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Der Dilettant als Kontrolleur der Wissenden oder Zur politischen Führung in Max Webers Bürokratietheorie

Autor: Dominik Jesse
Fach: Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 181 KB
Archivnummer: V51132
ISBN (E-Book): 978-3-638-47181-7
ISBN (Buch): 978-3-638-77552-6

Zusammenfassung / Abstract

Seit Anbeginn der ersten bescheidenen Formen von Verwaltung in den frühesten Tagen menschlicher Zivilisation ist diese immer wieder problemhaft im Verhältnis zu den Herrschenden aufgetreten; das Verhältnis von Bürokratie und Führung war immer auch ein gespanntes. Die Entwicklung des modernen Staates, der ohne die okzidentale Auffassung des Rechts und die Bürokratie nicht möglich gewesen wäre (Eisermann), ließ die Frage nach der eigentlichen Macht der Bürokratie dringender werden, den Zweifel an der Bürokratie als lediglich neutrales Instrument der Herrschenden wachsen und die Befürchtungen, sie entfalte vielmehr eine Eigendynamik, gegen die sich die staatlichen Herrscher kaum durchsetzen können, augenscheinlich werden? Den wohl umfassendsten Ansatz zur Klärung dieser Aspekte finden wir nun bei Max Weber, der mit seiner idealtypischen Darstellung der Bürokratie und ihrem Verhältnis zur politischen Macht an Diskussionen anknüpfte, die die nur schwer realisierbaren Kontrollmöglichkeiten einer Bürokratie durch eine gewählte Volksvertretung thematisierten und neben Forderungen, die ausgebildeten Beamten der Bürokratie, die sich zunehmend dem Willen der Herrschenden entzieht, Volksvertretern zu unterstellen, oder in der Verwaltung auch ehrenamtlich tätige Beamte anzustellen, die eine Art Direktkontrolle über die Bürokraten durch das Volk ausüben sollten, auch als drastischste Maßnahme die Abschaffung der Bürokratie forderten; letzteres in Webers Augen freilich unmöglich. Bei ihm finden wir nicht nur eine kritische Behandlung der Bürokratie, die in engstem Zusammenhang mit der Frage nach Art, Ursprung und Wirkungsweise der politischen Führung bearbeitet wurde, sondern auch eine Erklärung zu der wohl drängendsten Frage, wie angesichts der steigenden Unentbehrlichkeit und der dadurch bedingten steigenden Machstellung des staatlichen Beamtentums Mächte vorhanden sein können, die die ungeheure Übermacht dieser stets an Bedeutung wachsenden Schicht in Schranken halten und sie wirksam kontrollieren. Weber beantwortet diese Frage, indem er den Laien affirmiert, den Nicht-Fachmann, den Politiker als leitende Figur im Beamtenapparat und damit als Gegengewicht zum bürokratischen „stahlharten Gehäuse“.

Textauszug (computergeneriert)

Der Dilettant als Kontrolleur der Wissenden oder Zur
politischen Führung in Max Webers Bürokratietheorie

von: Dominik Jesse

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 03

I. Die Gefahr der zunehmenden Bürokratisierung 04

I. 1 Die Rationalisierung der modernen Lebensverhältnisse 04
I. 2 Politik und Bürokratie im Rahmen legal-rationalistischer Herrschaft 04

I. 2. 1 Max Webers Herrschaftstypologie 04
I. 2. 2 Die Überlegenheit der Bürokratie in der legal-rationalistischen Herrschaft 05
I. 2. 3 Die Politik in der legal-rationalistischen Herrschaft 06

II. Webers Ansätze zur Kontrollierung der Bürokratie 07

II. 1 Der charismatische Führer an der Spitze der Bürokratie 07
II. 2 „Idealer“ Beamter versus „idealen“ politischen Führer 07
II. 3 Bedingungen für eine bürokratische Usurpation 09
II. 4 Die Möglichkeiten der politischen Führung – Die Parteien 10
II. 5 Die zwei die Bürokratie kontrollierenden Größen: Monarch und Parlament 12

II. 5. 1 Der Monarch 13
II. 5. 2 Das Parlament 13

Zusammenfassung 17

Bibliographie 18




 

Einleitung

Seit Anbeginn der ersten bescheidenen Formen von Verwaltung in den frühesten Tagen menschlicher Zivilisation ist diese immer wieder problemhaft im Verhältnis zu den Herrschenden aufgetreten; das Verhältnis von Bürokratie und Führung war immer auch ein gespanntes. Die Entwicklung des modernen Staates, der ohne die okzidentale Auffassung des Rechts und die Bürokratie nicht möglich gewesen wäre (Eisermann 1993: 119), ließ die Frage nach der eigentlichen Macht der Bürokratie dringender werden, den Zweifel an der Bürokratie als lediglich neutrales Instrument der Herrschenden wachsen und die Befürchtungen, sie entfalte vielmehr eine Eigendynamik, gegen die sich die staatlichen Herrscher kaum durchsetzen können, augenscheinlich werden? Den wohl umfassendsten Ansatz zur Klärung dieser Aspekte finden wir nun bei Max Weber (1864-1920), der mit seiner idealtypischen Darstellung der Bürokratie und ihrem Verhältnis zur politischen Macht an Diskussionen anknüpfte, die die nur schwer realisierbaren Kontrollmöglichkeiten einer Bürokratie durch eine gewählte Volksvertretung thematisierten und neben Forderungen, die ausgebildeten Beamten der Bürokratie, die sich zunehmend dem Willen der Herrschenden entzieht, Volksvertretern zu unterstellen, oder in der Verwaltung auch ehrenamtlich tätige Beamte anzustellen, die eine Art Direktkontrolle über die Bürokraten durch das Volk ausüben sollten, auch als drastischste Maßnahme die Abschaffung der Bürokratie forderten (Kieser 1999: 40f) - letzteres in Webers Augen freilich unmöglich. Bei ihm finden wir nicht nur eine kritische Behandlung der Bürokratie, die in engstem Zusammenhang mit der Frage nach Art, Ursprung und Wirkungsweise der politischen Führung bearbeitet wurde (Mayntz 1971: 33), sondern auch eine Erklärung zu der wohl drängendsten Frage, wie angesichts der steigenden Unentbehrlichkeit und der dadurch bedingten steigenden Machstellung des staatlichen Beamtentums Mächte vorhanden sein können, die die ungeheure Übermacht dieser stets an Bedeutung wachsenden Schicht in Schranken halten und sie wirksam kontrollieren (Weber 1988: 333). Weber beantwortet diese Frage, indem er den Laien affirmiert, den Nicht- Fachmann, den Politiker als leitende Figur im Beamtenapparat und damit als Gegengewicht zum bürokratischen „stahlharten Gehäuse“. In der folgenden Abhandlung nun soll sich diesem Thema eingehend gewidmet und Webers Argumentation, die den Politiker als Führer der Verwaltung anführt, dargelegt werden.

I. Die Gefahr der zunehmenden Bürokratisierung

I. 1 Die Rationalisierung der modernen Lebensverhältnisse

Um Webers Haltung zur Bürokratie zu begreifen, muss auf sein zentrales Interesse am Prozess der Rationalisierung der Lebensverhältnisse hingewiesen werden, in dessen Zusammenhang er die Bürokratie stellt. Diese Rationalisierung, mit der er die sich historisch steigernde menschliche Fähigkeit meint, sich mit der natürlichen und sozialen Umwelt geistig und gestaltend auseinanderzusetzen, sah er auf drei Ebenen voranschreiten: auf der Ebene der praktischen Lebensführung, der Weltbilder, und der Institutionen (Kieser 1999: 39). Die Rationalisierung der modernen Lebensverhältnisse, die Weber zu den allein im Okzident entstandenen Besonderheiten westlicher Gesellschaften rechnete, meint Langfristerscheinungen wie Verwissenschaftlichung, Technisierung, Professionalisierung, Ökonomisierung und vor allem auch die Bürokratisierung, wobei er zur letzten Erscheinung ausführt, dass gut geschulte und erfahrene Fachbeamte zwar auch in nicht-europäischen Kulturen existierten, aber eben nicht die absolut unentrinnbare Gebanntheit unserer ganzen Existenz in das Gebäude einer fachgeschulten Beamtenorganisation (Walter-Busch 1996: 95f). Dafür sind zwei Aspekte von besonderer Bedeutung: Erstens korrespondiert die Rationalisierung auf institutioneller Ebene, die zunehmende Berechenbarkeit und Beherrschbarkeit der Probleme der natürlichen und sozialen Welt durch Wissenschaft, Technik und Organisation also, mit der der rationalen Weltbilder, wo magische Elemente zugunsten religiöser und religiöse zugunsten abstrakter zurückgedrängt wurden, bevor schließlich die religiöse Ethik vollends ihre Verbindlichkeit einbüßte (Kieser 1999: 42). Zweitens entwickelt Weber im Sinne der Rationalisierung der Institutionen die Idealtypen der Herrschaft, die einen jeweils anderen, ungleich höheren Grad an Rationalität hervorheben und die Rationalisierung auch der Herrschaft mit der Entstehung der universalen Bürokratie in Verbindung bringen (Eisermann 1993: 122).

I. 2 Politik und Bürokratie im Rahmen legal-rationalistischer Herrschaft

I. 2. 1 Max Webers Herrschaftstypologie

Max Weber entwickelte sein Modell der Bürokratie im Zusammenhang mit seiner Herrschaftssoziologie, die drei (idealtypisch) reine Formen legitimer Herrschaft unterscheidet: die charismatische, die traditionale und die legale Herrschaft (1985b: 124). Dabei stellt das Konstruktionsprinzip der Herrschaftstypologie eine Differenzierung der Herrschaft nach bestimmten Geltungsgründen dar, die immer dann vorliegen, wenn sich das soziale Handeln an der Vorstellung vom Bestehen einer legitimen Ordnung orientiert. Weber lässt andere Motive zwar auch als Grundlage von Herrschaftsgebilden gelten, hält sie aber bei weitem nicht für so stabil und dauerhaft, wie die Arten von Herrschaft, die bei den Beherrschten den Glauben an die Vorbildlichkeit der etablierten Ordnung zu wecken vermögen (1985b: 122). Sind Machtkampf und Probleme der Führung in den ersten beiden Herrschaftsformen noch relativ ähnlich und vorrationell, sind sie dies in der legalen (rationellen) Herrschaft nicht mehr, denn in ihr beruht die Legitimitätsgeltung „auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen“. So gehorcht man unter einer legal-rationalistischen Herrschaft einer unpersönlichen Ordnung, d.h. den formal legalen Satzungen Vorgesetzter (1985b: 124f). Die Rationalisierung der Herrschaft, die eine Entstehung des modernen Staates erst möglich machte, bedingte folglich auch eine Rationalisierung der Verwaltung (Eisermann 1993: 122).

I. 2. 2 Die Überlegenheit der Bürokratie in der legal-rationalistischen Herrschaft

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