete vereint werden, die einen wichtigen Bestandteil der Kultur Indiens ausmachen: Auf der einen Seite die uralten Mythen des Landes, die vor allem aus dem Ramayana und Mahabharata stammen und fest im Kulturgut verankert sind, und auf der anderen Seite die populären Hindifilme, deren Stoffe mitunter bereits einen ganz ähnlichen Status besitzen und deren Helden und Geschichten selbst zu einer neuen Art der Mythologie geworden sind und bisweilen ins allgemeine Gedankengut übergehen. Der Kult um die Filmstars ist in Indien derart übermächtig und allgegenwärtig, dass dieser Vergleich durchaus gerechtfertigt scheint. Die Götter der Leinwand sind omnipräsent und überlebensgroß blicken sie den Menschen auf Indiens Straßen von riesigen Plakatwänden entgegen. Die Mythologie Indiens soll als omnipräsente kulturelle Konstante gezeigt werden, die in der Gedankenwelt Indiens fest verankert ist. Im Film gibt es eine Reihe von Charakteristika, deren Einfluss aus der Welt der indischen Mythologie stammt. Diese Einflüsse sollen in Folge erläutert und an Filmbeispielen analysiert werden. Obwohl das Genre des mythologischen Films in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts praktisch ausgestorben ist, wurden viele Merkmale des mythologischen Filmes in das populäre Kino übernommen. Das mythologische Material soll als Einfluss auf die Geschichten, die Erzählweise, die Figurenzeichnung und als Schlüssel zum Verständnis und zur Interpretation gezeigt werden. Auch der Film Indiens, seine Stars und Sternchen als ganz neue Mythologie, sollen nicht unerwähnt bleiben. Schlussendlich wird am Beispiel der 1990er Jahre aufgezeigt, wie mythologisches Material durch ideologische Manipulation politisch verwendet werden kann. Dies soll an der populären Filmlandschaft Indiens jener Zeit erläutert werden.
Excerpt (computer-generated)
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
der Universität Wien
Bedeutung und Funktion der Mythen im Film Indiens
Analyse ausgewählter Beispiele
Diplomarbeit
zur Erlangung des Magistragrades der Philosophie
eingereicht von: Cornelia Wurzinger
Wien, Oktober 2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
1.1 Vorwort ... 4
1.2 Themengebiet ... 5
1.3 Der Zauber der Geschichten/The magic of stories ... 7
1.4 What is not in the Mahabharata is nowhere ... 11
1.5 Die Bedeutung der Mythen ... 13
2. Der Hindi Film ... 16
2.1 Erzähltechnik/Narration ... 18
2.1.2 Einschub: Zur Erzähltechnik im Ramayana ... 20
2.2 Formale Aspekte ... 21
2.3 Zur Rezeption ... 22
2.3.1 Einschub: Rasa ... 25
3. Mythologische Figuren ... 26
3.1 Einleitung: Modellierung von Figuren und Schaffung von Stereotypen ... 26
3. 2 Der Held – The hero ... 28
3.2.1 Krishna, der Liebhaber ... 29
3.2.1.2 Filmbeispiel: Devdas (1955/2002) ... 33
3.2.1.3 Songs und Tanzsequenzen/Songs and dance scenes ... 40
3.2.2 Karna – der Antiheld ... 45
3.2.2.1 Politischer Hintergrund ... 48
3.2.2.2 Filmbeispiel: Deewaar (1975) ... 49
3.3 Weibliche Rollen im Hindifilm – Beti, Patni, Ma ... 56
3.3.1 Die Heldin – The heroine ... 58
3.3.1.2 Sita ... 59
3.3.1.2.1 Filmbeispiel: Awaara (1951) ... 60
3.3.1.2.2 Laxman-Rekha ... 65
3.3.2 Sita und ihr Alter Ego - Die Frau im New Cinema ... 67
3.3.2.1 Filmbeispiel: Bhumika (1977) ... 67
3.3.3 Der Vamp ... 70
3.3.3 Die Rolle der Mutter – Ma ... 73
3.3.2. Filmbeispiel: Mother India (1957) ... 80
4. Politische Dimension ... 91
4.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund ... 91
4.2 Ideologische Auswirkungen auf die Filmlandschaft ... 94
4.3 Gegen den Strom ... 97
4.3.1 Filmbeispiel: Fire (1996) ... 97
4.4 Mythologische Namen ... 102
4.5 Die Rezeption des Ramayana in Filmen der 1990er Jahre ... 103
4.6 Rama – Gott und Superheld? ... 106
4.6.1 Filmbeispiel: Khalnayak (1993) ... 108
4.6.2 Filmbeispiel: Ram Lakhan (1989) ... 116
5. Resümee ... 121
6. Glossar ... 124
7. Filmographie ... 129
8. Literaturliste ... 133
1. Einleitung
1.1 Vorwort
“Good and evil, nobility and brutality, cunning and innocence, masculine muscularity and feminine fragility: I lingered in front of each poster, mesmerized. The posters were so over-the-top, they were the stuff of myth.”1
Meine erste Begegnung mit dem indischen Kino fällt mit meinem ersten Besuch in Indien vor einigen Jahren zusammen. Ich war fasziniert von dieser exzessiven Filmkultur - in einem Land, in dem so viele Menschen so wenig haben, feiert man das Übermaß nicht nur an Emotionen, sondern auch an Glanz und Glitter. Dieses Wechselbad der Eindrücke ist in Indien ein allgegenwärtiges Phänomen, dem man sich nicht entziehen kann und in der Ästhetik des Bollywoodfilmes findet es einen Höhepunkt. Nachdem die Mythologie Indiens genauso omnipräsent ist wie die Welt des Bollywoodkinos, war es für mich von Interesse, diese beiden Sphären auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Die Faszination für Bollywood hat mich seit meinem ersten Kontakt mit dieser Filmkultur begleitet und in dieser Zeit hat sich dieses Universum langsam aber sicher auch in Deutschland und Österreich immer stärker etabliert. Dies hat zur Folge, dass die Filme sehr viel leichter zugänglich sind, mehr und mehr auch Deutsch untertitelt und mitunter sogar in deutscher Sprache synchronisiert werden. Doch die meisten Filme, die auf DVD erhätlich sind, gibt es im Hindi-Original mit englischen Untertiteln und auch ich habe ausschließlich mit diesen gearbeitet. Daher merke ich gleich zu Beginn an, dass die Filmzitate, die in der Arbeit verwendet werden, als englische Untertitel der Filme erscheinen. Auch die Abbildungen zu den einzelnen Filmen sind diesen direkt entnommen. Die Tatsache, dass in Indien Englisch die Wissenschaftssprache ist, die den gesamten Subkontinent vereint, macht dem Interessenten die indische Literatur - und in meinem Fall besonders die Literatur zum Film - sehr leicht zugänglich. Viele dieser Arbeiten sind von Non Resident Indians verfasst und in britischen und amerikanischen Verlagen publiziert. Doch auch in Indien selbst erscheinen immer mehr Werke, die sich mit dem populären Film auseinandersetzen. Die theoretische Beschäftigung mit Film ist in Indien ungleich weniger wichtig als die eigene Rezeption des Zusehers. Die Bedeutung der Erforschung des Mediums hat – so scheint es beim Sichten der Sekundärliteratur – erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Aus diesem Grund stammt der Großteil der - von mir verwendeten - Literatur aus den späten 1990er Jahren, vor allem aber aus den letzten fünf Jahren. Unter diesen Publikationen finden sich viele äußerst spannende und interessante Werke, durch deren Lektüre ich auf zahllose Punkte gestossen bin, die neue Fragen und Anregungen zu intensiverer Beschäftigung geben, im Zuge dieser Arbeit jedoch zu weit reichen würden.
1.2. Themengebiet
Ich möchte in meiner Arbeit zwei Themengebiete vereinen, die einen wichtigen Bestandteil der Kultur Indiens ausmachen: Auf der einen Seite die uralten Mythen des Landes, die vor allem aus dem Ramayana und Mahabharata stammen und fest im Kulturgut verankert sind, und auf der anderen Seite die populären Hindifilme, deren Stoffe mitunter bereits einen ganz ähnlichen Status besitzen und deren Helden und Geschichten selbst zu einer neuen Art der Mythologie geworden sind und bisweilen ins allgemeine Gedankengut übergehen. Das Kino ist in Indien beinahe als ein Tempel der Moderne2 zu verstehen, der besucht wird, um den Göttern der Leinwand näher zu kommen und an ihrer Aura teilzuhaben. Der Kult um die Filmstars ist in Indien derart übermächtig und allgegenwärtig, dass dieser Vergleich durchaus gerechtfertigt scheint. Die Götter der Leinwand sind omnipräsent und überlebensgroß blicken sie den Menschen auf Indiens Straßen von riesigen Plakatwänden entgegen.
Zunächst ist es im Umgang mit dem Subkontinent Indien in jedem Fall gleich zu Beginn wichtig, das zu behandelnde Gebiet abzugrenzen, da Indien (unter anderem) eine unüberschaubare kulturelle Landschaft besitzt. In meinem Fall wäre dies die Filmlandschaft, die unermesslich groß und vielfältig ist. Jede Sprache – und derer gibt es in Indien zahlreiche - hat eine eigene Filmindustrie. Ob es sich um die malayalischen Filme Keralas, das Tamil -, Telugu -, Kannada - Kino3 handelt, oder die wohl bekanntesten und außerhalb Indiens meist rezipierten Filme bengalischer Regisseure wie Satyajit Ray, Mrinal Sen oder Ritwik Ghatak. Ihre Filme machen den größten Teil des Art cinema Indiens aus und werden auf Filmfestivals in der ganzen Welt gezeigt. Ich beschränke mich in meiner Arbeit jedoch auf die populären Hindi Filme, die überregional gezeigt und in ganz Indien rezipiert werden und möchte Filme aus anderen Genres nur als Kontrastbeispiele zitieren.4
Die populären Hindifilme werden auch als All India Filme bezeichnet, da diese neben den regional unterschiedlichen Produktionen in ganz Indien bekannt sind. Die Filme werden in Bombay - der indischen Filmmetropole - produziert und daher bezeichnet man sie in Anlehnung an die Filmstadt Hollywood - als Bollywoodfilme. Die Filmindustrie Bombays ist mit mehreren hundert Produktionen pro Jahr die größte der Welt.
„Its value as cultural capital has to be seen in the way in which this «Epico-Mythico- Tragico-Comico-Super-Sexy-High-Masala-Art» (Rushdie 1995: 148-49) has invaded all aspects of popular culture, from traditional folk performances to video clips, CDs, and cassettes. Its formulaic structure as well as its technical know-how (practice) is used to produce televisual films including soap operas and mythologies.”5
Die Mythologie Indiens, die auf anderer Ebene einen ähnlichen Stellenwert besitzt, soll als omnipräsente kulturelle Konstante gezeigt werden, die in der Gedankenwelt Indiens fest verankert ist. Im Film gibt es eine Reihe von Charakteristika, deren Einfluss aus der Welt der indischen Mythologie stammt.
„Their influence can be usually analysed at four levels: themes, narratives, ideology and
communication.”6
Diese Einflüsse sollen in Folge erläutert und an Filmbeispielen analysiert werden, denn obwohl das Genre des mythologischen Films in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts praktisch ausgestorben ist, wurden viele Merkmale des mythologischen Filmes in das populäre Kino übernommen.
“One must also remark on the fact that the mythological element has run as an undercurrent in the commercial cinema ever since. Mythologicals mythologised the past; their spin-off into the rest of Indian commercial cinema appeared as an instrument of mythologising the present, much as the popular American cinema today mythologises the future.”
Anhand bedeutender Figuren aus den Mythen Indiens und ihrer Geschichten, möchte ich die zentralen Typen des Hindifilmes wie Held, Heldin, Vamp und Mutterfigur herleiten, genauer analysieren und an Filmbeispielen nachweisen.
Das mythologische Material soll als Einfluss auf die Geschichten, die Erzählweise, die Figurenzeichnung und als Schlüssel zum Verständnis und zur Interpretation gezeigt werden. Auch der Film Indiens, seine Stars und Sternchen als ganz neue Mythologie, sollen nicht unerwähnt bleiben. Schlussendlich wird am Beispiel der 1990er Jahre aufgezeigt, wie mythologisches Material durch ideologische Manipulation politisch verwendet werden kann. Dies soll an der Filmlandschaft Indiens jener Zeit erläutert werden.
[...]
1 Mukherjee, Bharati: Desirable daughters. A novel; Hyperion Books: New York; 2002, S. 211f.
2 Siehe: Mishra, Vijay: Bollywood cinema. Temples of desire; Routledge: New York & London; 2002
3 Tamil ist die Sprache des Bundesstaates Tamil Nadu, Telugu wird in Andhra Pradesh und Kannada in Karnataka gesprochen.
4 Dazu zählen in meiner Arbeit die Filme Fire (R.: Deepa Mehta) und Bhumika (R.: Shyam Benegal)
5 Mishra, Vijay: Bollywood cinema, S. 2
6 Gokulsing, K. Moti & Dissanayake, Wimal (Ed.): Indian popular cinema – a narrative of cultural change; Trentham Books: Stoke-on-Trent; 1998, S. 7
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