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Autor: Benedikt Fuchs
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Zentrum für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Tags: Entwicklung, Organisationsstruktur, Radios, Medienkultur, Unterhaltung
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 95 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47006-3
ISBN (Buch): 978-3-638-76481-0
Zusammenfassung / Abstract
In meiner Abhandlung über das deutsche Radio und die Entwicklung seiner Organisationsstruktur zwischen 1945 und 1961 möchte ich im Sinne eines mediengeschichtlichen Abrisses versuchen zu beleuchten, wie sich die deutsche Rundfunklandschaft der frühen Nachkriegszeit entwickelte und welchen Einflüssen und Veränderungen sie dabei ausgesetzt war. Es wird dabei darzustellen sein, wie zunächst die Alliierten auf den Trümmern der Infrastruktur des NS-Rundfunks, der wie weite Teile Deutschlands fast vollständig zerstört war, aus einer „stunde Null“ heraus das neue deutsche Radio der Nachkriegs- Zeit schufen und es unter ihrer Kontrolle in einer Weise gestalteten, die sich von allen vorherigen deutschen Organisationsformen des Radios unterschied. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll dann geschildert werden, wie ab dem Ende der 40er Jahre, vor allem nach der Gründung der BRD im Jahre 1949, die wiedererstarkte deutsche Politik versuchte den „frisch geschaffenen“ öffentlichen-rechtlichen Rundfunk in ihrem Sinne zu beeinflussen. Der daraus erwachsende politische Diskurs zwischen Bundesregierung und Alliierten, vor allem aber zwischen Bund und Ländern, wird in diesem Kontext ein weiteres wichtiges Thema darstellen. Die rundfunkpolitischen „Irrungen und Wirrungen“ der 50er Jahre sollen dann bis zum Jahre 1961 verfolgt werden, wo sie ihren Ausgang fanden. Ziel eines abschließenden Fazits soll es sein, die wichtigsten Grundlinien der Entwicklung noch einmal kurz zusammenzufassen und zu versuchen diese zu bewerten.
Textauszug (computergeneriert)
Die Entwicklung der Organisationsstruktur des deutschen
Radios zwischen 1945 und 1960
von: Benedikt Fuchs
Sommersemester 2004, 4. Fachsemester
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG: INHALT, AUFBAU UND INTENTION DER ARBEIT S. 1
2.1 1945-1949: RADIO UNTER ALLIERTER KONTROLLE S. 2
2.2 1949-1961: DAS RADIO IN DER BRD UND DER POLITISCHE DISKURS S. 7
3. 1945-1961: EINE BILANZ S. 15
4. BIBLIOGRAPHIE S. 17
1.) Einleitung: Inhalt, Aufbau und Intention der Arbeit
In meiner Abhandlung über das deutsche Radio und die Entwicklung seiner Organisationsstruktur zwischen 1945 und 1961 möchte ich im Sinne eines mediengeschichtlichen Abrisses versuchen zu beleuchten, wie sich die deutsche Rundfunklandschaft der frühen Nachkriegszeit entwickelte und welchen Einflüssen und Veränderungen sie dabei ausgesetzt war. Es wird dabei darzustellen sein, wie zunächst die Alliierten auf den Trümmern der Infrastruktur des NS-Rundfunks, der wie weite Teile Deutschlands fast vollständig zerstört war, aus einer „stunde Null“ heraus das neue deutsche Radio der Nachkriegs- Zeit schufen und es unter ihrer Kontrolle in einer Weise gestalteten, die sich von allen vorherigen deutschen Organisationsformen des Radios unterschied.
Im weiteren Verlauf der Arbeit soll dann geschildert werden, wie ab dem Ende der 40er Jahre, vor allem nach der Gründung der BRD im Jahre 1949, die wiedererstarkte deutsche Politik versuchte den „frisch geschaffenen“ öffentlichen-rechtlichen Rundfunk in ihrem Sinne zu beeinflussen. Der daraus erwachsende politische Diskurs zwischen Bundesregierung und Alliierten, vor allem aber zwischen Bund und Ländern, wird in diesem Kontext ein weiteres wichtiges Thema darstellen. Die rundfunkpolitischen „Irrungen und Wirrungen“ der 50er Jahre sollen dann bis zum Jahre 1961 verfolgt werden, wo sie ihren Ausgang fanden. Ziel eines abschließenden Fazits soll es sein, die wichtigsten Grundlinien der Entwicklung noch einmal kurz zusammenzufassen und zu versuchen diese zu bewerten.
Beim Lesen des Textes wird sicherlich nicht unbemerkt bleiben, dass wenn von „den Alliierten“ die Rede ist, fast ausschließlich die Westalliierten gemeint sind und dass die Darstellung sich auf die Entwicklung des Radios in den drei westlichen Besatzungszonen, aus denen dann die BRD entstand, beschränkt. Dies liegt ganz einfach daran, dass die Russen in ihrer Besatzungszone schon sehr früh ganz eigene Pläne für einen zentralistischen Staatsrundfunk hatten, den man dann nach Beginn der Berlin-Blockade und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu den anderen Besatzungsmächten für die DDR umzusetzen begann. Eine ausführliche Darstellung, die diesen autonomen Entwicklungen gerecht werden wollte, hätte den ohnehin schon knapp bemessenen Rahmen der Darstellung vollkommen gesprengt.
Außerdem sei noch angemerkt, dass die Beschreibung der sehr komplexen, vielschichtigen und teilweise auch simultan verlaufenden Entwicklungen des deutschen Rundfunks, die in der Forschungsliteratur oft nur bruchstückhaft dargestellt sind, eine chronologische Form der Darstellung sehr schwierig macht. Ich habe dennoch versucht die Arbeit chronologisch zu strukturieren. Ab und an war es allerdings unabdingbar diese Form zu verlassen, um eine thematische „Zerstückelung“ zu vermeiden.
2.1) 1945-1949: Radio unter alliierter Kontrolle
Nach der Kapitulation des deutschen Reiches am 9. Mai 1945 war neben weiten Teilen des Landes auch der großdeutsche Rundfunk der NS-Zeit vernichtet und damit für das deutsche Radio eine „Stunde Null“ (Dussel 1999, 181) erreicht. Trotz der Wirren der letzten Kriegstage und den teilweise immer noch sattfindenden Scharmützeln mit den „Überbleibseln“ des deutschen Widerstandes, herrschte aber erstaunlicherweise zu keiner Zeit Funkstille in Deutschland: Schon 9 Tage bevor der letzte Reichssender geschlossen wurde begannen die britischen Besatzer aus dem Hamburger Funkhaus zu senden. „Am 13. Mai 1945 ließen die Sowjets aus einem Übertragungswagen über den Sender Tegel verkünden: „Achtung! Achtung! Hier spricht Berlin“ (Bausch 1980,15). Dies waren die frühesten Lebenszeichen des deutschen Rundfunks unter alliierter Kontrolle. Im übrigen Deutschland „gelang es kleinen Spezialeinheiten der amerikanischen Besatzungstruppen, den Betrieb für die Sender der Militärregierungen innerhalb weniger Wochen in Gang zu setzen.“ (Bausch 1980, 15). In der amerikanischen Besatzungszone ging als erster Sender Radio Bremen am 23. Dezember 1945 auf Sendung, während es in der französischen Zone am 14. Oktober 1945 der ehemalige Nebensender Koblenz war, der zuerst den Sendebetrieb aufnahm. Der Südwestfunk startete sein Programm erst am 31. März 1946.
Beim Wiederaufbau des deutschen Radiowesens wurde zwar die aus der NS-Zeit noch erhaltene Infrastruktur und Sendetechnik, wie zum Beispiel einige noch mehr oder weniger intakte Einrichtungen des alten Norddeutschen Rundfunks in der britischen Zone, mitbenutzt, aber davon abgesehen gab es keinerlei Verbindung des deutschen Rundfunks der Nachkriegszeit mit „jenem gigantischen Propagandaapparat eines totalitären Regimes, das jedermann vor [...] Augen geführt hatte, wie das [...] publizistische Instrument Rundfunk als „Führungsmittel“ eines allmächtigen Einparteienstaats zu missbrauchen war.“ (Bausch 1980, 13). Der Staatsrundfunk der NS-Zeit „bestimmte weitgehend das Bild, das sich die Alliierten vom deutsche Rundfunk machten.“ (Halefeldt 2001, 1420). Dementsprechend sollte natürlich beim Aufbau des „neuen deutschen Radios“ eine Wiederkehr dieses Schreckensbildes in den einzelnen Besatzungszonen verhindert werden. Die regionalen Radiostationen, die in den Jahren 1945/46 sozusagen „auf den Trümmern des NS-Rundfunks“ (Halefeldt 2001, 1420) errichtet wurden, nahmen die Alliierten also zunächst als Besatzungssender vollständig unter ihre Kontrolle und beließen sie auch, wie sich im weiteren Verlauf der Arbeit zeigen wird, für längere Zeit in diesem Zustand. Allerdings wurden bereits von Beginn an deutsche Mitarbeiter, die „eine politisch „weiße Weste“ vorzeigen konnten“ (Bausch 1980, 15) bei der Programmgestaltung mit einbezogen.
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