Goyas Desastres de la Guerra im Kontext druckgraphischer Zyklen zu den Schrecken... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Goyas Desastres de la Guerra im Kontext druckgraphischer Zyklen zu den Schrecken des Krieges

Autor: Yvonne Strüwing
Fach: Kunst - Grafik, Druck

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 111
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 142  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 563 KB
Archivnummer: V50348
ISBN (E-Book): 978-3-638-46588-5
Anmerkungen :
Die Abbildungen sind leider nicht dabei, aber gut durch das Abbildungsverzeichnis in Büchern zu finden.

Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit zur Erlangung des Grades einer Magistra Artium
der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Westfalen Fach: Kunstgeschichte

Goyas Desastres de la Guerra im Kontext druckgraphischer Zyklen zu den Schrecken des Krieges

vorgelegt von Yvonne Strüwing
2005

 

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung ... 5

2 Quellenbericht und kritischer Literaturüberblick ... 7

3 Entwicklung der druckgraphischen Kriegszyklen ... 10

4 Goyas Desastres de la Guerra ... 13
4.1 Goya, der Spanische Bürgerkrieg und die Restauration der spanischen Monarchie ... 13
4.1.1 Die spanische Monarchie und Napoleon - ein historischer Abriss ... 13
4.1.2 Goya als Zeuge des spanischen Unabhängigkeitskrieges und der Restauration ... 15
4.2 Allgemeine Angaben zu den Desastres de la Guerra ... 19
4.2.1 Datierung, Provenienz, Titel, Auflagen, Aufbewahrungsorte ... 19
4.2.2 Thematische Unterteilung der Desastres de la Guerra ... 25
4.2.3 Stellung der Desastres de la Guerra in Goyas druckgraphischem (?)uvre ... 26
4.2.4 Stil der Desastres de la Guerra ... 27
4.3 Bildbeschreibungen ... 29
4.3.1 Schrecken des Krieges ... 30
4.3.2 Allegorische Szenen ... 48
4.3.3 Folgen des Krieges ... 51
4.4 Goyas Stellungnahme in den Desastres de la Guerra ... 53
4.5 Zusammenfassung ... 56

5 Vorreiter aus dem 17. Jahrhundert ... 57
5.1 Jacques Callot ... 57
5.1.1 Callot und der Dreißigjährige Krieg: Frankreich und Lothringen um 1630 ... 57
5.1.2 Les Misères et les Malheures de la Guerre im Vergleich mit den Desastres de la Guerra ... 59
5.1.3 Callot und Goya: vergleichende Bildbetrachtungen ... 63
5.1.4 Zusammenfassung ... 67
5.2 Hans Ulrich Franck ... 68
5.2.1 Franck und der Dreißigjährige Krieg: Augsburg 1635-1648 ... 68
5.2.2 Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges im Vergleich mit den Misères et les Malheures de la Guerre und den Desastres de la Guerra ... 69
5.2.3 Franck und Goya: vergleichende Bildbetrachtungen ... 71
5.2.4 Zusammenfassung ... 75

6 Nachfolger aus dem 20. Jahrhundert ... 76
6.1 Otto Dix ... 76
6.1.1 Yo lo ví – Ich habe es gesehen: Dix und der Erste Weltkrieg ... 76
6.1.2 Der Krieg im Vergleich mit den Desastres de la Guerra ... 78
6.1.3 Dix und Goya: vergleichende Bildbetrachtungen ... 82
6.1.4 Zusammenfassung ... 85
6.2 Pablo Picasso ... 86
6.2.1 Picasso und der Spanische Bürgerkrieg ... 86
6.2.2 Sueño y mentira de Franco im Vergleich mit den Desastres de la Guerra ... 88
6.2.3 Picasso und Goya: Bildbetrachtungen ... 91
6.2.4 Zusammenfassung ... 93

7 Ausblick: Die Brüder Jake und Dinos Chapman und Goya ... 93

8 Schlussbetrachtung ... 95

Anhang

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGEN

 

1 Einleitung

No hay remedio. Diese Aussage untertitelt eine Szene der Desastres de la Guerra von Francisco de Goya. Sie drückt sie aus, was Krieg nimmt: alles. Krieg ist ein Zustand, der alles Positive in der Welt negiert, ein Zustand, der nahezu kompletten Destruktion. Es gibt keinen Halt, keinen Trost und keine Hoffnung mehr. Danach ist nichts mehr so, wie es einmal war: die, die überlebt haben, sind nicht nur physisch gebrandmarkt, sondern tragen auch tiefe Wunden in sich. Man versteht nicht, was Menschen sich gegenseitig im kriegerischen Wahnsinn antun können, wie der Mensch zu einer gefühlskalten Mordmaschine mutieren kann. Wo Worte versagen, Krieg zu beschreiben, bedarf es der Kunst.
Wie kann diese Grausamkeit dargestellt werden? Welche Motive hat der Krieg; kann man sie verallgemeinern, oder muss man sie als unterschiedliche zeittypische Umgänge mit Krieg klar differenzieren? Was kann und soll dem Betrachter vermittelt werden? Macht sich nicht jeder Künstler mit der Darstellung des Krieges schuldig, die Sensationslust des Betrachters zu wecken und auszunutzen? Ist es Künstlern gelungen, diesem Vorwurf zu entgehen? Bezieht der Künstler Stellung; ergreift er Partei; prangert er an?
Goya hat mit seinem Zyklus Desastres de la Guerra die Kriegsdarstellung revolutioniert. Er gibt in seiner Kunst neue Antworten auf die aufgeworfenen Fragen und schafft es insbesondere durch die Konzentration auf einzelne grausame Szenen, dass der Betrachter sich dem Schrecken aussetzen muss. Goyas Desastres sind ein Wendepunkt der Kriegsdarstellung und gelten als „das bedeutendste Mahnmal der bildenden Kunst gegen den Krieg“1 , das sich durch Goyas spezifische Formensprache auszeichnet, die dem Betrachter schonungslos die Greuel des Krieges darbietet. In dem Buch Das Leiden anderer betrachten2 behauptet Susan Sontag, dass es Goya gelingt, sich dem Vorwurf des Voyeurismus zu entziehen.
Die vorliegende Magisterarbeit stellt diesen Zyklus in einen epochenübergreifenden Kontext. Dies ist in diesem Umfang in der Kunsthistorik bisher noch nicht unternommen worden. Indem weitere druckgraphische Zyklen miteinbezogen werden, wird untersucht, ob Goyas Desastres tatsächlich einzigartig sind und ob sie die erste schonungslose Anklage gegen den Krieg sind. Es wird diskutiert, ob Goya tatsächlich den Voyeurismus in der Kriegsdarstellung überwindet. Zudem wird untersucht, wodurch sich die Desastres von weiteren druckgraphischen Serien hervorheben und abgrenzen, ob und inwiefern sie von anderen Werken beeinflusst wurden und wie weit ihr Einfluss auf nachfolgende druckgraphische Serien reicht. Für eine vergleichende Betrachtung werden einzelne Szenen der Serie ausgesucht, anhand derer Verbindungen und Abgrenzungen zu anderen druckgraphischen Bildern vorgenommen werden. Dabei werden einige vergleichende Darstellungen unternommen, die in der bisherigen Literatur nicht mit Goyas Graphiken in Verbindung gebracht worden sind.
Der chronologische Beginn der Untersuchung ist das 17. Jahrhundert mit Les Misères et les Malheures de la Guerre des Franzosen Jacques Callot. Er gilt als Wegbereiter für das kritische Darstellen von Kriegsleiden in druckgraphischen Folgen.3 Callot thematisierte das Genre des Soldatendaseins, insbesondere die Verfehlungen der Söldner und deren Bestrafungen. Ihm folgte bezüglich des Genres ebenfalls im 17. Jahrhundert vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges der Deutsche Hans Ulrich Franck mit seiner Serie Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Mit der Darstellung von soldatischen Übergriffen auf die Bevölkerung und deren Racheakten übt dieser Kritik an dem grausamen Verhalten der Menschen untereinander. Auch wenn seine druckgraphischen Kriegsdarstellungen nie einen hohen Bekanntheitsgrad in der Vergangenheit erreichten4 und es äußerst fraglich ist, ob Goya überhaupt Kenntnis von ihnen genommen hat, so ist sein Zyklus als einer der wenigen bekannten des Dreißigjährigen Krieges für das Verständnis der Entwicklung wichtig, denn schon Francks Darstellungen sind durch einen wirklichkeitsgetreuen Realismus und eine „raue Unmittelbarkeit“5 geprägt, die den Desastres erstaunlich nahe kommt. Sowohl Callots, Francks als auch Goyas Graphiken ist gemein, dass sie sich dem beschönigten Geist der herkömmlichen Historienmalerei widersetzen; in den Werken des 20. Jahrhunderts ist diese ohnehin überwunden.
Als nachfolgende Werke werden die Radierungen Der Krieg des deutschen Otto Dix und Picassos Sueño y mentira de Franco untersucht. Otto Dix’ Zyklus gilt neben Goyas Desastres mit seinen kaum zu ertragenden, schrecklichen, realistischen Darstellungen - seinem kritischen Verismus6 - als eine der bedeutendsten Anklagen gegen den Krieg.7 Picasso ist deshalb von Interesse, da es allgemein bekannt und offensichtlich ist, dass er Motive aus Goyas Serie übernommen hat.
Um Goyas Einfluss auf die kriegsdarstellende Druckgraphik bis heute aufzuzeigen, wird abschließend ein Ausblick in die zeitgenössische Kunst unternommen, denn Goyas „engagierte Kunst“ findet auch Nachfolger in der heutigen Kunstszene. Die Brüder Jake und Dinos Chapman haben ihre ganz eigenen Interpretationen von Goyas Desastres vorgenommen, indem sie unter anderem einen Originaldruck der Serie aus dem Jahre 1937 erwarben und ihn in die Formensprache der heutigen Zeit transformierten. Die politisch engagierte Künstlerin Sue Coe, die sich als Goya Verehrerin versteht, schuf 1999/2000 den Zyklus The Tragedies of the War, der Anklänge an Goyas Kriegsdarstellungen beinhaltet, was bei der Betrachtung einer Graphik Goyas aufgezeigt wird.
Nachdem der historisch-politische Hintergrund geklärt und der Künstler in Bezug dazu gesetzt wurde, wird die Einstellung des Künstlers zu dem Ereignis Krieg untersucht und seine Motivation, sich mit derartigen Grausamkeiten zu beschäftigen, durchleuchtet. Es werden die einzelnen Radierungen der unterschiedlichen Künstler nach formalen und thematischen Kriterien analysiert und mit Goyas Desastres verglichen.

[...]


1 Biedermann 1984, S. 12.
2 Sontag 2003, S. 9 ff.
3 Vgl. Biedermann 1984, S. 10.
4 Vgl. ebd., S. 11.
5 Hämmerle 1923, S. 3.
6 Vgl. Schubert 1991, S. 136.
7 Vgl. Kaulbach 1987, S. 174.
8 Vgl. Traeger 2000, S. 144.
9 Da es unzählige Exemplare der Desastres de la Guerra gibt, die sich je nach Drucker, Papier, Farbe und Abnutzung der Platten in unterschiedlichen Zuständen befinden, werden für diese Arbeit nur die Drucke untersucht, die von Goya selbst überliefert sind: Das sind die Graphiken des Bermúdez Albums, die in dem Katalog von Blas und Matilla abgebildet sind (vgl. Blas/Matilla 2000). Die Drucke von Callot und Dix sind dem Katalog von Sally Radic entnommen (vgl. Radic 2001). Picassos Graphiken sind aus dem Buch von Werner Spies (vgl. Spies 1968), und Francks Graphiken stammen aus einer Faksimile-Ausgabe von 1923 (vgl. Hämmerle 1923).

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/50348/