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Subjektwissenschaftliche Lerntheorie. Eine Einführung

Hauptseminararbeit, 2005, 28 Seiten
Autor: S. Fleißer, M./ Biber, S./ Strzelczyk
Fach: Pädagogik - Päd. Psychologie

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 28
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V51096
ISBN (E-Book): 978-3-638-47153-4
ISBN (Buch): 978-3-638-66143-0
Dateigröße: 198 KB

Zusammenfassung / Abstract

In seiner Monographie ‚Lernen – Subjektwissenschaftliche Grundlegung’ erarbeitet Klaus Holzkamp die „allgemeine Grundbegrifflichkeit einer Lerntheorie vom Standpunkt des Lernsubjekts und seiner genuinen Lebensinteressen“. Er schlüsselt das Lernen aus dem „Zusammenhang menschlichen Handelns im Kontext gesellschaftlicher Handlungsmöglichkeiten“ auf. (Vgl. Holzkamp 1995, S. 15) Ausgangspunkt der Theorieentwicklung ist die Kritik an traditionellen Lerntheorien, die nach Klaus Holzkamp Lernen als ein Lernen unter fremder Kontrolle verstünden und es mit einem reglementierten Lernen gleichsetzten. Zudem würden solche Ansätze ihre Theorien nur vom Standpunkt dritter Person her entwickeln, das Lernsubjekt bliebe dabei unberücksichtigt. (Vgl. ebd., S. 13) Des Weiteren werde der Zusammenhang zwischen individueller und gesellschaftlicher Reproduktion vernachlässigt und das Verhalten von Individuen wird als unmittelbar abhängig von den Bedingungen der sachlich-sozialen Umwelt betrachtet. (Vgl. Bannach, S. 11) Aus Sicht der Subjektwissenschaft lebt der Mensch allerdings nicht nur unter Bedingungen, sondern ist „aktiver Produzent seiner Lebensbedingungen“. Menschliches Handeln ist nach der Kritischen Psychologie „durch das Bedürfnis nach erweiterter Realitätskontrolle motiviert“ und stets intentional geplant. (Vgl. ebd., S. 13) Lernen gilt als intentionales, subjektives Handeln und dient der Realisierung der eigenen Selbständigkeit. Im Gegensatz zu den traditionellen Lerntheorien wird also nicht versucht, eine Theorie zu entwickeln, die das Verhalten des Lernenden vom Außenstandpunkt betrachtet, sondern es soll eine Theorie vom Standpunkt des Subjekts entwickelt werden. Wie dies im Detail aussehen kann, wird in der folgenden Ausarbeitung näher beleuchtet. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Einführung in die subjektwissenschaftliche Lerntheorie herauszuarbeiten.


Textauszug (computergeneriert)

Subjektwissenschaftliche Lerntheorie

von: Michael M. Fleißer, Sina Biber, Sebastian Strzelczyk

WS 2004 / 2005

 


Inhaltsverzeichnis

Vorwort  3

1. Einleitung  3

2. Grundlagen der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie  5

2.1 Subjektstandpunkt  5
2.2 Sachlich-soziale Gegenstandsbedeutungen  5
2.3 Subjektive Handlungsbegründungen  7

3. Lernen 9

3.1 Der Lernbegriff  9
3.2 Von der Handlungsproblematik zur Lernproblematik 10
3.3 Lernprinzip  11
3.4 Lernmotivation 11

4. Lerngegenstand  15

4.1 `Potentieller Lerngegenstand´ und `Stand des Vorgelernten´16
4.2 Verlaufsformen des Lernens  17

4.2.1 Problemlose Lernprozesse  17
4.2.2 Schwierigkeiten beim Lernprozess 18
4.2.3 `Qualitative Lernsprünge´ 20

4.3 Zusammenfassung 21

5. Das Lernsubjekt  22

5.1 Körperliche Situiertheit 23
5.2 a) Mental b)sprachliche Situiertheit 24
5.3 Personale Situiertheit (wo ich jetzt stehe)  25
5.4 Fazit 27

6. Schluss  28

Literatur  28


 

 

Vorwort

Im Kontext des Seminars „Grundlagen der Psychologie: Lernen“ haben wir uns mit dem Thema „Subjektwissenschaftliche Lerntheorie: Lernproblematik, Lerngegenstand und Lernsubjekt“, in Form eines Referats genauer beschäftigt. Der Ablauf des Seminars beinhaltete eine grundlegende Beschäftigung mit verschiedenen Lerntheorien, dabei wurde jeweils ein Bezug zu Klaus Holzkamp hergestellt, indem die jeweilige Kritik an den entsprechenden Theorien diskutiert wurde. Daran schloss sich unser Referat an und galt somit als erste Einführung in die subjektwissenschaftliche Lerntheorie. An diesem Vortrag wollen wir unsere Ausarbeitung orientieren. Insofern werden vor allem die Grundbegrifflichkeiten und grundlegende Elemente dieser Theorie dargestellt.

Die jeweiligen Teile der Ausarbeitung wurden folgendermaßen bearbeitet: Der erste Teil der Ausarbeitung (bis einschließlich Kapitel 3), der eine Einführung in die Lerntheorie Klaus Holzkamps darstellt, wurde von Sina Biber erstellt. Daran anschließend wurde von Sebastian Strzelczyk das 4. Kapitel zum Thema Lerngegenstände/ Lernprozesse bearbeitet. Kapitel 5, welches das Lernsubjekt zum Thema hat, wurde von Michael Fleißer erarbeitet. Die anderen Teile der Arbeit (Literaturverzeichnis und Schluss) wurden gemeinsam diskutiert und bearbeitet.

1. Einleitung

In seiner Monographie ‚Lernen – Subjektwissenschaftliche Grundlegung’ erarbeitet Klaus Holzkamp die „allgemeine Grundbegrifflichkeit einer Lerntheorie vom Standpunkt des Lernsubjekts und seiner genuinen Lebensinteressen“. Er schlüsselt das Lernen aus dem „Zusammenhang menschlichen Handelns im Kontext gesellschaftlicher Handlungsmöglichkeiten“ auf. (Vgl. Holzkamp 1995, S. 15) Ausgangspunkt der Theorieentwicklung ist die Kritik an traditionellen Lerntheorien, die nach Klaus Holzkamp Lernen als ein Lernen unter fremder Kontrolle verstünden und es mit einem reglementierten Lernen gleichsetzten. Zudem würden solche Ansätze ihre Theorien nur vom Standpunkt dritter Person her entwickeln, das Lernsubjekt bliebe dabei unberücksichtigt. (Vgl. ebd., S. 13) Des Weiteren werde der Zusammenhang zwischen individueller und gesellschaftlicher Reproduktion vernachlässigt und das Verhalten von Individuen wird als unmittelbar abhängig von den Bedingungen der sachlich-sozialen Umwelt betrachtet. (Vgl. Bannach, S. 11)

Aus Sicht der Subjektwissenschaft lebt der Mensch allerdings nicht nur unter Bedingungen, sondern ist „aktiver Produzent seiner Lebensbedingungen“. Menschliches Handeln ist nach der Kritischen Psychologie „durch das Bedürfnis nach erweiterter Realitätskontrolle motiviert“ und stets intentional geplant. (Vgl. ebd., S. 13) Lernen gilt als intentionales, subjektives Handeln und dient der Realisierung der eigenen Selbständigkeit. Im Gegensatz zu den traditionellen Lerntheorien wird also nicht versucht, eine Theorie zu entwickeln, die das Verhalten des Lernenden vom Außenstandpunkt betrachtet, sondern es soll eine Theorie vom Standpunkt des Subjekts entwickelt werden. Wie dies im Detail aussehen kann, wird in der folgenden Ausarbeitung näher beleuchtet. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Einführung in die subjektwissenschaftliche Lerntheorie herauszuarbeiten.

Dafür werden im ersten Teil (Kapitel 2), die gerade schon angedeuteten Grundlagen der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie erläutert. Daran anschließend (im 3. Kapitel) wird der Lernbegriff nach Holzkamp definiert und dargestellt, wie aus einer Handlungsproblematik eine Lernproblematik wird und weitere Aspekte des Lernens behandelt. Im 4. Kapitel wird der Ablauf des Lernens im Konkreteren dargestellt, indem auf den Lerngegenstand und den Lernprozess eingegangen wird. Für das Subjekt weitere wichtige Prämissen für das Lernhandeln werden im 5. Kapitel erläutert. Als Abschluss der Ausarbeitung werden wir versuchen, den Ertrag der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie für unser eigenes pädagogisches Handeln und Denken herauszustellen.

2. Grundlagen der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie

Wie in der Einleitung schon angemerkt, werden in der traditionellen Psychologie die Menschen von einer Außensichtweise erforscht – es wird davon ausgegangen, dass der Mensch von außen so beeinflusst wird, dass sein Verhalten vorhersehbar wird. Inwiefern dies von der Subjektwissenschaft widerlegt wird, wird in diesem Kapitel betrachtet.

2.1 Subjektstandpunkt

Die Subjektwissenschaft geht davon aus, dass ein Mensch die Welt, bzw. die gesellschaftlichen Verhältnisse nie als Ganzes erfasst, sondern immer nur einen ganz bestimmten Ausschnitt davon. Das bedeutet, dass jedes Subjekt eine ganz eigene „Ansicht der Welt“ hat und sich mit dieser ihm ganz eigenen Perspektive und seinen „Absichten, Plänen, Vorsätzen bewusst auf die Welt und sich selbst bezieht“, von seinem Standpunkt aus. Klaus Holzkamp bezeichnet das Subjekt auch als Intentionalitätszentrum, da diese Bezugnahme bewusst geschieht und sich ein Subjekt nicht (wie es andere psychologische Ansätze vertreten) gegenüber Reizen verhält bzw. nur auf diese reagiert. Andere Menschen werden demnach vom Subjekt ebenso als Intentionalitätszentren wahrgenommen, die sich ebenfalls von ihrem Standpunkt aus auf die Welt beziehen und von diesem aus handeln. (Vgl. Holzkamp 1995, S. 21)

2.2 Sachlich-soziale Gegenstandsbedeutungen

Diese Welt, auf die sich das Subjekt bezieht, steht ihm in Form von Bedeutungen gegenüber. Das heißt, dass alles was einem Menschen begegnen kann, in irgendeiner Form mehr als nur ein Gegenstand1 ist. Vielmehr steht hinter allem eine von der Gesellschaft geschaffene Bedeutung, denn jeder Gegenstand wurde zu einem bestimmten Zweck geschaffen, welcher wiederum durch Sozialisationsprozesse usw. vermittelt wird. „Die Welt, [...] ist aufgrund der in ihr durch gesellschaftliche Arbeit produzierten allgemeinen Gebrauchszwecke [...] sowie der dadurch konstituierten sozialen Verhältnisse für uns objektiv bedeutungsvoll – und zwar nicht im Sinne bloß sprachlicher Bedeutungen, sondern im Sinne von sachlich-sozialen >>Gegenstandsbedeutungen<< [...].“ (ebd., S. 22)

[...]


1 Ich gehe davon aus, dass Klaus Holzkamp den Begriff auch im Sinne von „Angelegenheit“ benutzt. Es handelt sich also nicht (nur) um Dinge, wenn dieser Ausdruck fällt, sondern es sind ebenso Personen, Berufe, verschiedenste Sachverhalte im sozialen Leben (Steuern, Landkarten,...), um nur ein paar Beispiele zu nennen, gemeint.


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