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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 31 Pages
Author: Martin Beinhauer
Subject: Sport - Sport Sociology
Details
Institution/College: University of Dusseldorf "Heinrich Heine" (Institut für Soziologie)
Tags: Fluchtpunkt, Körper, Entwicklung, Sport, Körper, Moderne, Soziologie, Sports, Methodologische, Probleme
Year: 2001
Pages: 31
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 44 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46784-1
File size: 204 KB
Untersuchung über den Körper als soziales Gebilde und seine Bedeutung im Sport. Theorie: Systemtheorie.
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Excerpt (computer-generated)
Heinrich Heine Universität Düsseldorf
Seminar: Soziologie des Sports
Methodologische und inhaltliche Probleme
Hausarbeit
Fluchtpunkt Körper
Zur Entwicklung von Sport und Körper in der Moderne
eingereicht von:
Martin Beinhauer
Wintersemester 2000/2001
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Ansatz
2.1. Systemtheorie
2.1.1. System-Umwelt Theorie
2.1.2. Codierung und Programmierung
3. Das Sportsystem
3.1. Entdeckung und Entwicklung des Sports
3.1.1. Autonomisierungsprozesse des Sports
3.1.2. Fortgeschrittener Wandel
3.2. Soziale Differenzierung/ Binnendifferenzierung
4. Der Körper als soziales Gebilde
4.1. Leib-Sein und Körper-Haben
4.2. Die soziale Formung des Körpers
4.3. Körper und gesellschaftliche Entwicklung
5. Körper und Sport
5.1. ‚Ich‘, der Körper
5.2. Körperdistanzierung
5.3. Körperthematisierung
5.4. Kultkörper des Sports
6. Schluß
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Das journalistische Bonmot vom ‚Sport als schönster Nebensache der Welt‘ mag zunächst einladend und stimmig klingen. Nimmt man allerdings die Präsenz des Sports in unserer Gesellschaft genauer unter die Lupe, so stellt sich schnell heraus, daß Sport wesentlich mehr ist als eine zu vernachlässigende Nebensächlichkeit. Empirischen Untersuchungen zu folge treiben über die Hälfte der Menschen in diesem Land Sport, bzw. geben dies an1 (vgl. Rittner, 1994). Der Sport hat nicht nur eine beachtenswerte Expansion hinter sich, – insofern sich Sporttreibende vermehrt, Vereins- und Verbandszahlen gestiegen sind und die organisatorische Komplexität gesteigert wurde – er hat sich auch in bezug auf seine qualitativen Inhalte gewandelt. Unter Sport fallen nicht mehr nur die traditionellen Disziplinen wie Fußball, Tennis, Schwimmen, Leichtathletik usf., sondern auch Extremsportarten, Meditations- und Kampfsportarten asiatischer Herkunft oder Darstellungskünste wie Jonglieren. Abgesehen von der schwierigen Frage der Sportdefinition ist festzustellen, daß im Zuge des gesellschaftlichen Wandels der Sport und seine Organisation Formen angenommen hat, der sich die wissenschaftliche Forschung, speziell in diesem Fall die Soziologie, stellen muß, da die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und dem Sport immer mehr zunehmen. Kulturelle, politische und vor allem wirtschaftliche Phänomene sind mit der Entwicklung im Sport eng verknüpft und beeinflussen einander stark. Diese Prozesse deuten auf einen erfolgreichen Werdegang, so daß schon von der „‚successstory‘ des modernen Sports“ (Rittner, 1994, S.23) gesprochen wird.
Grund hierfür sind unter anderem die geänderten Einstellungen zum und Wahrnehmungen des hauptsächlichen ‚Instruments‘ des Sports, dem Körper. Unzählige Medien kommunizieren den Körper. „Streife ich sonntags durch den Wald und über die Felder, lese ich die Werbeanzeige für das x-te neueröffnete Fitneß- oder Bräunungsstudio am Ort, halte ich die erste Ausgabe des x-ten Magazins für ‚den Typ mit dem sportiven Lebenstil‘ in der Hand oder eine der Spezialzeitschriften für Body-Builder, Mountain-Biker, Rafter usw., erreicht mich die x-te Aufforderung, an einem Fitneß-, Trimm-Dich-, Diät (‚Welcher Fett-Typ sind Sie?‘) oder Raucherentwöhnungskurs der ‚Gesundheitskasse‘ teilzunehmen und im Shop derselben den Gymnastikball und die Gymnastikmatte zu erwerben, weiß ich: Der Körper hat Konjunktur. Die Arbeit an ihm, die Beschäftigung mit ihm, die Sorge um ihn, seine Verbesserung, Verschönerung und Veränderung sind das Gebot der Stunde“ (Handschuh- Heiß, 19.., S.167).
Der Körper macht also Karriere. Mit ihm befassen sich Fachleute von Medizinern bis Meditationskünstlern, nehmen ihn auseinander, zerlegen ihn und setzen ihn wieder neu zusammen. Bald soll es den geklonten Menschen geben. Für Erfolge im Sport werden Körper malträtiert und letzte Reserven von ihm mobilisiert. Das „Experimentieren bis zum Kollaps“2 ist längst Realität und ist Ausdruck eines körperlich-technischen Wettrüstens um unbedingte Leistung. Dabei ist zu konzedieren: „Wir sind in vielen Disziplinen am Limit angekommen, und in einigen haben wir es bereits überschritten.“3
Der Anstieg des Interesses am Körper ist aber nicht vom Himmel gefallen, sondern findet seine Ursachen in zu untersuchenden Sachverhalten. Wie ist es zu erklären, daß der Körper trotz scheinbarer Unwichtigkeit angesichts immenser Rationalisierungs- und Technologisierungsprozesse, die den Roboter als Menschenersatz schon hervorgebracht haben, in der heutigen Gesellschaft eine solche Nachfrage erfährt? Welche Funktion erfüllt der Körper in unserer Gesellschaft und wie tut er das? Warum kann der Körper als Fluchtpunkt dienen?
Einer Analyse gesellschaftlicher Prozesse, die der Beantwortung dieser Fragen nützlich sein könnte, ist die vorliegende Arbeit gewidmet.
Es soll das Verhältnis von Körper und Gesellschaft unter der Bedingung fortgeschrittener Modernität nachgezeichnet werden. Dabei kommt dem Sport die Rolle zu, als soziales System entscheidender Einflußfaktor für moderne Körperlichkeit zu sein. Der Sport nimmt wie kein anderes Subsystem der Gesellschaft bezug auf den Körper. Aus der Perspektive der neueren soziologischen Systemtheorie sollen die Zusammenhänge zwischen Sport, Gesellschaft und Körper genauere Betrachtung erfahren. Dabei geht es zunächst darum, den theoretischen Hintergrund zu beleuchten und Verbindungen zwischen Sport und Gesellschaft herzustellen. Danach werden Ausführungen über die gesellschaftliche Determinierung des Körpers folgen, um die Intensität der körperlichen Bedingtheit vom Sozialen zu zeigen. Danach wird den Vorgängen der historischen Körperdistanzierung und der neuen Körperthematisierung nachgegangen. Zum Schluß soll die Frage nach der Faszination des bewegten Sportkörpers beantwortet werden
[...]
1 Da Sport oder sportliche Bewegung ein positiv bewertetes Handeln ist, verzerren sich Umfragen leicht insofern, als Befragte den Wunsch nach sportlicher Betätigung mit tatsächlichem sportlichen Handeln gleichsetzen.
2 So die Überschrift eines Spiegel-Artikels in der letzten Ausgabe vor den olympischen Spielen 2000 in Sydney.
3 Wolfgang Baumann, Professor für Biomechanik in Köln, in selbiger Spiegel-Ausgabe.
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