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Die zentralen Motive in E.T.A. Hoffmanns Werk 'Der Sandmann' unter dem Aspekt der Realität und Einbildungskraft

Termpaper, 2004, 21 Pages
Author: Charlotte Diez
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V50873
ISBN (E-book): 978-3-638-46993-7
ISBN (Book): 978-3-638-59823-1
File size: 214 KB

Abstract

In dieser Hausarbeit wird die Autorin sich mit den Leitmotiven aus dem "Sandmann" beschäftigen. Zuerst wird sie unter dem Aspekt der Realität und der Einbildungskraft im "Sandmann" den Terminus "Nachtstücke" und den Aufbau der Novelle untersuchen und kurz auf das Werk im Kontext seiner Zeit eingehen.


Excerpt (computer-generated)

FU Berlin

Die zentralen Motive in
E.T.A. Hoffmanns Werk „Der Sandmann“ unter
dem Aspekt der Realität und Einbildungskraft

von

Charlotte Diez

 

 

INHALT

1. Einleitung - Die Forschungsliteratur zu E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" 3

2. Realität und Einbildungskraft im "Sandmann" 4
2.1. Die Nachtstücke 4
2.2. Der Sandmann - ein typisches Werk der Romantik? 6
2.3. Der Aufbau des Werkes 9
2.4. Nathanaels prägendes Kindheitserlebnis als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung im Erwachsenenalter 10

3. Die zentralen Motive der Novelle "Der Sandmann" 11
3.1. Das Augenmotiv 11
3.2. Die Alchimie 13
3.3. Das Automatenmotiv 14
3.4. Die Doppelgängermotive 17
3.5. Das Motiv des Feuers im Schlussteil der Novelle 19

4. Resümee 20

5. Literaturverzeichnis 21
5.1. Primärliteratur 21
5.2. Sekundärliteratur

 

 

1. Einleitung - Die Forschungsliteratur zu E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"

Wie Ulrich Hohoff in seinem Vorwort seiner Arbeit über den "Sandmann" erwähnt, ist die Zahl Literaturwissenschaftlicher Arbeiten zu den Werken E.T.A. Hoffmanns in den "vergangenen 15 Jahren" sprunghaft gestiegen.

Neben dem "Meister Floh" und den Romanen stehen Erzählungen aus den "Serapionsbrüdern" und das Nachtstück "Der Sandmann", auf dessen Leitmotive ich mich in meiner Arbeit konzentrieren werde, im Mittelpunkt der Forschung. Er gehört, wie Hartmut Steinecke in seiner Studie über Hoffmann bemerkt, zu den deutschen Werken des 19. Jahrhunderts, die in den letzten beiden Jahrzehnten am häufigsten übersetzt und interpretiert wurden.

Der "Sandmann", der von Eckart Kleßmann als "vielleicht radikalstes Erzählexperiment" und als "Meistererzählung" gesehen wird, hat Interpreten zu vielfältigen Deutungen verführt. Diese Vielfältigkeit der Interpretationen entspricht für Sabine Hillebrand, die in "Strategien der Verwirrung" über die Erzählkunst, u.a. bei Hoffmann spricht, der Polyphonie des Textes. Nur die "extreme Offenheit des Hoffmannschen Werkes" lässt "so verschiedene Lesearten" überhaupt zu. Marion Bönnighausen gibt in ihrer Abhandlung über den Sandmann einen "kurzen Überblick über die wichtigsten Deutungen, [...] die seit den siebziger Jahren erschienen sind." Der nur kurze Überblick deshalb, weil "die Fülle der Veröffentlichungen zum Sandmann eine vollständige Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur unmöglich macht,...".

Das Unheimliche und Rätselhafte der Erzählung wird nach Marion Bönnighausen noch unterstützt, da Hoffmann verschiedene Motivstränge zu einem Motivkomplex vereinigt. Durch die Verknüpfung mehrerer Motivkomponenten miteinander, die sich teilweise untereinander sogar widersprechen, kann keine homogene Deutung der Motive entstehen, somit widersetzt sich diese innere Widersprüchlichkeit der Motive einem eindeutigen Aufklärungsversuch. Wohl auch ein Grund für die Masse an Literatur die versucht, die Erzählung begreiflich aufzuschlüsseln. Einen weiteren Grund für die Fülle der Sekundärliteratur sieht sie darin, dass "Der Sandmann" wie "kaum ein anderes literarisches Werk" deutlich macht, "dass die Konstituierung eines eigentlichen Gehaltes, einer eigentlichen Bedeutung der inhaltlichen Aussage nicht hinreichend gerecht wird."

Fast alle Beiträge zur Interpretation beschäftigen sich mit einem oder mehreren optischen Phänomenen des Textes. Sie erörtern vornehmlich die Augenangst Nathanaels, das Motiv des Augenraubs, die Rolle des Perspektivs, Modifikationen des Sehens im "Sandmann" - das Erkennen, das Geistersehen, die Charakterisierung von Figuren durch deren Blick.

Über die Verknüpfung der Augenangst und Genese des Wahnsinns existiert aus psychopathologischer Sicht eine reiche Forschungsliteratur, wie Sigmund Freuds Analyse des "Sandmann" in seiner Studie "Das Unheimliche" (1919).

Sabine Hillebrand, die ebenfalls unter anderem das Augenmotiv anspricht, stellt sogar fest, Freud hätte anhand des "Sandmann" die Grundelemente der Psychoanalyse, wie Traum, Wahnsinn, Angst und Komplexe, entwickelt. Steinecke vertieft diese Aussage indem er sagt, dass seit Freuds Studie, in deren Mittelpunkt "Der Sandmann" steht, die Kernprobleme des Stückes immer wieder mit Begriffen der Psychoanalyse interpretiert werden: Die Furcht Nathanaels vor dem Augenverlust als Kastrationsangst, die Aufspaltung der Vaterimago in einen guten und schlechten Vater (Coppelius), die Selbstbezüglichkeit Nathanaels als Narzissmus.

In meiner Hausarbeit werde ich mich mit den Leitmotiven aus dem "Sandmann" beschäftigen, aber zuerst werde ich unter dem Aspekt der Realität und der Einbildungskraft im "Sandmann" den Terminus "Nachtstücke" und den Aufbau der Novelle untersuchen und ich werde kurz auf das Werk im Kontext seiner Zeit eingehen.

2. Realität und Einbildungskraft im "Sandmann"

2.1. Die Nachtstücke

Der zweiteilige Zyklus die "Nachtstücke" erschienen Ende 1816 und waren ein Nachfolger von Hoffmanns "Fantasiestücken".
Hillebrand sieht die terminologische Herkunft des Titels "Nachtstücke" in einem Fachausdruck der Malerei, wo "Stück" soviel wie "Gemälde" bedeutet. Sie sieht eine Parallele zur Dominanz der dunklen Farbgebung in den Erzählungen zu dem Genre der dunkel gehaltenen Gemälde von beispielsweise Antonio Correggio, Rembrandt oder Pieter Breughels d.J., die nach Hillebrands Aussage alle "Vor-Bilder" Hoffmanns waren.

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