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Die Bedeutung von Komplexität in der Kulturvermittlung

Seminararbeit, 1997, 16 Seiten
Autor: Maritta Schwartz
Fach: Russistik / Slavistik

Details

Veranstaltung: Seminar: Methodologie: Komplexität und Kultur
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Seminar für Slavistik)
Tags: Bedeutung, Komplexität, Kulturvermittlung, Seminar, Methodologie, Komplexität, Kultur
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1997
Seiten: 16
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V5113
ISBN (E-Book): 978-3-638-13108-7

Dateigröße: 74 KB


Textauszug (computergeneriert)

Ruhr - Universität Bochum
Lotman Institut für russische und sowjetische Kultur

Seminar: Methodologie: Komplexität und Kultur

Thema: Die Bedeutung von Komplexität in der Kulturvermittlung

Hausarbeit

von

Maritta Schwartz

WS 1996/97

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Definitionen ... 3
   
2.1 Struktur ... 3
    2.2 System ... 3
    2.3 Komplexität ... 4
    2.4 Modell ... 5
    2.5 Kultur ... 5

3. Kultur und Komplexität ... 9

4. Kulturvermittlung und Komplexität ... 9

5. Bibliographie ... 16


1. Einleitung
Im dieser Hausarbeit soll die Bedeutung von Komplexität für die Kulturvermittlung herausgearbeitet werden. Als Grundlage dienen hierzu ein Aufsatz von Lotman zum Thema Kulturvermittlung im zweiten Band des Buches Semiotica sovietica, die Ergebnisse des Seminars sowie selbst Recherchiertes.

2. Definitionen
Um das Thema des Referates, die Bedeutung von Komplexität für die Kulturvermittlung, adäquat behandeln zu können, müssen zunächst die hierzu notwendigen Basiselemente definiert und in ihren Eigenschaften analysiert werden. Anschließend werden die Beziehungen zwischen Kultur und Komplexität sowie Vermittlung von Kultur erörtert.

2.1 Struktur
Dieser Begriff bezeichnet das Vorliegen einer Beziehung zwischen zwei Elementen, d.h. eine Verbindung zweier Elemente durch eine Funktion. Weiterhin bezeichnet es eine Beziehung, die durch bestimmte Verfahren der Markierung (z.B. Wiederholungen) nicht nur manifest, sondern auch in ganz bestimmter Weise organisiert ist, wie z.B. durch einen Code.1

2.2 System
Ein System bezeichnet ein Aggregat von Objekten und die Beziehungen zwischen den Objekten und ihren Relationen. Hierbei gilt, daß die Komplexität (Definition s.u.)des Systems steigt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: Zunahme der Anzahl der Gegenstände und ihrer Relationen innerhalb eines Systems, Zunahme der Anzahl der Parameter, die zur Beschreibbarkeit nötig sind, Verschiedenartigkeit der Relationen zwischen den Elementen. Trifft eine der Bedingungen zu, so ist die Komplexität bereits erhöht. Bei einem besonders hohen Maß an Komplexität können aber auch alle drei Faktoren erfüllt sein.

2.3 Komplexität
Die Ansätze zur Definition von Komplexität sind vielfältig und teilweise recht unterschiedlich. Im folgenden sollen diese Ansätze soweit erklärt werden, daß ein ausreichend umfassender Einblick in die Materie gegeben wird, der gleichzeitig begrenzt genug ist, um damit arbeiten zu können.

Die allgemeinste Definition ist sicherlich die, die Komplexität als Einheit des Mannigfaltigen bezeichnet. Der Ausdruck Einheit bedeutet in diesem Zusammenhang eine Abstraktion von den widersprüchlichen Tendenzen innerhalb des uneinheitlichen inneren Aufbaus von Kultur und stellt somit eine mittlere Größe dar.2

Ein weiterer Ansatz bezeichnet Komplexität als die Anzahl der Relationen zwischen den Elementen eines Systems und die Verschiedenartigkeit der Verknüpfungen. Je höher Anzahl und Verschiedenartigkeit der Relationen sind, desto komplexer ist ein System (siehe auch Definition System). Diese Relationen sind in der Regel nicht von einer einfachen linearen Kausalität, sondern sie stellen Wechselwirkungen dar. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer organisierten Kompliziertheit (Kompliziertheit bezeichnet die Anzahl der Elemente).3

Ein anderer Ansatz von Friedrich Cramer definiert die Komplexität eines Systems über seine Beschreibbarkeit. Demnach ist ein System um so komplexer, je mehr Parameter zu seiner Beschreibung nötig sind. Er unterscheidet weiterhin verschiedene Stufen bzw. Grade von Komplexität, die ein System haben kann und setzt diese in Bezug zur Prognostizierbarkeit. So ist eine statische Komplexität in einem System intrinsisch und wird als unveränderlich angesehen, während die aufgeprägte dynamische Komplexität sich räumlich oder zeitlich verändern kann. Im ersten Fall ist eine Prognose gut möglich, im zweiten schon schwieriger.

Cramer unterscheidet weiterhin die subkritische Komplexität. Dies sind Systeme, in denen eine gewisse Vielfalt herrscht, die jedoch durch mathematische Gesetze so vereinfacht werden kann, daß man eine deterministische Komplexität erhält, die eine exakte Prognose erlaubt.

Bei der kritischen Komplexität sind der Prognose praktische Grenzen gesetzt, jedoch keine grundsätzlichen.

Als letzte Stufe nennt er fundamental-komplexe Systeme. Diese haben trotz deterministischer Ausgangsbedingungen indeterministische oder chaotische Lösungen. Diese Systeme sind in Modellen kaum darstellbar, da die Modelle dazu ähnlich groß sein müssen wie das System selbst. Allgemein stellt er fest, daß in jedem Fall das Ganze immer weit mehr ist als seine Teile.4

[...]

1 Karl Eimermacher; „Zur Entstehungsgeschichte einer deskriptiven Semiotik in der Sowjetunion“ in: Eimermacher, K. (ed.); Semiotica Sovietica, Bd. 1, 1986.(S. 41)

2 Lotman, Jurij; “Das Problem der Kulturvermittlung als ihr typologisches Charakteristikum“ in: Eimermacher, K. (ed.); Semiotica Sovietica, Bd. 2, 1986. (S. 849) Ritter, J.; Gründer, K. (eds.); Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 4, Darms tadt 1976. (Sp. 939ff.)

3 Ebenda Sp.939 ff. Bertalanffy, L. von; „Vorläufer und Begründer der Systemtheorie“ in: Kimmich, D. et al.; Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, Stuttgart 1996. (S. 379ff.)

4 Cramer, Friedrich; Chaos und Ordnung. Die komplexe Struktur des Lebendigen, Stuttgart 1988.
(S. 275-281)


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