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Autor: Anne Bohnet-Waldraff
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Details
Tags: Carsch-Haus, Düsseldorf, Warenhausarchitektur, Deutschland
Jahr: 2004
Seiten: 95
Note: 2,8
Literaturverzeichnis: ~ 53 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 5631 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47030-8
ISBN (Buch): 978-3-638-93613-2
Benotung: 2,8 (Arbeit), 2,2 Magister-Note insgesamt
Zusammenfassung / Abstract
Das Carsch Haus zählt in Düsseldorf neben dem Mannesmann (heute Vodafone) Verwaltungsgebäude von Peter Behrens und der inzwischen abgebrochenen Neuen Akademie von Karl Wach zu dem markantesten Beispiel des Neoklassizismus. Das Carsch Haus wurde 1913/14 nach Plänen des Architekten Otto Engler im Zentrum von Düsseldorf neben dem bereits vorhandenen Kaufhof erbaut. Der Standort des Carsch Hauses verbindet die Altstadt mit dem moderneren Stadtzentrum, deshalb mussten die Vorder- und die Rückfront den jeweiligen Ansprüchen gerecht werden. Dieses Problem hatte der Architekt Otto Engler aber schon bei anderen Bauten erfolgreich gelöst. Und so gilt auch für das Carsch Haus, dass es im Einklang mit den bestehenden Stadtstrukturen zur Zeit seiner Erbauung stand. Es fügte sich in die vorhandene Architektur problemlos ein und war kein Fremdkörper wie es oft bei Nachfolgebauten festzustellen ist. Das Ensemble bestehend aus Kaufhof (Jugendstil), Carsch Haus (Neoklassizismus) und Wilhelm-Marx-Haus (Expressionismus) prägt das Düsseldorfer Stadtbild nachträglich. 1979 war die Verkehrssituation am Südende der Heinrich-Heine-Allee unbefriedigend und sollte geändert werden. Da sich das Carsch Haus zu dieser Zeit in einem desolaten Zustand befand, wurde diskutiert, ob sich eine Renovierung des Innen- und Außenraumes lohnen würde oder ob ein Abriss des Carsch Hauses in Frage käme. Schnell war klar - Ein Abriss kam nicht ohne weiteres in Frage, da das Carsch Haus ein Kultur- und Bürgerzentrum im Herzen Düsseldorfs war und es Überlegungen gab das Carsch Haus in die Denkmalliste der Stadt Düsseldorf aufzunehmen. Eine andere Lösung musste gefunden werden. So entstand die Idee einer Versetzung – das Carsch Haus sollte von seinem bisherigen Standort weichen, ohne ganz aus dem Stadtbild Düsseldorfs zu verschwinden. 1979 wurde nach langen Diskussionen mit der Versetzung des Carsch Hauses begonnen. Stein für Stein wurde die Fassade abgetragen, das ganze Haus nach hinten versetzt und die Fassade wieder aufgebaut. Noch heute kann man die Schnitt-Stellen sehen, an denen - die meist polnischen Handwerker - die Fassade auseinander gebaut und wieder aufgestellt haben. Das Buch befasst sich mit der Versetzung des Carsch Hauses und der frühen Warenhausarchitektur und beleuchtet die unglaubliche Arbeit der Handwerker, die das Carsch Haus versetzt haben.
Textauszug (computergeneriert)
Hausarbeit zur Erlangung des Grades Magistra Artium der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Das Carsch Haus in Düsseldorf und die frühe Warenhausarchitektur in Deutschland
Von Anne Bohnet-Waldraff
2004
Inhaltsverzeichnis
1. DAS CARSCH HAUS IM WANDEL DER ZEIT ... 1
2. DAS FRÜHE 20. JAHRHUNDERT ... 5
2.1 IDEOLOGIE DER WARENHAUSARCHITEKTUR ... 5
2.2 BAUVORSCHRIFTEN UND DIE DARAUS RESULTIERENDE WARENHAUSARCHITEKTUR ... 10
2.3 GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG DER WARENHAUSARCHITEKTUR ... 13
2.4 DER ARCHITEKT OTTO ENGLER, DAS CARSCH HAUS IN DÜSSELDORF UND SEIN VORGÄNGERBAU IN GENF ... 30
2.5 AUSWAHL DES STANDORTES UND DIE ENTWICKLUNG DER HEINRICH-HEINE-ALLEE ... 35
2.6 ENTSTEHUNG DES CARSCH HAUSES: FASSADE, INNENRAUMGESTALTUNG UND RÜCKFRONT ZUR ALTSTADT ... 39
2.7 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER WAREN- UND KAUFHÄUSER ... 49
3. DISKUSSION ... 51
3.1 VERSCHIEDENE ALTERNATIVEN ZUR STÄDTEBAULICHEN SITUATION ... 51
3.2 BÜRGERMEINUNGEN UND KLAGEN: PRO UND CONTRA ZUR VERSETZUNG DES CARSCH HAUSES ... 57
3.3 VORGEHENSWEISE BEI DER VERSETZUNG (TRANSLOZIERUNG) ... 63
3.4 DYNAMISCHE DENKMALPFLEGE UND ENSEMBLE-SCHUTZ ... 68
4. STÄDTEBAULICHE SITUATION UND NUTZUNG DES CARSCH HAUSES NACH DER VERSETZUNG ... 73
4.1 DIE FASSADE ... 73
4.2 DER INNENRAUM ... 75
4.3 DER VORPLATZ ... 76
5. RESÜMEE ... 77
6. ANHANG ... 80
6.1 ZEITTAFEL – ÜBERSICHT ... 80
6.2 PLANUNGSDATEN ... 82
7. ABBILDUNGSVERZEICHNIS ... 84
8. LITERATURLISTE ... 88
1. Das Carsch Haus im Wandel der Zeit
Das Carsch Haus zählt in Düsseldorf neben dem Mannesmann (heute Vodafone) Verwaltungsgebäude von Peter Behrens und der inzwischen abgebrochenen Neuen Akademie von Karl Wach zu dem markantesten Beispiel des Neoklassizismus.
Das Carsch Haus wurde 1913/14 nach Plänen des Architekten Otto Engler im Zentrum von Düsseldorf neben dem bereits vorhandenen Kaufhof erbaut. Die vertikal gegliederte Fassade und die Einheit des Baukubus stehen ganz im Zeichen des Neoklassizismus, der kurz vor 1910 den Jugendstil abzulösen begann. Stil geschichtlich gesehen ist der Baukörper eine wichtige Quelle für das Neue Bauen, das in verstärktem Maße nach dem Ersten Weltkrieg zur Anwendung kam.1
Der Standort des Carsch Hauses verbindet die Altstadt mit dem moderneren Stadtzentrum, deshalb mussten die Vorder- und die Rückfront den jeweiligen Ansprüchen gerecht werden. Dieses Problem hatte der Architekt Otto Engler aber schon bei anderen Bauten erfolgreich gelöst. Und so gilt auch für das Carsch Haus, bestehenden Stadtstrukturen zur Zeit seiner Erbauung stand. Es fügte sich in die vorhandene Architektur problemlos ein und war kein Fremdkörper wie es oft bei Nachfolgebauten festzustellen ist.
Das Ensemble bestehend aus Kaufhof (Jugendstil), Carsch Haus (Neoklassizismus) und Wilhelm-Marx-Haus (Expressionismus) prägt das Düsseldorfer Stadtbild nachträglich. Trotz aller Veränderungen, die nicht nur die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs mit sich gebracht haben, sondern auch städtebauliche Veränderungen, die durch das stärker werdende Verkehrsaufkommen nötig wurden, hat dieses Ensemble überstanden.
1979 war die Verkehrssituation am Südende der Heinrich-Heine-Allee unbefriedigend. Das galt sowohl für die Nord-Süd-Führung von der Heinrich-Heine-Allee in die Kasernenstrasse als auch für die Fußgängerübergänge zwischen den Bereichen Corneliusplatz und Altstadt. Im Verlauf des folgenden U-Bahn Baus wurde eine Verbesserung der Verkehrsführung diskutiert und durchgeführt. Bei dieser Planung wurde einerseits der Aspekt der Verkehrsführung und der Stadtgestaltung berücksichtigt, andererseits wurde auch die Frage der Denkmalpflege berücksichtigt.2
Da sich das Carsch Haus zu dieser Zeit in einem desolaten Zustand befand, wurde diskutiert, ob sich eine Renovierung des Innen- und Außenraumes lohnen würde oder ob ein Abriss des Carsch Hauses in Frage käme.
Die an der Diskussion beteiligten Parteien waren sich einig, dass die Verkehrsführung verbessert werden musste, nur die Frage wie das geschehen sollte, führte zu Unstimmigkeiten. Die Lösungen der Verkehrsführung gingen alle von einer Diagonalführung von der Heinrich- Heine-Allee zur Kasernenstrasse aus und die geplante unterquerende U-Bahn-Südstrecke erforderte entweder die
Versetzung oder den Abriss des Gebäudes. Dabei war es nicht nur der U-Bahn-Bau, der das Carsch Haus in Gefahr brachte, sondern auch die geplante umfangreiche Unterwelt des geplanten Basement- und Tiefgaragengeschosses. Die Tiefgaragen sollten neben dem U-Bahnhof eine Entlastung der Innenstadt vom Autoverkehr bringen.3
Gleichzeitig jedoch sollte ein Zentrum entstehen, „in dem Leben ist. Eine Nutzung dieses Gebäudes nur durch gastronomische Betriebe ist nicht wünschenswert“4 .
Ein Abriss kam nicht ohne weiteres in Frage, da das Carsch Haus ein Kultur- und Bürgerzentrum im Herzen Düsseldorfs war und es Überlegungen gab das Carsch Haus in die Denkmalliste der Stadt Düsseldorf aufzunehmen.5
Auf Grund dieser Überlegungen entstand die Idee einer Versetzung – das Carsch Haus sollte von seinem bisherigen Standort weichen, ohne ganz aus dem Stadtbild Düsseldorfs zu verschwinden. Besondere Berücksichtigung fand dabei die Fassade, da sie zum einen einen wichtigen Bestandteil des dreiteiligen Ensembles - Kaufhof, Wilhelm-Marx-Haus, Carsch Haus - bildet und zum anderen diskutiert wurde, die Fassade unter Denkmalschutz zu stellen.
1979 wurde nach langen Diskussionen mit der Versetzung des Carsch Hauses begonnen. Unter hohem Kostenaufwand und mit Hilfe polnischer Arbeiter „wanderte“ das Gebäude 23 Meter Richtung Altstadt. Die Architekten Clasen und Langhals lieferten den stichhaltigsten Grund für die Versetzung und brachten gleichzeitig das Gegenargument für einen Abriss. Das „Carsch Haus soll am Platz und mit seinen Funktionen als Platz für kulturelle Aktivitäten und als Bürgerzentrum bestehen bleiben“6 .
Beim Thema Carsch Haus stießen verschiedene Interessengruppen aufeinander, die nur schwer zu koordinieren waren. Wirtschaftliche Interessen prallten hier auf kunsthistorische Fragen. Aus Sicht der Kunstgeschichte stellte sich die Frage, ob denkmalschützerische Aspekte genügend berücksichtigt wurden oder ob einfach die wirtschaftlichen Interessen überwogen haben und das Carsch Haus nur auf Grund des geplanten U-Bahn Baus nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde. Um diese Frage zu klären, wird zunächst ein Überblick über die Warenhausarchitektur des 19. bzw. den Anfängen des 20. Jahrhunderts gegeben, bevor dann ausführlich auf Bau und Lage des Carsch Hauses eingegangen wird.
Weiterhin ist es wichtig, die Diskussion über die Versetzung des Carsch Hauses und die anderen Möglichkeiten zu erörtern. Nicht zuletzt ist auch die Meinung der Öffentlichkeit in Betracht zu ziehen, denn schließlich müssen die Bürger/Menschen eine Entscheidung verstehen und mittragen, da sie die Veränderungen im Stadtbild unter Umständen tagtäglich zu sehen bekommen und auch die Finanzierung zu einem großen Teil - wenn auch nur indirekt über Steuern und Verkaufspreise – mit zu tragen haben.
Die Literaturlage ist, je spezieller auf das Carsch Haus eingegangen werden soll, sehr dürftig. Die Versetzung geschah durch eine polnische Firma, die heute nicht mehr existiert und deren gesamte Dokumentation der Arbeiten am Carsch Haus heute nicht mehr auffindbar ist bzw. weitgehend zerstört wurde. Lediglich einer der Bauingenieure ist heute noch in Düsseldorf anzutreffen, aber auch er hat keine Unterlagen mehr über die Versetzung des Carsch Hauses.
[...]
1 Vgl. Grunsky Dr., Eberhard. Gutachen Carsch-Haus. Düsseldorf. 19.2.1974, S. 1
2 vgl. Brief von Dr.-Ing. Recknagel an Herrn Regierungspräsidenten - Dezernat Kommunalaufsicht - 4000 Düsseldorf. Vom 07.07.1978:2
3 vgl. Clasen, Wolfgang Prof.Dr. / Langhals, Michael, Architekt, Düsseldorf, April 1978, S.5
4 Brief von Altstadt-Gemeinschaft e.V., 4 Düsseldorf, Flinger Straße 34, vom 07.07.78. An die Herren: Beigeordneter Dr.-Ing. Recknagel, Burgplatz 1 / Dipl.-Ing. Walter Steinkühler, Burgplatz 2 / Dipl.-Ing. Uhlendorf, Reuterkaserne 1b / Beirat und Vorstand der Altstadt-Gemeinschaft e.V. (2-5), S.4
5 vgl. Helmut Ott, Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege Düsseldorf, in einer Email vom 06.01.04
6 Clasen/ Langhals 1978:5
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