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Untertitel: Der Zusammenhang von Nikomachischer Ethik und Politika
Autor: Monika Skolud
Fach: Philosophie - Philosophie der Antike
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Philosophie und Geisteswissenschaften)
Tags: Aristoteles, Nikomachische, Ethik, Aristoteles, Politika
Jahr: 2005
Seiten: 27
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 207 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46610-3
ISBN (Buch): 978-3-638-75133-9
Zusammenfassung / Abstract
Das Thema dieser Arbeit ist der Zusammenhang der Nikomachischen Ethik und der Politika von Aristoteles. Ziel ist es aufzuzeigen und zu verdeutlichen, warum das Gute für den Menschen und das Gute für die Polis bei Aristoteles in dieser engen Verknüpfung stehen und auf welcher Grundlage dies geschieht. Das >Gute für die Polis<, das jede Gemeinschaft als ihr Ziel anstrebt und das >Gute für den Menschen<, das ethisch gute Handeln der Staatsbürger konvergieren, da es eine der staatsbür-gerlichen Aufgaben ist das Gemeinwohl der Polis zu realisieren. Die ethisch bestimmte Identität der Menschen ist damit nicht eine des Individuums, sondern bildet eine Einheit mit der Identität des Gemeinwesens der Polis. Nur in dieser Einheit kann es eine Lebensform verwirklichter Ethik geben. Die kleinste Einheit innerhalb der Polis ist nicht das Individuum, sondern die kleinste Gemeinschaft. Das Verhältnis der Regierenden zu den Regierten wird in der Politika untersucht und bestimmt. In der Nikomachischen Ethik stellt Aristoteles dar, was das Ziel der Menschen ist und welche Grundlagen zur Verwirklichung dieses >Guten Lebens< erforderlich sind. Die Verbindung ergibt sich durch die Konzeption des >Guten Lebens< für die Menschen, das ausschließlich in der >Guten Polis< zu verwirklichen ist. Die Ethik ist das Konzept für das >Gute Leben der Menschen< in der >Guten Polis< und die Polis ist sowohl Grundlage als auch Ziel der tugendhaften Menschen. Zum einen wird die Möglichkeit der Ausbildung der Tugend durch die Form der Polis bestimmt und zum anderen ist die Form der Polis von der ethischen Praxis der Staatsbürger abhängig. Das Gute ist bei Aristoteles ein Praktisches. Die politische Wissenschaft als Wissenschaft des menschlichen Handelns, das durch die Struktur der menschlichen Seele bestimmt wird, in dem die Menschen immer Menschen sind und gleichzeitig Prinzip der Polis, ist auch die Verknüpfung von Vernunft und Wirklichkeit. Sowohl in der Nikomachischen Ethik als auch in der Politika ist es ein Konzept der vernünftigen Handhabung der richtigen Ziele und der Kenntnis der Handlungs-bedingungen für ein realistisches Maß der Umsetzung der letzen Ziele. Dieses Konzept ist bei Aristoteles aus der Perspektive der Herrschenden dargestellt. Aristoteles steht der Herrschaft affirmativ gegenüber, so ist es ein Entwurf von oben, der Herrschaft begründet.
Textauszug (computergeneriert)
Freie Universität Berlin, Institut für Philosophie
Proseminar: Aristoteles, Politika
Wintersemester 2004/05
Aristoteles: Die Nikomachische Ethik- Der Zusammenhang
von Nikomachischer Ethik und Politika
von: Monika Skolud
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 2
2. Inhalt der Nikomachischen Ethik 2
2.1 Buch I: Bestimmung des Gegenstandes der Ethik 2
2.2 Buch II: Ethische Tugend und Verstandestugend. Die Tugend ist eine Mitte 3
2.3 Buch III: Voraussetzungen für die Tugend. Übergang zu den ethischen Tugenden 4
2.4 Buch IV: Weitere ethische Tugenden 5
2.5 Buch V: Die Gerechtigkeit 7
2.6 Buch VI: Die dianoethischen Tugenden (Verstandestugenden) 9
2.7 Buch VII: Unenthaltsamkeit und Enthaltsamkeit. Die Lust 10
2.8 Buch VIII: Die Freundschaft 13
2.9 Buch IX: Erhaltung der Freundschaft 14
2.10 Buch X: Die Lust/Freude. Die Glückseeligkeit als wahres Ziel der Menschen und Ziel staatlicher Gemeinschaft 16
3. Der Bezug zur Politika 17
3.1 Der Gegenstand der Ethik und der Politika als praktische Wissenschaft 17
3.2 Die Natur des Menschen 19
3.3 Das Gute für den Menschen und die Polis 20
3.4 Die Gerechtigkeit für den Menschen und die Anforderungen an den Gesetzgeber 21
3.5 Staat, Tugend und Gerechtigkeit in der Politika 22
4. Schluss 23
4.1 Zusammenfassung 23
4.2 Fazit/Schlussfolgerung 24
5. Literaturverzeichnis 26
1. Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit ist der Zusammenhang der Nikomachischen Ethik und der Politika von Aristoteles. Ziel ist es aufzuzeigen und zu verdeutlichen, warum das Gute für den Menschen und das Gute für die Polis bei Aristoteles in dieser engen Verknüpfung stehen und auf welcher Grundlage dies geschieht. Dazu ist es unerlässlich eine Zusammenfassung der Nikomachischen Ethik voranzustellen, denn nur aus dem Inhalt sind die Bezüge zur Politika zu verstehen und nur von hier aus zu untersuchen.
2. Inhalt der Nikomachischen Ethik
2.1 Buch I: Bestimmung des Gegenstandes der Ethik
„Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluß scheint irgendein Gut zu erstreben. Darum hat man mit Recht das Gute als dasjenige bezeichnet, wonach alles strebt.“1
Damit bestimmt Aristoteles das Ziel der Untersuchung bereits im ersten Satz. Er bezeichnet im Folgenden das höchste und vollkommenste Gut als dasjenige, dass um seiner selbst willen erstrebt wird. Dieses Gut ist die Glückseligkeit, sie ist das Endziel des Handelns. Aristoteles bestimmt den Gegenstand der Ethik als einen der leitenden Wissenschaft, diese sieht er in der politischen Wissenschaft. Denn sie bestimmt, welche Wissenschaften in den Staaten vorhanden sein müssen. Die Ethik gehört damit zur praktischen Wissenschaft im Gegensatz zur theoretischen Wissenschaft. Somit kann Aristoteles junge Menschen als ungeeignete Hörer für die politische Wissenschaft bezeichnen, da diese keine ausreichende Erfahrung in der Praxis des Lebens besitzen, die politische Wissenschaft jedoch von dieser ausgeht und sie behandelt. Kennzeichnend für das Wesen der politischen Wissenschaft ist, dass es bei ihr Unterschiede und Ungenauigkeiten gibt, so muss man sich mit einer Genauigkeit begnügen, die dem Gegenstand gerecht werden kann. Eine Genauigkeit, die die Natur des Gegenstandes zulässt, also eine die sich damit zufrieden geben muss „...in groben Umrissen das Richtige anzudeuten;“2
Was genau ist dieses höchste Gut: Glückseligkeit? Diese Frage löst sich, wenn nach den Leistungen gefragt wird, die dem Menschen eigentümlich sind. Es sind dies drei. Erstens das Leben der Ernährung, zweitens das Leben der Wahrnehmung und drittens das Leben in der Betätigung des vernunftbegabten Teils der Seele. Da die Menschen die ersten beiden Lebensformen mit den Pflanzen bzw. Tieren gemein haben, bleibt nur anzunehmen, dass das Gute für den Menschen die beste und tugendgemäße Tätigkeit der Seele ist. Dieser Dreiteilung entspricht die Dreiteilung der Güter, in äußere, körperliche und seelische Güter. Der Glückselige bedarf auch der äußeren Güter. Das Ziel, die Glückseligkeit wird bestimmt als eine Handlung und eine Tätigkeit. Der Glückselige ist sein Leben lang glückselig, er kann nicht unselig werden, jedoch auch manchmal nicht vollständig selig. Glückselig ist er jedoch immer als Mensch.
„...die Glückseligkeit ist ein Ursprung, denn um ihretwillen machen wir alles übrige; [...] Da die Glückseligkeit eine Tätigkeit gemäß der vollkommenen Tugend ist, so haben wir nun nach der Tugend zu fragen.“3 Die Seele ist geteilt in einen vernunftlosen und einen vernunftbegabten Teil. Innerhalb des vernunftlosen Teils gibt es einen der zwar vernunftlos ist und dennoch irgendwie an der Vernunft teilhaben kann, der Vernunft gehorchen kann. Er kann dies durch Zurechtweisung, Tadel und Ermahnung. Tugenden sind lobenswerte Verhaltensweisen, das Ziel der Tugend ist das Beste.
2.2 Buch II: Ethische Tugend und Verstandestugend. Die Tugend ist eine Mitte
Die Frage nach der Tugend ist auch die Frage nach dem Ziel dieser Erörterung. Die Fragestellung dieser Untersuchung ist nicht, was die Tugend ist, sondern wie wir tugendhaft werden. Aristoteles erklärt, dass das Ziel dieser Untersuchung nicht der reinen Forschung dienen soll, sondern der Prüfung der Handlungen, da sie entscheidenden Einfluss auf die Eigenschaften der Handlungen haben. Die Eigenschaften entstehen aus den entsprechenden Tätigkeiten. Bei den Handlungen gibt es nichts Beständiges. Aristoteles teilt die Tugenden in die verstandesmäßigen Tugenden und die ethischen Tugenden. Erstere entstehen durch Belehrung und bedürfen deshalb der Erfahrung, der Zeit und der Erziehung. Sie sind lobenswerte Verhaltensweisen des rationalen Seelenteils. Sie sind es auch, die dem Menschen die Erkenntnis der Wahrheit ermöglichen. Die ethischen Tugenden ergeben sich aus der Gewohnheit, aus Belehrung und Übung. Sie sind Verhaltensweisen des irrationalen Seelenteils und eine Qualität des Charakters. Somit wird auch deutlich, dass die ethischen Tugenden uns nicht von Natur aus gegeben sind. Die ethische Tugend bezieht sich auf Handlungen und Leidenschaft, insbesondere auf Lust und Schmerz.
„Denn wegen der Lust tun wir das Schlechte, und wegen des Schmerzes versäumen wir das Gute. Also müssen wir gleich von Jugend an dazu erzogen werden, wie Platon sagt, daß wir Freude und Schmerz empfinden, wo wir sollen.“4 Eine Handlung ist nicht schon dadurch tugendhaft, dass sie sich in gewisser Weise verhält, sondern erst, wenn der Handelnde in entsprechender Weise handelt: „Erstens wissentlich, dann auf Grund einer Entscheidung, und zwar einer solchen um der Sache selber willen, und drittens, wenn er im Handeln sicher und ohne Wanken ist.“5
Die Bestimmung des Wesens der Tugend im Allgemeinen ist: sie ist ein Habitus des Wählens, der Entscheidung und des Handelns, sie ist eine Eigenschaft. Eigenschaften gehen durch Mangel und Übermaß zugrunde und werden durch ein Mittelmaß bewahrt. In allem Teilbaren gibt es ein Mehr, ein Weniger und ein Gleiches, das Gleiche ist eine Art Mitte zwischen Übermaß und Mangel. Die Tugend zielt auf die Mitte. Tugendhaft handeln heißt: zu tun wann und wobei man es soll, wem gegenüber, wozu und wie. Das ist die Mitte und das Beste und dies kennzeichnet die Tugend. Die ethische Tugend, an der sich Übermaß, Mangel und Mitte befinden, ist eine Mitte, weil sie die Kunst ist in den Leidenschaften und Handlungen auf die Mitte zu zielen und das Richtige zu treffen. Die Bestimmung des Wesens der Tugend im Besonderen ist: sie ist ein Habitus durch den wir die vernünftige Mitte treffen und sie ist nach der Vollkommenheit das Höchste. Demgemäss ist die Tugend ein Verhalten der Entscheidung in Bezug auf uns und eine Mitte, die durch Vernunft bestimmt wird. In allen Dingen ist die Mitte zu loben und die Extreme zu tadeln. Der Gegensatz der Extreme ist größer als der zur Mitte und einmal ist das Übermaß und einmal der Mangel der größere Gegensatz. Auch gibt es nicht überall eine Mitte, z.B. bei Mord, Ehebruch und Neid. So ist es anstrengend tugendhaft zu sein, weil es mühsam ist überall die Mitte zu treffen.
„...so muß man […] das geringste der Übel wählen. [...] In allem muß man am meisten auf das Lustvolle und die Lust achten. Denn sie beurteilen wir nicht unbefangen. [...] Wenn wir so handeln, werden wir, im ganzen gesagt, am ehesten die Mitte treffen.“6
2.3 Buch III: Voraussetzungen für die Tugend. Übergang zu den ethischen Tugenden
[...]
1 Aristoteles: Nikomachische Ethik. Aus dem Griechischen und mit einer Einführung und Erläuterungen versehen von Olof Gigon. München 1991. NE I 1, 1094 a1- 3
2 Ebd. NE I 1, 1094 b 20
3 Ebd. NE I 12, 1102 a 2 und I 13, 1102 a 5- 7
4 Ebd. NE II 2, 1104 b 10- 13
5 Ebd. NE II 3, 1105 a 28- 32
6 Ebd. NE II 9, 1109 a 35, 1109 b 6 und 1109 b 11
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