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Autor: Bernhard Fink
Fach: Biologie - Humanbiologie
Details
Tags: Gesicht, Attraktivität, Haut, Partnerwahl, Evolution
Jahr: 2000
Seiten: 79
Note: Sehr Gut
Literaturverzeichnis: ~ 137 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 711 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-10355-8
Textauszug (computergeneriert)
Hauttextur und weibliche Schönheit
Der Einfluß der Hautoberfläche auf die Attraktivität von
Frauengesichtern
Diplomarbeit
zur Erlangung des Titels
Magister der Naturwissenschaften
an der Formal- und Naturwissenschaftlichen Fakultät
der Universität Wien
ausgeführt am Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie
eingereicht von
Bernhard Fink
Dezember 2000
Beauty as we feel it is always something indiscribeable:
What it is or what it means can never be said.
(George Santayana, 1932)
2 Zusammenfassung ... 4
3 Vorbemerkungen und Danksagungen ... 6
4 Physische Attraktivität ... 7
4.1 Die Geschichte ästhetischen Denkens und Erlebens ... 7
4.2. Gesichtsschönheit ... 9
4.2.1 Einführung und Begriff ... 9
4.2.2 Variablen der Gesichtsschönheit ... 10
4.2.2.1 Das Regelmaß ... 10
4.2.2.2 Das Kindchenschema ... 11
4.2.2.3 Das Mensch- und Partnerschema ... 11
4.2.2.4 Gesundheit und Jugendlichkeit ... 12
4.2.2.5 Die dominante Sozialbestimmung ... 12
4.2.2.6 Das gelernte Normalgesicht ... 13
4.2.2.7 Gesichtsschönheit im Umfeld der Speisebevorzugung ... 14
4.3 Darwin´sche Ästhetik: Das Gesicht als Schauplatz von Selektionsprozessen? ... 14
4.3.1 Schönheit und das Auge des Betrachters: Weibliche Attraktivität aus der Sicht der Evolutionären Psychologie ... 14
4.3.2 Das Hamilton-Zuk-Paradigma der Parasitenresistenz ... 17
4.3.3 "Good Genes": Zahavi′s Handikap Prinzip ... 17
4.4 Die Haut - Integumentum Commune ... 18
4.4.1 Allgemeines ... 18
4.4.2 Epidermis ... 19
4.4.3 Dermis ... 21
4.4.4 Tela subcutanea ... 23
4.4.5 Physiologisch bedingte Veränderungen der Haut ... 23
5 Hypothesen ... 28
6 Die Untersuchung ... 29
6.1 Material ... 29
6.1.1 Morphing und Warping ... 29
6.2 Versuchsablauf ... 32
6.3 Auswertung ... 32
6.3.1 Grundlagen der digitalen Bildverarbeitung ... 33
6.3.1.1 Überblick ... 33
6.3.1.2 Digitalisierung von Schwarz/Weiss-Bilddaten ... 34
6.3.2 Verarbeitung des Datenmaterials ... 35
6.3.2.1 Charakterisierung digitalisierter Bilder ... 35
6.3.2.2 Texturanalyse ... 36
6.3.2.2.1 Überblick ... 36
6.3.2.2.2 Die Cooccurrence-Matrix ... 38
6.3.2.2.3 Weitere Variablen in der Untersuchung ... 43
6.3.2.2.4 Bildanalyse mit dem "Facial Explorer" ... 44
6.4 Ergebnisse ... 46
6.5 Diskussion ... 54
7 Literaturverzeichnis ... 63
8 Über den Autor - Ciriculum Vitae ... 74
2 Zusammenfassung
In vielen empirischen Studien hat sich gezeigt, daß Composites (Mittelwertbilder) weiblicher Gesichter attraktiver eingestuft werden als die Ausgangsbilder selbst (LANGLOIS & ROGGMAN, 1990; GRAMMER & THORNHILL, 1993; PERRETT, MAY & YOSHIKAWA, 1994). Dies hat zur Behauptung geführt, daß Attraktivität "Durchschnitt" sei. Allerdings zeigt sich auch, daß Durchschnittsgesichter zwar attraktiv, nicht aber die attraktivsten sind (ALLEY & CUNNINGHAM, 1991). Die Methoden der Forschungen in diesem Gebiet konzentrieren sich vor allem auf die morphometrische Veränderung von Composites mittels Grafikprogrammen am Computer und die Beobachtung deren Auswirkungen.
Bisher sehr wenig beachtet worden ist dabei der Einfluß der Hautoberfläche auf die Attraktivität eines Gesichtes. Der Grund dafür dürfte die Schwierigkeit sein, ein valides Maß für die Beschaffenheit der Hautoberfläche zu finden. In dieser Untersuchung bediente ich mich eines typischen Hilfsmittels der Texturanalyse, der sogenannten Cooccurrence-Matrix (auch Spatial Greylevel Dependence Matrix - SGLD - oder Grauwertübergangsmatrix genannt). Dabei wird versucht die Grauwertverhältnisse in der näheren Umgebung eines aktuellen Pixels zu beschreiben und somit zu aussagekräftigen Parametern für die Beschaffenheit der Haut zu gelangen.
In dieser Untersuchung wurden von den insgesamt hundert Bildern einer Photo-CDROM des japanischen Photographen Akira Gomi, die schon in einer früheren Studie hinsichtlich ihrer Attraktivität beurteilt worden waren, 20 Photos weiblicher Stimuluspersonen aller Attraktivitätsstufen ausgewählt und auf ein aus allen 100 Gesichtern gemorphtes Durchschnittsgesicht gewarpt. Durch dieses Verfahren wurde der Einfluß der Gesichtsform weitgehend reduziert und eine Attraktivitätsbeurteilung mußte nun vor allem Ausdruck der Beschaffenheit der Gesichtsoberfläche beziehungsweise der Textur sein. Siebenundzwanzig männliche Versuchspersonen hatten die Aufgabe an einem Personal Computer die randomisiert gebotenen Stimulusgesichter hinsichtlich zehn Eigenschaften zu beurteilen. Die so erhaltenen Ratings wurden mit den Parametern aus der Cooccurrence-Matrix, die auf die Gesichter angewendet wurde, korreliert. Es zeigt sich ein Trend, in bezug auf die Hautoberfläche homogenere Gesichter als attraktiver einzustufen. Dieser Trend stabilisiert sich bei wachsender Stichprobengröße. Ein Einfluß der Beschaffenheit der Hautoberfläche auf die Attraktivitätsbeurteilung konnte somit nachgewiesen werden, wobei doch auch Einschränkungen anzumerken sind.
Alle Operationen wurden bei zweidimensionalen Gesichtern durchgeführt. Es ist zweifellos so, daß dadurch Information über ein Gesicht verloren geht, die wir in Wirklichkeit aber erhalten. Um also ein noch genaueres Abbild der Realität zu schaffen wird es notwendig sein, sich auch bei diesen Untersuchungsmethoden in die dritte Dimension zu begeben. Zur Zeit gibt es dabei aber noch zu viele Probleme um wirklich sinnvolle Aussagen treffen zu können. Dennoch kann man vermuten, daß sich uns nach Bewältigung dieses Schrittes eine Fülle neuer Möglichkeiten zur Beschreibung physischer Attraktivität auftun werden.
3 Vorbemerkungen und Danksagungen
"Tempora mutantur - Die Zeiten ändern sich...", so auch in der Ethologie, einem Forschungsgebiet der Biologie, das sich bei weitem nicht mehr ausschließlich klassischer Beobachtungsmethoden bedient, sondern zusehends interdisziplinär arbeitet. Auch hier sind mathematische und informatische Hilfsmittel nicht mehr wegzudenken und glücklicherweise versteht man es immer besser, ursprünglich technische Anwendungen für die Verhaltensforschung brauchbar zu machen.
Eine der neuen Methoden in der Verhaltensbiologie ist die digitale Bildanalyse, die es gestattet Bilddaten in rechnerkonforme Datenformate zu transformieren und sie so einer Bearbeitung zur Verfügung zu stellen. In dieser Arbeit soll durch die Verwendung der Texturanalyse, einem Anwendungsgebiet der digitalen Bildverarbeitung, gezeigt werden, wie sehr sich die Verhaltensforschung weiterentwickelt hat. Neben einer ausführlichen Beschreibung der verwendeten Techniken wird aber auch auf die klassische Anthropologie verwiesen, die mit der morphologischen Beschreibung der Primaten bis hin zum Homo sapiens ein wichtiges Fundament für die Beantwortung der Frage nach den Determinanten menschlicher Attraktivität in evolutionsbiologischer Sicht bietet. [...]
4 Physische Attraktivität
4.1 Die Geschichte ästhetischen Denkens und Erlebens
Wie in so vielen menschlichen Verhaltensbereichen ist die Geschichte für die Bildung eines Konzeptes und schließlich auch für das Erleben selbst ein entscheidender Faktor. Bevor in dieser Arbeit näher auf das, was man als "schön" empfindet und bezeichnet, eingegangen wird, soll zuerst ein Blick in die Vergangenheit ein wenig Klarheit über die Wandlung des ästhetischen Erlebens bringen.
Aus der Antike ist eine Vielzahl von Schriften zur Ästhetik überliefert, die uns einen Eindruck vermitteln, welche Erklärungen man für das "Schöne" hatte. Regelmäßigkeit, Symmetrie und Maß standen in den Ästhetiken nach den Pythagoräern im Vordergrund. Es wird auch das "Mittlere", das Kanonische gelobt, weil es genau die Symmetrie aller Maße enthält. Dieser Gedanke ist gerade mit dem heutigen Stand der Attraktivitätsforschung äußerst beachtenswert und wird uns auch in dieser Arbeit noch des öfteren begegnen. Die antiken Statuen, die nach Proportionskatalogen gestaltet wurden, dienten noch den Gesundheitsbüchern des 19. Jahrhunderts als Vorbild idealer Schönheit. So wird eben auch das ästhetische Ideal des schönen Menschen nahezu bis zur Jetztzeit von den ästhetischen Theorien der Antike beeinflußt.
Trotz der oftmaligen Betonung der Proportionen des Menschen fordern zum Beispiel die griechischen Ästhetiker auch die Gewichtung des Ausdrucks. Sie meinen, daß diejenigen Menschen schöner anzusehen wären, bei denen gute Eigenschaften durchscheinen. Schönheit erscheint also als "Symptom" des edlen und guten Charakters. Auch wenn eine Differenzierung in "gut" und "schlecht" in bezug auf den menschlichen Charakter in dieser Form keine relevante Aussage darstellt, scheint das Prinzip, das dahintersteht doch einer näheren Betrachtung würdig zu sein. Es begegnet uns, wenn auch in abgeänderter Form, auch in modernen, ganzheitlichen Ansätzen der Medizin und Psychologie wieder.
Es wird hier als unbestritten vorausgesetzt, daß zum Beispiel ein zufriedener Mensch einen anderen Gesichtsausdruck besitzt als ein unzufriedener. Auch sein psychisches Gleichgewicht wird sich, von weniger kognitiven Dissonanzen charakterisiert, eher in einem homöostatischen Zustand befinden (FESTINGER, 1957). Nach Meinung der Psychoneuroimmunologie (SCHEDLOWSKI, 1996) und der psychosomatischen Ansätze in der Psychologie, erfährt der Mensch dadurch eine Rückmeldung, die sich dementsprechend positiv auf die Regelprozesse des Körpers auswirken können. Wohlbefinden und Gesundheit scheint sich also sehr wohl im Ausdruck des Menschen widerzuspiegeln und ich werde im Abschnitt 4.4.5 noch genauer auf die Bedeutung dieser Erkenntnis für die Attraktivitätsforschung eingehen.
Zu den ästhetischen Theorien der Antike zurückkehrend werden wir sehen, daß immer mehr der damaligen intuitiven Erkenntnisse auch heute ihre Entsprechung gefunden haben. So wird früher zum Beispiel immer wieder betont, wie das Gute und das Nützliche im Schönen aufgeht. Auch dies findet in heutigen Theorien von der Gesichtsschönheit eine Parallele.
Die Renaissance übernimmt die Konzepte der antiken Philosophen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Proportion und dem Verhältnis von Größen geschenkt. Man sucht die "richtige" Proportion für menschliche Schönheit. Bei Frauen werden außerdem blonde Haare, dunkle Augenbrauen und Augen sowie die weiße Haut gelobt.
Das Mittelalter hebt Einzelmerkmale der Körperschönheit hervor, wie die weiße Haut der Frauen, ein feines langes Gesicht, eine hochangesetzte Nase, schmale rote Lippen, harmonische Züge, dunkle Augen und blonde Haare oder feste Brüste, die mit Nüssen verglichen werden. Der Teint spielt eine wichtige Rolle, weil man mit ihm auch psychische Eigenschaften assoziiert. Die weibliche Haut sollte weiß, glatt und weich sein. Auch die Bilder der Zeit zeigen Schönheiten von hellerer Hautfarbe, als wir sie heute bevorzugen. Einem helleren Teint wird ein sanguinisches Temperament zugeschrieben, während man bei einem melancholischen Menschen eine dunklere Hautfarbe erwartet. Die Einmischung Rot im Teint gilt als Garant der Gesundheit und der männlichen Liebesfähigkeit.
Solche Typologien haben sich in der differentiellen Psychologie und Persönlichkeitsforschung recht lange gehalten. Im allgemeinen gelten die Theorien von Kretschmer und Sheldon heute aber als überholt und haben nur noch traditionellen Charakter (AMELANG & BARTUSSEK, 1994). Man hat erkannt, daß eine Klassifizierung in nur vier verschiedene Typen zu grob wäre. Dennoch sind es auch solche Ansätze, die auf einer gewissen Art von Beobachtung beruhen nicht so einfach von der Hand zu weisen. Gerade das Beispiel des Zusammenhanges von Liebesfähigkeit und Hautrötung wird uns noch näher zu interessieren haben.
Wir sehen, daß es für die Künstler der Jahrhunderte nicht leicht war, Gesichtsschönheit zu verwirklichen. Schwankungen im Schönheitsempfinden der Menschen mögen bei im Prinzip unverändertem Schönheitsurteil auch durch den Wechsel von beachteten Merkmalen zustande gekommen sein. Möglicherweise ist hier gerade der Punkt erreicht, wo es an der Biologie gelegen ist, diese unveränderten Schönheitsurteile als eine Determinante unseres Verhaltens, bestimmt durch unsere biologische Konstitution und unser Wesen, darzustellen.
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