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Die Zivilgesellschaft in den postsozialistischen Transformationssystemen vor dem Hintergrund des kollektivistischen Erbes

Autor: Jan Trützschler
Fach: Politik - Pol. Systeme - Allgemeines und Vergleiche

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Details

Veranstaltung: Lokale Politik und Sozialkapital im internationalen Vergleich
Institution/Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Zivilgesellschaft, Transformationssystemen, Hintergrund, Erbes, Lokale, Politik, Sozialkapital, Vergleich
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 28  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 168 KB
Archivnummer: V50317
ISBN (E-Book): 978-3-638-46560-1
Anmerkungen :
Diese Arbeit stellt den Versuch dar, die Chancen einer zivilgesellschaftlischen Entwicklung in postsozialistischen Systemen abzuschätzen.

Textauszug (computergeneriert)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Politikwissenschaft
Hauptseminar: Lokale Politik und Sozialkapital
im internationalen Vergleich
Semester: SS 2005
7. Fachsemester

Die Zivilgesellschaft in den postsozialistischen
Transformationssystemen vor dem Hintergrund
des kollektivistischen Erbes

von: Jan Trützschler

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung  S.1

II. Hauptteil S.2

1. Die institutionelle Verortung von Zivilgesellschaft zwischen Bereichs- und Interaktionslogik S.2
2. Das Antriebsmoment der Zivilgesellschaft zwischen Tugend und Interesse.S.3

2.1 Die neorepublikanische Rezeption: Zivilgesellschaft als Ausdruck von Bürgertugend S.4
2.2 Die liberale Rezeption: Zivilgesellschaft als Austragung von Interessenkonflikten S.5
2.3 Die reflexive Perspektive: Zivilgesellschaft als Verschmelzung von Tugend und Interesse S.6

3. Der Zivilgesellschaftsbegriff der Transformationsforschung S.7
4. Die Zivilgesellschaft im Transformationsprozess  S.9

4.1 Liberalisierungsphase und Aufschwung der Zivilgesellschaft S.9
4.2 Demokratisierungsphase und Boom der Zivilgesellschaft S.10
4.3 Konsolidierungsphase und Abschwung der Zivilgesellschaft S.11

5. Sozialistisches Kollektiv und demokratische Zivilgesellschaft  S.12

5.1 Das sozialistische Kollektiv: Eine Begriffsgeschichte S.13
5.2 Das Individuum im Sozialismus S.16
5.3 Individuum und Kollektiv S.18
5.4 Kollektiv und Gesellschaft S.19

6. Die Konsequenzen für die postsozialistischen Zivilgesellschaften  S.21

6.1 Das Tugendmotiv und das kollektivistische Erbe S.22
6.2 Das Interessenmotiv und das kollektivistische Erbe S.23

III. Fazit S.25

IV. Literaturverzeichnis S.26



 

I. Einleitung

Der Begriff der Zivilgesellschaft hat im Zuge des Zusammenbruchs des Ostblocks eine Renaissance erfahren. Er wurde zum Leitbegriff antitotalitärer Bürgerbewegungen und zum Symbol eines demokratischen Leitbilds. Dies scheint Grund genug, sich mit der Zukunft der Zivilgesellschaft in den nunmehr postsozialistischen Transformationssystemen auseinanderzusetzen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Chancen zivilgesellschaftlicher Entwicklungen in den jungen Demokratien, unter besonderer Berücksichtigung deren sozialistischen Erbes, abzuschätzen. Hierzu erfolgt zunächst der Versuch einer Bestimmung des Begriffs der Zivilgesellschaft aus den unzähligen vorhandenen Definitionen. Anschließend gilt es, die in der Transformationsforschung vorherrschende Auffassung über die Funktion der Zivilgesellschaft beim Systemwechsel herauszuarbeiten. In einem zweiten Schritt geht es darum, den sozialistischen Kollektivbegriff als eine der Zivilgesellschaft entgegengesetzte, vergangene aber durchaus noch wirkungsmächtige Organisationsform zu rekonstruieren, um so in einem dritten und letzten Schritt von der Kompatibilität bzw. Inkompatibilität der beiden Begriffe auf die Chancen zivilgesellschaftlicher Entwicklungen im postsozialistischen Systemen schließen zu können.

Wie sich aus der Vorgehensweise ablesen lässt, beschränkt sich diese Arbeit auf eine rein begriffliche Analyse. Empirisch anders lautende Teilbefunde können zugunsten der Aufdeckung genereller Entwicklungslinien ebenso wenig berücksichtigt werden, wie mögliche Unterschiede zwischen einzelnen postsozialistischen Systemen. Bei der Bestimmung des Kollektivbegriffs stützen sich die Ausführungen, in Ermangelung aktueller Literatur, auf eine historische Rekonstruktion mittels sozialistischer Primärquellen. Auch hier wird auf eine Ausdifferenzierung nationaler Unterschiede verzichtet. Herangezogen wurde in erster Linie soziologische Literatur aus der ehemaligen DDR. Allerdings dürften die Abweichungen in Anbetracht der ideologischen Hegemonie der damaligen Sowjetunion in diesem Zusammenhang tatsächlich kaum von Bedeutung sein.

II. Hauptteil

1. Die institutionelle Verortung von Zivilgesellschaft zwischen Bereichs- und Interaktionslogik

Derzeit lassen sich bei dem Versuch Zivilgesellschaft zu definieren zwei grundlegende Herangehensweisen feststellen. Die bereichslogische Perspektive bestimmt Zivilgesellschaft als einen selbstorganisierten Raum, der weder dem Staat, noch dem Markt oder der Privatsphäre zuzurechnen ist, wohl aber zwischen diesen vermittelt.1 Zivilgesellschaft ist damit der Raum, der institutionalisierten Nichtzugehörigkeit zu jenen drei Bereichen, zu dem Nachbarschaftshilfen, Stadtteilinitiativen und Demonstrationen ebenso gehören wie Vereine, Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen. Eine solche Definition birgt vielfältige Schwierigkeiten in sich.2 Zum einen ist - wenn überhaupt - nur äußerst schwer abzugrenzen, was den nun eigentlich zu Staat, Markt und Privatsphäre gehört und was nicht. Zum anderen müsste man, auf die Frage was Zivilgesellschaft den nun empirisch-konkret ist, mit einer Aufzählung unendlich vieler möglicher Organisationsformen antworten. Diesen Schwierigkeiten entzieht sich die interaktionslogische Perspektive, indem sie Zivilgesellschaft über ein bestimmtes Muster sozialen Handelns definiert. Dieses zeichnet sich aus durch Selbstorganisation, Selbständigkeit, Pluralität, Kompromissfähigkeit, Friedlichkeit und Gemeinwohlorientiertheit.3 Zivilgesellschaft wird also verstanden als Ausdruck der Institutionalisierung eines bestimmten Typus sozialen Handelns. In diesem Zusammenhang wird oftmals auch auf eine positive Korrelation zwischen der Stabilität von Demokratie und einer funktionierenden Zivilgesellschaft hingewiesen.4 Unbestreitbar ist das interaktionslogische Konzept in hohem Maße normativ aufgeladen. Gesellschaftliches Handeln wird unterteilt in dem Ideal entsprechende Erscheinungsformen, also die Zivilgesellschaft, und davon abweichendes Verhalten, das, obwohl es offensichtlich vorhanden ist, in der Zivilgesellschaftsdebatte keine Beachtung findet.5 Während Pluralität, Toleranz und Entgrenzung propagiert wird, erfolgt zugleich das genaue Gegenteil, nämlich die Zweiteilung der Gesellschaft in gut und böse.6 Was dann von der Zivilgesellschaft übrig bleibt, ist die „Volksgemeinschaft der Gutwilligen“7.

In Anlehnung an die bereichs- und interaktionslogische Perspektive und im Bewusstsein der jeweiligen Schwächen entwickelt die amerikanische Kultursoziologie eine Art funktionalistische Mischdefinition von Zivilgesellschaft. Diese siedelt die Zivilgesellschaft zwar bereichslogisch auch zwischen Staat, Markt und Privatsphäre an, grenzt die daraus resultierende Beliebigkeit aber dadurch ein, dass sie zivilgesellschaftlichen Trägern interaktionslogisch zugleich normative Ideale als Erkennungsmerkmal unterstellt.8 Diese normativen Ideale sind allerdings nicht universell definiert, sondern in den verschiedenen zivilgesellschaftlichen Vereinigungen durchaus verschieden.9 Sie sind zugleich auch die Kategorien, anhand derer die jeweilige Vereinigung über Inklusion und Exklusion entscheidet. D.h., „unter Zivilgesellschaft ist der öffentliche Gebrauch zu verstehen, den Bürgerinnen und Bürger von ihren Grundrechten und Kommunikationsfreiheiten machen, um sich ihrer Solidarität untereinander und/oder gegenüber Fremden zu versichern“10. Zivilgesellschaft ist demzufolge der Teil der Öffentlichkeit zwischen Staat, Markt und Gesellschaft, in dem es darum geht, Gesinnungsgenossen verschiedener normativer Haltungen zu identifizieren, zu mobilisieren und zu organisieren. Die Zugehörigkeit zur Zivilgesellschaft ist dabei ausdrücklich nicht von der Nähe zu einem bestimmten demokratischen Ideal abhängig. Die „Volksgemeinschaft der Gutwilligen“ wird damit aufgebrochen und verstellt nicht länger den realistischen Blick auf die Gesamtgesellschaft.

2. Das Antriebsmoment der Zivilgesellschaft zwischen Tugend und Interesse

[...]


1 Vgl. Gosewinkel, Dieter/Rucht, Dieter/van den Daele, Wolfgang/Kocka, Jürgen: Zivilgesellschaft - national und transnational, S.11, in: Gosewinkel, Dieter/Rucht, Dieter/van den Daele, Wolfgang/Kocka, Jürgen (Hrsg.): Zivilgesellschaft - national und transnational, Berlin 2003, S.11-26.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. ebd., S.11f. Vgl. Gosewinkel, Dieter/Rucht, Dieter: History meets sociology, Zivilgesellschaft als Prozess, S.38, in: Gosewinkel, Dieter/Rucht, Dieter/van den Daele, Wolfgang/Kocka, Jürgen (Hrsg.): Zivilgesellschaft - national und transnational, Berlin 2003, S.29-60.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Heins, Volker: Das andere der Zivilgesellschaft, Zur Archäologie eines Begriffs, Bielefeld 2002, S.79ff.

6 Vgl. ebd.

7 Grützner, Friedrich zit. nach ebd., S.80.

8 Vgl. ebd., S.79ff.

9 Vgl. ebd.

10 Ebd., S.82.

Kommentare

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